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Ich war keine neunzehn mehr. Aber es verschlug mir den Atem, als wäre ich es noch. Ich sagte:»Schönen guten Tag«, und es klang lächerlich.

«Gibt es hier auch eine Bar?«fragte Mrs. Faulds und schaute sich um.»Draußen sagte jemand, Sie hätten hier eine.«

«Äh… ja«, sagte ich.»Hier drüben.«

Ich führte sie in einen der größten >Räume< des Zeltes, in die Club-Bar, wo einige frühe Gäste bei Sandwiches und Getränken an kleinen Tischen saßen.

Perdita Faulds übernahm mühelos das Ruder.»War das Champagner, was Mrs. Binsham getrunken hat? Ich denke, das wäre auch was für uns.«

Ein wenig verwirrt wandte ich mich zur Theke, um ihre Bestellung aufzugeben.

«Geht auf mich«, sagte sie und holte Geld aus ihrer Handtasche.»Drei Gläser.«

Penelope folgte mir zur Theke.»Ich trage die Gläser«, sagte sie.»Würden Sie die Flasche nehmen?«

Mein Puls ging schneller. Albern. Ich hatte sechs Söhne. Ich war zu alt.

Die Bedienung ließ den Korken knallen und kassierte. Mrs. Faulds schaute gutgelaunt zu, wie ich ihr den Schampus eingoß.

«Wissen Sie, wer ich bin?«fragte sie.

«Sie besitzen sieben Anteile an dieser Rennbahn.«

Sie nickte.»Und Sie acht. Von Ihrer Mutter. Ihre Mutter habe ich einmal recht gut gekannt.«

Ich hielt im Einschenken inne.»Ist das wahr?«

«Ja. Nun machen Sie mal. Ich habe Durst.«

Ich füllte ihr Glas, und sie trank es rasch leer.»Und wie gut«, fragte ich, als ich ihr nachgoß,»kennen Sie Marjorie Binsham?«

«Ich kenne sie nicht direkt. Wir haben vor Jahren einmal miteinander gesprochen. Ich weiß, wer sie ist. Sie weiß, wer ich bin. Das haben Sie gemerkt, hm?«

«Ja.«

Ich beobachtete Penelope. Ihre Haut sah glatt und verlockend aus in dem warmen, diffusen pfirsichfarbenen Licht. Ich wollte ihre Wange berühren, sie streicheln, sie küssen, wie damals bei Amanda. Um Gottes willen, ermahnte ich mich streng, reiß dich zusammen. Werd erwachsen, du Narr.

«Ich war noch nie hier«, sagte Mrs. Faulds.»Wir haben im Fernsehen einen Bericht über die durch Sprengstoff zerstörte Tribüne gesehen, nicht wahr, Pen? Da wurde ich ganz neugierig. Am Samstag stand es dann noch in der Zeitung, mit Ihrem Namen und allem, und es hieß, der Rennbetrieb ginge weiter wie geplant. Da stand, Sie seien auf der Tribüne gewesen, als sie hochging, und Sie seien ein Anteilseigner und zur Zeit im Krankenhaus. «Sie schaute auf den Gehstock.»Da lagen sie offensichtlich falsch. Jedenfalls habe ich hier im Sekretariat angerufen und gefragt, wo Sie sind, und man sagte mir, Sie seien heute hier, und ich dachte, es wäre doch schön, Sie als Madelines Sohn mal kennenzulernen nach all den Jahren. Also habe ich Pen erzählt, daß ich von früher noch Anteile an der Bahn besitze, und sie gefragt, ob sie mitkommen möchte, und hier sind wir.«

Ich dachte zerstreut, daß sie vieles weggelassen hatte, aber meine Aufmerksamkeit war weitgehend bei Penelope.

«Pen, Liebes«, sagte ihre Mutter freundlich.»Das ist sicher ziemlich langweilig für dich, wenn Mr. Morris und ich hier über die alten Zeiten plaudern, warum flitzt du nicht schon mal raus und schaust dir die Pferde an?«

Ich sagte:»So früh sind noch keine Pferde im Führring.«

«Zisch ab, Pen«, sagte ihre Mutter,»sei so lieb.«

Penelope zeigte ein ergebenes Verschwörerlächeln, trank ihr Glas aus und verschwand ohne zu murren.

«Sie ist ein Schatz«, sagte ihre Mutter.»Mein ein und alles. Ich war zweiundvierzig, als ich sie bekam.«

«Ehm… Glück gehabt«, murmelte ich.

