Er sagte sachlich:»Ich hab sie immer zu mehreren in die Hecke gesteckt. Dann bin ich mit einer zusammengerollten Zeitung als Fidibus an den Hölzern langgegangen und hab sie alle gleichzeitig angezündet. «Er lächelte fast.»Es war einfach.«
Er hätte auch die Verpackung verbrennen sollen, dachte ich, aber die Leute patzten nun einmal, insbesondere Schauspieler, die keine kriminelle Erfahrung hatten.
«Ich glaube«, sagte ich zu Roger und Henry und Oliver,»den Fall sollten wir strattonieren.«
«Was heißt das nun wieder?«
«Dürfte ich mal Ihre Schreibmaschine benutzen?«
«Natürlich«, sagte Roger und wies auf das hintere Büro.»Da drin.«
Ich setzte mich an die Maschine, schaltete den Strom ein und tippte eine kurze Erklärung:
Ich, Harold Quest, Schauspieler, habe mich bereit erklärt, gegen Entgelt am Haupteingang der Rennbahn Stratton Park Störaktionen in Form von Demonstrationen durchzuführen, die vorgeblich, aber nicht wirklich die Ziele einer gegen den Hindernissport agierenden Bewegung unterstützen sollten. Für diese Dienstleistung habe ich mehrmals Geld von einem Mann, der einen silbernen Jaguar XJ 6 mit der Nummer… fuhr, erhalten. Außerdem habe ich, um den Anweisungen dieses Mannes nachzukommen, 100 Feueranzünder Marke >Sure Fi-re< erstanden und damit am Ostermontag gegen sechs
Uhr früh die Hecke vor dem Graben auf der Geraden niedergebrannt.
Roger, Oliver und Henry lasen den Text und legten ihn Harold Quest zur Unterschrift vor. Wie vorauszusehen, zauderte er. Wir sagten ihm, er solle auch das Datum und seine Anschrift hinzufügen.
«Ist doch nichts dabei«, sagte ich, als er immer noch zögerte.
«Sie stehen ja im Telefonbuch, und auch über Spotlight können wir Sie jederzeit finden, wenn da Ihr Foto und der Name Ihres Agenten erscheint.«
«Aber das ist doch ein Schuldbekenntnis«, protestierte er, ohne in Zweifel zu ziehen, daß wir ihn aufspüren könnten, da jeder Schauspieler über das Fachorgan seiner Sparte ausfindig zu machen war.
«Sicher«, sagte ich,»aber wenn Sie unterschreiben, können Sie jetzt sofort abhauen und Ihren Rückfahrschein benutzen, und wenn Sie Glück haben, geben wir Ihr Geständnis nicht der Polizei.«
Quest suchte in unseren Gesichtern und fand wenig Trost oder Zuspruch darin, aber er unterschrieb die Aussage. Er setzte handschriftlich das (von Roger bestätigte) Autokennzeichen ein und schrieb auch seine Adresse und das Datum hinzu.
Die anderen prüften die Endfassung.
«Ist alles drin?«fragte mich Roger.
«Ich glaube schon.«
Roger sagte zu Henry:»Lassen Sie ihn laufen«, und Henry stieß die Tür zur Freiheit auf, zeigte mit dem Daumen und erteilte Quest einen letzten Befehclass="underline" »Raus.«
Quest, ein Amalgam aus Erleichterung und Angst, wartete nicht erst, ob wir es uns anders überlegten, sondern sah zu, daß er hinauskam.
Henry sah auf die liegengebliebenen Hamburgerreste und meinte angewidert:»Wir hätten das Früchtchen mit der Nase in den Senf stecken sollen.«
Ich sagte mit gespieltem Ernst:»Quest ist gar nicht so übel. Immerhin hat er Rebecca >Herzchen< genannt.«
Henry lachte schallend.»Das stimmt auch wieder.«
Roger hob das unterschriebene Geständnis auf.»Was machen wir jetzt damit? Geben wir es doch der Polizei?«
«Nein«, sagte ich,»wir geben es Marjorie Binsham.«
Kapitel 12
Ungeachtet unserer Drohungen gegenüber Quest befanden sich an diesem Morgen hinter dem Bretterzaun nur noch zwei Konstabler im Einsatz, und beide mehr, um zu verhindern, daß Unbefugte den einsturzgefährdeten Bau betraten und sich verletzten, als um weiter nach Spuren zu suchen.
Soweit Roger und Oliver am vorangegangenen Nachmittag, während ich in London war, herausbekommen konnten, hatten die höheren Dienstgrade und der Bombenspezialist ihre Arbeit mit der Entdeckung und Restaurierung eines zersprengten Zifferblatts abgeschlossen und vage erklärt, die Ermittlungen würden» andernorts «weitergeführt.»Sie wissen nicht, wer es war«, folgerte Roger knapp.
