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Auf diese Weise kam er langsam näher und blieb schließlich am Fuß des Trümmerberges stehen, an dessen oberen Ende sich die Tür befand. Einen Moment lang spähte er konzentriert zu ihnen herauf, aber dann zuckte er mit den Schultern und drehte sich herum. Der Anblick der mit gefährlichen Spitzen gespickten Trümmer hatte ihn anscheinend davon überzeugt, dass es sich nicht lohnte, hinaufzuklettern und einen Blick in einen Raum zu werfen, der ohnehin leer sein musste. Kim atmete innerlich auf und im selben Moment sauste ein faustgroßer goldener Lichtball zur Tür herein und schoss zielsicher in ihre Richtung.

»Na, das wurde auch Zeit!«, protestierte Twix. »Findest du das in Ordnung? Zuerst schickst du mich weg, um ein Versteck zu suchen, und kaum habe ich es gefunden und komme zurück, da bist du nicht mehr da und ich kann stundenlang nach dir suchen!«

»O nein!«, murmelte Kim. »Twix, sei still!«

Twix war natürlich nicht still, sondern schoss weiter aus Leibeskräften schimpfend auf ihn zu. Und es wäre ohnehin viel zu spät gewesen. Der Junge war stehen geblieben und folgte der Elfe mit interessierten Blicken. Als sie an Kim vorbei durch die Tür flog, begann er vorsichtig, aber entschlossen den Trümmerberg hinaufzuklettern.

Twix schimpfte noch immer wie ein Rohrspatz. »Das war wirklich nicht nett von dir! Ich riskiere Kopf und Kragen um für dich- oh!«

Sie hielt so abrupt an, als wäre sie gegen ein unsichtbares Hindernis geprallt, als sie die Spinne erblickte.

»Das hast du wirklich gut hingekriegt, Kleine«, säuselte die Spinne. »Meinen Glückwunsch! Warum kommst du nicht ein bisschen näher, damit ich dir die Hand schütteln kann?«

»Bin ich so dumm, wie du aussiehst?«, fragte Twix.

»Hört auf!«, sagte Kim. »Bitte!«

Die beiden Streithähne verstummten tatsächlich auf der Stelle und Kim spähte weiter auf den jungen Krieger hinab. Seine Gedanken rasten. Der Junge kletterte langsam, aber beharrlich nach oben. Kim traute sich durchaus zu, ihn zu besiegen, aber er hatte gar keine Lust, mit ihm zu kämpfen. Es war so sinnlos. Im Grunde standen sie doch auf derselben Seite!

Aber vielleicht gab es ja noch eine andere Möglichkeit...

Er wartete, bis der Junge die Hälfte des Hindernisses überwunden hatte, dann richtete er sich auf. Wie er erwartet hatte, erstarrte der Junge mitten in der Bewegung.

»Suchst du mich?«, fragte Kim.

Auf dem Gesicht des jungen Steppenreiters erschien ein geradezu unglücklicher Ausdruck. Es war, wie Kim vermutet hatte: Er folgte Kais Befehl, aber er war ganz und gar nicht glücklich dabei.

»Ich ... ja, Herr«, antwortete er unbehaglich.

»Du hast mich gefunden«, antwortete Kim. »Und jetzt?«

Der junge Krieger antwortete nicht, aber der Ausdruck auf seinem Gesicht wurde noch gequälter.

»Sieht so aus, als hätten wir ein Problem«, fuhr Kim fort. »Kai hat dir sicher den Befehl gegeben mich zurückzubringen.«

»Das ... stimmt, Herr«, antwortete der Junge.

»Ich habe aber nicht vor zu ihm zurückzugehen«, sagte Kim. »Warum kehrst du nicht einfach zum Heer zurück und sagst ihm, du hättest mich nicht gefunden?«

»Das ... kann ich nicht machen«, antwortete der junge Krieger stockend. »Er würde es merken, wenn ich ihn belüge.«

Kim seufzte. »Ich werde nicht mitkommen. Nicht freiwillig. Also, was sollen wir tun? Warum schließt du dich nicht einfach uns an?«

»Ich habe einen Eid geschworen«, sagte der Junge gequält. »Ich kann ihn nicht brechen.«

»Dann haben wir wirklich ein Problem«, sagte Kim. »Ich glaube nämlich nicht, dass du wirklich gegen mich kämpfen willst, mein Freund.«

»Damit hast du wahrscheinlich sogar Recht«, sagte eine andere Stimme. »Aber ich will es. Ich freue mich sogar darauf.«

Kim sah hoch und erblickte niemand anderen als Kai, der die Halle betreten hatte, während er mit dem jungen Krieger sprach. Hinter ihm drängten vier in schwarzes Eisen gekleidete Gestalten herein.

