Выбрать главу

Das ließ er gelten.»Aber sagen Sie mir Bescheid.«

Plötzlich waren die Strattons rings um uns. Dart sagte mir ins Ohr:»Conrads Architekt ist auch da. Jetzt gibt es Zunder!«Ich sah ihm seine koboldhafte Freude an.»Hat Keith sie wirklich getreten?« fragte er.»Ivan meinte, ich hätte das Beste um Sekunden verpaßt.«

«Pech aber auch. Wo ist der Architekt?«

«Der Mann da neben Conrad.«

«Und das ist ein Erpresser?«

«Weiß der Himmel. Fragen Sie Keith.«

Er wußte ebensogut wie ich, daß ich Keith nichts fragen würde.

«Ich nehme an, Keith hat das erfunden«, sagte Dart.»Er lügt wie gedruckt — ein wahres Wort kommt ihm nicht über die Lippen.«

«Und Conrad? Lügt der auch?«

«Mein Vater?«Dart faßte das nicht als Verunglimpfung auf.»Mein Vater sagt aus Prinzip die Wahrheit. Oder aus mangelnder Einbildungskraft. Suchen Sie es sich aus.«

«Die Zwillinge am Scheideweg«, sagte ich.

«Zum Kuckuck, wovon reden Sie?«

«Erzähl ich Ihnen später.«

Marjorie sagte gerade unheildrohend:»Wir brauchen keinen Architekten.«

«Finde dich mit den Tatsachen ab«, bat Conrad.»Die Zerstörung geht doch durch und durch. Das ist ein Geschenk des Himmels, denn es gibt uns die Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu bauen.«

Etwas Sinnvolles bauen. Die Wörter hallten im Gedächtnis wider. Etwas Sinnvolles bauen, das war eine Devise, die ein Dozent an der Uni uns bis zum Überdruß vorgebetet hatte.

Ich blickte vorsichtig zu Conrads Architekt und stellte mein geistiges Auge sechzehn Jahre zurück. Conrads Architekt, so dämmerte mir langsam, war wie ich Student an der Bauakademie der Architectural Association gewesen: älterer Jahrgang, Eliteschüler, ein vielversprechender Mann. Ich erinnerte mich an sein Gesicht und seine glänzenden Aussichten, und ich hatte seinen Namen vergessen.

Roger ließ uns stehen, um sich in den Konflikt zwischen Marjorie und Conrad einzuschalten, obwohl er als Verwalter da auf verlorenem Posten stand. Conrads Architekt nickte ihm kühl zu; er sah Roger offenbar als Kritiker, nicht als Verbündeten.

Dart winkte zu den Trümmern hin und fragte mich:»Was sollten sie Ihrer Meinung nach tun?«

«Meiner Meinung nach?«

«Ja.«

«Meine Meinung interessiert sie nicht.«

«Mich aber.«

«Ich finde, sie sollten alles dransetzen, herauszufinden, wer das getan hat und warum.«»Dafür ist doch die Polizei da.«

«Soll das heißen, daß die Familie es nicht rausfinden will?«

Dart sagte bestürzt:»Können Sie durch Wände sehen?«

«Wieso will es keiner wissen? Mir scheint das gefährlich.«

«Marjorie tut einfach alles, um die Angelegenheiten der Familie geheimzuhalten«, sagte Dart.»Sie ist schlimmer als Großvater, und der hätte jeden Preis gezahlt, damit der Name Stratton sauber bleibt.«

Keith mußte sie eine schöne Stange Geld gekostet haben seit den Zeiten meiner Mutter, dachte ich und überlegte flüchtig auch wieder, was Forsyth, den sie so ängstlich ausgrenzten, wohl getan haben mochte.

Dart sah auf seine Uhr.»Zwanzig vor zwölf«, sagte er.»Ich bin hier allmählich bedient. Was halten Sie vom

Mayflower?«

Nach einiger Überlegung sagte ich ja zum Mayflower und folgte Dart unauffällig zu dem sechs Jahre alten grünen Granada mit den rostigen linksseitigen Kotflügeln. Harold Quest hatte offenbar nichts gegen Abgänge. Wir fuhren ungehindert hinüber in das nachempfundene 17. Jahrhundert, wo Dart sich ein kleines Bier spendieren ließ und ich zusätzlich fünfzehn dick mit Käse, Schinken, Tomate und Lauch belegte Brote sowie ein Kilo Eiskrem bestellte.

«So viel Hunger können Sie doch nicht haben!«rief Dart aus.

