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«In Ordnung«, sagte ich.

Sie stutzte.»Was ist in Ordnung?«

«Haben Sie mit Keith geredet?«

«Das geht Sie nichts an, und ich habe Sie aufgefordert zu gehen.«

«Der Erfolg dieser Rennbahn geht mich etwas an«, sagte ich ohne mich zu rühren.»Sie gehört mir zu acht Hundertsteln. Ihnen werden, wenn Sie erst den Erbschein haben, drei Hundertstel gehören. Wer ist also eher berechtigt, hier zu sein?«

Sie kniff die glänzenden Augen zusammen, fegte das Thema Anteilsmehrheit ungeduldig beiseite und stürzte sich auf das, worauf es wirklich ankam.»Was heißt, wenn ich den Erbschein habe? Die Anteile gehören mir laut Testament.«

«Nach englischem Recht«, sagte ich, denn das hatte ich beim Ordnen der Angelegenheiten meiner Mutter herausgefunden,»kommt man in den Besitz einer Erbschaft erst, wenn das Testament bestätigt, die Steuer entrichtet und der Erbschein ausgestellt worden ist.«

«Ich glaube Ihnen kein Wort.«

«Das ändert nichts an den Tatsachen.«

«Soll das heißen«, fragte sie scharf,»daß meinem Vater, Keith und Ivan gar kein Sitz im Vorstand zusteht? Daß ihre ganzen blöden Entscheidungen null und nichtig sind?«

Ich erstickte ihre aufkeimenden Hoffnungen.»Das heißt es nicht. Vorstandsmitglieder müssen keine Anteilseigner sein. Marjorie konnte berufen, wen sie wollte, ob ihr das nun klar war oder nicht.«

«Sie wissen jedenfalls zuviel«, sagte Rebecca ärgerlich.

«Freut es Sie«, fragte ich,»daß die Tribüne jetzt in Trümmern liegt?«

Sie sagte trotzig:»Aber ja.«

«Und was soll nun werden?«

«Ein neuer Tribünenbau natürlich. Modern. Mit Glasfront. Alles neu. Nichts wie raus mit dem Scheiß-Oliver und dem verkalkten Roger.«

«Und den Laden selber schmeißen?«Ich meinte es nicht ganz ernst, aber sie stürzte sich im Flug darauf.

«Es spricht doch nichts dagegen! Großvater hat es ja auch gemacht. Jetzt sind Neuerungen gefragt. Neue Ideen. Aber ein Stratton sollte die Rennbahn leiten. «Ihr Gesicht glühte vor Eifer.»Sonst kann keiner in der Familie Anker und Anschlag auseinanderhalten. Vater muß zwar Stratton

Hays seinem Erben hinterlassen, aber das schließt das Rennbahngelände nicht ein. Seine Anteile an der Rennbahn kann er mir vererben.«

«Er ist erst fünfundsechzig«, sagte ich leise und fragte mich, welche aufrüttelnde Wirkung diese Unterhaltung wohl auf Marjorie und Dart gehabt hätte, ganz zu schweigen von Roger, Oliver und Keith.

«Ich kann warten. Ich möchte wenigstens noch zwei Saisons reiten. Es wird Zeit, daß mal eine Frau unter die ersten fünf auf der Jockeyliste kommt. Das erreiche ich dieses Jahr, solange ich nicht stürze oder von dämlichen Ärzten krankgeschrieben werde. Danach leite ich die Rennbahn.«

Ich hörte ihre Zuversicht und wußte nicht genau, ob sie sich Illusionen hingab oder wirklich dazu imstande war.

«Der Vorstand müßte Sie einsetzen«, sagte ich nüchtern.

Sie heftete abschätzend ihren Blick auf mich.»Müßte er wohl«, sagte sie gedehnt.»Und ich habe zwei volle Jahre, um dafür zu sorgen, daß er es auch tut. «Sie hielt inne.»Egal, aus wem er dann besteht. «Unvermittelt kam sie zu dem Schluß, daß sie sich lange genug mit mir abgegeben hatte, und pirschte zu ihrem scharlachroten Wagen zurück, nicht ohne dabei hungrige Blicke nach links und rechts zu werfen, auf das Reich, das sie zu regieren beabsichtigte. Marjorie würde dem einen Riegel vorschieben, aber ewig konnte sie das auch nicht, denn zwischen ihnen lagen Jahrzehnte. Daran hatte Rebecca gedacht.

Henry und Roger, die Feiglinge, stellten sich erst wieder ein, als Rebeccas Auspuff in Richtung Ausgang röhrte.