Kai machte eine befehlende Geste zu dem jungen Krieger. »Verschwinde! Den Rest übernehmen wir. Und ruf die anderen herbei!«

Während der Junge hastig wieder nach unten kletterte und verschwand, kamen Kai und die Schwarze Garde näher. Sie hatten es nicht besonders eilig. Wozu auch? Kim saß hier oben in der Falle. Es gab nur einen einzigen Ausgang aus dem Saal. Seine Gedanken rasten. Seine Lage schien vollkommen aussichtslos. Er hatte noch einen winzigen Vorteil auf seiner Seite, nämlich den, dass Kai wahrscheinlich nichts von der Anwesenheit der Spinne und des Pack wusste. Hätte Kai vier ganz gewöhnliche Krieger zu seinem Schutz mitgebracht, hätten sie sogar durchaus eine Chance gehabt, sie zu überwinden. Aber so...

»Zeigt euch nicht«, flüsterte er, beinahe ohne die Lippen zu bewegen. »Vielleicht können wir sie überrumpeln!«

Kai und die vier gepanzerten Gestalten kamen allmählich näher und Kims Mut sank noch weiter, als er sah, dass Kai keineswegs als Erster herankam. Stattdessen bildeten zwei der schwarzen Krieger die Vorhut. Trotz ihrer zentnerschweren Rüstungen und ihres so plump anmutenden Äußeren kletterten sie mit einer erschreckenden Behändigkeit in die Höhe.

Binnen weniger Augenblicke war der Erste herinnen, richtete sich auf und machte Platz für die Nachfolgenden. Die Spinne schoss einen Faden auf ihn ab, der sich zielsicher um seinen Helm wickelte, und Twix umkreiste den Eindringling schimpfend und bestäubte ihn mit flirrendem Gold, was allerdings vollkommen nutzlos war. Der Krieger fegte die Elfe mit einem nachlässigen Schlag mit der flachen Hand aus der Luft und zerriss mit der anderen den Spinnfaden, ohne sich in irgendeiner Weise anzustrengen.

Jetzt waren auch die beiden anderen Gardisten und Kai angekommen. Die vier Krieger zogen ihre Waffen; hässliche, plumpe Schwerter mit gezackten Klingen, die viel mehr dazu geschaffen schienen, Schmerzen zu bereiten und zu verletzen als einen schnellen Sieg zu erringen.

»Schön, dass wir uns wieder sehen«, sagte Kai grinsend. »Ich war schon in Sorge um dich. Dieses Gelände hier ist das reinste Labyrinth. Man kann sich leicht verirren - oder sogar zu Schaden kommen.« Er deutete auf den Pack, die Spinne und schließlich Twix, die sich mühsam wieder hochrappelte und in taumelnden Spiralen auf Kims Schulter zuhielt. »Wie praktisch, dass ich euch alle zusammen habe. Das spart eine Menge Zeit.«

Der Pack sprang ihn an. Wenigstens versuchte er es. Aber einer der Krieger vertrat ihm mit einem blitzschnellen Schritt den Weg und versetzte ihm einen Hieb mit der gepanzerten Hand, der ihn hilflos davonkugeln ließ.

Kai seufzte. »Können wir jetzt mit den Albernheiten aufhören?«

»Was willst du?«, fragte Kim und die Spinne zischte: »Ich hätte ihn auffressen sollen, als ich die Gelegenheit dazu hatte.«

Kai blickte angewidert auf sie herab. »Das wäre vermutlich wirklich klüger gewesen«, sagte er. »Eine bessere Gelegenheit wirst du nicht mehr bekommen, fürchte ich.«

»Undankbarer Kerl!«, schimpfte die Spinne. »Immerhin habe ich dir das Leben gerettet.«

»Und?«, fragte Kai verächdich. »Was erwartest du jetzt von mir? Dass ich dir vor lauter Dankbarkeit die Füße küsse? Das sind mir zu viele.«

»Eine Chance«, antwortete die Spinne. »Ein fairer Kampf, zwischen euch und uns!«

»Fair?!« Kai hatte Mühe, ein Lachen zu unterdrücken, und Kim starrte die Spinne fassungslos an und fragte sich, ob sie nun vollends den Verstand verloren hatte.

»Er hat nicht einmal eine Waffe!« Die Spinne deutete mit einem Bein auf Kim. »Lass mich ein Schwert für ihn holen - oder hast du Angst, er könnte deine Hampelmänner in einem fairen Kampf besiegen?«

»Äh ...«, begann Kim, kam aber nicht weiter, denn Kai begann schallend zu lachen. Er warf den Kopf in den Nacken, lachte noch lauter und deutete dann mit einer einladenden Geste zur Tür.