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«Wie… ich meine, wie halten Sie’s mit den Latrinen?«

Ich lächelte über den Soldatenausdruck.»Der Bus hat große Gepäckräume unterm Boden. Da habe ich Wasser-und Abwassertanks eingebaut. Und in jedem Landkreis fahren extra Tankwagen zum Entleeren abgelegener Gruben. Außerdem gibt es Werften. Das Entleeren ist kein Problem, wenn man weiß, wen man fragen muß.«

«Erstaunlich. «Er klopfte auf den blanken, kaffeebraunen Lack, und ich merkte, daß es wieder eine kurze Atempause für ihn war, bevor er sich endgültig der unangenehmen Gegenwart zuwandte.

Er seufzte.»Vielleicht sollten wir…«

Ich nickte.

Wir stiegen in den Jeep und kehrten zur Tribüne zurück, wo ich, auf die Gehhilfe gestützt, zum erstenmal objektiv die chaotische Zerstörung vom Tag zuvor betrachtete. Wir hielten uns vorsichtshalber hinter den Absperrbändern der Polizei, doch in dem Bau rührte sich nichts mehr.

Erster Gedanke: Unglaublich, daß Toby und ich aus dem Chaos lebend herausgekommen waren.

Das Gebäude war in der Mitte aufgeschlitzt, seine Innereien ergossen sich in einer monströsen Kaskade nach draußen. Der Waageraum, die Umkleideräume und Oliver Wells’ Büro, die aus dem Hauptkomplex vorsprangen, waren von der sich verteilenden Masse der eingestürzten oberen Etagen plattgedrückt worden. Die standhafte Tribünenfront mit den langen Sitzreihen aus Stahlbeton hatte dafür gesorgt, daß der gesamte Explosionsdruck nur in eine Richtung ging, in die weniger widerstandsfähige Stein-, Holz- und Putzkonstruktion der Speiseräume, der Bars und der Treppe.

Über dem dichtgepackten Schutt ragte eine Hohlsäule in die oberen Stockwerke empor wie ein Ausrufezeichen, gekrönt von ein paar übriggebliebenen Zackenfingern des Richternests, die zum Himmel zeigten.

Ich sagte leise, gedehnt:»Mein… Gott.«

Nach einiger Zeit fragte Roger:»Was halten Sie davon?«

«Vor allem«, sagte ich,»wüßte ich mal gern, wie zum Teufel Sie hier übermorgen Rennen veranstalten wollen.«

Er verdrehte genervt die Augen.»Es ist das Osterwochenende. Heute gibt es mehr Hochzeiten als an irgendeinem anderen Tag im Jahr. Am Montag Reitturniere, Hun-deschauen, was Sie wollen, landesweit. Ich habe gestern den ganzen Nachmittag versucht, Festzelte anzumieten. Irgendwelche Zelte. Aber jedes Stückchen Plane ist bereits vergeben. Wir decken natürlich diesen ganzen Teil der Tribüne ab und müssen alles und jedes zum Buchmacherring hin verlegen, aber bis jetzt hat man mir nur ein paar Container als Umkleidekabinen zugesagt, und es sieht so aus, als müßten wir im Freien wiegen, wie früher bei den Geländejagdrennen. Und was Ausschank und Verpflegung angeht. «Er zuckte hilflos die Achseln.»Wir haben den Gastrolieferanten gesagt, sie sollen nach ihrem Gutdünken verfahren, und sie meinten, sie seien ohnehin überfordert. Gott steh uns bei, wenn es regnet, dann arbeiten wir hier mit Schirmen.«

«Wo wollten Sie die Zelte aufstellen?«fragte ich.

«Auf dem Mitgliederparkplatz. «Er klang untröstlich.»Das Ostermontagsmeeting ist für uns der Dukatenesel der Saison. Wir können es nicht abblasen. Und sowohl Marjorie Binsham wie auch Conrad bestehen auf der Durchführung. Wir haben alle Trainer gebeten, uns ihre Tiere zu schicken. Die Ställe sind in Ordnung. Da geht noch alles nach Vorschrift, wir haben sechs Sicherheitsboxen und so weiter. Die Sattelboxen sind einwandfrei. Der Führring ist okay. Oliver kann mein Büro benutzen.«

Er wandte sich von der düsteren Betrachtung der Haupttribüne ab, und langsam machten wir uns auf den Weg zu seinem Arbeitsplatz. Er müsse telefonisch ein paar Schaltpläne durchgeben, sagte er.

Sein Büro war voll von Strattons. Conrad saß in Rogers Sessel hinter dem Schreibtisch. Conrad redete in Rogers Telefon, ganz Herr der Lage.

