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So wie die Hecke vor dem Graben, dachte ich. Und die Tribüne, durch Sprengladungen?

«Na bitte«, sagte sie, als wäre sie selbst erstaunt über die Unbefangenheit, mit der sie erzählte,»ich habe es Ihnen ja gesagt! Es kommt mir nicht so vor, als ob William neben mir steht und mir sagt, ich soll still sein. Nein… im Gegenteil. Ich glaube, er ist dafür, mein Lieber, wo immer er jetzt sein mag.«

Es lag mir fern, diese Annahme anzuzweifeln. Ich sagte:»Wenigstens war die Geschichte mit Forsyth ein einfacher Betrug. Keine Vergewaltigung, keine Drogen dabei.«

«Ja, Lee, so etwas ist viel schwerer zu vertuschen.«

Ein Unterton in ihrer Stimme, eine leise Belustigung, bewog mich zu fragen:»Aber nicht unmöglich?«

«Sie stiften mich an, gemein zu werden!«

Aber nachdem sie einmal angefangen hatte, machte ihr das Erzählen auch Spaß.

«Ich gebe es nicht weiter«, sagte ich.»Ich werde damit umgehen wie Sie mit dem, was William Ihnen anvertraut hat.«

Ich weiß nicht, ob sie mir glaubte. Ich weiß nicht, ob es mir damit ernst war. Auf alle Fälle ermutigte es sie weiterzureden.

«Nun. da war Hannah.«

«Was war mit ihr?«hakte ich nach, als sie innehielt.

«Sie hat sich zu einer so verbitterten Person entwickelt.«

«Ja, ich weiß.«

«Keine Selbstachtung, Lee, verstehen Sie?«

«Nein.«

«Keith hat sie nie vergessen lassen, daß ihre Mutter sie im Stich gelassen hatte. Die arme Madeline. Madeline hat immer nur geweint und mir gesagt, sie würde alles geben für eine Fehlgeburt, aber wir waren beide jung damals und wußten nicht, wo sie hätte abtreiben können damals mußte man schon jemand kennen, denn der Hausarzt hätte einem nie geholfen. Niemand hätte einer jungen, verheirateten Frau geholfen, ihr erstes Kind loszuwerden. Keith erfuhr, daß sie sich deswegen umgehört hatte, bekam einen furchtbaren Wutanfall und schlug ihr zwei Zähne aus. «Sie nahm einen kräftigen Schluck Gin bei der Erinnerung.»William hat mir erzählt, Keith habe Hannah gesagt, daß ihre Mutter sie abtreiben wollte. Kann man sich das vorstellen? Er wollte, daß Hannah Madeline haßt, und sie hat sie gehaßt. William sagte, Madeline zuliebe habe er sich bemüht, gut zu Hannah zu sein und sie ordentlich zu erziehen, aber dagegen stand Keith mit seinen Einflüsterungen, und laut William war sie nie ein süßes kleines Mädchen, sondern immer schon mürrisch und gehässig.«

«Arme Hannah.«

«Jedenfalls wurde sie trotz einer gewissen Strenge im Gesicht sehr hübsch, aber William sagte, den jungen Männern sei bald die Lust vergangen, wenn sie sie kennenlernten, und sie fühlte sich immer mehr abgelehnt und konnte niemand ausstehen, und dann verliebte sie sich in einen Zigeuner und schlief mit ihm. «Perdita zuckte die Achseln und seufzte.»William sagte, das war noch nicht mal ein richtiger Zigeuner, nur ein wegen Diebstahl vorbestrafter Herumtreiber. William sagte, er habe Hannah nicht verstehen können, aber das war mangelnde Selbstachtung, mein Lieber. Mangelnde Selbstachtung.«

«Ja.«

«Na, und natürlich wurde sie schwanger. Und dieser Zigeuner, der wußte, was gut war, wenn man ihn mit der Nase draufstieß. Er klopfte bei Keith an und verlangte Geld; sonst würde er im Ort verbreiten, daß er Keiths schicke Tochter angestochen hatte, sagte er, und da hat Keith ihn zusammengeschlagen und getreten, und dem Mann ist eine Niere geplatzt.«

Teufel, dachte ich, ich hatte noch Glück gehabt.

«Keith ging zu William. Die drei Söhne haben ihre Probleme immer beim Vater abgeladen. William hat dem Zigeuner Schweigegeld bezahlt, und zwar einen zehnmal höheren Betrag, als der Mann ursprünglich von Keith verlangt hatte.«

«Bitter«, sagte ich.

