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Die Jungen starrten Penelope mit großen Augen an.

«Was ist los?«fragte sie.»Habe ich Schmutz an der Nase?«

«Nein«, sagte Alan frei heraus,»du siehst aus wie Ma-mi.«

«Wie eure Mutter?«

Sie nickten alle und entführten sie gleich, als wäre es ganz natürlich, um sich vor dem nächsten Rennen mit ihr die herumgehenden Pferde anzusehen.

«Meine Pen gleicht Ihrer Frau?«sagte Perdita.

Ich zwang mich, nicht mehr hinterherzuschauen. Mein Herz klopfte. Idiotisch.

«Wie sie damals war«, sagte ich.

«Und jetzt?«

Ich schluckte.»Ja, auch wie sie jetzt ist.«

Perdita warf mir einen wissenden, von langer Erfahrung getragenen Blick zu.»Man kann die Uhr nicht zurückdrehen«, sagte sie.

Ich würde es wieder tun, dachte ich hilflos. Ich würde mit den Augen heiraten und mich wundern, eine Unbekannte in der Verpackung vorzufinden. Wurde man nie erwachsen?

Ich riß meine Gedanken davon los und sagte zu Perdita:»Hat Lord Stratton vielleicht gewußt — und Ihnen erzählt —, wie es Forsyth Stratton gelungen ist, die ganze Familie gegen sich aufzubringen?«

Ihre vollen Lippen formten ein O der belustigten Überraschung.

«Sie fackeln nicht lange, was? Warum sollte ich Ihnen das sagen?«

«Weil wir, wenn wir seine Rennbahn retten wollen, erkennen müssen, nach welchen Regeln die Familie funktioniert. Jeder weiß hier etwas über jeden, das er als Drohmit-tel einsetzt. Sie erpressen sich alle gegenseitig, damit getan — oder unterlassen — wird, was sie wollen.«

Perdita nickte.

«Und in dem Zusammenhang«, sagte ich,»zahlen sie auch Schweigegeld an Dritte, damit der Name Stratton sauber bleibt.«

«Ja, auch das.«

«Angefangen bei meiner Mutter«, sagte ich.

«Nein, vorher schon.«

«Sie wissen also Bescheid!«

«William hat gern geredet«, erwiderte sie.»Ich sagte es Ihnen.«

«Und… Forsyth?«

Penelope und die Jungen waren wieder im Anmarsch. Perdita sagte:»Wenn Sie mich morgen früh in meiner Filiale in Swindon besuchen, erzähle ich Ihnen von Forsyth… und falls Sie auf die entsprechenden Fragen kommen, auch von den anderen.«

Kapitel 13

Keiths Reaktion, als er erfuhr, daß die Starter im zweiten Rennen den Graben wie vorgesehen springen würden, grenzte an Raserei.

Henry und ich gingen gerade hinter den Servicezelten entlang, als es zu dem Ausbruch kam (Henry hatte eine undichte Stelle in der neuen Wasserleitung reparieren müssen), und wir eilten einen Serviceweg hinunter zum Ort des Gebrülls und des klirrend zu Bruch gehenden Geschirrs — in den Speiseraum der Strattons.

Die ganze Familie war offensichtlich nach ihrem Sieg zurückgekehrt, um ihren Lunch zu beenden und auf die Siegerin anzustoßen, und hatte typischerweise, aber vielleicht auch zum Glück, keine Außenstehenden hinzugeladen.

Keith, breitbeinig, Schultern zurück, fliegende Mähne, hatte die ganze Tafel umgeworfen und mit dem Arm die aufgereihten Flaschen und Gläser von der Anrichte gefegt. Tischtücher, Messer, Teller, Käse, Champagner, Kaffee, Sahnepuddings, alles lag wirr durcheinander auf dem Boden. Wein ergoß sich aus offenen Flaschen. Die Kellnerinnen hielten sich die Hand vor den Mund, und mehrere Strattons griffen nach Servietten, um sich Speisereste von den Kleidern und Anzügen zu wischen.

«Keith!«schrie Conrad seinerseits erbost, zitternd auf den Beinen, donnernd wie ein Stier vor dem Angriff.»Du Flegel!«

An Victorias cremefarbenem Seidenkostüm lief Kaffee und Bordeaux hinunter.»Ich soll den Pokal überreichen«, rief sie jammernd,»und jetzt seht mich an.«

Marjorie saß ruhig, unbespritzt, in eisigem Zorn. Ivan, neben ihr, sagte:»Also so was, Keith, na hör mal.«

Hannah, der Vanillesauce an den Beinen hinabtropfte, bedachte ihren Vater mit abfälligen Ausdrücken und ebenso ihren Sohn, als der sich umständlich anschickte, ihr zu helfen. In der dünnen Frau, die hinter Ivan saß und ungerührt ihre Bekanntschaft mit einem großen Glas Brandy vertiefte, vermutete ich einstweilen Imogen. Dart war nicht da. Forsyth, mürrisch, aber anscheinend erleichtert, daß einmal jemand anders im familiären Kreuzfeuer stand, bahnte sich einen Weg zum Ausgang auf die Hauptpassage, der sich bei Bedarf mit einer von uns angebrachten Plane verschließen ließ.

