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Gegen vier tränkte er Sport und Ambroses Braunen, als Lärm und Staub sich nähernde Reiter ankündigten. Prevos Trupp galoppierte Richtung Norden vorbei. Der Lieutenant winkte. Charles winkte zurück. Dann waren die blauen Reiter hinter dem Haus verschwunden.

Der Farmer und seine Frau luden die Kavalleristen zum Abendessen ein. Sie stimmten zu, um so bereitwilliger, als Augusta Barclay den Vorschlag unterstützte. Charles wusch sich, gerade als die Sonne versank und die Hitze des Tages nachließ. Eine erfrischende Brise wehte durchs Haus, als sie sich zu einem schlichten Mahl niedersetzten.

Der alte Farmer versuchte schüchtern, ein Gespräch in Gang zu bringen, und sagte zu Ambrose: »Ein schönes Pferd, das Sie da reiten.«

»Jawohl, Sir. Die Reitpferde aus South Carolina sind die besten der Welt.«

»Lassen Sie das keinen Virginier hören«, meinte Augusta.

»Amen«, sagte Charles. »Ich hab’ langsam das Gefühl, gewisse Leute in diesem Teil des Landes glauben, Virginia hätte das Pferd erfunden.«

»Wir sind mächtig stolz auf Männer wie Turner Ashby und Colonel Stuart«, sagte die Frau des Farmers und reichte die Bohnen herum. Es war ihre einzige Bemerkung während des Essens.

Ambrose ließ seine zweite Kartoffel verschwinden. »Da stimme ich mit Charlie überein. Die Leute aus Virginia bringen es leicht fertig, daß man sich wie ein Außenseiter vorkommt, da benötigen sie nicht mehr als ein Wort oder einen Blick dazu.«

Augusta lächelte. »Ich kenne den Typ. Aber wie der Dichter sagte, Lieutenant, Irren ist menschlich. Vergeben göttlich.«

»Sie mögen Shakespeare, nicht wahr?« fragte Charles.

»Das tue ich, aber ich habe eben Alexander Pope zitiert, den klassischen Satiriker. Er ist mein Lieblingsschriftsteller.«

»Oh.« Seine Dummheit bereuend, spießte Charles mit seiner Gabel schnell ein Stück Schinken auf. »Die beiden verwechsle ich immer. Ich fürchte, ich komme nicht dazu, viele Gedichte zu lesen.«

»Ich besitze fast alles, was Pope je geschrieben hat«, sagte sie. »Er war unglaublich witzig und geistreich, aber in vieler Hinsicht auch sehr traurig. Er war nur knapp eins vierzig groß, mit einem deformierten Rückgrat. Er wußte über das Leben Bescheid, aber er konnte den Schmerz verdrängen, indem er sich darüber lustig machte.«

»Ich verstehe.« Die beiden gemurmelten Worte blieben in dem Schweigen hängen. Er kannte Pope nur dem Namen nach, aber nun glaubte er, die Frau besser zu kennen. Welcher Schmerz versteckte sich hinter ihrem Spott und ihren Sticheleien?

Der Farmer erkundigte sich bei Augusta, wann und wie das Chinin nach Richmond gebracht werden würde. »Morgen früh soll es von einem Mann geholt werden«, erwiderte sie.

»Nun, im leerstehenden Zimmer ist Ihr Bett gemacht«, rief die Frau aus der Küche. »Captain, bleiben Sie ebenfalls über Nacht hier? Ich kann Strohsäcke ins Wohnzimmer legen.«

Pflichtgefühl und persönliche Wünsche zogen ihn in verschiedene Richtungen. Ambrose wartete einen Hinweis seines Vorgesetzten ab, aber da nichts kam, sagte er: »Gegen eine gute Nachtruhe hätte ich nichts einzuwenden. Vor allem, wenn Sie mir erlauben, dieses Melodium im Wohnzimmer auszuprobieren.«

»Aber natürlich«, sagte der Farmer erfreut.

»Also gut«, sagte Charles. »Wir bleiben.«

Augustas Lächeln blieb zurückhaltend. Aber es schien aufrichtig gemeint.

Die Farmersfrau brachte einen Steinkrug mit ausgezeichnetem Apfelschnaps. Charles trank davon, Augusta ebenfalls. Sie saßen sich auf Stühlen gegenüber, während Ambrose mit dem alten Instrument herumexperimentierte. Bald schon stimmte er eine lebhafte Melodie an.

