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Turner sagte verzweifelt: »Er war eine Eigenkonstruktion. Ich war vernarrt in das Ding. Ich habe ihn stets bei mir getragen.«

»Vernarrt oder nicht, ich schätze, das Gerät wog um die zwanzig Pfund, das ist ziemlich schwer. Könnte es sein, daß es sich um die Maschine gehandelt hat, mit der Sie ständigen Kontakt zu den V-Fröschen gehalten haben?«

»Wie wollen Sie das beweisen?« schoß Turner zurück. »Sie sagten doch, daß ich selber ein Opfer war. Jeder in diesem Raum kann das bezeugen.«

»Stimmt«, erwiderte Lucky, »der Mann, der sich trotz seiner Unerfahrenheit so gekonnt in der Kuppelschleuse verbarrikadiert hat, bekam seine Informationen von Ihnen. Aber wurde dieses Wissen aus Ihrem Kopf entwendet, oder haben Sie es freiwillig weitergereicht?«

Morriss fuhr wütend dazwischen. »Lucky, lassen Sie mich die Frage direkter stellen. Turner, sind Sie für die Epidemie geistiger Kontrolle verantwortlich oder nicht?«

»Natürlich bin ich es nicht«, rief Turner. »Sie können auf das bloße Gerede eines jungen Dummkopfes, der sich einbildet, er braucht nur ein paar Vermutungen anzustellen, die dann als Beweise gelten, nur weil er im Rat ist, nichts geben.«

»Sagen Sie, Turner, erinnern Sie sich an den Abend, als der Mann, den Hebel in der Hand in einer der Kuppelschleusen saß? Erinnern Sie sich noch deutlich daran?«

»Ziemlich deutlich, wieso?«

»Können Sie sich noch erinnern, wie Sie zu mir gekommen sind und mir sagten, falls die Schleuse geöffnet würde, die inneren Transitschotts nicht standhalten und ganz Aphrodite absaufen würde? Sie hatten ziemliche Angst. Sie waren beinahe in Panik.«

»Ja, war ich. Ich habe immer noch Angst. So wie die Dinge liegen, besteht auch Veranlassung, in Panik zu verfallen. Es sei denn, man ist der tapfere Lucky Starr«, setzte er mit höhnisch verzogenen Lippen hinzu.

Lucky überging die letzte Bemerkung. »Sind Sie mit dieser Information zu mir gekommen, um noch etwas zu der bereits bestehenden Verwirrung beizutragen, um sicherzugehen, daß wir alle samt und sonders lange genug abgelenkt wären, damit Sie Lou Evans aus der Stadt schaffen, und er draußen im Meer in aller Ruhe getötet werden konnte? Mit Evans war nicht gut Kirschen essen, und er hatte zu viel über die V-Frösche in Erfahrung gebracht. Vielleicht haben Sie auch darauf spekuliert, mich aus Aphrodite und von der Venus zu ängstigen.«

»Das ist doch alles lächerlich. Die Innenschotte sind unzureichend. Fragen Sie Morriss. Der hat meine Berechnungen bereits gesehen.«

Widerstrebend mußte Morriss nicken. »Ich fürchte, Turner hat in diesem Punkt recht.«

»Macht nichts«, bemerkte Lucky. »Das wollen wir mal als erledigt betrachten. Die Gefahr war echt, und Turner brach aus gutem Grund in Panik aus. Sie sind verheiratet, Turner.«

Turners flackernder Blick ruhte auf Lucky, dann sah er wieder weg. »Ja, und?«

»Ihre Frau ist hübsch und bedeutend jünger als Sie. Sie sind noch nicht einmal ein Jahr verheiratet.«

»Was wollen Sie damit denn beweisen?«

»Das Sie wahrscheinlich eine tiefe Zuneigung zu ihr empfinden. Um ihr einen Gefallen zu tun, ziehen Sie gleich nach der Heirat in ein teures Appartement; Sie gestatten ihr, es nach ihrem eigenen Geschmack einzurichten, obwohl Sie selbst einen ganz anderen haben. Sicher würden Sie ihre Sicherheit nicht vernachlässigen, oder etwa doch?«

»Ich verstehe das alles nicht, wovon reden Sie überhaupt?«

»Ich glaube, Sie wissen ganz genau, wovon ich rede. Das eine Mal, das ich Ihre Frau getroffen habe, erzählte sie mir, daß sie die ganze Aufregung vom Vorabend einfach verschlafen habe. Darüber schien sie sehr enttäuscht zu sein. Sie sagte mir ebenfalls, in was für einem guten Appartementhaus sie wohne. Es besäße sogar >Kammern<.

Unglücklicherweise sagte mir das damals noch nichts, sonst hätte ich vielleicht schon da und dort die wahren Zusammenhänge durchschaut. Es war erst viel später, auf dem Meeresgrund, als Lou Evans ganz nebenbei die Kammern erwähnte und mir sagte, wozu sie da sind. >Kammer< ist eine auf der Venus gebräuchliche Bezeichnung für Spezialbunker, die so ausgelegt sind, daß sie die volle Wucht eines Wassereinbruches bei einem Beben, das die Kuppel zerstört, aushalten können. Wissen Sie nun, wovon ich rede?«

Turner sagte kein Wort.

