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»Laß ihn in Ruhe, Cuffey. Er hat dir nichts getan – «

»Pfoten weg, Nigger. Er hat mich gestoßen.«

»Du hast gestoßen«, erwiderte ein Sklave namens Percival schwach.

Unbemerkt von den Zuschauern hatte sich Orry genähert und brüllte: »Schluß jetzt!«

Die Menge wich zurück, und er sah Cuffey, zerlumpt und mürrisch, breitbeinig über Percivals Beinen stehend. Der zierliche Sklave war gegen ein Wagenrad gefallen oder gestoßen worden. Andy stand einen Meter hinter Cuffey. Er trug saubere Kleidung, wie alle anderen auch. Für Mont Royal war es ein besonderer Tag. Orry ging geradewegs auf Cuffey zu.

»Heute ist mein Hochzeitstag, und ich dulde keine Störungen. Was ist hier passiert?«

»Dieser Nigger hat Schuld«, erklärte Percival und zeigte auf Cuffey. Andy half ihm noch. »Kam rein, da hatte der Prediger schon angefangen, und wir hörten alle zu. Er kam zu spät, aber er wollte besser sehen, da stieß und schob er mich.«

Cuffey saß in der Falle, was ihn noch wütender machte. Haß leuchtete in seinen Augen auf, bevor er den Blick abwandte. »Hab’ nich’ gestoßen. Hab’ mich nich’ gut gefühlt – so schwindelig. Bin bloß gestolpert, hab’ ihn umgestoßen. Hab’ mich nich’ gut gefühlt«, wiederholte er lahm.

Über die spöttischen Zurufe der anderen hinweg sagte Percivaclass="underline" »Hat schon Gefühle, bloß gemein und bösartig, wie an jedem anderen Tag. Sonst ist alles in Ordnung mit ihm.« Wie es das Protokoll verlangte, blickte Orry seinen Vorarbeiter an.

»Percival hat recht«, sagte Andy.

»Cuffey, schau mich an.« Als er es tat, fuhr Orry fort: »Doppelte Arbeit eine Woche lang. Die nächste Woche das Anderthalbfache. Sorg dafür, daß er es macht, Andy.«

»Werd’ ich, Mr. Orry.«

Cuffey kochte vor Wut, wagte aber nichts zu sagen. Orry wirbelte herum und stampfte zurück ins Haus.

Kurz darauf reichten er und Madeline sich die Hände, während der Pfarrer sagte: »Möget ihr in diesem Leben so zusammenleben, auf daß euch in der kommenden Welt das ewige Leben geschenkt werde. Amen.«

In ihrem Schlafzimmer griff Madeline durch die Dunkelheit nach ihm. »Meine Güte, man könnte glauben, der Bräutigam sei noch nie zuvor mit der Braut zusammengewesen.«

»Als Ehemann ist er das auch noch nicht«, sagte Orry neben ihr; seine behaarten Beine berührten ihre weichen, glatten Schenkel. Die Spitzen ihrer Brüste waren so dunkel wie ihr Haar und ihre Augen; ihr restlicher Körper war wie aus Marmor.

Sie legte beide Arme um ihn und küßte ihn. »Oh Gott, ich liebe dich so.«

»Ich liebe Sie, Mrs. Main.«

»Es ist Wirklichkeit, nicht wahr? Ich hätte nie gedacht – « Sie lachte leise. »Mrs. Main. Wie großartig das klingt.«

Ein weiterer, glühender Kuß, seine Hand an ihrer Brust.

»Tut mir leid, was heute während der Trauung passiert ist. Ich sollte Cuffey verkaufen, damit er keinen Ärger macht, wenn ich in Richmond bin.«

»Dann wird Mr. Meek da sein. Er wird schon mit ihm fertig werden.«

»Ich weiß, aber – «

»Liebling, mach dir doch nicht solche Sorgen.« Sie berührte ihn mit ihrer Hüfte; ihr Mund murmelte dicht an seinem Gesicht: »Nicht heute nacht. Ein Ehemann hat gewisse Pflichten, weißt du.«

Hinterher, schon fast im Halbschlaf, riß sie ein wilder, rauher Ton draußen in der Nacht hoch. »Guter Gott, was war das?« Wieder ertönte der Schrei, rollte als Echo davon. Unten rief ein Hausmädchen eine ängstliche Frage. Der Schrei wiederholte sich nicht.

Madeline schauderte. »Klang wie irgendein wildes Tier.«

»Es ist Panthergebrüll. Das heißt, die Imitation davon. Gelegentlich machen das die Neger, um die Weißen zu erschrecken.«

»Hier gibt es niemanden, der sowas machen würde – « Sie hielt inne und preßte sich, erneut schaudernd, gegen seinen Rücken.

