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Er lachte, dann deutete er auf den Tarn. »Es ist kein prächtiger geschlossener Plattan, aber wenn dir der Geruch nichts ausmacht, kannst du dich auf die Pelze setzen.«

Sie lächelte dankbar, dann stieg sie auf den Wagen. Sobald sie auf den Pelzen Platz genommen hatte, drängte er das Arem zum Weitergehen. Neben dem tierischen Geruch der Pelze lag noch ein unverkennbar fischiger Gestank in der Luft.

»Ich heiße Limma Heilerin«, erklärte sie. »Und ich bin Heilerin.«

Er drehte sich zu ihr um und zog die Augenbrauen hoch. »Und eine Zauberin, vermute ich. Keine gewöhnliche Frau reist allein durch dieses Gebiet.«

»Eine kämpfende Frau könnte es tun.« Sie schüttelte grinsend den Kopf. »Aber ich bin keine Kriegerin. Und wer bist du?«

»Marin Hakenmacher. Fischer.«

»Ah«, sagte sie. »Ich dachte mir doch, dass ich Fisch rieche. Lass mich raten: Du belieferst die Inländer mit Fisch und bringst Felle mit zurück und…« Sie besah sich die übrigen Dinge auf dem Tarn. »… und Gemüse, Getränke, Holz, Töpferwaren und – ah – zwei Girris zum Abendessen.«

Marin nickte. »Das ist richtig. Sie sind eine nette Abwechslung für mich und die Küstenbewohner.«

»Ich habe früher am Meer gelebt«, sprach sie weiter. »Damals habe ich mir oft mein Abendessen selbst gefangen.«

»Wo hast du denn gelebt?«

»An einem entlegenen Ort. Er hatte nicht einmal einen Namen. Ich habe ihn gehasst. Zu weit entfernt von allem. Schließlich bin ich aufgebrochen und auf Reisen gegangen, wo ich mein Gewerbe gelernt habe. Aber ich halte mich noch immer gern in der Nähe des Meeres auf.«

»Was führt dich nach Dufin?«

»Neugier«, antwortete sie. »Arbeit.« Sie hielt inne. Sollte sie jetzt mit ihrer Suche nach der Möwe beginnen? »Ich habe eine Geschichte gehört. Eine alte Geschichte. Ich möchte herausfinden, ob sie wahr ist.«

»Und was für eine Geschichte ist das?«

»Sie handelt von einem Jungen. Einem Jungen, der niemals altert. Der alles über das Meer weiß, was es zu wissen gibt.«

»Ah«, sagte Marin, und es klang mehr wie ein Seufzen. »Das ist tatsächlich eine alte Geschichte.«

»Kennst du sie?«

Er zuckte die Achseln. »Es gibt viele, viele Geschichten über die Möwe. Geschichten, denen zufolge er Männer vor dem Ertrinken rettet. Geschichten, in denen er selbst Männer ertränkt. Er ist wie das Meer selbst: sowohl freundlich als auch grausam.«

»Glaubst du, dass es ihn wirklich gibt?«

»Nein, aber ich kenne Leute, die es glauben. Sie behaupten, ihn gesehen zu haben.«

»Lügenmärchen? Geschichten von alten Leuten, die diese Dinge mit den Jahren immer weiter ausgeschmückt haben?«

»Möglicherweise.« Marin runzelte die Stirn. »Ich habe allerdings noch nie erlebt, dass der Alte Grim etwas anderes als die Wahrheit gesagt hätte, und er behauptet, er sei als Junge mit der Möwe zur See gefahren.«

»Ich würde den Alten Grim gern kennen lernen.«

»Das kann ich veranlassen. Aber du wirst ihn vielleicht nicht mögen.« Marin drehte sich zu ihr um und verzog das Gesicht. »Seine Ausdrucksweise ist für Damen wenig geeignet.«

Sie kicherte. »Damit werde ich fertig. Ich habe von Frauen bei der Geburt Ausdrücke gehört, die die Ohren der meisten Leute verbrennen würden.«

Er nickte. »Ich auch. Meine Frau ist die meiste Zeit über sehr still, aber wenn sie in Wut gerät…« Er schauderte. »Dann weiß man, dass sie eine Fischertochter ist.«

Sie hatten inzwischen den Fuß des Hügels erreicht. Marin schwieg eine Weile, dann warf er ihr einen Seitenblick zu.

