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»Ich würde diesem Aufsichtskomitee nicht zuviel Zeit widmen, George. Wenn es nach Ben Wade und einigen anderen geht, dann besteht West Point nächstes Jahr um diese Zeit aus ein paar verlassenen Gebäuden und Erinnerungen.«

»Wovon zum Teufel sprichst du?«

»Es werden keine Mittel mehr für diese Institution bereitgestellt. Man hat dort für kostenlose Ausbildung von Verrätern gesorgt, aber was hat unsere Seite davon? Ein General, bei Shiloh erwiesenermaßen stockbesoffen, ein anderer so unfähig, daß er nicht mal gegen eine halb so große Armee wie seine eigene siegen kann. Ich könnte außerdem – noch – anführen – «

Der Satz verlor sich in Gemurmel; George hatte seine Gabel niedergelegt und funkelte ihn an.

»Du sagtest was von einem freundschaftlichen Treffen. Keine Politik. Ich hätte es besser wissen müssen.«

Er ging hinaus, ließ Stanley mit der Rechnung sitzen.

Stanley störte es nicht. Er fühlte sich großartig an diesem Tag. Gerade eben hatte er einen hübschen kleinen Triumph errungen. Die kostbare Institution seines hochmütigen Bruders war dem Untergang geweiht, und er hatte nicht den Hauch einer Chance, etwas dagegen zu unternehmen.

Sie war schwarz und wunderschön. Kupferbeschlagene Eiche, Länge von Bugspriet bis Heck über zweihundert Fuß. Ein einziger flacher Schornstein mittschiffs betonte noch ihr schnittiges Aussehen.

Cooper kannte sie in- und auswendig und liebte sie ohne jede Einschränkung. Sie war eine Schonerbark, tausendundfünfzig Tonnen, mit zwei Maschinen von dreihundertfünfzig Pferdestärken, die eine einzige Schraube antrieben. Diese konnte aus dem Wasser gehoben werden, um den Widerstand zu verringern. Ihre drei Masten faßten eine Menge Segeltuch. An diesem 29. Juli lag sie ausgerüstet und vollbemannt im Mersey.

Aus zahlreichen Kutschen stiegen die Fahrgäste auf das Pierpflaster. Bulloch begrüßte jeden örtlichen Geschäftsmann und Amtsinhaber mit Namen; alle waren sie überstürzt zu einer Nachmittagsfahrt auf Nummer 209 eingeladen worden.

Captain Butcher, ehemaliger Zweiter Offizier auf dem Postschiff Ihrer Majestät, der Arabia, hatte die Kessel unter Dampf und wartete auf die letzten Gäste. Vielleicht kamen sie noch vor dem Befehl an Bord, der laut Bullochs Spionen von Whitehall unterwegs war: Das Schiff sollte am Auslaufen gehindert werden, da seine endgültige Bestimmung gegen britisches Gesetz verstieß.

Ein neben Bulloch stehender Angestellter zeigte ihm eine Liste. »Bis auf diese beiden Gentlemen sind alle da, Sir.«

»Wir fahren ohne sie.«

Damit ging er die Gangway hoch, vorbei an den für die erste Fahrt von Cunard und anderen Linien angeheuerten Seeleuten. Plötzlich sah Cooper hinter den Dockarbeitern eine Kutsche durch die Canning Street auf das Schiff zugerast kommen. Vom Fuße der Gangway aus rief er: »Vielleicht kommen da unsere letzten Gäste, James.«

Schnell trat Bulloch ans Ruder und sprach zu dem jungen Captain Butcher, dessen heller Schnurrbart in der Merseybrise wehte. Die Kutsche ratterte den Pier entlang. Noch bevor sie hielt, sprang ein Mann heraus. Coopers Magen verkrampfte sich, als er Maguire erkannte. Hinter ihm tauchte Marcellus Dorking auf.

Der Anblick des Mannes machte Cooper wütend. Seit jenem Nachmittag waren ihm häufig Spione gefolgt, die alle zweifellos für Tom Dudley arbeiteten. Von Dorking hatte er jedoch nichts mehr gesehen. Die Drohung gegen Coopers Familie war nichts als heiße Luft gewesen. Damit sank Dorking noch tiefer in Coopers Achtung.

Maguire und Dorking kamen auf Cooper zugestürzt, der die Gangway versperrte. Dorkings rechte Hand verschwand in seiner Jackentasche. »Kleine Vergnügungsfahrt, Sir?« fragte er mit seinem gewohnten, schmierigen Lächeln.

»Richtig. Wie Sie sehen können, haben wir lokale Würdenträger an Bord.«

»Das mag sein, aber wir müssen Sie trotzdem auffordern, Ihre Abfahrt hinauszuschieben. Gerade jetzt müßte ein Zug in der Lime Street einfahren, mit einem Gentleman, der mit dem Captain über gewisse Unregelmäßigkeiten zu sprechen wünscht.«

»Sie müssen mich entschuldigen«, unterbrach Cooper. Er begann die Gangway hochzugehen.