30

Erregung erfüllte Washington an diesem Abend. Das Knirschen und Rumpeln von Wagen schallte durch die Stadt, der Klang donnernder Hufe, die gebrüllten Lieder der Regimenter, die zu den Virginia-Brücken marschierten. Es war Montag, der 15. Juli.

George hatte den Tag damit zugebracht, hundert persönliche Kleinigkeiten zu regeln, die zur Vorbereitung der Ankunft von Constance und den Kindern nötig schienen. Gegen halb zehn betrat er den Hauptspeisesaal bei Willard’s. Sein Bruder winkte von einem ziemlich in der Mitte stehenden Tisch.

George kam sich steif und lächerlich vor in dem Aufzug, der für Generalstabsoffiziere vorgesehen war: Goldstreifen, zusätzliche Tressen, Messingadler, schwarze Kokarde. Er hatte den billigsten vorschriftsmäßigen Säbel gekauft, eine Blechwaffe, nur gut zu Dekorationszwecken. Das machte nichts, er würde ihn ohnehin so selten wie möglich tragen; genau wie den verdammten Hut.

Es schien merkwürdig, wieder in Uniform zu stecken. Und noch merkwürdiger, seinen eigenen Bruder in Kriegszeiten in einem Hotel zu begrüßen. George hatte eine Nachricht hinüber nach Alexandria geschickt, und sie war tatsächlich durchgekommen.

»Gott bewahre – welche Eleganz!« sagte Billy, als George sich setzte. »Und wie ich sehe, besitzen Sie einen höheren Rang als ich, Captain.«

»Kein Wort mehr davon, oder ich bringe dich zur Meldung«, knurrte George gutgelaunt. »Nächsten Monat werde ich wahrscheinlich schon Major sein. Jeder im Ministerium soll um ein oder zwei Ränge befördert werden.«

»Wie gefällt’s dir bis jetzt im Waffenamt?«

»Gar nicht.«

»Warum um alles in der Welt?«

»Wir alle müssen gelegentlich Dinge tun, die uns nicht gefallen. Ich glaube, ich kann mich im Ministerium nützlich machen. Sonst wär’ ich nicht dort.«

Sie gaben ihre Bestellung auf, und dann sagte Billy: »Vielleicht, George, bekommst du gar nicht erst die Chance, irgendwas im Ministerium zu tun. Ein schneller Schlag gegen Richmond, und alles könnte vorbei sein. McDowell marschiert heute nacht.«

George nickte: »Man müßte taub und blind sein, um das nicht zu merken. Ich bekam von Stanley eine Vorwarnung. Wir haben heute mittag zusammen gespeist.«

Billy schaute schuldbewußt drein. »Hätten wir ihn heute abend einladen sollen?«

»Ja, aber ich bin froh, daß wir es nicht getan haben. Davon abgesehen würde ihn Isabel wahrscheinlich gar nicht aus dem Haus lassen.«

George paffte an seiner Zigarre.

»Mit wie vielen Männern marschiert McDowell in Virginia ein?« fragte Billy.

»Ich hörte was von dreißigtausend.« Wieder paffte er. »Ich bin sicher, die genaue Zahl wird morgen in den Zeitungen stehen. Wir können Old Bory um Bestätigung anschreiben. Man sagte mir, er bekomme die Lokalzeitungen täglich per Kurier geliefert.«

Der Kellner brachte dampfende Schüsseln mit großen Austern in einer milchigen Brühe.

»Ich sag’ dir was«, fuhr George fort, während er seine Zigarre beiseite legte und zu löffeln begann. »Um den Krieg schneller zu beendigen, würde ich sämtliche Schwarzen bewaffnen, die vom Süden hereinströmen.«

»Du würdest ehemalige Negersklaven bewaffnen?«

Billys Empörung überraschte George. Er zuckte die Schultern. »Warum nicht? Ich denke, sie würden härter kämpfen als mancher der weißen Gentlemen, die sich hier in der Stadt herumdrücken.«

»Aber sie sind keine Bürger. Der Fall Dred Scott hat das klargestellt.«

»Stimmt – wenn du diese Entscheidung für richtig hältst. Ich tue das nicht.« Er beugte sich über den Tisch. »Billy, Sezession war das Pulver, das hochging und diesen Krieg auslöste, aber die Zündschnur dazu war die Sklaverei. Sollte es den Schwarzen nicht erlaubt sein, für ihre eigene Sache zu kämpfen?«

»Vielleicht. Ich meine, du magst politisch recht haben, aber ich kenne die Armee. Es würde zu Gewalttaten kommen, wenn du Negertruppen einführst. Der Wechsel wäre zu drastisch.«

»Du meinst, weiße Soldaten hätten kein Vertrauen zu farbigen Soldaten?«