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Ein rasch überspieltes Lächeln zuckte in Marjories Mundwinkeln. Dart grinste unverhohlen.

«Nennen Sie uns die Zahlen«, verlangte Marjorie von Roger, und er entnahm seinen Notizen die Maße und den Preis und setzte hinzu, daß die Versicherung für den Ausfall der Tribüne die Kosten ohne weiteres decke.

«Wer hat die Versicherung abgeschlossen?«fragte Marjorie.

«Lord Stratton und ich, über einen Makler.«

«Na schön«, sagte Marjorie energisch,»ich stelle den Antrag, daß der Colonel zu den vorgeschlagenen Bedingungen einen Mietvertrag für das Zelt abschließt. Und Ivan unterstützt den Antrag.«

Ivan, überrumpelt, sagte geistesabwesend:»Ich? Ah ja, richtig.«

«Conrad?«fragte Marjorie herausfordernd.

«Hm… ich wohl auch.«

«Angenommen«, sagte Marjorie.

«Ich bin dagegen«, zischte Keith.

«Wir haben deinen Einspruch gehört«, sagte Marjorie.»Colonel, bestellen Sie das Zelt.«

Roger suchte die Nummer aus meinem Adreßbuch und sprach mit Henry.

«Sehr gut, Colonel«, beglückwünschte ihn Marjorie, als alles arrangiert war.»Ohne Sie könnte der Betrieb gar nicht laufen.«

Conrad sah ernüchtert aus, Ivan verwirrt und Keith mordlustig.

Jack, Hannah und Dart als Nebenfiguren enthielten sich des Kommentars.

Das eingetretene Schweigen endete mit der Ankunft zweier Fahrzeuge: Eins brachte, wie sich herausstellte, zwei höhere Polizeibeamte und einen Sprengstoffexperten; dem anderen entstiegen Conrads Abbruchspezialist und ein Vertreter der Stadtverwaltung mit wuchtigem Schnauzbart.

Die Strattons strömten geschlossen ins Freie.

Roger wischte sich mit der Hand übers Gesicht und meinte, der Militärdienst in Nordirland sei weniger stressig gewesen.

«Glauben Sie, wir haben es mit einem irischen Anschlag zu tun?«fragte ich.

Er sah erschrocken aus, schüttelte aber den Kopf.»Die Iren prahlen damit. Bis jetzt hat sich noch keiner auf die Brust geklopft. Und denken Sie dran, daß es kein Anschlag auf Personen war. Die irischen Bombenleger wollen Menschen verletzen.«

«Wer war es also?«»Die entscheidende Frage. Ich weiß es nicht. Und Sie brauchen mir nicht zu sagen, daß… vielleicht noch mehr kommt.«

«Wie steht’s mit der Bewachung?«

«Ich habe die Rennbahnarbeiter zwangsverpflichtet. «Er klopfte auf das Funksprechgerät an seinem Gürtel.»Alle halten ständig Kontakt mit meinem Vorarbeiter. Sobald ihnen was auffällt, meldet er es mir.«

Die soeben eingetroffenen Polizeibeamten kamen in das Büro und stellten sich als ein Chefinspektor und ein Detektivsergeant vor. Der dritte im Bunde, ein angespannter junger Mann, wurde namenlos und unbestimmt als Kampfmittel experte vorgestellt — jemand, der Bomben entschärft. Er stellte die meisten Fragen.

Ich antwortete ihm sachlich und beschrieb, wo die Sprengschnur gewesen war und wie sie ausgesehen hatte.

«Sie und Ihr kleiner Sohn wußten auf Anhieb, was es war?«

«Wir hatten schon mal welche gesehen.«

«Und wie dicht waren die Ladungen in den Wänden angebracht?«

«Im Abstand von etwa einem Meter. Manchmal auch weniger.«

«Und über einen wie großen Bereich?«

«Rings um die Wände des Treppenhauses auf mindestens zwei Etagen, vielleicht auch mehr.«

«Wir haben gehört, daß Sie vom Bau sind. Was meinen Sie, wie lange Sie selbst gebraucht hätten, um die Löcher für die Ladungen zu bohren?«

«Für eins? Zum Teil waren das Ziegelwände, zum Teil Wände aus künstlichen Steinen wie etwa Hüttenstein, und alle waren verputzt und gestrichen. Dicke, tragende Wände, aber nicht sehr hart. Man käme sogar ohne Schlagbohrer aus. Die Löcher müßten wahrscheinlich zwölf, dreizehn Zentimeter tief sein, zweieinhalb Zentimeter Durchmesser — mit Strom und einer starken Bohrkrone könnte ich vielleicht zwei in der Minute schaffen, wenn ich’s eilig hätte. «Ich schwieg.»Die Sprengschnur durch die Löcher zu führen und die Sprengmasse hineinzustopfen dauert natürlich länger. Ich habe mir sagen lassen, daß man sie sehr vorsichtig mit einem Stück Holz einbringen und zurechtdrücken muß, ohne daß es Funken gibt; zum Beispiel mit einem Besenstiel.«

