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«Er baut Häuser.«

«Heißt das, mit seinen eigenen Händen?«

«Na ja«, erläuterte Edward,»mit Spaten und Traufel und Säge und allem.«

«Verfallene Häuser«, setzte Christopher hinzu.»Wir sind über die Osterferien auf Ruinensuche.«

Gemeinsam schilderten sie einem immer erstaunteren Publikum ihre Lebensgewohnheiten. Gerade daß sie ihre für Kinder keineswegs alltäglichen Erfahrungen als selbstverständlich hinnahmen, rief Verwunderung hervor.

«Aber das letzte, das er ausgebaut hat, behalten wir. Stimmt’s, Papa?«

«Ja.«

«Versprich es.«

Ich versprach es ungefähr zum zwanzigsten Mal, und auch daran ließ sich ablesen, wie groß ihre Sorge war, denn ich hatte ihnen gegenüber noch immer Wort gehalten.

«Ihr seid es bestimmt leid, dauernd umzuziehen«, meinte Mrs. Gardner verständnisvoll.

«Daran liegt es nicht«, erklärte ihr Christopher,»es ist wegen dem Haus. Das ist hervorragend. «Hervorragend bedeutete in seinem Teenagerjargon lediglich das Gegenteil von schrecklich (oder schräglich, wie er es sinnigerweise aussprach).

Roger nickte jedoch und stimmte zu.»Hervorragend. Nur verdammt schwer zu heizen, könnte ich mir vorstellen, bei so viel Raum.«

«Es hat ein Hypokaustum«, sagte Neil und leckte sich die Finger. Die Gardners und Dart starrten ihn an.

«Was«, gab Dart schließlich nach,»ist ein Hypokaustum?«

«Eine von den Römern erfundene Zentralheizung«, sagte mein Siebenjähriger gelassen.»Man bläst Heißluft durch Hohlräume und Rohrleitungen unter dem Steinboden, und der Boden bleibt immer warm. Pa dachte, es müßte funktionieren, und es klappt auch. Wir sind den ganzen Winter ohne Schuhe herumgelaufen.«

Roger drehte sich zu mir um.

«Gut, kommen Sie am Freitag«, sagte er.

Als ich zwei Tage später am sonnigen Morgen mit dem Bus wieder an gleicher Stelle erschien, war der Platz vor der Garage nicht vollgestellt mit dem Müll von Jahrzehnten, sondern voll von Pferden.

Meine Söhne starrten aus ihren sicheren Fenstern auf einen Trupp von vielleicht sechs großen, beweglichen Vierbeinern und beschlossen, ihnen lieber nicht vor die Hufe zu laufen, auch wenn jedes Tier von einem Reiter gebändigt wurde.

In meinen Augen waren die Tiere nicht schlank genug, um Rennpferde zu sein, und auch die Reiter nicht so leicht, wie Pferdepfleger es gemeinhin sind, und als ich mich aus dem Bus schwang, kam Roger rasch vom Haus herüber, wich ein paar massigen Hinterhänden aus und sagte mir, das seien Conrads Hunter bei ihrer Morgenarbeit. Eigentlich hätten sie auf der Landstraße gehen sollen, sagte Roger, aber sie seien von sechs oder sieben Strickmützen, die immer noch stur den Haupteingang blockierten, regelrecht angegriffen worden.

«Wo kommen sie denn her?«fragte ich und schaute mich um.

«Die Pferde? Conrad hat sie hier auf der Rennbahn stehen, in einem Hof drüben beim Hintereingang, wo Sie reingekommen sind.«

Ich nickte. Ich hatte die Ställe vermutlich von hinten gesehen.

«Jetzt traben sie hier den Serviceweg rauf und runter«, sagte Roger.»Das ist zwar nicht ideal, aber ich lasse sie nicht aufs Geläuf wie sonst manchmal, weil alles schon für die Veranstaltung am Montag fertig ist. Wollen Ihre Jungs nicht aussteigen und ihnen zusehen?«

«Glaub ich nicht«, sagte ich.»Seit dem Gemetzel am Graben vorigen Samstag haben sie ein bißchen Angst vor

Pferden. Sie waren entsetzt über die Verletzungen des toten Zuschauers.«

«Ich hatte vergessen, daß sie den armen Mann gesehen haben. Sollen sie denn im Bus bleiben, bis Sie und ich mit den Tribünen durch sind? Ich habe auch die alten Pläne bei mir im Büro parat liegen. Wenn Sie wollen, sehen wir uns die erst mal an.«

Ich hielt es für das beste, mit den Jungen möglichst nah an das Büro heranzufahren, und so parkten wir den Bus dort, wo vor zwei Tagen die Stratton-Autos gestanden hatten. Die Jungen waren darüber erleichtert und fragten, ob sie auf der Tribüne Versteck spielen dürften, sie würden auch bestimmt nichts kaputtmachen.