«Was hat sie Ihnen erzählt?«fragte Roger neugierig.»Sie sah ja fast menschlich aus.«

«Ich glaube, sie möchte hier die Leitung übernehmen wie ihr Großvater.«»Quatsch!«Er setzte zu einem Lachen an, das sich in ein unsicheres Stirnrunzeln verwandelte.»Die Familie wird es nicht zulassen.«

«Nein. «Nicht dieses Jahr, dachte ich, und nicht nächstes Jahr; aber danach?

Roger tat den unhaltbaren Gedanken mit einem Achselzucken ab.»Sagen Sie Oliver nichts davon«, meinte er.»Der bringt sie eher um.«

Ein Polizist und der achtundzwanzig Jahre alte Bombenfachmann kamen durch einen Abschnitt des Zauns und stießen ihn einen Spaltweit auf, so daß man ihre Kollegen bei der langwierigen Suchaktion sehen konnte.

Roger und ich gingen ihnen entgegen und betrachteten neugierig, was sie uns mitgebracht hatten.

«Überreste eines Weckers«, meinte der Experte vergnügt.

«Man stößt fast immer auf Bestandteile von Zeitschaltern. Bei dieser Art von Sprengstoff löst sich eigentlich nichts in Luft auf.«

«Was für Sprengstoff?«fragte ich.

«P.E.4. Kein Semtex. Auch nicht Dünger und Dieselöl. Kein Bastelstubenterror. Ich würde sagen, wir haben es hier mit regulären Armeebeständen zu tun, nicht mit der IRA

Roger, der Oberst, sagte steif:»Die Armee überwacht die Ausgabe von Sprengkapseln genau. Ohne Sprengkapseln ist P.E.4 Kinderkram.«

Der Experte nickte.»Man kann es kneten und formen wie Marzipan. Ich würde allerdings nicht mit dem Hammer draufschlagen. Aber Sprengkapseln unter Verschluß? Daß ich nicht lache. Mein Leben wäre einfacher, wenn das stimmte. Aber die Armee versiebt bekanntlich sogar Pan-zer. Was ist schon ein bißchen Knallquecksilber unter Freunden?«

«Mit Sprengkapseln sind alle vorsichtig«, beharrte Roger.

«Aber sicher. «Der Experte grinste überlegen.»Alte Soldaten, die lassen eine Feldhaubitze verschwinden, wo Sie dabei sind. Und man sagt ja, es geht nichts über ein tüchtiges Feuer.«

Dem Ausdruck auf seinem Gesicht nach kannte Roger diesen Spruch nur zu gut.

«Als vor ein paar Jahren mal ein bestimmtes Depot, so groß wie fünf Fußballfelder, in Flammen aufging«, erläuterte mir der Experte mit Genuß,»da kam gleich doppelt soviel Material auf die Verlustliste, wie das Depot überhaupt aufnehmen konnte. Die Armee lieferte tonnenweise kreative Schreibarbeit, um nachzuweisen, daß in der Woche vor dem Brand noch alles mögliche in das Depot gebracht worden war. Sachen, die seit längerem verschwunden waren und deren Fehlen vielleicht hätte erklärt werden müssen, waren jetzt offiziell >ins Depot verbracht< worden. Und es wurden Sachen >ins Depot verbracht<, die nach dem Brand kofferweise wesentlich näher an der Heimatbasis liegende Lieferziele gefunden hatten. Ein Segen, so ein Feuer, nicht wahr, Colonel?«

Roger sagte steif:»Sie erwarten wohl nicht, daß ich dem zustimme.«

«Natürlich nicht, Colonel. Machen Sie mir nur nicht weis, es sei unmöglich, daß eine Kiste Sprengkapseln unterschlagen wird. «Er schüttelte den Kopf.»Zugegeben, nur ein Narr oder ein Fachmann würde sie anfassen, aber ein Wort hier, ein Wort da, und es gibt Abnehmer für alles unter der Sonne.«

Kapitel 10

Die Arbeit ging voran.

Stromkabel ringelten sich überall und wurden nach und nach in das Zelt integriert. Die immer heller werdende Beleuchtung sah aus, als gehörte sie seit jeher dorthin. Weiße Ventilatoren drehten sich lautlos unter Abzugsöffnungen im Dach, um Gerüche und verbrauchte Luft zu vertreiben. Henry verstand mehr von Zeltmanagement und Publikumsbetreuung, als die schweißgebadeten Besucher sonnendurchglühter Festzelte sich hätten träumen lassen, und da auch für mich die Regelung der Luft- und Wärmeverhältnisse fast absoluten Vorrang hatte, würden die Rennbahnbesucher in Stratton Park unbeschwert atmen, ohne zu wissen wieso.