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Im gleichen Moment klopfte es leise an der Tür. Conrad ging hin, um zu öffnen, und sah Marjories besorgten Butler vor sich.

«Nichts passiert«, versicherte ihm Conrad mit sonorer Stimme.»Die Flinte ist versehentlich losgegangen. Hat leider ein bißchen Dreck gegeben. Darum kümmern wir uns nachher.«

«Ja, mein Lord.«

Die Tür schloß sich. Jetzt erst fiel mir auf, daß die Schrotladung einen Spiegel an der Wand zertrümmert und Fetzen goldener Seide aus den Sesselbezügen gerissen hatte. Mehr als ungemütlich.

Ich griff nach dem Gehstock, den ich neben meinem Platz auf das schmale Sofa gelegt hatte, und mit seiner Hilfe stand ich auf.

«Sie müssen Keith etwas von Erpressung erzählt haben«, sagte ich zu Conrad.»Er hat das Wort im Zusammenhang mit Yarrow benutzt. Sie waren alle dabei.«

Conrad breitete hilflos die Hände.»Keith hat gedrängt und gedrängt, ich solle die Neubaupläne aufgeben, und ich sagte, das könnte ich nicht. «Er schwieg.»Aber wie haben Sie das alles herausbekommen?«

«Anhand von Kleinigkeiten«, sagte ich.»Ich war zum Beispiel auf derselben Bauschule wie Wilson Yarrow.«

«Bauschule!« rief Marjorie dazwischen.

«Ja. Als ich ihn sah… seinen Namen hörte… wußte ich, daß irgendwas mit ihm nicht stimmte. Da ich mich nur dunkel erinnern konnte, ging ich zu einem ehemaligen Mitstudenten, den ich zehn Jahre nicht gesehen hatte, und fragte ihn. Er hatte damals Tagebuch geführt und auch ein Gerücht aus der Zeit festgehalten, wonach Yarrow mit der Einreichung eines Bauplans, der gar nicht von ihm war, einen angesehenen Preis gewonnen hatte. Die Schule sprach ihm den Preis ab und vertuschte die ganze Angelegenheit ein wenig — aber das Stigma des Betrugs blieb trotzdem, und es dürfte einige hundert Architekten wie mich geben, die den Namen Yarrow mit etwas nicht ganz Koscherem verbinden. So etwas spricht sich in Fachkreisen herum und bleibt in Erinnerung — zumal denen, die ein besseres Gedächtnis haben als ich —, und aus der glänzenden Karriere, die man Yarrow einmal vorausgesagt hat, ist nichts geworden. Nur sein Name steht auf den Plänen, die er für Sie gezeichnet hat, also ist er wahrscheinlich nirgends angestellt. Es kann sogar sein, daß er überhaupt arbeitslos ist, und wir haben derzeit einen Architektenüberschuß, da die Schulen jedes Jahr mehr Kräfte ausbilden, als der Markt aufnehmen kann. Ich könnte mir vorstellen, daß er in dem Tribünenneubau für Stratton Park eine Möglichkeit sah, wieder Anerkennung zu finden. Ich nehme an, er wollte diesen Auftrag unbedingt.«

Sie alle, auch Rebecca, hörten gebannt zu.

Ich sagte:»Bevor ich überhaupt nach Stratton Park kam, hat Roger Gardner mir erzählt, daß da ein Architekt neue Tribünen entwirft, der weder vom Rennsport noch vom Massenverhalten etwas versteht, auf keinen Rat hört und die Rennbahn garantiert ins Verderben stürzt, aber daß Sie, Conrad, sich nicht von ihm abbringen lassen.«

Ich hielt inne. Niemand sagte etwas.

«Also«, fuhr ich fort,»habe ich letzten Mittwoch an Ihrer Hauptversammlung teilgenommen und Sie alle kennengelernt und Ihnen zugehört. Ich habe erfahren, was Sie im Hinblick auf die Rennbahn wollten. Marjorie wollte, daß alles so bleibt, wie es ist. Sie, Conrad, wollten eine neue Tribüne, eigentlich, um Rebecca vor dem Absturz zu bewahren, aber das wußte ich damals noch nicht. Keith wollte verkaufen, um zu Geld zu kommen. Rebecca wiederum wollte, wie sie sagte, reinen Tisch machen — neue Tribünen, neuer Verwalter, neuer Geschäftsführer, ein neues Image für die altmodische Stratton-Bahn. Marjorie hat die Versammlung auf eine Weise geleitet, daß die Supermächte vor Bewunderung auf die Knie gesunken wären, und hat Sie geschickt alle so gelenkt, wie sie es brauchte, um ihren Willen zu bekommen: daß Stratton Park in der absehbaren Zukunft weiterlaufen wird wie bisher.«

Dart warf seiner Großtante einen bewundernden Blick zu, in dem das Grinsen beinah durchschien.