«Wer hat Ihnen das gesagt?«

«Abbruchspezialisten.«

Der Chefinspektor fragte:»Woher wissen Sie so genau, daß die Wände aus Backstein und aus Schlackenstein bestanden? Wie konnten Sie das feststellen, wenn sie doch verputzt und gestrichen waren?«

Ich dachte zurück.»Unter den Bohrlöchern lag jeweils ein Häufchen Staub am Boden. Mal war es rötlicher Ziegelstaub, mal war es grauer.«

«Sie hatten Zeit, sich das anzusehen?«

«Ich erinnere mich daran. Eigentlich verriet der Staub mir nur, daß eine Menge Sprengstoff in den Wänden steckte.«

Der Spezialist sagte:»Haben Sie nachgesehen, wo der Schaltkreis herkam oder hinging?«

Ich schüttelte den Kopf.»Ich war auf der Suche nach meinem Sohn.«

«Und haben Sie um die Zeit sonst irgend jemanden in der Nähe der Tribüne gesehen?«

«Nein.«

Sie baten mich und Roger, mit ihnen bis zu der Absperrung zu kommen, damit wir dem Spezialisten erklären konnten, wo die Treppe und das Treppenhaus vor der Explosion gewesen waren. Der Sprengstoffexperte wollte dann offenbar mit Schutzanzug und Schutzhelm hineingehen und sich das Ganze von nahem besehen.»Lieber Sie als ich«, bemerkte ich dazu.

Sie stellten sich geduldig auf mein Schleichtempo ein. Als wir die Stelle erreichten, von wo aus der Schaden am besten zu sehen war, blickte der Bombenentschärfer zu den Zackenfingern des Richternests hoch und dann runter auf meine Gehhilfe. Er setzte seinen breitrandigen Schutzhelm auf und zeigte mir ein schiefes, selbstironisches Lächeln.

«Ich bin alt in meinem Beruf«, meinte er.

«Wie alt?«

«Achtundzwanzig.«

Ich sagte:»Auf einmal tut mir gar nichts mehr weh.«

Sein Lächeln wurde breiter.»Glück muß man haben.«

«Das wünsche ich Ihnen auch«, sagte ich.

Kapitel 8

Wissen Sie, was?«sagte Roger zu mir.

«Was denn?«

Wir standen ein wenig von den Polizisten entfernt auf dem Asphalt, die Trümmer noch vor Augen.

«Ich glaube, unser Sprengmeister hat einen größeren Bums verzapft, als er eigentlich wollte.«

«Wie meinen Sie das?«

Er sagte:»Es ist komisch mit hochexplosiven Stoffen. Die sind oft unberechenbar. Sie waren nicht mein Fachgebiet bei der Armee, aber natürlich machen die meisten Soldaten damit Bekanntschaft. Man neigt immer dazu, mehr Sprengstoff zu nehmen, als die Aufgabe erfordert, damit es auch ja wirklich hinhaut. «Er lächelte flüchtig.»Ein Kollege von mir sollte mal eine Brücke sprengen. Nur ein Loch reinblasen, um sie außer Betrieb zu setzen. Er hat die erforderliche Sprengstoffmenge überschätzt, und das ganze Ding zerstob zu feinstem Brückenpulver, das der Fluß wegspülte. Nichts blieb übrig. Alle fanden, er habe seine Sache glänzend gemacht, aber im stillen lachte er darüber. Auch ich hätte nicht gewußt, wieviel man braucht, um solch einen Schaden hier am Tribünenbau anzurichten. Und ich halte es für wahrscheinlich, daß der oder die Täter nur die Treppe demolieren wollten. Ich meine, wie sorgfältig die Wände im Treppenhaus belegt worden sind. Wenn die ganze Tribüne hätte zerstört werden sollen, warum dann nicht mit einer einzigen großen

Ladung? Wesentlich einfacher. Die Chance, beim Anbringen entdeckt zu werden, viel geringer. Verstehen Sie, was ich meine?«

«Ja.«

Er sah mir in die Augen.»Hören Sie«, sagte er verlegen,»es geht mich zwar nichts an, aber wäre es nicht besser, Sie würden sich in Ihrem Bus langlegen?«

«Ich gehe schon, wenn es sein muß.«

Er nickte.

«Ansonsten«, sagte ich,»ist es besser, man beschäftigt sich mit anderen Dingen.«