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Er schwitzte.»Ich bin dafür bezahlt worden«, sagte er.

Wir quittierten diese Eröffnung mit Schweigen.

Quest warf einen verhuschten Blick auf die vorwurfsvollen Gesichter ringsum und schwitzte ein wenig mehr.

«Ich bin Schauspieler«, bekannte er.

Immer noch Schweigen.

Quests Verzweiflung wuchs im gleichen Maß, wie seine Stimme in die Höhe stieg.»Sie wissen ja nicht, wie das ist, wenn man immer nur auf Engagements wartet und immerzu am Telefon sitzt und sich von Krümeln nährt… da nimmt man alles, alles an…«

Schweigen.

Er fuhr unglücklich fort.»Ich bin ein guter Schauspieler.«

Das hätte wohl keiner von uns bestritten.

«… aber man muß auch Glück haben. Man muß Leute kennen.«

Er nahm die verrutschte Strickmütze ab und sah nun schon eher nach Harold Quest, dem arbeitslosen Schauspieler, aus, als nach Harold Quest, dem aufgepulverten Fanatiker.

Er sagte:»Ich kriegte einen Anruf von jemand, der mich als Jagdsaboteur in einem Fernsehfilm gesehen hatte… eine kleine Rolle bloß, kein Dialog, nur Geschimpfe, aber mein Name kam im Nachspann — erster Jagdsaboteur, Harold Quest.«

Erstaunlicherweise war er stolz darauf: sein Name im Nachspann.

«Und dieser Anrufer fragte, ob ich für Geld auch richtig demonstrieren würde. Wobei noch die Agenturkosten entfielen, da er mich einfach aus dem Telefonbuch gepickt und auf gut Glück angerufen hatte…«

Er hielt inne und suchte in unseren Gesichtern, bat um Verständnis, bekam aber nicht viel.

«Tja«, sagte er schwach,»ich sollte wegen Mietrückstand aus meiner Wohnung fliegen und wußte nicht wohin, und ich hatte schon mal auf der Straße gelegen, und das ist das Schlimmste, was es gibt.«

Irgend etwas an dieser Litanei, ein Unterton in dem Selbstmitleid, rief mir jäh in Erinnerung, daß hier ein Profi, ein guter Schauspieler sprach und daß man der Tränendrückerei nicht trauen durfte. Aber laß ihn reden, dachte ich. Vielleicht hat er auch ein Körnchen Wahrheit zu bieten.

Er merkte selbst, daß die Mitleidstour nicht auf allzuviel Verständnis stieß, und wartete mit einer nüchternen Darstellung auf.

«Ich fragte, um was es ging, und man sagte, ich solle hierherkommen und den Leuten auf die Nerven gehen.«

«Man?« fragte Roger.

«Also gut, er. Er sagte, ich solle sehen, ob ich ein paar echte Demonstranten zusammentrommeln und sie überreden kann, hierherzukommen und ein bißchen auf den Putz zu hauen, also bin ich zu einer Fuchsjagd und hab die großfressige Paula und einige von ihren Freunden herbestellt… und ich kann Ihnen sagen, jetzt habe ich fast eine Woche mit denen hinter mir, und sie gehen mir chronisch auf den Zeiger.«

«Aber Sie sind bezahlt worden?«warf ich ein.»Das Geld haben Sie kassiert?«»Na ja. «, gab er widerstrebend zu,»ein Teil im voraus. Jeden Tag was dazu. Ja.«

«Jeden Tag?«wiederholte ich ungläubig.

Er nickte.

«Und für das in Brand gesteckte Hindernis?«

Er wand sich wieder und blickte störrisch wie ein Maultier drein.»Daß das Hindernis angezündet werden soll, davon hat er am Anfang nichts gesagt.«

«Wer ist er?«fragte Roger ohne Schärfe.

«Er hat mir seinen Namen nicht genannt.«

«Soll das heißen«, sagte Roger in dem gleichen verständigen Ton,»Sie haben hier für einen Unbekannten eine Dauerdemonstration aufgezogen?«

«Für Geld. Wie ich schon sagte.«

«Und Sie haben drauf vertraut, daß Sie Ihr Geld kriegen?«

«Na, ich hab’s doch gekriegt. «Sein trotziges Verhalten half ihm wenig; ganz im Gegenteil.»Wäre ich nicht bezahlt worden, hätte es mich lediglich das Busgeld von London gekostet, aber er hat es mir versprochen und sein Wort gehalten. Und jeden Tag, an dem ich Unruhe gestiftet habe, gab es mehr.«

«Beschreiben Sie ihn«, sagte ich.

