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Nachdem Powell gegangen war, brüllten sie sich bis spät in die Nacht hinein an.

Huntoon: »Natürlich meinte ich, was ich sagte. Mit einem derartigen prinzipienlosen Opportunismus will ich nichts zu tun haben. Wie ich dem Kerl schon sagte, habe ich genügend Gründe dafür.«

Mit geballten Fäusten preßte Ashton hervor: »Dann sag sie.«

»Nun – da ist einmal das persönliche Risiko. Stell dir die Folgen einer Entlarvung vor.«

»Du bist ein Feigling.«

Er wurde rot. »Gott, wie ich dich manchmal hasse.« Aber er hatte sich abgewandt, bevor er es sagte.

Später dann, wieder Ashton, wilder als zuvor: »Es ist mein Geld, von dem wir leben, vergiß das nicht. Du verdienst ja kaum soviel wie baumwollpflückende Nigger. Ich kontrolliere unsere Mittel – «

»Mit meiner Erlaubnis.«

»Das glaubst du! Ich kann das Geld ausgeben, wie ich will!«

»Möchtest du das vor Gericht feststellen lassen? Das Gesetz besagt, daß diese Mittel in dem Moment, in dem wir heirateten, in meinen Besitz übergingen.«

»Immer der selbstgefällige kleine Anwalt, was?« Sie riß Decken von ihrem Bett, öffnete die Tür, und warf das Bündel in den Flur. »Schlaf auf dem Sofa, du Bastard – wenn du dafür nicht zu fett bist.«

Sie stieß ihn hinaus. Besänftigend hob er die Hand; hinter den Brillengläsern tränten seine Augen. »Ashton!« Die zuknallende Tür schlug gegen seine Handfläche. Er lehnte sich gegen die Wand und schloß die Augen.

Am nächsten Tag hatten sie wieder Frieden geschlossen – das taten sie stets –, obwohl sie ihm zwei Wochen lang jeden körperlichen Kontakt verweigerte. Danach besserte sich ihre Laune beträchtlich. Sie war so fröhlich, als würden Powell und sein Plan gar nicht existieren.

Doch die Erinnerung an diesen Streit wollte nicht von ihm weichen; eine weitere dunkle Wolke am Horizont. Mit der gefälschten Banknote saß Huntoon an seinem Schreibtisch, die Augen leer, mit unglücklichem Gesichtsausdruck. Ein Angestellter mußte ihn recht deutlich auffordern, endlich zur Zeitung zu gehen.

An den meisten Wochentagen kam James erst nach halb acht nach Hause, der üblichen Stunde für ein leichtes Abendessen. Auch an diesem Herbstnachmittag rechnete Ashton mit ihm erst am frühen Abend. Eine ganze Stunde brachte sie damit zu, sich attraktiv herzurichten; um zwei Uhr war sie bereit, aufzubrechen, und Homer fuhr die Kutsche vor.

Der Tag war mild, aber Ashton war heiß. Sie ging ein enormes Risiko ein. Würde sie die Sache allein durchstehen? Allein eine Woche hatte es sie gekostet, die Adresse des Mannes aufzuspüren, eine weitere, um eine entsprechende Nachricht zu formulieren, mit der sie ihm Tag und Zeitpunkt ihres Besuches mitteilte, ›um eine kommerzielle Angelegenheit von beidseitigem Interesse‹ zu besprechen. Sie konnte sich das amüsierte Aufleuchten seiner Augen vorstellen, wenn er das las.

Wenn er das las. Sie hatte keine Antwort erhalten. Falls er nun nicht in der Stadt war?

In das Pfeifen eines Zuges an der Broad Street Station hinein rief Homer: »Hier ist die Ecke, wo Sie hinwollten, Miz Huntoon. Soll ich Sie in einer Stunde abholen?«

»Nein. Ich weiß nicht, wie lange ich mit Einkäufen zu tun habe. Wenn ich fertig bin, nehme ich eine Mietkutsche, oder ich schaue bei Mr. Huntoon vorbei und komme mit ihm heim.«

»Sehr wohl, Ma’am.« Schnell betrat Ashton den nächsten Laden und kam wenige Minuten später mit zwei überflüssigen Garnrollen heraus. Sie vergewisserte sich, daß Homer verschwunden war, dann winkte sie die erstbeste Kutsche heran.

Schwitzend, mit klopfendem Herzen, stieg sie vor einem der hübschen Häuser mit hoher Veranda auf Church Hill aus. Es lag an der Franklin Street. Aus Furcht, sie könnte jemanden sehen, der sie beobachtete, stieg sie, ohne nach rechts und links zu blicken, die Stufen hoch und läutete. Würden Diener da sein?

Lamar Powell öffnete persönlich. Vor lauter Erregung wäre sie beinahe in Ohnmacht gefallen.