Vor dem tristen und unschönen Trennzaun erhob sich jetzt ein aufblasbares, zum Springen und Turnen einladendes Dornröschenschloß mit Zuckerbäckertürmen und sogar einem Aufpasser in Gestalt des einzigen Montagearbeiters, den Henry zurückbehalten hatte.
Ivan hatte in einer Anwandlung von Großzügigkeit noch eine Ladung (kostenloser) Pflanzen vorbeigebracht, diesmal buschähnliche junge Bäume in Töpfen, die er zu beiden Seiten des Schlosses verteilte, so daß der Bretterzaun zu einem freundlicheren, fast schon schmückenden Teil des Gesamtbildes wurde.
Als Roger schließlich gegen halb zwölf mit uns nach Hause fuhr, fiel weder ihm noch mir noch Henry irgend etwas ein, das bis zum Nachmittag hätte verbessert werden müssen, wenn auch vieles, woran man nachher, vor dem nächsten Renntag, noch arbeiten konnte.
Die Jungens zogen sich unter nur mittlerem Gemecker saubere Sachen an. Ich verwandelte mich vom Bauarbeiter zum feinen Herrn und war so ungeschickt, den Stapel Tagebücher von Carteret, die auf dem Tisch an meinem Bett lagen, mit dem Gehstock zu Boden zu werfen. Edward hob sie mir freundlicherweise auf, hielt aber eines so unglücklich aufgeklappt, daß die Seiten halb aus der Spiralbindung rissen.»He, paß auf!«sagte ich und nahm es ihm ab.»Sonst werde ich erschossen.«
Ich konzentrierte mich darauf, das Heft so zu schließen, daß es nicht noch mehr Schaden litt, und von der aufgeschlagenen Seite sprang mich der Name an, nach dem ich im Zug vergeblich gefahndet hatte.
Wilson Yarrow.
«Wilson Yarrow«, hatte Carteret geschrieben,»dieses Vorbild, das man uns ständig um die Ohren schlägt, soll ein Betrüger sein!«
Der nächste Absatz brachte keine Erläuterung dazu, sondern beschränkte sich auf Anmerkungen zu einer Vorlesung über die Miniaturisierung des Raums.
Ich stöhnte.»Er soll ein Betrüger sein «brachte mich nicht weiter. Ich blätterte einige Seiten vor und kam zu folgendem:
Man munkelt, daß Wilson Yarrow den Epsilon-Preis voriges Jahr mit einem abgekupferten Plan gewonnen hat!
Rote Köpfe im Kollegium! Sie wollen nicht darüber reden, aber vielleicht hören wir ja von jetzt an weniger über den brillanten Wilson Yarrow.
Der Epsilon-Preis, ich erinnerte mich dunkel, war jährlich für den innovativsten Gebäudeentwurf eines höheren Semesters verliehen worden. Ich hatte ihn nicht gewonnen. Carteret auch nicht. Soweit ich wußte, hatte ich an der Ausschreibung nie teilgenommen.
Roger klopfte an die Bustür, steckte seinen Kopf herein und sagte:»Fertig?«, worauf Familie Morris in vollem Glanz zur Truppeninspektion nach draußen strömte.
«Sehr schön«, meinte er beifällig. Er nahm Rennprogramme, Clubausweise und Essensmarken aus einem Aktenkoffer und verteilte sie an uns.
«Ich will nicht zum Pferderennen«, sagte Toby plötzlich mit düsterem Gesicht.»Ich will hierbleiben und Fußball gucken.«
Roger überließ die Entscheidung mir.
«Okay«, sagte ich friedlich zu meinem Sohn.»Hol dir was zum Mittagessen, und wenn du es dir anders überlegst, kommst du nachher zum Büro.«
Tobys Sorgenmiene wich einem weniger bekümmerten Ausdruck.»Danke, Pa«, sagte er.
«Kommt er denn allein zurecht?«fragte Roger, als er mit uns anderen losfuhr, und Edward versicherte ihm:»Toby ist gern allein. Er versteckt sich oft vor uns.«
«Oder geht auf Fahrradtour«, sagte Christopher.
Rogers Gedanken wandten sich dem bevorstehenden Tag zu.»Wir haben alles getan, was in unserer Macht stand«, meinte er unsicher.
«Machen Sie sich nicht soviel Sorgen«, empfahl ich ihm.»Kennen Sie den Unterschied zwischen Anker und Anschlag?«
«Wovon in aller Welt reden Sie?«
«Ich prüfe eine Theorie.«