Passanten zogen die Plane zur Seite, um zu sehen, woher der Tumult kam. Forsyth drängte sich an ihnen vorbei und sagte den Leuten barsch, sie sollten sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern, was sie natürlich nicht taten.

Die ganze Szene war zum Lachen, aber allen Mitgliedern der Familie war unangenehm bewußt, daß nicht weit unter der farcenhaften Oberfläche eine wirklich zerstörerische Gewalt lauerte, die Kernschmelze bei Keith, die sich bisher höchstens darin geäußert hatte, daß er seine Frauen schlug und Lee Morris eine Abreibung verpaßte, aber eines Tages würde sie sich nicht mehr in Schach halten lassen.

Marjorie hielt den Auslöser des Spektakels — die Kopie von Harold Quests Geständnis — offen vor sich.

Keith riß es ihr plötzlich aus der Hand, nahm seiner Frau grob das Brandyglas weg, kippte den Alkohol über das Blatt, zog mit raschem Griff ein Feuerzeug aus der Tasche und steckte den Zettel in Brand. Harold Quests Geständnis flammte hell auf, ringelte sich zu Asche, und triumphierend warf Keith es hin und trampelte darauf herum.

«Das war nur eine Kopie«, sagte Marjorie spröde, bewußt provozierend.

«Ich bringe dich um«, sagte Keith mit aufeinandergebissenen Zähnen zu ihr. Sein Blick ging über sie hinweg und heftete sich auf mich. Die Feindseligkeit nahm zu, ein realistischeres, ein bevorzugtes Ziel war gefunden.»Sie bringe ich um«, sagte er.

In der kurzen darauffolgenden Stille wandte ich mich ab und ging mit Henry hinten hinaus, so daß die armen Kellnerinnen ohne uns den Müll wegräumen mußten.

«Das war nur halbwegs lustig«, meinte Henry nachdenklich.

«Ja.«

«Paß bloß auf. Am Ende bringt er dich wirklich um. Aber wieso? Du hast doch Harold Quest nicht angeschleppt. Du bist auch nicht auf den Hamburger-Trichter gekommen.«

«Nein«, seufzte ich.»Mein Freund Dart Stratton sagt, bei Keith wird der Instinkt von keiner Logik gebremst. Aber das gilt schließlich für die halbe Menschheit.«

«Mörder eingeschlossen«, sagte Henry.

«Wie leicht«, fragte ich,»brennt das Hauptzelt?«

Henry blieb stehen.»Du meinst doch nicht, daß er —? Er ist ganz schön flink mit dem Feuerzeug. Und die angezündete Hecke…«Henry sah verärgert aus, schüttelte dann aber den Kopf.

«Das Zelt hier fängt kein Feuer«, sagte er bestimmt.»Alles, was ich hier verwendet habe, ist feuerhemmend, flammensicher oder brennt nicht, wie die Masten und die

Metallstangen. Früher gab es schwere Katastrophen im Zirkus. Jetzt sind die Vorschriften sehr streng. Das Zelt brennt nicht durch Zufall ab. Durch Brandstiftung — also ich weiß nicht. Aber wir haben ja überall Feuerlöscher verteilt, wie du weißt, und ich hab ein Stück Wasserleitung ins Dach hochgezogen und eine Art primitive Sprinkleranlage installiert. «Er zeigte es mir.»Die Leitung, die dort nach oben geht«, er wies mit dem Finger,»da ist ziemlich viel Druck drauf. Ich habe ein Rohr hochgelegt und es an einen Gartenschlauch angeschlossen, der innen am First entlangläuft. In dem Schlauch sind kleine Löcher. Das Wasser spritzt ganz gut raus.«

«Henry! Du bist ein Genie.«

«Ich hatte gestern ein bißchen Zeit, als du nach London gefahren bist, und ich dachte, noch so ein Unglück wie mit der Tribüne kann die Rennbahn sich nicht leisten. Und weil ich finde, eine gute Vorsichtsmaßnahme zahlt sich immer aus, habe ich diese ganz simple Löschanlage gebaut. Wie lange sie hält, weiß ich nicht. Wenn die Flammen erst mal so hoch schlagen, schmilzt der Schlauch wahrscheinlich. «Er lachte.»Außerdem muß ich oder jemand, der Bescheid weiß, in der Nähe sein und den Hahn aufdrehen. Ich habe ihn mit Klebeband umwickelt und dick Außer Betrieb< draufgeschrieben, damit ihn keiner aufdreht, während die Leute alle drin sind und ihre Räucherlachsbrötchen verdrücken.«