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«Was liegt daran?«

«War er es?«fragte ich.

«Ja, schon. Wie kommen Sie darauf?«

«Es wurmt ihn, wie die anderen ihn behandeln, und von ihrer Seite aus gesehen wird er dadurch unzuverlässig. Er weiß, daß er vollauf verdient hat, wie sie ihn behandeln. Sie glauben, ihn in der Hand zu haben, aber sie könnten auch zuviel Druck ausüben.«

«Wie bei Plastiksprengstoff.«

«Ja. Spiel mit dem Feuer.«

Roger nickte.»Er hat es mir aus Bosheit gesagt, um ihnen eins auszuwischen, und dann meinte er, es seien nur Vermutungen. Er ist nicht sehr gescheit.«

«Aber sehr unglücklich.«

«Ich mag ihn nicht, ich traue ihm nicht, und ich weiß wirklich nicht, was er getan hat. Wenn die Strattons etwas verbergen, dann verbergen sie es richtig.«

Wir gingen aus dem Hauptzelt und fanden einen Lieferwagen und einen Pkw am Eingang vor. Auf dem Lieferwagen stand in weißer Schrift auf Grün >Gartencenter Strattonc. Der sich öffnenden Tür des Pkw entstieg Ivan.

Die Hände auf den Hüften, den Kopf zurückgelegt, stand er da und schaute in höchstem Erstaunen auf die sonnenbeschienene Fähnchenpracht. Ich wartete auf seine Miß-fallensbekundung, ohne an den kleinen Jungen in ihm zu denken.

Er sah Roger an, und in seinen Augen funkelte ein Lächeln.

«Colonel«, sagte er,»wie lustig.« Er lenkte den Blick erst auf meinen Gehstock, dann auf mein Gesicht.»Dürfte ich«, sagte er unbehaglich,»mein Urteil vielleicht revidieren?«

«Inwiefern?«

«Eigentlich«, sagte er,»glaube ich, daß sich Keith in Ihnen irrt, nicht wahr?«Er wandte sich verlegen ab und wies seinen Fahrer an, auszusteigen und die Hecktüren des Transporters zu öffnen.»Ich habe gestern abend mit Dolly, meiner Frau, darüber gesprochen«, fuhr er fort,»und wir finden, es ergibt keinen Sinn. Wenn Sie die Familie erpressen wollen, warum sollten Sie uns dann helfen, indem Sie das Zelt besorgen? Sie scheinen mir auch kein so übler Kerl zu sein, nicht wahr, und Hannah hat in bezug auf ihre Mutter — Ihre Mutter — schon immer eine Meise gehabt. Kurz und gut, wir haben überlegt, daß ich mich bei Ihnen entschuldigen könnte, wenn sich die Gelegenheit ergibt, nicht wahr?«

«Vielen Dank«, sagte ich.

Sein Gesicht hellte sich auf; dieser Punkt war erledigt. Seine Leute öffneten die Hecktür und gaben den Blick frei auf ein dichtes Farbgestöber im Innern. Ein ganzes Heer von blühenden Topfpflanzen.

«Herrlich«, sagte Roger ehrlich begeistert.

«Na ja«, erklärte Ivan erfreut,»als ich gestern das Hauptzelt gesehen hatte, war mir klar, weshalb Sie Pflanzen von mir haben wollten, und heute morgen war ich selbst im Laden und hab meinem Geschäftsführer gesagt, er soll statt Grünzeug Blumen einladen. Massenhaft Blumen. War doch das wenigste, was ich tun konnte, nicht wahr?«

«Sie sind wunderschön«, versicherte ich ihm.

Er strahlte, ein untersetzter Mann in den Fünfzigern, nicht klug, nicht eindrucksvoll, durchaus geschliffen, im Grunde aber unkompliziert. Er war nicht direkt ein Feind gewesen und würde nicht direkt mein Freund sein, doch aus meiner Sicht konnte jeder unparteiische Stratton schon als Segen gelten.

Unter Ivans fröhlicher Anleitung schleppten meine Kinder eifrig die Blumen und stellten sie auf. Ob sie sie später auch so bereitwillig wieder einsammeln würden, wußte ich nicht, doch da Ivan jedem gutgelaunt ein Pfund für seine Mühe gab, war alles möglich.

«Das ist doch nicht nötig«, sagte Christopher ernst zu ihm, als er sein Geldstück einsteckte,»aber vielen Dank.«

«Forsyth«, meinte Ivan wehmütig zu mir,»war als kleiner Junge auch nett.«

Ich sah zu, wie Toby schwankend mit einem Riesentopf Hyazinthen vorbeilief. Ich würde nahezu alles geben, dachte ich, damit mein eigener Problemsohn zu einem ausgeglichenen Mann heranwuchs, doch das mußte aus ihm selber kommen. Er würde seine eigenen Entscheidungen treffen, wie es Forsyth getan hatte, wie jeder es tut.

