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Ob sie es waren oder nicht, nach kaum zwanzig Minuten rief Ramsey zurück. Wie vorher sprach Malcolm vom Wohnzimmeranschluß aus, ich von der Nebenleitung in meinem Schlafzimmer.

«Alles klar«, sagte Ramsey.»Sie erwarten dich morgen, Malcolm, und ich fliege Sonntag runter. Es ist wirklich ein nettes Gespann, du wirst sie mögen. Dave und Sally Cander. Dogwood Drift Farm, außerhalb von Lexington. «Er gab die Telefonnummer durch.»Hast du das notiert?«

Malcolm hatte es.

Ramsey fragte, wo Malcolm während des Breeders’ Cup wohnen wolle.»Beverly Wilshire? Besser geht’s nicht. Der Mittelpunkt des Universums. Ich mache gleich die Reservierung.«

Malcolm erklärte, er brauche eine Zweizimmersuite für sich und mich. Geht klar, meinte Ramsey. Kein Problem; bis dann. Wir seien die Krönung seines Morgens, sagte er und wünschte uns einen schönen Tag.

Das Wohnzimmer wirkte kleiner und ruhiger, als er aufgelegt hatte, aber Malcolm war sichtlich neu belebt. Wir nahmen gleich ein Taxi zum Australia House, wo Malcolm unverzüglich sein Visum bekam, und hielten auf dem Rückweg erst an seiner Bank, da die Travellerschecks knapp wurden, und dann kurz vor dem Ritz am Piccadilly, um bei Simpson Wäsche und Kleider einzukaufen sowie Koffer, in denen wir sie verstauen konnten. Malcolm bezahlte mein ganzes Zeug mit seiner Kreditkarte, worüber ich erleichtert war. Ich hätte ihn ungern direkt gebeten, mir die Reise nach Kalifornien zu bezahlen, aber er hatte schon selbst an meine Finanzen gedacht und gab mir an diesem Abend einen Riesenscheck, der noch für mehrere andere Reiseziele reichen würde.

«Dein Fluggeld und so weiter. Bezahl Arthur Bellbrook. Bezahl Norman West. Bezahl den Bauunternehmer, der Quantum abdichtet. Bezahl den Leihwagen. Zahl deine Unkosten. Sonst noch was?«

«Tickets nach Australien?«

«Die holen wir morgen früh, ich bezahle sie dann zusammen mit meinem Flug nach Lexington. Wenn wir für dich ein undatiertes Ticket nach Los Angeles kriegen, kann ich das auch mitbezahlen.«

Wir machten einen Telefonplan aus. Er sollte mich nicht anrufen, ich würde ihn anrufen.

In guter Stimmung nahmen wir unser Dinner ein; der grauenhafte Morgen war endlich überdeckt.

Malcolm hob sein Glas:»>Auf Blue Clancy< und >Auf den Rennsport< und >Auf das Leben<.«

«Auf das Leben«, sagte ich.

Am Morgen fuhr ich ihn wie versprochen heil nach Heathrow und brachte ihn zu seiner Maschine nach Lexington via New York und Cincinnati. Er war immerhin halbwegs in Schwung und warf mir einen langen melancholischen Blick zu, ehe er abreiste.

«Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll«, sagte er.

«Du brauchst mir nicht zu danken.«

«Verfluchte Moira«, sagte er unerwartet, blickte noch einmal zurück und winkte im Gehen.

Mit einem guten Gefühl rief ich vom Flughafen aus Kommissar Yale an, erwischte aber einen seiner Mitarbeiter: Der Chef war in Quantum und hatte eine Nachricht hinterlassen; falls ich anriefe, solle man mich fragen, ob ich zu ihm kommen könne. Ja, sagte ich, das könnte ich, und traf etwa vierzig Minuten später im Dorf ein.

Die Straße zum Haus war nicht so verstopft wie am Vortag, aber immer noch kamen und gingen ständig neue Wellen von Schaulustigen. Ich hielt am Tor, und nach einem Funkruf ließ der Posten mich durch. Ein anderer Polizist war an meiner Seite, sowie ich vor dem Haus anhielt. Es waren nicht die gleichen Beamten wie am Vortag.

Kommissar Yale erschien aus der Richtung der Küche, vermutlich von dem Wachposten am Tor verständigt.

«Wie geht es Mr. Pembroke?«fragte er und gab mir die Hand mit allen Anzeichen zweckgebundener Menschlichkeit.

«Mäßig«, sagte ich.

Er nickte verständnisvoll. Er trug einen Mantel und sah verfroren aus, als wäre er schon längere Zeit im Freien. Der leichte Wind vom Vortag hatte sich drastisch verschärft, und die Wolken wirkten bedrohlicher, als ziehe Regen auf. Yale warf einen besorgten Blick zum Himmel und bat mich, mit ihm in den Hintergarten zu kommen.