»Sie spielen gut«, sagte Augusta. »Ich mag diese Melodie, kenne sie aber nicht.«

»Sie heißt ›Dixie’s Land‹.«

»Letzten Herbst, als Abe zur Wahl stand, haben sie es überall im Norden gespielt«, ergänzte der Farmer. »Die Republikaner sind dazu marschiert.«

»Kann sein«, stimmte Ambrose zu. »Aber die Yankees verlieren das Lied genauso schnell, wie sie den Krieg verlieren werden. In den Camps um Richmond singt und spielt das jeder.«

Die lebhafte Musik ging weiter. Augusta sagte: »Erzählen Sie mir ein bißchen was über sich, Captain Main.«

Er wählte seine Worte mit Bedacht, auf der Hut vor ihren lächelnden Sarkasmen. Er erwähnte West Point, faßte mit wenigen Sätzen seinen Dienst in Texas, seine Freundschaft mit Billy Hazard und seine Zweifel bezüglich der Sklaverei zusammen.

»Nun, ich habe auch nie an diese Institution geglaubt. Als mein Mann vor einem Jahr starb, da stellte ich Freibriefe für seine beiden Sklaven aus. Gott sei Dank blieben sie bei mir. Sonst wäre ich gezwungen gewesen, die Farm zu verkaufen.«

»Was bauen Sie an?«

»Hafer. Tabak. Ich erledige einen Teil der Feldarbeit; mein Mann hatte mir das stets verboten, weil es nicht weiblich sei.«

Wie blond und sanft sie im Schein der Lampe aussah. Nicht weiblich? Hatte sie einen Verrückten geheiratet?

»Ihr Mann war Farmer, nehme ich an?«

»Ja. Er hat sein ganzes Leben auf dem gleichen Besitz verbracht – wie sein Vater vor ihm. Er war ein anständiger Mann, freundlich mit mir, obwohl er Büchern, Poesie, Musik sehr mißtrauisch gegenüberstand.« Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort: »Sieben Monate, nachdem seine Frau gestorben war, nahm ich seinen Antrag an. Er starb auf die gleiche Weise wie sie. Influenza. Er war dreiundzwanzig Jahre älter als ich.«

»Aber auch so müssen Sie ihn geliebt haben.«

»Ich mochte ihn; geliebt hab’ ich ihn nicht.«

»Wie konnten Sie ihn dann heiraten?«

»Ah – ein weiterer Jünger des romantischen Sir Walter. Die Virginier beten ihn kaum weniger an als den Herrn und George Washington.« Schnell leerte sie ihr Glas. Das kämpferische Funkeln kehrte in ihre Augen zurück. Er hatte ein deformiertes Rückgrat. Er konnte den Schmerz verdrängen, indem er sich darüber lustig machte.

»Die Antwort auf Ihre Frage ist schlicht und unromantisch, Captain. Mein Vater und meine Mutter waren tot, und mein einziger Bruder ebenfalls. Ein Jagdunfall kostete ihn das Leben, als er sechzehn und ich zwölf war. Als Barclay mit seinem Antrag kam, dachte ich eine Stunde darüber nach und sagte dann ja.« Sie starrte in ihr leeres Glas. »Ich dachte, kein anderer würde je um meine Hand anhalten.«

»Wieso, natürlich würde jemand«, sagte er sogleich. »Sie sind eine hübsche Frau.«

Sie sah ihn an. Wie Blitze funkelten die Gefühle zwischen ihnen auf.

Ihr kleiner Mund kräuselte sich, ein Lächeln der Verteidigung, dann erhob sie sich abrupt. Ihre großen Brüste spannten den Stoff ihres Kleides. »Das ist sehr galant von Ihnen, Captain. Ich weiß, daß ich nicht hübsch bin, aber ich habe es mir immer gewünscht. Und jetzt bin ich müde. Gute Nacht.«

Er stand auf. »Gute Nacht.« Als sie außer Sicht war, sagte er zu Ambrose: »Die tollste Frau, der ich je begegnet bin.«

Ambrose legte das Akkordeon beiseite und grinste. »Laß dich nicht hinreißen, Charlie. Der Colonel wünscht, daß du dich um die Geschäfte kümmerst.«

»Sei kein Idiot«, sagte er, wie er hoffte, voller Überzeugung.

Charles schlief gut und erwachte bei Anbruch der Morgendämmerung, voll ungewohnter Energien. Seit Monaten hatte er sich nicht mehr so gut gefühlt. Augusta half der Farmersfrau in der Küche, Eier und Schinken zu braten. »Guten Morgen, Captain Main.« Ihr Lächeln schien herzlich und aufrichtig. Er antwortete ebenso.

Bald saßen sie alle beim Frühstück. Ambrose reichte Charles einen noch warmen Laib Brot, als sie einen Reiter im Hof hörten. In seiner Hast stieß Charles seinen Stuhl um. Augusta, die zu seiner Rechten saß, berührte sein Handgelenk.

»Ich nehme an, es ist der Mann aus Richmond. Kein Grund zur Besorgnis.«

Ihre Finger, schnell zurückgezogen, ließen ihn innerlich erbeben. Ich benehme mich wie ein verdammter Schuljunge, dachte er, als der Farmer den Besucher einließ. Augusta starrte mit geröteten Wangen auf ihren Teller, als könnte er jeden Moment wegfliegen.