«Ich muß fünf Mäuler stopfen.«

«Guter Gott. Hatte ich vergessen.«

Wir tranken das Bier, während wir auf die Sandwiches warteten, und dann fuhr er uns gutmütig durch den hinteren Eingang wieder auf die Rennbahn und hielt bei Rogers Haus, vor dem Bus.

Neben dem Haupteinstieg des Busses befand sich ein kleines Außenfach, in dem ich vor langer Zeit eine Glocke wie bei einem Milchwagen angebracht hatte. Dart sah belustigt zu, wie ich sie jetzt herausklappte und Sturm läutete.

Die Cowboys kamen von der Prairie heim, hungrig, trocken, ohne Fehl, und setzten sich auf Kisten und Hauklötzer, um ihr Mittagsbrot im Freien einzunehmen. Ich blieb mit dem Gehgestell stehen. Für die Jungen ein inzwischen gewohnter Anblick, den sie als selbstverständlich hinnahmen.

Sie hatten eine Festung aus Ästen und Stöcken gebaut, sagten sie. In dem Fort saß die US-Kavallerie (Christopher und Toby), und draußen waren die Indianer (alle anderen). Die Indianer waren (natürlich) die Guten, und sie hätten gern das Fort gestürmt und ein paar Skalps erbeutet. List und Tücke seien gefragt, meinte Häuptling Edward. Alan Rotfeder war sein bewährter Kundschafter.

Dart, der auch ein Sandwich aß, bezeichnete Neils grelle Kriegsbemalung (Mrs. Gardners Lippenstift) als einen Sieg der politischen Korrektheit.

Keiner von ihnen wußte, was er meinte. Ich sah, wie Neil die Worte stumm mit den Lippen formte, um sie zu speichern und später danach zu fragen.

Wie die Heuschrecken verputzten sie das Mayflower-Essen, und da mir der Augenblick günstig erschien, sagte ich zu ihnen:»Gebt Dart doch mal das Rätsel mit dem Pilger auf. Das interessiert ihn bestimmt.«

Christopher begann entgegenkommend:»Ein Pilger kam zu einer Weggabelung. Ein Weg führte in die Sicherheit, der andere in den Tod. An beiden Wegen stand ein Wächter.«

«Es waren Zwillinge«, sagte Edward.

Christopher nickte und erzählte weiter.»Der eine Zwilling sagte immer die Wahrheit, und der andere log immer.«

Dart wandte den Kopf und starrte mich an.

«Es ist ein sehr altes Rätsel«, sagte Edward, als müsse er sich entschuldigen.

«Der Pilger durfte nur eine Frage stellen«, sagte Toby.

«Eine einzige. Und um lebend davonzukommen, mußte er herausfinden, welcher Weg in die Sicherheit führt. Was hat er also gefragt?«

«Er hat gefragt, welcher Weg der sichere ist«, sagte Dart bedächtig.

Christopher sagte:»Welchen Zwilling hat er gefragt?«

«Den wahrheitsliebenden.«

«Aber woher sollte er denn wissen, wer von ihnen die Wahrheit sprach? Sie sahen beide gleich aus. Sie waren Zwillinge.«

«Conrad und Keith sehen nicht gleich aus«, sagte Dart.

Die Kinder verstanden den Einwand nicht und drängten weiter. Toby hakte nach:»Welche Frage hat der Pilger gestellt?«

«Hab keinen blassen Schimmer.«

«Denken Sie nach«, befahl Edward.

Dart drehte sich zu mir um.»Retten Sie mich!«sagte er.

«Das hat der Pilger aber nicht gesagt«, belehrte Neil ihn genüßlich.

«Wißt ihr es alle?«

Fünf Köpfe nickten.»Papa hat es uns gesagt.«

«Dann sollte der Papa es mir auch sagen.«

Aber Christopher übernahm das Erklären.»Der Pilger durfte nur eine Frage stellen, also ging er zu einem der

Zwillinge und sagte: >Wenn ich deinen Bruder frage, welcher Weg aus der Gefahr herausführt, welchen Weg wird er mir weisen?<«

Christopher schwieg. Dart sah verdutzt aus.»Das war’s?«fragte er.

«Das war’s. Also, was hat der Pilger gemacht?«

«Nun, er… ich geb mich geschlagen. Was hat er gemacht?«

Sie rückten nicht mit der Sprache heraus.

«Ihr seid vom Teufel geritten«, meinte Dart.

«Einer von den Zwillingen war ein Teufel«, sagte Edward,»und der andere war ein Engel.«

«Das hast du dir gerade ausgedacht«, warf ihm Toby vor.