Perdita Faulds lachte.»Bringe ich Sie in Verlegenheit? Pen sagt, mein Benehmen sei peinlich. Ich würde wildfremden Leuten Sachen erzählen, die ich überhaupt keinem erzählen sollte. Ehrlich gesagt, ich schockiere die Leute schon gern ein bißchen. Es laufen zu viele zugeknöpfte Flachköpfe herum. Aber Geheimnisse stehen auf einem anderen Blatt.«

«Was für Geheimnisse?«

«Welches Geheimnis möchten Sie denn kennen?«frotzelte sie.

«Wie Sie an die sieben Anteile gekommen sind«, sagte ich.

Sie setzte ihr Glas ab und betrachtete mich mit Augen, die plötzlich nicht nur gutmütig, sondern auch klug waren.

«Also, das nenne ich eine Frage!«Sie ging nicht direkt darauf ein. Sie sagte:»Vor ein paar Wochen schrieben die Zeitungen, daß die Strattons sich wegen der Zukunft der Rennbahn streiten.«

«Ja, das habe ich auch gelesen.«

«Sind Sie deswegen hier?«»Im Grunde schon.«

Sie sagte:»Ich bin hier aufgewachsen, wissen Sie. Nicht gerade auf der Rennbahn, aber auf dem Gut.«

Ich sagte verwirrt:»Aber die Strattons — mit Ausnahme Marjories — sagen, sie kennen Sie nicht.«

«Nein, Sie Dummerchen, das stimmt auch. Vor Jahren war mein Vater Lord Strattons Friseur.«

Sie lächelte über mein unverhohlenes Erstaunen.

«Sie finden nicht, daß ich aussehe wie die Tochter eines Haarschneiders?«

«Hm, nein, aber andererseits kenne ich auch keine Haarschneidertöchter.«

«Mein Vater hatte ein Cottage auf dem Gut gemietet«, erklärte sie,»und er besaß Läden in Swindon, in Oxford und Newbury, aber er fuhr immer selbst nach Stratton Hays, um Lord Stratton die Haare zu schneiden. Wir zogen um, bevor ich fünfzehn war, und wohnten in der Nähe des Ladens in Oxford, aber einmal im Monat fuhr mein Vater immer noch nach Stratton Hays.«

«Bitte erzählen Sie«, sagte ich.»Hat Lord Stratton Ihrem Vater die Anteile gegeben?«

Sie trank die helle Flüssigkeit im Glas aus. Ich schenkte ihr nach.

«Nein, so war das nicht. «Sie überlegte ein wenig, erzählte aber weiter.»Mein Vater starb und hinterließ mir das Friseurgeschäft. Na ja, bis dahin hatte ich das ganze Schönheitsfach gelernt, mit Diplom und allem. Lord Stratton kam eines Tages einfach mal so in den Oxforder Laden, als sein Weg ihn da vorbeiführte, denn es interessierte ihn, wie ich ohne meinen Vater zurechtkam, und dann blieb er und ließ sich die Nägel maniküren. «Sie lächelte. Sie trank. Ich fragte nicht weiter.

«Ihre Mutter kam immer zum Frisieren in den Laden in Swindon«, sagte sie.»Ich hätte ihr klarmachen können, daß sie Keith, das fiese Schwein, nicht heiraten darf, aber da war es schon passiert. Wie oft kam sie mit blauen Flek-ken im Gesicht zu uns und bat mich, ihr die Haare so zu kämmen, daß es nicht auffiel. Ich bin immer in eine getrennte Kabine mit ihr, und manchmal hat sie sich an mich geklammert und losgeheult. Wir waren ungefähr im gleichen Alter, verstehen Sie, und wir mochten uns.«

«Es freut mich, daß sie jemand hatte«, sagte ich.

«Komisch, wie es so geht, hm? Ich hätte nie gedacht, daß ich mal hier sitze und mit Ihnen rede.«

«Sie wissen über mich Bescheid?«

«Lord Stratton hat erzählt. Während der Maniküren.«

«Wie lange haben Sie… seine Hände gepflegt?«

«Bis er gestorben ist«, sagte sie einfach.»Aber natürlich änderten sich die Umstände. Ich lernte meinen Mann kennen und bekam Penelope, und William — Lord Stratton, versteht sich — wurde älter und konnte nicht… na ja, aber er ließ sich immer noch gern die Nägel schneiden, und wir haben uns unterhalten. Wie gute alte Freunde, verstehen Sie?«

Ich verstand.

«Er gab mir die Anteile um die gleiche Zeit, wie er sie Ihrer Mutter gab. Seine Anwälte sollten sie für mich verwahren. Sie könnten eines Tages was wert sein, meinte er. Es war keine große Sache. Nur ein Geschenk. Eine Liebesgabe. Besser als Geld. Geld wollte ich nicht von ihm. Das wußte er.«

«Ein Glückspilz«, sagte ich.

«Ach, wie lieb. Sie sind genauso nett wie Madeline.«