Quest, wieder vorsichtig, schüttelte den Kopf.

«Das genügt nicht«, sagte Roger entschieden.»Die Rennbahn wird Sie wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung verklagen, weil sie die Hecke vor dem Graben in Brand gesteckt haben.«

«Aber Sie sagten doch…«, setzte Quest schwach zum Protest an.

«Wir haben nichts versprochen. Wenn Sie uns keine

Hinweise auf Ihren, äh, Anwerber geben, holen wir sofort die Polizei her.«

Quest gab mit gehetztem Blick klein bei.

«Er hat von mir verlangt«, sagte er, bemüht, uns zu überzeugen,»daß ich sämtliche Wagen anhalte und mich möglichst aufdringlich benehme, und er selbst ist auch mit dem Auto gekommen und hat die Scheibe runtergedreht und mir meine Telefonnummer gesagt, damit ich wußte, daß er es war. Dann habe ich die Hand ins Auto gehalten, und er hat Geld hineingelegt, aber ich durfte ihn nichts fragen und ihn nicht ansprechen — Gott sei mein Richter.«

«Sie kriegen einen Richter, der viel näher ist als Gott«, blaffte Henry,»wenn Sie uns nicht die Wahrheit sagen.«

«Gott ist mein…«:, setzte Quest an und verstummte hilflos, überfordert durch so viele Ankläger, so massiven Unglauben.

«Also gut«, sagte Roger ihm nüchtern,»es mag sein, daß Sie ihm nicht ins Gesicht gesehen haben, daß Sie nicht wissen wollten, wie er aussieht, aber eines wissen Sie inzwischen bestimmt, und das können Sie uns sagen.«

Quest schaute lediglich nervös drein.

«Was für ein Wagen?« sagte Roger.»Beschreiben Sie ihn. Sagen Sie uns die Nummer.«

«Na ja… ich…«

«Von der ersten Löhnung an«, sagte Roger,»werden Sie nach diesem Wagen Ausschau gehalten haben.«

Vermutlich würde ein Kaninchen eine Schlange ungefähr so ansehen, wie Quest Roger ansah.

«Wasfür ein Wagen?« schrie Henry Quest ins Ohr.

«Ein Jaguar XJ 6. Silberfarben. «Er murmelte die Nummer.

Roger, leicht entgeistert, aber nicht ungläubig, sagte knapp zu mir: »Keith.«

Er und ich verarbeiteten die Neuigkeit. Henry sah mit hochgezogenen Brauen zu uns herüber. Roger nickte und winkte ab. Als Henry begriff, daß die entscheidende Information ans Licht gekommen war, schaute er seinen demoralisierten Gefangenen ein wenig freundlicher an.

«Also«, sagte er, nur mehr in mittlerer Lautstärke,»wann haben Sie denn die Anzünder bekommen?«

Nach einem Augenblick sagte Quest unterwürfig:»Die habe ich gekauft.«

«Wann?«fragte Roger.

«Am Samstag.«

«Auf seine Anweisung?«

Quest sagte schwach:»Bei dem Geld lag ein Zettel. Darauf stand, ich solle die Hecke vor dem Graben verbrennen, wo an dem Samstag ein Pferd umgekommen war. Ich sollte sie sicherheitshalber mit Benzin übergießen.«

«Das haben Sie aber nicht gemacht.«

«Ich bin doch nicht bescheuert.«

«Nah dran«, meinte Henry zu ihm.

«Wo bekomme ich denn Benzin?«fragte er rhetorisch.»Soll ich zu einer Tankstelle gehen, einen Kanister mit zwanzig Litern kaufen und dann ein Hindernis damit abfackeln? Ich bitte Sie. Der dachte, ich bin doof.«

«Einen Hamburger zu essen war auch doof«, sagte Henry.

«Haben Sie noch den Zettel mit den Anweisungen?«fragte ich.

«Auf dem Zettel stand, ich soll die Anweisungen verbrennen.«

«Und das haben Sie getan?«

Er nickte.»Natürlich.«

«Sehr dumm«, sagte ich.»Zum Schurken sind Sie nicht geboren. Wer soll Ihnen glauben ohne diese Anweisungen?«

«Aber«, sprudelte er hervor,»aber ich meine…«

«Wie haben Sie es denn eigentlich gemacht?«fragte ich.»Ich meine, wie haben Sie die Feueranzünder verteilt?«