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Mit einem frustrierten Achselzucken lief ich um die ausgespienen Innereien des Hauses herum und blickte auf der anderen Seite durch das Eßzimmerfenster. Wie das Spielzimmer war auch das Eßzimmer relativ unbeschädigt, doch hier hatte die Explosion vom Flur her direkt eingeschlagen, den inzwischen vertrauten Geröllpfad hinterlassen und alles mit einer dicken Grauschicht überzogen. Auf ewig würde ich Explosionen gleichsetzen mit Staub.

Der lange Eßtisch, adrett umgeben von hochlehnigen Stühlen, stand unverändert. Einige Wandteller waren von ihren Halterungen gefallen und zerbrochen. Die Anrichte war leer, aber das war sie schon vorher gewesen. Malcolm hatte gesagt, der Raum sei kaum noch benutzt worden, seit er und Moira sich aufs Brüllen verlegt hatten.

Ich ging weiter zur Küche und trat durch die Tür, sehr zur Erregung des Polizisten. Ich sagte ihm, ich sei schon einmal drin gewesen, um den Kiefernstuhl zu holen, den inzwischen jemand zurückgestellt hatte, und er beruhigte sich ein kleines bißchen.

«Die Tür da«, sagte ich und wies in eine Ecke,»führt in den Keller. Wissen Sie, ob dort schon jemand war?«

Er glaubte es nicht. Er war sich ziemlich sicher. Vom Keller hatte er niemand reden hören.

Die beiden Souterrainräume lagen unter der Küche und dem Eßzimmer, und ohne Beleuchtung war ich nicht scharf drauf, da hinunterzugehen. Aber… was für eine Entschuldigung hatte ich, es seinzulassen?

Malcolm lagerte dort einigen roten Bordeaux in Regalen und hätte es bedauert, wenn die Flaschen zerbrochen wären. Coochie hatte den Keller für romantische Parties benutzt, mit Kerzenlicht, rotkarierten Tischtüchern und Zigeunermusik, und die Klapptische und — stühle waren noch dort gestapelt, zusammen mit dem versammelten Plunder von Jahrzehnten, der nicht mehr gebraucht wurde, aber zum Wegwerfen zu wertvoll war.

«Haben Sie eine Taschenlampe?«fragte ich den Polizisten.

Er hatte keine. Ich ging die holen, die ich aus Gewohnheit in dem Leihwagen deponiert hatte, und erkundete trotz seiner Mißbilligung das Souterrain. Immerhin kam er mit.

Zunächst einmal waren die Kellerräume trocken, was mich erleichterte, denn ich hatte befürchtet, das Wasser aus dem Vorratstank und den geplatzten Rohren wäre hinuntergelaufen und hätte sie überschwemmt.

Keine von Malcolms Flaschen war zerbrochen. Die Kaminwand, die sich als stabile Grundmauer hier hinunterzog, hatte alles, was außerhalb von ihr war, unten ebenso fest abgeschirmt wie oben.

Die tristen Museumsstücke — ausrangierte Stehlampen, Schaukelstuhl, Ölbilder, Zinntruhe, Tigerfell, Kopfkissenkeil, Teewagen — erhielten ein kurzes Leben im Schein der Taschenlampe und versanken wieder im Schatten. Der gleiche alte Trödel, unverändert.

Man konnte nur wieder sagen, daß auch im Keller nichts fehl am Platz zu sein schien und nichts fehlte. Resigniert die Achseln zuckend, führte ich uns nach oben und schloß die Tür.

Wieder draußen, warf ich einen Blick in die Garage, die völlig unberührt schien, und ging um sie herum zum Gemüsegarten. Das Glas in dem alten Gewächshaus war zerbrochen, und ich nahm an, Moiras kleine Torheit drüben auf der anderen Gartenseite hatte das gleiche Schicksal ereilt.

Herzlich gern wäre ich an das andere Ende des Gemüsegartens gegangen, um mich zu vergewissern, daß das Goldlager intakt war, doch die Anzahl interessierter Augen, die bereits auf mich gerichtet waren, zumal die von Arthur Bellbrook, hielten mich davon ab.

Die Mauer selbst sah allerdings stabil aus. Die Menschenscharen waren nicht in ihrer Nähe, da sie links hinten lag, die Leute aber von rechts über die Felder kamen.

Der Polizist stand neben mir, bereit, mich überallhin zu begleiten.

Achselzuckend zog ich mich zurück. Hab Vertrauen, dachte ich und fuhr nach London.

Kapitel 12

Malcolm hatte im Ritz eine Doppelsuite mit Blick auf den Green Park bekommen. Wie aus den Resten auf dem weiß gedeckten Zimmerservicetisch hervorging, hatte er Straßburger Pastete und Seezunge zu Mittag gegessen und war bei der unteren Hälfte der Sektflasche angelangt.