»Wenn Sie vor einer totalen Katastrophe solche Angst hatten, warum haben Sie an dem Abend nicht an Ihre Frau gedacht. Sie haben davon geredet, man müsse die Menschen retten, und die Stadt evakuieren. Haben Sie dabei je an Ihre Frau gedacht? Im Untergeschoß Ihres Wohnhauses befinden sich Kammern. Es hätte keine zwei Minuten gedauert, und sie wäre in Sicherheit gewesen. Sie hätten sie nur anzurufen brauchen und sie warnen müssen. Aber das taten Sie nicht. Sie haben sie einfach weiterschlafen lassen.«

Turner murmelte etwas vor sich hin.

»Sagen Sie bloß nicht, Sie hätten es vergessen. Das ist absolut unglaubwürdig. Sie hätten alles vergessen können, aber nicht die Sicherheit Ihrer Frau. Lassen Sie mich mal eine andere Erklärung versuchen. Sie haben sich um Ihre Frau gar keine Sorgen gemacht, weil Sie genau wußten, daß keine wirkliche Gefahr vorhanden war, weil Sie wußten, daß die Schleuse in der Kuppel sich nie öffnen würde.« Luckys Stimme klang hart vor Wut. »Sie wußten, daß die Schleuse sich nicht öffnen würde, weil Sie selbst den Mann am Hebel geistig kontrollierten. Ihre Zuneigung zu Ihrer Frau ist es nämlich, die Sie verraten hat. Sie konnten sich nicht dazu durchringen, ihren Schlaf nur deswegen zu stören, um Ihren Bluff echter aussehen zu lassen.«

Plötzlich sagte Turner: »Ohne Anwalt sage ich kein Wort mehr. Was Sie da vorbringen, sind keine Beweise.«

»Es reicht aber aus, um eine große Ratsuntersuchung zu rechtfertigen. Dr. Morriss, würden Sie ihn bitte in Gewahrsam nehmen lassen, er soll unter Bewachung zur Erde gebracht werden. Bigman und ich werden mitfliegen. Wir werden dafür sorgen, daß er sicher dort ankommt.«

Als sie wieder im Hotel waren, meinte Bigman besorgt: »Bei allen Marswüsten, Lucky, ich sehe nicht, wie wir gegen Turner Beweise zusammenbekommen sollen. Alle deine Schlußfolgerungen hören sich überzeugend an, aber vor dem Gesetz sind das keine Beweise.«

Lucky hatte eine warme Hefemahlzeit im Bauch und konnte sich zum ersten Mal, seit er und Bigman die Wolkenbänke, die die Venus umgeben, durchstoßen hatten, entspannen. »Ich glaube nicht, daß der Rat ein gesteigertes Interesse an juristischen Beweisen oder an Turners Hinrichtung hat.«

»Lucky! Warum denn nicht? Der Saukerl.«

»Ich weiß. Er ist ein mehrfacher Mörder. Er hatte ganz bestimmt diktatorische Ambitionen, also auch ein Verräter. Aber wichtiger als diese Dinge ist der Umstand, daß er ein geniales Werk geschaffen hat.«

»Meinst du etwa seine Maschine?«

»Genau die meine ich. Wahrscheinlich haben wir das einzige existierende Exemplar zerstört, und wir werden ihn brauchen, um eine neue Maschine zu bauen. Es gibt viele Fragen, auf die wir eine Antwort wissen möchten. Wie hat Turner die V-Frösche manipuliert? Als er Lou Evans umgebracht haben wollte, hat er da den V-Fröschen genaue Anweisungen gegeben, hat er ihnen Stückchen für Stückchen vorgekaut, was sie zu tun hätten, hat er ihnen befohlen, den Riesenlappen zu rufen? Oder hat er nur gesagt: >Tötet Evans< und hat es den V-

Fröschen überlassen, wie dressierte Hunde die Aufgabe so zu lösen, wie sie glaubten, daß es am besten sei?

Kannst du dir vorstellen, wozu man solch ein Instrument überall einsetzen kann? Da bietet sich uns ein völlig neuer Weg, Geisteskrankheiten zu bekämpfen, ein neuer Weg, verbrecherische Impulse zu bekämpfen. Es könnte sogar möglicherweise dazu eingesetzt werden, in Zukunft Kriege zu verhindern, oder falls uns ein Krieg aufgezwungen wird, dazu, unsere Feinde schnell und ohne Blutvergießen zu besiegen. So wie das Instrument in der Hand eines einzelnen von Ehrgeiz zerfressenen Mannes eine Gefahr darstellte, kann es in den Händen des Rates sehr nützlich und segensreich sein.«