Roger willigte zögernd ein.»Ihr werdet sehen, daß viele Türen abgesperrt sind«, sagte er ihnen.»Und gestern ist hier schon für Montag geputzt worden, also macht nichts dreckig.«

Sie versprachen es. Roger und ich ließen sie allein, als sie anfingen, die Spielregeln aufzustellen, und gingen zu einem niedrigen, weiß gestrichenen Gebäude gegenüber dem Führring.

«Ziehen sie wieder auf Piratenfang?«fragte Roger belustigt.

«Ich glaube, heute wird’s der Sturm auf die Bastille. Dabei muß man einen Gefangenen befreien, ohne selbst gefangen zu werden. Dann muß der Befreite sich verstecken, damit ihn keiner wieder einfängt.«

Ich drehte mich um, als Roger sein Büro aufschloß. Die Jungen winkten. Ich winkte zurück, trat dann ein und begann mich durch eine Reihe uralter Baupläne durchzuarbeiten, die so lange gerollt gewesen waren, daß jeder Versuch, sie zu glätten, wie ein Kampf mit einem Kraken war.

Ich zog meine Jacke aus und hängte sie über eine Stuhllehne, um mehr Bewegungsfreiheit zu haben, und Roger meinte, was für ein warmer Frühlingstag es doch sei und daß es hoffentlich bis Montag so bliebe.

Die meisten Pläne erwiesen sich als Arbeitsentwürfe mit detaillierten Angaben bis hin zur letzten Schraube. Sie waren exakt, komplett und eindrucksvoll, und das sagte ich auch.

«Das Problem ist nur«, meinte Roger mit einem schiefen Lächeln,»daß der Bauunternehmer sich nicht an die Angaben gehalten hat. Erst kürzlich hat sich herausgestellt, daß Beton, der fünfzehn Zentimeter dick sein sollte und die Stahleinlagen ausreichend bedeckt hätte, nur knapp elfeinhalb Zentimeter dick ist, und jetzt gibt es an den Logen endlose Scherereien, weil Wasser in die rissig gewordene Wand eindringt und die Eisenstäbe angreift, die sich durch den Rost natürlich dehnen, so daß der Beton noch mehr Risse bekommt. Es bröckelt an manchen Stellen.«

«Er platzt ab«, nickte ich.»Das kann gefährlich sein.«

«Und wenn Sie sich den Gesamtplan der Wasseranschlüsse und der Kanalisation ansehen, dann sind die Zeichnungen sehr schlüssig, aber in Wirklichkeit verlaufen die Wasser- und Abwasserleitungen nicht so. Eine Reihe Damentoiletten hier war aus unerfindlichen Gründen verstopft und hat den Boden überflutet, aber das Abflußrohr schien frei zu sein, und dann merkten wir, daß wir den falschen Abfluß inspizierten; der Toilettenabfluß lief in eine ganze andere Richtung und hatte sich völlig zugesetzt.«

Es war vertrautes Terrain. Bauunternehmer hatten ihren eigenen Kopf und mißachteten oft die sinnvollsten Weisungen des Architekten, sei es, weil sie wirklich dachten, sie wüßten es besser, oder um auf Kosten der Qualität mehr Gewinn herauszuschlagen.

Wir rollten noch ein Dutzend Pläne auf und versuchten sie mit Bechern voller Schreibstifte niederzuhalten, ein aussichtsloses Unterfangen. Dennoch konnte ich mir ein Bild vom Sollzustand machen und mir die Druckzonen und Schwachstellen ausrechnen, auf die zu achten war. Ich hatte schon sehr viel unzuverlässigere alte Baupläne gesehen, und die Zuschauerbauten hier waren effektiv keine Ruine: Weit über ein halbes Jahrhundert hatten sie Wind und Wetter widerstanden.

Im wesentlichen bestand die Tribünenfront mit den Zuschauerplätzen aus Stahlbeton und aus Stahlträgern, auf denen auch das Dach ruhte. Zusätzliche massive Steinpfeiler dienten als Stützen für die Bars, Restaurants und die nichtöffentlichen Räume der Rennleitung und der Besitzer. Eine Treppe in der Mitte des Tribünengebäudes führte fünf Stockwerke hinauf und bot auf der ganzen Länge Zugang nach innen wie nach außen. Ein einfaches, zweckmäßiges Konzept, wenn auch inzwischen überholt.

Die Tür des Büros flog plötzlich auf, und Neil stürzte herein.

«Papa«, sagte er eindringlich,»Papa…«

«Ich hab zu tun, Neil.«

«Aber es ist dringend. Wirklich ganz dringend.«