»Einen Moment.« Dorking packte Cooper an der Schulter und drehte ihn grob herum. Ein paar Matrosen riefen Butcher Warnungen zu. Unter den geladenen Gästen erhob sich Gemurmel.

Bulloch wollte Cooper zu Hilfe kommen, aber es war bereits zu spät. Marcellus Dorking holte eine kleine, silberbeschlagene Pistole hervor und rammte sie Cooper in den Magen.

»Beiseite, während wir mit dem Herrn dieses Schiffes sprechen.«

Cooper war noch nie so direkt mit dem Tode bedroht worden. Noch nie hatte er soviel Angst gehabt, doch irgendwie schien das nicht so wichtig zu sein; die Nummer 209 ihrer Bestimmung zu übergeben war viel wichtiger. Dorking merkte, daß seine Pistole von den an Deck Stehenden gesehen werden konnte, und versuchte sie zu verbergen. Als sich die Mündung senkte, stampfte Cooper auf Dorkings Schuh.

»Oh, verdammt«, schrie Dorking auf und taumelte. Maguire schlug nach Cooper, der ihm einen Stoß gab, dann Dorking ein Knie in die Leiste rammte. Konsul Dudleys Agenten purzelten auf die Pflastersteine wie schlecht trainierte Akrobaten.

Cooper sprang die Gangway hoch, brüllte zu Dorking und Maguire hinunter: »Bei dieser Fahrt sind nur geladene Gäste zugelassen, Gentlemen.«

Captain Butcher bellte Befehle. Die Dockarbeiter, die dem Streit mit verblüffter Erheiterung gefolgt waren, machten die Leinen los. Unter den Gästen herrschte Bestürzung.

Braunes Wasser tauchte zwischen Schiffsrumpf und Pier auf. Der Fluß glänzte wie Gold; die Luft war salzig und nicht zu heiß; ein perfekter Nachmittag. Bulloch versprach, sofort alle Fragen zu beantworten, aber zuerst sollten sich die Gäste mit dem französischen Champagner und den Delikatessen bedienen, die er bereitgestellt hatte, um die Illusion eines unschuldigen Vergnügungsausflugs zu stützen. Als wieder einigermaßen Ruhe eingekehrt war, bat er höflich um Aufmerksamkeit.

»Wir hoffen, daß Sie alle die kleine Kreuzfahrt auf diesem Schiff, das bis jetzt in Liverpool und Birkenhead unter dem Namen Enrica oder Laird’s 209 bekannt war, genießen werden. Bald schon wird sie ihren richtigen Namen tragen. Machen Sie sich einen angenehmen Nachmittag. Essen und trinken Sie, soviel Sie wollen, und lassen Sie sich von diesem kleinen Zwischenfall am Pier nicht beunruhigen. Ich will ehrlich sein und Ihnen gestehen, daß Sie an Bord eines Schleppers zurückkehren werden, der unten an der Küste bei Anglesey auf uns wartet.«

»Was soll das?«

»Verdammt, Bulloch, was für Ausflüchte haben Sie –?«

»Ein verfluchter Trick, das ist es, was – «

»Eine bedauerliche Notwendigkeit, Gentlemen«, sagte Bulloch, mit seiner tiefen Stimme die Proteste übertönend. »Sonntags wurden wir gewarnt, daß dieses Schiff beschlagnahmt werden würde, wenn es noch weitere achtundvierzig Stunden auf dem Mersey bliebe. Für uns und unsere Sache verloren. Sie werden keine Schwierigkeiten mit den Behörden bekommen, wenn Sie einfach die Wahrheit sagen.«

»Die Gerüchte entsprechen also der Wahrheit? Dieses Schiff wurde illegal gebaut?«

»Sie wurde unter peinlichster Einhaltung der britischen Gesetze gebaut, Sir.«

»Das ist keine Antwort«, sagte ein anderer. »Was ist ihr Bestimmungsort?«

»Sie fährt durch den irischen Kanal und steuert dann einen Hafen an, dessen Namen zu nennen ich nicht befugt bin. Schließlich wird sie mit anderer Mannschaft in amerikanischen Gewässern kreuzen.«

Cooper fühlte eine merkwürdige Erregung sein Rückgrat hochkriechen. Welch erstaunliche, kaum bemerkte Veränderung war doch seit jenen Tagen mit ihm vorgegangen, als er mit jedem über die Dummheit der Sezession und des Krieges debattiert hatte. Er war stolz auf dieses Schiff und auf seinen Anteil daran. Er war stolz auf ihren Namen, den Bulloch ihm anvertraut hatte. Sie würde Alabama heißen. Er war stolz darauf, auf dem brandneuen Deck zu stehen, während sie ihrer Bestimmung entgegenfuhr, die Bulloch den verblüfften Gästen verkündete.