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«Nein. Willst du sie weghaben?«

«Du meinst vertreiben?«

«Wie soll das denn sonst gehen?«

«Durch Überreden?«tippte ich an.

«Geh!«

«Wenn du auf eine Wespe trittst, kommen fünfzig zur Beerdigung.«

Er nickte.»Verstehe, was du meinst. «Er strich sich den Bart.»Was tun wir also?«

«Wir finden uns mit ihnen ab.«

«Das ist doch das letzte.«

«Man könnte sagen, daß ein Verbot des Hindernissports die Tötung von Hunderten von Pferden nach sich ziehen würde, für die es keine Verwendung mehr gibt. Da würde nicht hin und wieder ein Pferd getötet, sondern der ganze Bestand, innerhalb eines Jahres. Sag Harold Quest, daß er für Massenschlachtungen eintritt und Pferde zu einer gefährdeten Tierart macht.«»Okay. «Er sah aus, als wollte er gleich zur Tat schreiten.

«Aber«, sagte ich,»wahrscheinlich regt er sich gar nicht so wegen der Pferde auf. Wahrscheinlich geht es ihm eher darum, anderen den Spaß zu verderben. Er unterhält sich gut, das ist sein Hauptanliegen. Er versucht seit Tagen schon, sich ein bißchen anfahren zu lassen. Morgen erreicht er vielleicht, daß man ihn festnimmt. Dann würde er sich kaum noch einkriegen.«

«Alle Fanatiker spinnen«, sagte Henry.

«Auch die Blaustrümpfe und die zwölf Apostel?«

«Möchtest du ein Bier?«fragte er zurück.»Mit dir diskutiere ich nicht.«

«Was wir wirklich brauchen, ist eine Gegendemonstration«, meinte ich.»Leute, die neben Harold Quest marschieren und Sprüche hochhalten wie ES LEBE DIE ARBEITSLOSIGKEIT, WER BRAUCHT SCHON PFERDEPFLEGER? ALLE HINDERNISPFERDE AB IN DIE LEIMFABRIK, SCHMIEDE SOLLEN STEMPELN GEHEN

«Hufschmiede«, sagte Henry.

«Was?«

«Hufschmiede beschlagen Pferde. Andere Schmiede bauen Gartentore.«

«Wie wär’s mit dem Bier?«sagte ich.

Aber das Bier mußte warten, denn es trafen nacheinander zwei motorisierte Besucher ein, beide aufgebracht wegen einer Beinah-Kollision mit Harold Quest.

Hinter der Stoßstange des ersten Wagens klemmten die zerrissenen Überreste eines Plakats, auf dem stand: SCHLUSS MIT DER BRUTALITÄT, doch wie so oft in derartigen Fällen hatte der Befehlston der abgedroschenen Ermahnung die gegenteilige Wirkung hervorgerufen.

Bei Oliver Wells, dem Fahrer, war der Lack vornehmer Liebenswürdigkeit so weit abgeblättert, daß der Machtwille dahinter schwer und düster zutage trat; und was sich da zeigte, schien mir die ganze Stoßkraft der Kolben zu sein, die normalerweise im Innern einer reibungslos laufenden Maschine verborgen blieb. Mehr Ellbogen, mehr Unnachgiebigkeit, als die Welt sonst zu sehen bekam. Brutalität war diesem demaskierten Mann durchaus zuzutrauen. Die lange Nase und die abstehenden Ohren zitterten vor ungebremster Wut, und er hatte kaum einen Blick für mich, als er fragte:»Wo ist Roger?«

«In seinem Büro«, sagte ich.

Blind und taub für das Gehämmer ringsumher marschierte Oliver auf die Bürotür zu. Der zweite Wagen, ein scharlachroter Ferrari, hielt mit qualmenden Reifen neben seinem, und die finster blickende Furie Rebecca schnellte daraus hervor.

Sie war die erste Stratton für heute, fiel mir flüchtig ein, und sie war mir unendlich weniger willkommen als ihr haarfixierter Bruder.

Auch Rebecca, in gutsitzender rehbrauner Hose und knallrotem Pullover, bebte vor übermächtiger Empörung.

«Den Klammeraffen bring ich um«, posaunte sie hinaus.»Der legt es ja drauf an, daß man ihn überfährt, und ich werd’s tun, das schwör ich, wenn er mich noch mal >Herz-chen< nennt.«

Ich hatte Mühe, das unpassende Lachen hinunterzuschlucken. Henry, der keine Hemmungen kannte und den reizbaren Feminismus sofort für sich einordnete, lachte schallend heraus.

Sie senkte halb die ausdrucksvollen Lider und schoß einen hochgiftigen Blick auf ihn ab, der Henry kaltließ.

«Wo ist Oliver?«Ihr Tonfall verriet, wie ihre Miene, unbeherrschte Arroganz.»Der Mann, der vor mir hier hereingekommen ist?«

«Da im Büro«, sagte Henry, mit dem Finger zeigend; und ich schwöre, daß ihm das Wort >Herzchen< auf der Zunge lag.