Als die Pflanzen untergebracht waren, fuhren Ivan und sein Transporter davon, und Roger fragte, ob ich bei der Instandsetzung der abgebrannten Hecke zusehen wollte. Ich blickte auf Neil hinunter, der zufällig gerade meine Hand hielt, und Roger rief mit seiner Exerzierplatzstimme resigniert:»Jungs!«und wartete, bis sie angestürzt kamen und sich in den Jeep drängelten.

Toby weigerte sich auszusteigen, als er sah, wo wir gelandet waren, doch die anderen und ich schauten uns die neuesten Fortschritte in der Fertigbauweise an.

«Früher hat es Tage gedauert, ein Hindernis neu aufzubauen«, sagte Roger.»Da haben wir ein Lattengestell errichtet, den Rahmen Bündel für Bündel mit Reisern gefüllt und schließlich die Bürste oben zurechtgeschnitten. Jetzt bauen wir Teilhecken auf Vorrat, schaffen sie dahin, wo sie gebraucht werden, und rammen sie in den Boden. So können wir in kürzester Zeit ein Hindernis ganz oder teilweise auswechseln. Der Brand war heute im Morgengrauen, und startklar muß der Sprung hier frühestens heute nachmittag um halb drei sein. Ein Kinderspiel!«

Seine Leute hatten bereits die Asche entfernt und hievten jetzt den ersten neuen Teilabschnitt an seinen Platz.

«So bauen wir heute alle Hindernisse«, sagte Roger.»Sie sind gut zu springen, aber nicht so fest und hart wie die alten.«

Ich fragte:»Haben Ihre Leute in der Asche irgendwelche… nun ja, Spuren gefunden, die darauf hinweisen, wer das Feuer gelegt hat?«

Roger schüttelte den Kopf.»Wir haben dauernd Ärger mit Vandalen. Es bringt nichts, wenn man die Täter sucht. Es sind fast immer Teenager, und denen klopft der Richter höchstens mal auf die Finger. Wir planen einfach Vandalismus in den Etat mit ein und bemühen uns, den Schaden gering zu halten.«

«Wer weiß, daß Sie ein Hindernis so schnell ersetzen können?«fragte ich.

«Die Trainer wahrscheinlich«, sagte er vorsichtig.»Vielleicht die Jockeys. Sonst nicht viele Leute, außer denen, die hier arbeiten.«

Roger unterhielt sich kurz mit seinem Vorarbeiter, der auf die Uhr schaute, nickte und wieder ans Werk ging.

«Gut«, sagte Roger und scheuchte uns zu seinem Jeep zurück.

«Also Jungs, Appell um halb zwölf vor meinem Büro am Jeep, okay? Dann setz ich euch und euren Vater am Bus ab und fahre zu mir. Wir ziehen uns alle für die Rennen um. Um Punkt zwölf Uhr fahre ich mit euch zum Sattelplatz. Verstanden?«

Die Jungen salutierten fast. Den Schirm seiner Tweedmütze über die Augen nach vorn gezogen wie ein Wachoffizier, gab Roger mit seiner knappen, sehr sorgfältigen Sprechweise und seinem souveränen Auftreten genau den ranghohen Soldaten ab, dem man von Natur aus gehorchte. Mir war klar, daß es mir nie gelingen würde, das Verhalten meiner Kinder mit so leichter Hand zu lenken.

Als wir bei Rogers Büro anlangten, war dort auf dem Vorplatz ein Streit in vollem Gange. Die Demonstranten vom Haupteingang waren jetzt alle drinnen und hatten sich um Henry geschart, der fest den Ellbogen von Harold Quest umklammert hielt. Die Chef-Agitatorin benützte ein Plakat, auf dem SCHÜTZT DIE TIERE stand, um Henry damit wie mit einem Paddel zu bearbeiten. Vier oder fünf andere schrien mit häßlich verzerrten Mündern verbale Beleidigungen, und Henry schüttelte Harold Quest ohne Respekt oder Erbarmen.

Als er uns sah, brüllte Henry mit einer Stimme, die so mühelos das Gekreisch der anderen übertönte, wie er sie an Länge übertraf:»Der Kerl ist ein Betrüger! Ein verfluchter Betrüger. Der ganze Verein ist faul. Alles Mumpitz.«

Er streckte die nicht mit dem Durchschütteln Quests beschäftigte Hand aus und entwand der Harpyie, die auf ihn eindrosch, das Plakat.

«Madam«, brüllte er,»gehen Sie heim in Ihre Küche.«

Henry war einen halben Meter größer als sie. Er überragte Quest. Henrys Bart war dicker als der von Quest, Henrys Stimme mächtiger, Henrys Brustumfang der doppelte, Henrys Charakter — kein Vergleich.