Conrad sagte gerade:»Ja, ich weiß, daß Sie meinem Verwalter gesagt haben, Sie hätten kein Zelt frei, aber hier spricht Lord Stratton persönlich, und ich ersuche Sie, uns ein geeignetes Zelt zu beschaffen und es morgen hier aufzubauen. Von mir aus schlagen Sie woanders eins ab, mir ist egal, woher Sie’s nehmen, aber bringen Sie eins her.«

Ich tippte Roger auf den Arm, bevor er etwas einwenden konnte, und bedeutete ihm, wieder mit hinauszugehen. Draußen, wo kein Stratton uns mehr beachtete, schlug ich vor, wir sollten zurück zum Bus fahren.

«Da haben wir auch Telefon«, erklärte ich.»Und man ist ungestört.«

«Haben Sie gehört, was Conrad gesagt hat?«

«Ja. Ob er es auf die Tour schafft?«

«Wenn ja, bin ich meinen Job los.«

«Fahren Sie uns zum Bus.«

Roger fuhr hin, und um mir die neuerliche Busbesteigung zu ersparen, sagte ich ihm, wo das Mobiltelefon stand und wo mein Adreßbuch lag, und bat ihn, mir beides nach draußen zu bringen. Als er wiederkam, schlug ich eine Nummer nach und rief sie an.

«Henry? Lee Morris. Wie geht’s?«

«Not am Mann? Was kaputt? Dach eingestürzt?«

«Du merkst aber auch alles.«

«Stimmt, Lee, aber mein Standardzirkuszelt hab ich als Reithalle an einen Ponyclub verpachtet. Kleine Mädchen mit Schutzhelmen. Die haben das fürs ganze Jahr.«

«Und das große, aufwendige?«

Ein ergebener Seufzer kam durch die Leitung. Henry, ein alter Freund, Altwarenhändler großen Stils, hatte von einem bankrotten Wanderzirkus zwei Hauptzelte übernommen, die er mir hin und wieder vermietete, wenn ich eine völlig abgetakelte Ruine vor dem Wetter schützen wollte.

Ich erklärte ihm, was benötigt wurde und weshalb, und ich erklärte Roger, wer sein Gesprächspartner war, dann stützte ich mich zufrieden auf das Gehgestell und ließ sie über Bodenfläche, Kosten und Transport reden. Als sie handelseinig wurden, sagte ich zu Roger:»Er soll sämtliche Flaggen mitliefern.«

Roger gab die Bitte verwirrt weiter und erhielt eine Antwort, die ihn zum Lachen brachte.»Ausgezeichnet«, sagte er,»ich rufe Sie zur Bestätigung noch mal an.«

Wir nahmen das Telefon und das Adreßbuch im Jeep mit und kehrten zum Büro zurück. Conrad brüllte dort zwar immer noch in den Hörer, doch nach der Ungeduld zu urteilen, die jetzt unter den übrigen Strattons herrschte, ohne Erfolg.

«Sie sind dran«, flüsterte ich Roger zu.»Sagen Sie, Sie hätten das Zelt gefunden.«

Es fiel ihm nicht leicht, sich mit fremden Federn zu schmücken, doch er hatte ein Einsehen. Die Strattons konnten aus Bosheit jeden Vorschlag meinerseits ablehnen, auch wenn es zu ihrem Vorteil war, darauf einzugehen.

Roger ging zu seinem Schreibtisch, als Conrad wütend den Hörer auf die Gabel knallte.

«Ich, ehm… ich habe ein Zelt aufgetrieben«, sagte er fest.

«Na, endlich!«meinte Conrad.

«Wo denn?«fragte Keith verärgert.

«Ein Mann in Hertfordshire hat eins. Er kann es morgen früh anliefern und schickt ein Team für die Montage mit.«

Conrad freute sich wider Willen und mochte es nicht zugeben.

«Allerdings«, fuhr Roger fort,»verleiht er dieses Zelt nicht kurzzeitig. Wir müßten es für mindestens ein Vierteljahr behalten. Aber«, setzte er eilig hinzu, da Unterbrechungen in der Luft lagen,»diese Bedingung wäre nur zu unserem Vorteil, denn die Tribüne dürfte noch viel länger außer Betrieb sein. Wir könnten das Zelt behalten, solange wir es brauchen. Es hat sogar einen festen Boden, verstellbare Trennwände und ist offenbar viel stabiler als ein normales Festzelt.«

«Zu teuer«, wandte Keith ein.

«Effektiv billiger«, sagte Roger,»als wenn wir für jeden Renntag extra Zelte aufstellen.«

Marjorie Binshams Blick schweifte an Roger und ihrer Familie vorbei und heftete sich auf mich.

«Hätten Sie einen Vorschlag?«fragte sie.

«Beachte ihn nicht«, beharrte Keith.

Ich sagte gleichmütig:»Alle vier Vorstandsmitglieder sind hier. Lassen Sie doch den Vorstand entscheiden.«