»Du möchtest also herausfinden, ob es die Möwe wirklich gibt. Was würde dich dazu bringen, an ihn zu glauben?«

»Ich weiß es nicht. Vielleicht eine Begegnung mit ihm.«

Er lachte. »Das würde es beweisen.«

»Hältst du es für wahrscheinlich, dass ich ihm begegnen werde?«

»Nein. Aber wenn doch, was würdest du dann tun?«

»Ihn nach Heilmitteln befragen. Es gibt viele Heilmittel, die aus dem Meer kommen.«

»Natürlich.«

»Ich werde ihn vielleicht niemals finden, aber ich habe reichlich Zeit. Solange es Menschen gibt, wird es immer jemanden geben, der Heilmittel und Wunderkuren benötigt. Ich werde mich an der Küste entlangarbeiten und vielleicht auch hier und da mit einem Schiff fahren.«

»Höchstwahrscheinlich wirst du irgendeinen Glückspilz von Mann treffen, jede Menge Kinder bekommen und die Möwe vollkommen vergessen.«

Sie verzog das Gesicht. »Pa! Ich habe mehr als genug von törichter Romantik gehabt.«

Er kicherte. »Ach ja?«

»Ja«, sagte sie entschieden. Als der Tarn zwischen zwei kleineren Hügeln um eine Biegung rumpelte und die Gebäude von Dufin in Sicht kamen, setzte Emerahl sich ein wenig bequemer hin. »Also, erzähl mir einige von diesen Geschichten über die Möwe«, bat sie.

Marin war, wie sie vermutet hatte, nur allzu glücklich, ihrem Wunsch nachzukommen.

Auraya lehnte am Fensterrahmen und blickte hinab. Die langen Schatten, die die späte Nachmittagssonne warf, zeichneten ein Muster aus Flecken und Streifen auf den Tempelbezirk. Wo die Strahlen die Gärten berührten, leuchteten die verwehten Herbstblätter in bunten Farben. Juran, der Erste der Weißen, bewohnte die Räume im obersten Stockwerk des Turms. Der Ausblick war ein wenig anders als ihr eigener, da man aus dieser Höhe noch besser sehen konnte.

»Probier das einmal«, murmelte Juran.

Sie wandte sich ab und nahm einen Kelch von ihm entgegen. Darin befand sich eine hellgelbe Flüssigkeit. Als sie daran nippte, erfüllte ein vertrautes Aroma ihren Mund, gefolgt von verschiedenen Gewürzen.

»Es schmeckt ein wenig wie Teepi«, sagte sie.

Juran nickte. »Es wird aus den Beeren des gleichen Baums hergestellt, aus dem die Siyee ihren Teepi gewinnen. Als die ersten torenischen Siedler nach Si kamen, behandelten die Siyee sie wie Besucher. Die Torener entwickelten ein besonderes Interesse an Teepi und lernten, ihre eigene, stärkere Version zu brauen.«

Er reichte nun auch den anderen Weißen Gläser, und sie alle nahmen einen Schluck. Dyara verzog das Gesicht, Mairae lächelte, und Rian, der berauschende Getränke nicht mochte, zuckte die Achseln und stellte sein Glas beiseite.

»Dieser Teepi ist einfacher«, meinte Auraya. »Ihm fehlt das Aroma von Nüssen und Holz.«

»Sie brauen ihn in Flaschen, nicht in Fässern. Was nur gut ist, denn Holz ist rar in Toren.«

»Dann haben sie also die Absicht, ihn auch in Zukunft herzustellen?«

»Ja. Einer der unternehmungslustigeren Siedler hat einige Flaschen nach Aime mitgenommen. Die Reichen sind auf den Geschmack gekommen, und obwohl die Herstellung nicht viel kostet, kann man den Teepi zu einem hohen Preis verkaufen. Viele der Siedler haben Setzlinge von dem Baum mit nach Hause genommen, die sie ebenfalls zu hohen Preisen anbieten können.«

»Gut. Viele der Torener, die Si verlassen mussten, haben fast all ihre Habe dort zurückgelassen. Dieses Gewerbe wird ihnen helfen«, bemerkte Dyara leise.

»Und es wird die Chancen der Siyee, Teepi nach Toren zu verkaufen, zunichtemachen«, fügte Auraya hinzu.

»Es ist nicht das gleiche Getränk«, sagte Juran. »Die Torener werden vielleicht auch eine Vorliebe für den Teepi entwickeln, wie er in Si gebraut wird. Hier besteht eine Nachfrage danach, die sich die Siyee nach wie vor zunutze machen könnten.«

Auraya nickte langsam, während sie darüber nachdachte, wie sie die Siyee auf diese Möglichkeit hinweisen könnte, aber etwas lenkte ihre Aufmerksamkeit ab, und plötzlich nahm sie die Magie um sich herum wahr. Eine vertraute Präsenz kam näher, und mit ihr kehrte eine gleichermaßen vertraute Furcht zurück.

Guten Abend, Auraya.

Chaia.

Warum so ängstlich?

Du lenkst mich ab – manchmal im ungünstigsten Augenblick, gestand sie. Sobald ihr Geist die Worte geformt hatte, schämte sie sich auch schon und hätte sich am liebsten dafür entschuldigt. Von Chaia kam eine schäumende Welle der Erheiterung, die Aurayas Unbehagen jedoch nicht zerstreuen konnte.