Er trat zurück in den Schatten. »Bitte, kommen Sie herein, Mrs. Huntoon.«

Im Foyer war es kühl. Durch die offenstehenden Türen zu jeder Seite wurden andere Zimmer sichtbar, Zimmer mit verschwenderischen Holzarbeiten, üppiger Möblierung und passenden Lüstern. Vor kurzem hatte James erneut Powells Namen erwähnt und gesagt, er habe Nachforschungen über ihn angestellt. »Scheint so, als ob der Kerl von Unverschämtheit, Eigenreklame und Kredit lebt.« Falls die hämische Bemerkung auch nur teilweise stimmte, dann mußte Powells Kredit gewaltig sein.

Er lächelte ihr zu. »Ich gestehe, daß mich Ihre Nachricht überrascht hat. Ich war mir nicht sicher, ob Sie die Verabredung einhalten würden. Allein auf die Möglichkeit hin hab’ ich meinen Hausdiener zum Fischen geschickt und bin zu Hause geblieben. Wir sind ganz allein.« Er machte eine Geste mit seinen schlanken, merkwürdig sinnlichen Händen. »Sie brauchen also nicht zu befürchten, kompromittiert zu werden.«

Ashton fühlte sich so verlegen wie ein Kind. Er war groß – so groß – und machte in seinen dunklen Hosen und dem weiten Baumwollhemd einen vollkommen entspannten Eindruck. Er war barfuß. »Es ist ein wunderbares Haus«, rief sie. »Wieviele Zimmer bewohnen Sie?«

Amüsiert von ihrer Nervosität sagte er: »Alle, Mrs. Huntoon.« Sanft griff er nach ihrem Arm. »Als wir im Spotswood einander vorgestellt wurden, wußte ich, daß Sie irgendwann zu mir kommen würden. Sie sehen wunderbar aus in diesem Kleid. Ich vermute, ohne das Kleid würden Sie noch wunderbarer aussehen.«

Ohne zu zögern nahm er ihre Hand und führte sie zur Treppe.

Schweigend stiegen sie die Stufen hoch. In einem Zimmer, in dem eine Jalousie Lichtstreifen auf das Bett warf – sie bemerkte, daß die Bettdecke bereits zurückgeschlagen war –, zogen sie sich aus; er ruhig, sie mit hektischen, nervösen Bewegungen. Nie zuvor hatte ein Mann sie in solch einen Zustand versetzt.

Das Schweigen dehnte sich. Er half ihr mit den Miederknöpfen, küßte sie sehr sanft auf die linke Wange. Dann küßte er ihren Mund, fuhr langsam mit seiner Zunge über ihre Unterlippe. Sie hatte das Gefühl, in einem Freudenfeuer zu versinken.

Er schob die Spitzenbänder von ihren Schultern, entblößte sie bis zur Taille. Vorsichtig, zart hob er erst die eine Brust heraus, dann die andere, preßte sanft seinen Daumen gegen ihre Brustwarzen. Er beugte sich vor, immer noch auf seine merkwürdig entrückte Weise lächelnd. Sie warf den Kopf zurück, mit geschlossenen Augen, feuchten Schenkeln, erwartete, seine Zunge zu spüren.

Mit der Handfläche schlug er gegen ihren Kopf und warf sie aufs Bett. Sie war zu entsetzt, um zu schreien. Lächelnd stand er über ihr.

»Warum –?«

»Damit es keinen Zweifel gibt, wer in dieser Liaison das Kommando führt, Mrs. Huntoon. Ich wußte nach dem ersten Blick, daß Sie eine starke Frau sind. Reservieren Sie diese Eigenschaft für andere.«

Dann bückte er sich und begann sie vollständig zu entkleiden.

Ihr Entsetzen verwandelte sich in eine so intensive Erregung, daßes an Wahnsinn grenzte. Sie war so feucht wie ein Fluß, als er seine Baumwollunterhosen herunterzog. Er war seltsam geformt, kleiner, als sie es aufgrund seiner Statur erwartet hatte. Er spreizte ihre Beine und bohrte sich in sie, ohne die Augen zu schließen.

Sie konnte nicht glauben, was mit ihr geschah. Sie hämmerte auf die zerwühlten feuchten Laken, bis zum Wahnsinn erregt von seinem Schlag. Sie begann zu schreien, als er sein Tempo steigerte; bei anderen Liebhabern war ihr das nie passiert. Tränen strömten über ihre Wangen, und als er ihr den letzten rammenden Stoß versetzte, schluchzte sie auf, stöhnte und fiel in Ohnmacht.

Als sie erwachte, lag er lächelnd da, auf einen Ellbogen gestützt. Sie war verschwitzt, erschöpft, erschreckt von ihrem Ohnmachtsanfall. »Ich war weg – «

»La petite mor! Der kleine Tod. Du meinst, es ist das erste Mal –?«

Sie schluckte. »Noch nie.«