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Stanley kehrte an seinen Schreibtisch zurück, konnte sich aber nicht auf seine Arbeit konzentrieren. Er mußte eine gewisse Distanz zwischen sich und seinen alten Mentor legen. Wie? Ihm fiel nichts ein. Er mußte das Problem mit Isabel besprechen. Sie würde wissen, was er zu tun hatte.

Doch an diesem Abend war sie nicht in der Laune dafür. Er fand sie beim Zeitungslesen, kochend vor Wut.

»Was ärgert dich so, mein Liebes?«

»Unsere süße, durchtriebene Schwägerin. Sie schmeichelt sich genau bei den Leuten ein, mit denen wir Umgang pflegen sollten.«

»Stevens und dieses Volk?«

Isabel nickte heftig.

»Was hat Constance getan?«

»Sie hat wieder mit ihrem Abolitionistenwerk begonnen. Sie und Kate Chase fungieren als Gastgeberinnen bei einem Empfang für Martin Delany.« Der Name sagte ihm nichts, was seine Frau nur noch wütender machte. »Oh, sei doch nicht so schwerfällig, Stanley. Delany ist der Niggerdoktor, der diesen Roman schrieb, der vor ein paar Jahren jedermann so in Begeisterung versetzte. Blake; so hieß der Roman. Er rennt in afrikanischer Kleidung herum und hält Vorlesungen.«

Jetzt erinnerte sich Stanley. Vor dem Krieg hatte Delany die Idee eines neuen afrikanischen Staates vertreten, in den seiner Meinung nach die amerikanischen Neger emigrieren sollten. Delanys Plan rief die Schwarzen dazu auf, in Afrika Baumwolle anzupflanzen und dann im freien Marktwettbewerb den Süden in den Bankrott zu treiben.

Stanley griff nach der Zeitung, fand die Ankündigung des Empfangs und las die Gästeliste. Seine feuchten, dunklen Augen reflektierten das helle Gaslicht, als er vorsichtige sagte: »Ich weiß, daß du die Farbigen und ihre Förderer nicht ausstehen kannst. Aber du hast recht, wir sollten vielleicht den wichtigen Pro-Abolitionisten, die diese Party besuchen, mehr Aufmerksamkeit schenken. Mit Simon geht es bergab. Wenn wir nicht aufpassen, dann reißt er uns mit hinunter.« Eine ungewohnte Kraft lag in seiner Stimme, als er fortfuhr: »Wir müssen etwas tun, und wir müssen es bald tun.«

35

Die dunstige Hitze des Augusts senkte sich über die Alexandriafront. Nördlich von Centreville lagernd, wartete die Legion auf Ersatz und auf die Enfields, die der Colonel aus eigener Tasche bezahlt hatte. Die Gewehre sollten von einem Blockadebrecher von England gebracht werden.

Die Legion wurde aufgrund der Verluste bei Manassas umorganisiert. Calbraith Butler, zum Major befördert, übernahm das Kommando über die vier Kavalleriezüge. Charles reagierte auf den Wechsel mit anfänglichem Groll, den er vernünftigerweise für sich behielt. Wenn er darüber nachdachte, kam die Wahl nicht überraschend. Butler war ein Gentleman-Freiwilliger, ohne den Anstrich des Berufssoldaten, der Charles charakterisierte. Und mit der Tochter des Gouverneurs verheiratet zu sein, war auch nicht gerade ein Nachteil.

Außerdem wußte Charles, daß er sich mit seinem hartnäckigen Beharren auf Disziplin nicht beliebt gemacht hatte. Er besaß ein weniger hitziges Temperament als viele andere Akademie-Absolventen – ein Yankee-Heißsporn namens Phil Sheridan kam ihm in den Sinn –, aber er brüllte immer noch im allgemein üblichen Stil von West Point.

Zum Teufel damit. Er hatte sich gemeldet, um den Krieg zu gewinnen, nicht um befördert zu werden. Butler war ein ausgezeichneter Reiter und ein instinktiv guter Offizier; er führte seine Männer, indem er ihnen mit gutem Beispiel voranging. Charles gratulierte seinem neuen Vorgesetzten mit ehrlich gemeinter Aufrichtigkeit.

»Anständig von dir, Charles«, sagte der neue Major. »Von der Erfahrung her hättest du es mehr verdient als ich.« Er lächelte. »Ich sage dir was. Mit all diesen neuen Verantwortungen und noch dazu fest verheiratet, wie ich nun mal bin, wirst wohl du nach Richmond müssen, um mich dort auf dem Ball zu vertreten. Nimm Pell mit, wenn du magst.«

Charles benötigte keine weitere Einladung. Er möbelte seine Uniform auf und erledigte schnell seine Aufgaben. Er wurde gerade rechtzeitig zum Abendappell fertig. Bei der Zeremonie nahm der Colonel offiziell die neueste Kriegsflagge des Regiments entgegen, von den Damen zu Hause genäht. Ein Palmenkranz und die Worte Hampton’s Legion zierten die scharlachrote Seide.