Die Hausfront sah traurig und öde aus; alle Fenster waren mit hellbraunem Sperrholz vernagelt, und eine schwere schwarze Plane, die unter dem Dach herabhing, verdeckte das Loch in der Mitte. Auf der Rückseite waren zwar die Fenster vernagelt und die nackten Dachsparren abgedeckt, die verwüstete Mitte aber noch immer ungeschützt. Mehrere Männer in Helm und Overall arbeiteten dort, hoben Stücke aus dem riesigen Geröllhaufen auf und brachten sie zu einem Müllcontainer, der ein wenig entfernt auf der anderen Seite des Rasens stand.

«Haben die vor, das alles per Hand abzutragen?«fragte ich.

«Soviel wie nötig«, sagte Yale.»Wir haben eine Überraschung für Sie. «Er winkte einem Mann in einem beigefarbenen Overall mit blauem Helm, der zu uns herüberkam und mich nach meinem Namen fragte.

«Ian Pembroke«, sagte ich entgegenkommend.

Er zog den Reißverschluß seiner Brusttasche auf, griff hinein und holte ein zerdrücktes marineblaues Etwas hervor, das er mir mit einem zufriedenen Schmunzeln hinhielt.

«Das brauchen Sie vielleicht noch.«

Nichts konnte wahrer sein. Es war mein Reisepaß.

«Wo haben Sie denn den gefunden?«sagte ich begeistert.

Er zuckte mit den Achseln und wies auf den Schutt.

«Wir stoßen immer mal wieder auf was Unbeschädigtes. Die Sachen legen wir für Sie raus, aber erhoffen Sie sich nicht zuviel.«

Ich steckte den Paß in meinen neuen Simpson-Anorak und war froh, daß ich mir vor der Reise nun nicht die Hacken abzulaufen brauchte.

«Haben Sie auch Bürsten mit Gold- und Silberrücken gefunden?«fragte ich.

«Bisher nicht.«»Das sind die Lieblingssachen meines Vaters.«

«Wir werden uns danach umsehen«, sagte er.»Dafür möchten wir, daß Sie uns jetzt auch behilflich sind.«

«Wenn ich kann.«

Er war ein hagerer, sehr professionell wirkender Mann, vermutlich Ende Vierzig, der etwas Militärisches an sich hatte. Er stellte sich als Smith vor. Sprengmittelexperte.

«Als Sie gestern früh herkamen«, sagte er,»haben Sie da irgend etwas gerochen?«

Ich war überrascht. Ich dachte zurück.

«Ziegelstaub«, sagte ich.»Der Wind hat ihn aufgewirbelt. Ich habe ihn geschluckt.«

Er brummte.»Das sieht hier nach einer Gasexplosion aus, aber Sie sind sicher, daß kein Gas im Haus war, ja?«

«Ganz sicher.«

«Wissen Sie, wie Kordit riecht?«fragte er.

«Kordit? Wie nach einem Schuß, meinen Sie?«

«Richtig.«

«M-hm, den Geruch kenne ich.«

«Und gestern morgen hat es hier nicht so gerochen?«

Ich sah ihn verwirrt an.»Es ist doch auf niemand geschossen worden«, sagte ich.

Er lächelte flüchtig.»Wissen Sie, was Kordit ist?«fragte er.

«Nicht genau.«

«Es war allgemein als Sprengstoff in Gebrauch«, sagte er,»bevor Nobel 1867 das Dynamit erfand. Es ist weniger stark als Dynamit. Man könnte es als hochwertiges Schießpulver bezeichnen, und in gewissen Steinbrüchen wird es noch eingesetzt. Es explodiert vergleichsweise langsam, mit rund zweitausendfünfhundert Metern pro Sekunde oder etwas mehr. Es explodiert wie Gas. Es schlägt nicht wie ein Rammbock kleine Löcher in die Wände. Es ist eher wie ein sich ausdehnender Ballon, der sie umwirft.«

Ich schaute auf das Haus.

«Ja, so«, meinte Smith.

«Kordit. «Ich runzelte die Stirn.»Das sagt mir nichts.«

«Sein strenger Geruch hält nach«, erklärte er.

«Nun… wir kamen erst um zehn her, und die Explosion war früh um halb fünf, und es war recht windig, wenn auch nicht so wie heute. Wahrscheinlich war schon jeder Geruch verweht. «Ich hielt inne.»Und die Leute, die vor uns hier waren? Was sagen die?«

«Die sind heute nicht hier«, erwiderte Smith knapp.»Ich habe sie nicht gefragt.«

«Mir hat keiner was von einem Geruch erzählt«, sagte ich.