«Was machen die Nerven?«sagte ich und stellte seine Aktenmappe neben ihn hin.

«Bist du verfolgt worden?«fragte er.

«Nein.«

Er gab sich alle Mühe, so zu tun, als hätte er sich wieder völlig in der Gewalt, doch ich erriet, daß die Bahnfahrt eine einsame Zerreißprobe gewesen war. Das sich verschärfende Trauma in seinem Inneren war für mich schwer vorstellbar. Wie konnte jemand das Ziel tödlicher, unerbittlicher Gewalttätigkeit sein, ohne daß er schließlich zusammenbrach? Ich mußte eine bessere Lösung für ihn finden, als ihn in Millionärsklausen einzusperren. Ihm Sicherheit geben, seine Unbeschwertheit wiedergeben, ihn befreien.

«Ehm«, sagte ich,»dein Reisepaß ist hoffentlich noch in der Aktenmappe.«

«Ja. «Er hatte ihn in der Aktenmappe mit nach Paris genommen.

«Gut.«

Ein bestürzender Gedanke kam ihm:»Wo ist deiner?«

«In den Trümmern. Keine Bange, ich besorge mir einen neuen. Hast du ein Visum für Amerika?«

«Ja. Ich hatte auch mal eins für Australien, aber die gelten nur ein Jahr. Wenn wir rüberfliegen, müssen wir uns im Australia

House noch Visa ausstellen lassen.«

«Wie wär’s, wenn du morgen nach Amerika fliegst?«sagte ich.

«Morgen? Wie könnte ich?«

«Ich bringe dich heil nach Heathrow und lade dich ins Flugzeug.«

«Verdammt, das habe ich doch nicht gemeint.«

«Nein«, sagte ich.»Also… die Breeders’-Cup-Rennen finden morgen in drei Wochen in Santa Anita statt. Warum rufen wir nicht Ramsey Osborn an? Warum nicht den Trainer von Blue Clancy? Du kannst doch morgen nach Los Angeles fliegen und dir drei Wochen lang wunderbar die Zeit auf dem Rennplatz vertreiben. Da sind täglich Rennen auf derselben Bahn. Wie ich dich kenne, wirst du mit den Veranstaltern sofort Freundschaft schließen. Osborn schickt ihnen sicher eine Empfehlung. Du kannst da absteigen, wo die Organisatoren des Breeders’ Cup wohnen, im Beverly Wilshire Hotel. Ich habe gehört, es liegt ganz am Ende des Rodeo Drive, nicht weit von einem Herrenausstatter, der so exklusiv ist, daß man nur mit Voranmeldung reinkommt. Kauf dir ein paar Hemden dort, das reißt ein hübsches Loch in deine Brieftasche. Denk nicht mehr an Quantum. Vergiß die blöde Familie. Sie werden nicht wissen, wo du bist, und dich nie finden.«

Ich holte nur kurz Luft, damit er keine Einwände erheben konnte.»Am Dienstag nach dem Breeders’ Cup steigt in Melbourne, Australien, der Melbourne Cup. Das ist deren größtes Rennen. Das ganze Land sieht zu. Eine Menge Leute vom Breeders’ Cup fliegen nach Australien weiter; bis dahin hast du zig Kumpel unter ihnen. Es soll fantastisch sein. Ich war nie dort und käme gern mal hin. Ich stoße zu dir, sobald mein Paß erneuert ist, und passe weiter auf dich auf — wenn du es dann noch willst.«

Anfangs hatte er apathisch zugehört, aber am Schluß lächelte er. Ich hatte die impulsive Verhaltensweise vorgeschlagen, die ihm stets gefallen hatte, und war froh zu sehen, daß sie ihm immer noch zusagte.

«Entschieden besser, als im Ritz zu versauern«, erklärte er.

«Großartig«, sagte ich.»Such die Telefonnummern raus.«

Es war bald geregelt. Blue Clancy würde zum Breeders’ Cup geschickt, sofern seine Form es zuließ. Ramsey Osborn in Stamford, Connecticut, versprach polternd, einen Draht zu fünfzehn, zwanzig sehr lieben Freunden herzustellen, die er verschiedentlich im Westen getroffen hatte. Konnte Malcolm unterwegs in Lexington Station machen und seine Augen an ein paar echten Vollblütern weiden? Osborn hatte sehr gute Freunde in Lexington, bei denen Malcolm herzlich willkommen wäre. Ramsey würde sie anrufen und alles in die Wege leiten. Bleibt am Telefon, Leute, sagte er; ich arrangiere das und rufe zurück. In Connecticut sei es Frühstückszeit, in Lexington noch eine Stunde früher. Er wolle mal sehen, ob das faule Pack schon aus den Federn sei.