Anschließend traf Charles die letzten Vorbereitungen für Richmond. Er wurde von einem Kavalleristen namens Nelson Gervais gestört, der einen langen Brief von seinem Mädchen zu Hause in Rock Hill bekommen hatte. Der neunzehnjährige Farmer trat von einem Bein auf das andere und raschelte mit dem Briefpapier, während er eine Erklärung abgab.

»Ich habe drei Jahre um Miss Sally Mills geworben, Captain. Ohne Erfolg. Und jetzt ganz plötzlich«, das Papier raschelte, »sagt sie, wo ich nun zur Armee bin und nicht mehr zu Hause, da sei ihr klar geworden, was sie für mich fühlt. Sie sagt hier, daß sie einen Heiratsantrag annehmen würde.«

»Gratuliere, Gervais.« Vor lauter eigener Ungeduld bekam Charles den flehenden Blick des Kavalleristen nicht mit. »Ich glaube nicht, daß Sie in nächster Zeit Urlaub bekommen, aber das sollte Sie nicht daran hindern, das Mädchen um ihre Hand zu bitten.«

»Jawohl, Sir, das hab’ ich auch vor.«

»Sie brauchen dazu nicht meine Einwilligung.«

»Ich brauche Ihre Hilfe, Sir. Miss Sally Mills schreibt richtig schön, aber«, sein Gesicht färbte sich so rot wie die neue Fahne, »ich kann’s nicht.«

»Überhaupt nicht?«

»Nein, Sir.« Lange Pause. »Lesen kann ich auch nicht.« Rascheln. »Einer meiner Kameraden hat mir das vorgelesen. Wo Sally geschrieben hat, sie liebt mich und all das – «

Charles begriff; er klopfte leicht auf den Schreibtisch. »Lassen Sie das hier, und wenn ich von Richmond zurück bin, werd’ ich einen Brief mit einem Antrag verfassen, und den gehen wir dann gemeinsam durch, bis Sie damit einverstanden sind.«

»Danke, Sir! Ich danke Ihnen. Ich kann Ihnen kaum genug danken.«

Die Nachtfahrt in den Waggons der Orange & Alexandria wurde durch unvorhergesehene Verzögerungen recht beschwerlich. Charles döste auf dem harten Sitz vor sich hin und gab sich Mühe, Ambroses Gesprächsversuche zu ignorieren. Sein Freund war darüber verärgert, daß sie von Hampton und anderen Senior-Offizieren im Waggon vor ihnen getrennt waren.

Charles fühlte sich erschöpft und dreckig, als sie spät am nächsten Morgen in Richmond ankamen. Bei einer Mississippi-Einheit war für sie Unterkunft vorbereitet worden, so daß er schnell in eine Zinkwanne springen konnte; dann warf er sich auf einen Strohsack und versuchte, eine Stunde zu schlafen. Die Aufregung machte das unmöglich.

Der Spotswood Ballsaal glänzte und glitzerte vor Tressen und Juwelen und Lichtern, die Unmengen von Konföderiertenflaggen beleuchteten. Hunderte drängten sich in den Saal und die angrenzenden Salons und Flure. Charles war gerade eingetreten, da entdeckte er auf der anderen Seite der Tanzfläche seine Cousine Ashton. Sie und ihr blasser Wurm von einem Ehemann lauerten in der Nähe von Präsident Davis. Charles würde sich Mühe geben, nicht in ihre Nähe zu geraten.

Junge Frauen in langen Abendkleidern, die meisten von ihnen schön und lebhaft, lachten und tanzten mit den Offizieren, die sie an Zahl um das Dreifache übertrafen. Charles war nicht begierig auf irgendeine beliebige Gesellschaft; er suchte die richtige Person, konnte sie aber nirgendwo entdecken. Seine Hoffnungen waren albern gewesen. Fredericksburg war viele Meilen entfernt.

Doch es gab unerwartete Ablenkungen. Ein stämmiger Erster Lieutenant löste sich aus einer Gruppe um Joe Johnston und umarmte Charles heftig.

»Bison! Dacht’ mir’s doch, daß du auch hier bist.«

»Fitz, du schaust großartig aus. Ich hörte, du bist in General Johnstons Stab.«

Fitzhugh Lee, Neffe von Robert E. war ihm in West Point und Texas ein guter Freund gewesen. »Nicht so großartig wie du, Captain.« Er betonte das letzte Wort mit übertriebener Ehrerbietung. Charles lachte.