Er schaute ihrem panthergleichen Gang nach, als sie sich von uns entfernte, und hob als Kommentar drollig die Augenbrauen, eine echte Einladung zum Dolchstoß, wenn sie sich zufällig umgedreht hätte.

«Sie sieht gut aus und hat Mut«, sagte ich.»Das ist leider alles.«

«Wer ist sie denn?«

«Die Ehrenwerte Rebecca Stratton, Hindernisreiterin.«

Henry ließ die Brauen wieder sinken und zog seine unmittelbare Aufmerksamkeit von ihr ab.

«Bier«, verkündete er.

Wieder kam ein Auto uns dazwischen; ein kleiner schwarzer Porsche diesmal, der wie ein Schatten den Fahrweg entlangglitt und unauffällig, halb verdeckt durch einen von Henrys Lkws, stehenblieb. Niemand stieg aus. Durch die getönten Seitenfenster war nichts zu erkennen.

Henry sah stirnrunzelnd zu dem Neuankömmling hin.»Wer versteckt sich denn da hinter meinen Lastern?«

«Ich weiß nicht«, sagte ich.»Sieh mal nach.«

Er tappte hinüber, peilte die Lage, kam zurück.

«Er ist dünn, er ist jung, sieht aus wie Herzchen. Er hockt da hinter verriegelten Türen. Wollte nicht mit mir reden. «Henry blickte lüstern.»Er hat eine italienische Fernfahrergeste gemacht! Bist du jetzt schlauer?«

«Es könnte vielleicht Forsyth Stratton sein. Herzchens Cousin. Er sieht ihr sehr ähnlich.«

Henry zuckte die Achseln, sein Interesse verflog.»Was soll mit dem Leergut in den Bars passieren?«

«Das übernimmt der Gastroservice.«

«Dann zu unserem Bier.«

«Zu unserem Bier.«

Endlich hoben wir einen und beredeten dabei, was noch alles zu erledigen war. Seine Leute würden bis Mitternacht oder auch länger am Ball bleiben. Sie würden in den Fahrerhäusern schlafen, wie sie es gewohnt waren, und würden am Morgen in aller Frühe fertig aufbauen. Um halb zehn würden die Lkws fort sein, mit Ausnahme des kleinsten, Henrys persönlicher Werkstatt auf Rädern, die alles enthielt, was für Wartungs- und dringende Reparaturarbeiten nötig war.

«Ich bleibe zu den Rennen«, sagte er.»Die kann ich mir doch nach all dem nicht entgehen lassen.«

Roger stieß zu uns, sichtlich sehr angespannt.

«Oliver ist mal wieder scheußlichster Laune«, berichtete er.»Und was Rebecca angeht…«

Rebecca folgte ihm fast auf dem Fuß, rauschte aber an unserer Gruppe vorbei und suchte einen Durchschlupf in dem Stellzaun, der die eingestürzte Tribüne verbarg. Da sie keine Lücke fand, tigerte sie zurück zu Roger und sagte energisch:»Lassen Sie mich durch den Zaun. Ich möchte sehen, wie groß der Schaden ist.«

«Für den Zaun bin ich nicht zuständig«, sagte Roger beherrscht.»Vielleicht sollten Sie sich an die Polizei wenden.«

«Und wo ist die Polizei?«

«Auf der anderen Seite des Zauns.«

Sie kniff die Augenlider zusammen.»Dann holen Sie mir eine Leiter.«

Als Roger ihr nicht gleich gehorchte, wandte sie sich an einen vorbeikommenden Arbeiter.»Holen Sie mir eine Trittleiter«, befahl sie ihm. Sie hatte weder ein» bitte «für ihn übrig noch ein» danke schön«, als er die Leiter brachte. Sie sagte ihm bloß, wo er sie hinstellen sollte, und bekundete ihr Einverständnis mit der mürrischen Andeutung eines Nickens, als er ihr Platz machte.

Selbstbewußt, mit flüssigen Bewegungen, stieg sie die Sprossen hinauf und betrachtete erst einmal lange, was der Zaun verbarg. Henry und Roger schlichen sich davon wie listige alte Krieger und ließen mich allein in den Genuß von Rebeccas messerscharfen Kommentaren kommen. Sie stieg mit der gleichen sportlichen Eleganz wieder die Leiter herunter, warf einen verächtlichen Blick auf mein noch immer benötigtes Gehgestell und forderte mich auf, die Rennbahn sofort zu verlassen, da ich dort nichts zu suchen hätte. Ebensowenig hätte ich vor zwei Tagen auf der Tribüne verloren gehabt, und falls ich daran dächte, den Strattons wegen meiner Verletzungen eine Schadenersatzklage anzuhängen, würden die Strattons mich wegen unbefugten Betretens verklagen.