«So kam Jack auf die Welt, und auch er hatte nicht viel Aussicht, sich gesund zu entwickeln. Hannah ist in ihn vernarrt. Für seine ganze Erziehung ist natürlich William aufgekommen.«

«William hat Ihnen das alles erzählt?«

«O ja, mein Lieber. Nicht so auf einmal, wie Sie es jetzt von mir hören. Nach und nach. Was er im Lauf der Jahre einfach loswerden mußte. Er hatte immer die Nase voll von ihnen, wenn er hierherkam, und er hat sich das von der Seele geredet, und wir haben ein Glas Gin getrunken und — wenn ihm danach war, na ja, Sie wissen schon, Lee —, und dann sagte er, jetzt geht’s mir besser, und fuhr wieder weg.«

Sie seufzte tief über die vergangenen Zeiten.

«Conrad«, sagte sie überraschend,»war vor Jahren mal heroinsüchtig.«

«Das ist nicht wahr!«

Perdita nickte.»Als er jung war. Heute wissen die Jugendlichen, wie überaus gefährlich Drogen sind. Als Conrad zwanzig war, sah er darin ein großes Abenteuer, meinte William. Er war auf der Universität. Er war mit noch einem jungen Mann zusammen, und beide haben gespritzt, und der Freund starb an einer Überdosis. William sagte, es gab einen fürchterlichen Stunk, aber er hat Conrad da rausgeholt und die Sache vertuscht und ihn in einer sehr teuren Privatklinik behandeln lassen. Er hat Conrad veranlaßt, ihm seine Drogenerfahrungen in einem Brief zu schildern — was er sah, was er empfand, wenn er im Tran war. William hat mir nicht gezeigt, was Conrad geschrieben hatte, aber er besaß den Brief noch. Er sagte, Conrad sei geheilt worden und nun er sei stolz auf ihn. Weiterstudiert hat Conrad allerdings nicht. William hat ihn zu Hause auf dem Gut behalten.«

Ah, dachte ich, das also war Marjories Zangengriff. Selbst nach so vielen Jahren würde Conrad nicht wollen, daß diese jugendliche Unbedachtheit bekannt wurde.

Perdita trank ihren Gin aus und goß sich nach.»Für Sie auch noch?«fragte sie.

«Danke, es genügt. Aber bitte erzählen Sie weiter, ich bin fasziniert.«

Sie lachte und redete jetzt ganz zwanglos.»Als Keith ungefähr in dem Alter war, ein gutaussehender junger Kerl, der auf die wirklich bösen Sachen erst noch kommen sollte, hat er mal die Tochter eines Landarbeiters übers Knie gelegt. Ihr den Schlüpfer runtergezogen und den Hintern versohlt. Sie hatte nichts Unrechtes getan. Er sagte, er wollte nur mal wissen, wie das ist. William hat dem Vater ein Vermögen gezahlt — für die damalige Zeit —, damit er nicht zur Polizei ging. Es war allerdings keine Vergewaltigung.«

«Trotzdem übel.«

«Keith war es eine Lehre, meinte William. Danach hat er nur noch seine Ehefrauen geschlagen und vergewaltigt. Dafür konnte man damals noch nicht bestraft werden.«

Das Vergnügen wich plötzlich aus ihrem Gesicht, und aus meinem gewiß auch.

«Tut mir leid, Lee«, sagte sie.»Ich mochte Madeline sehr, aber das liegt alles vierzig Jahre zurück. Und sie ist ja da auch rausgekommen und hat noch mal geheiratet. William sagte, Keith habe ihr nie verziehen, daß sie sich von ihm abgewandt hat.«

Vielleicht weil es mir partout nicht aus dem Kopf ging, sagte ich:»Keith hat gestern gesagt, er bringt mich um. Noch nach vierzig Jahren will er die Rechnung begleichen.«

Sie machte große Augen.»Hat er das so gemeint?«

«Als er es sagte, schon.«

«Aber Lee«, sagte sie,»das müssen Sie ernst nehmen. Der Mann ist gewalttätig. Was wollen Sie dagegen tun?«

Ich sah, daß sie eigentlich mehr interessiert als beunruhigt war, aber für sie ging es ja auch nicht auf Leben und Tod.

«Mein Anblick bringt ihn auf die Palme«, sagte ich.»Ich könnte einfach weggehen. Nach Hause fahren. Hoffen, daß er mich nicht verfolgt.«

«Ich muß sagen, Sie nehmen das ja sehr gefaßt, mein Lieber.«

Ich hatte die halbe Nacht wachgelegen und darüber nachgedacht, aber ich antwortete ihr beiläufig.»Das liegt wohl daran, daß es so unwirklich erscheint. Ich meine, es ist nicht gerade Usus, die Möglichkeit der eigenen Ermordung zu erörtern.«