Ich sagte:»Damit waren weder Rebecca noch Keith einverstanden. Keith hatte bereits den Schauspieler Harold Quest als Störenfried engagiert, der vor dem Haupteingang der Rennbahn gegen den Hindernissport demonstrieren sollte, um Besucher von Stratton Park fernzuhalten und der Rennbahn ihre Anziehung und ihre Einkünfte zu nehmen, damit sie als Geschäft bankrott geht und Sie gezwungen sind, ihren großen Aktivposten, das Land, zu verkaufen. Er hat Harold Quest auch veranlaßt, ein Hindernis niederzubrennen, die Hecke vor dem Graben — ein symbolischer Akt, da an diesem Hindernis bei der vorigen Veranstaltung ein Pferd tödlich verunglückt war —, doch der Plan schlug fehl, wie Sie wissen. Keith ist nicht besonders schlau. Rebecca dagegen…«

Ich zögerte. Einiges mußte noch offengelegt werden: Ich wünschte, jemand anders… irgend jemand anders… hätte es für mich getan.

«In der Familie Stratton, wie sie jetzt besteht«, nahm ich den Faden von einer anderen Seite wieder auf,»gibt es zwei gutmütige, harmlose Mitglieder, Ivan und Dart. Es gibt ein sehr gewieftes Mitglied, Marjorie. Dann ist da Conrad, der mächtiger erscheint, als er tatsächlich ist. Alle anderen vom Geschlecht der Strattons haben eine Neigung zur Brutalität und Gewalt, die Sie schon ein Vermögen gekostet hat. Kombiniert man diesen Wesenszug mit Dummheit und Arroganz, bekommt man Forsyth und seine Rasenmäher. Wie er glauben viele Strattons, daß man ihnen niemals auf die Schliche kommt, und wenn doch, daß die Familie sie dann mit ihrem Geld und ihrer Macht herausreißt, wie sie es in der Vergangenheit stets getan hat.«

«Und wieder tun wird«, sagte Marjorie bestimmt.

«Und wieder tun wird«, räumte ich ein,»wenn Sie können. Aber bald werden Sie Ihr ganzes Geschick zur Schadensbegrenzung aufwenden müssen.«

Überraschend hörten sie weiter zu, statt mir den Mund zu verbieten.

Ich sagte vorsichtig:»Bei Rebecca wird die Gewalttätigkeit weitgehend in die Bahn des Wettkampfsports gelenkt und äußert sich in leidenschaftlichem Wetteifer. Sie hat ausgeprägten Mut und Siegeswillen. Dazu kommt ein überstarker Drang, ihren Kopf durchzusetzen. Als Marjorie ihrem ursprünglichen Plan für den Bau neuer Tribünen einen Riegel vorschob, fand sie eine einfache Lösung: Die alten mußten weg.«

Diesmal protestierte Conrad ungläubig und Marjorie ebenfalls, aber Rebecca und Dart nicht.

«Ich nehme an«, sagte ich zu Rebecca,»Sie haben Wilson Yarrow gebeten, das für Sie zu erledigen, und ihn wissen lassen, daß es sonst um seinen Auftrag geschehen wäre.«

Sie starrte mich ungerührt an, eine keinesfalls gezähmte Tigerin.

Ich sagte:»Wilson Yarrow hing ja durch den Erpressungsversuch schon mit drin. Er sah genau wie Sie, daß die teilweise Zerstörung der Haupttribüne ihren Neubau unumgänglich machen würde. Er kannte die alte Tribüne, und als Architekt wußte er, wie mit dem geringsten Aufwand der größtmögliche Schaden zu erzielen war. Die Treppe in der Mitte war die Hauptschlagader des Gebäudes. Brachte man dieses Kernstück zum Einsturz, würden auch die umliegenden Räume einstürzen.«

«Ich hatte nichts damit zu tun«, schrie Rebecca plötzlich.

Conrad erschrak. Er war… entsetzt.

«Ich habe die Ladungen gesehen, bevor sie explodiert sind«, sagte ich zu Rebecca.»Ich habe gesehen, wie sie angebracht waren. Sehr professionell. Ich hätte es auch so gemacht. Und ich kenne Leute in der Branche, die Ihnen im Gegensatz zu meinem verantwortungsbewußten Freund, dem Hünen Henry, alles mögliche verkaufen würden, ohne groß zu fragen. Aber selbst Abbruchspezialisten fällt es schwer, die Menge des benötigten Sprengstoffs genau zu berechnen. Jedes Gebäude hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Man neigt dazu, lieber zuviel als zuwenig zu nehmen. Die von Yarrow verwendete Menge hat den halben Bau auseinandergerissen.«