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«Wo ist die Kiste?«fragte Yale.

Das Inventar des Geräteschuppens verblüffte mich. Ich war seit Jahren nicht mehr da drin gewesen, und in dieser Zeit war er von Fred auf Arthur übergegangen. Fred hatte eine umgedrehte Apfelsinenkiste gehabt, auf der er sitzen konnte, wenn es draußen schüttete; Arthur hatte einen alten Sessel. Fred hatte ein Tablett mit einem angeknacksten Becher und einer Dose Würfelzucker gehabt und sich seinen Tee im Haus geholt; Arthur hatte einen Elektrokessel. Fred hatte altes Werkzeug liebevoll gepflegt; Arthur hatte nagelneue Geräte, von deren Griffen der Lack noch nicht abgeblättert war.

Hinter dem Werkzeug und dem Sessel, im Mittelteil des geräumigen Schuppens, befanden sich Dinge wie Rasenmäher, Kettensägen und Heckenscheren, und im äußersten dunklen Winkel war, ähnlich wie im Keller, das von der Zeit übergangene Treibgut in unordentlichen, vergessenen Haufen gestapelt.

Das Ganze sah denkbar unberührt aus, aber Yale rief zwei Polizisten und befahl ihnen, alles aus dem Schuppen herauszuholen und jeden Gegenstand einzeln auf den Boden zu legen. Smith kehrte zu den Trümmern zurück, doch Yale und ich schauten den Polizisten zu und erhielten Verstärkung von Arthur Bellbrook, der herbeigeeilt kam, sobald er sah, wo sie zugange waren.

«Was geht hier vor?«sagte er argwöhnisch.

«Wann haben Sie zuletzt den Geräteschuppen entrümpelt?«fragte Yale.

Arthur war verärgert und warf den Kopf zurück.

«Sagen Sie’s doch«, bat ich ihn.»Wir möchten es nur wissen.«

«Ich hatte es vorgehabt«, verteidigte er sich.»Das ist Freds alter Krempel da hinten drin.«

Der Kommissar nickte, und alle beobachteten wir die schichtweise Bergung des verrosteten, zerbrochenen und hinfälligen Plunders. Schließlich kam einer der Männer mit einer schmutzigen Holzkiste heraus, die ich zuerst nicht wiedererkannte, weil sie kleiner war als in meiner Erinnerung. Er stellte sie neben die anderen Sachen auf den Boden, und ich sagte zögernd:»Ich glaube, das ist sie.«

«Mr. Smith«, rief Yale.

Mr. Smith kam. Yale wies auf die Kiste, die etwa so groß war wie ein Limonadenkasten, und Smith hockte sich davor hin.

Sie war vernagelt. Mit einem alten Meißel stemmte er den Deckel auf und schlug das gelbliche Papier zurück, das zum Vorschein kam. In dem Papier, halb die Kiste ausfüllend, war tatsächlich schwarzes Pulver.

Smith beroch es und stocherte darin herum.»Das ist Kordit, ja, und noch in gutem Zustand. Da es aber hier ist, ist es offensichtlich nicht verwendet worden. Und in der Kiste wäre auch nicht annähernd genug gewesen, um das Haus derart zuzurichten.«

«Tja«, sagte ich kleinlaut,»es war nur eine Idee.«

«Ganz in Ordnung, die Idee«, meinte Smith. Er blickte auf die wachsende Gerümpelsammlung.»Haben Sie Zündkapseln gefunden?«

Er wies uns alle an, jede einzelne Schachtel und Blechbüchse zu öffnen: eine Menge rostige Krampen und Nägel kamen ans Licht, alte Vorhängeschlösser ohne Schlüssel und vergammelte Batterien, aber nichts, was er als zum Auslösen einer Explosion geeignet erkennen konnte.

«Bleibt offen«, sagte er, zuckte die Achseln und kehrte zu seinen Trümmern zurück.

Yale sagte Arthur, er solle das Kordit lassen, wo es war, und könne mit dem Rest machen, was er wolle, und Arthur begann, den Uraltmüll in den Container zu werfen.

Ich versuchte mich für die Zeitverschwendung zu entschuldigen, doch der Kommissar winkte ab.

«Wer von Ihren Geschwistern war noch dabei, als Sie gesehen haben, wie der Baumstumpf gesprengt wurde?«

Ich seufzte, aber es mußte wohl sein.»Gervase, Ferdinand und ich steckten damals immer zusammen, aber ein paar von den älteren waren auch da. Sie kamen noch, als sie schon erwachsen waren, öfter mal zum Wochenende. Vivien bestand darauf, damit Malcolm sie nicht etwa überging. Alicia haßte das. Jedenfalls weiß ich, daß Lucy da war, denn sie hat ein Gedicht geschrieben über Wurzeln, die blind in den Himmel schreien.«

Yale sah skeptisch drein.

«Sie ist Lyrikerin«, sagte ich lahm.»Hat einiges veröffentlicht.«

«Das Wurzelgedicht ist veröffentlicht worden?«

«Ja.«

«Na gut. Sie war also dabei. Wer noch?«

«Irgendeiner trug Serena auf den Schultern, als wir vor dem Knall von der Wiese runter mußten. Das wird Thomas gewesen sein. Er hat sie immer zum Lachen gebracht.«

«Wie alt waren Sie denn damals alle?«fragte Yale.

«Weiß ich nicht genau. «Ich dachte zurück. Alicia war nicht allzu lange danach davongerauscht.»Vielleicht war ich dreizehn, Gervase ist zwei Jahre älter, Ferdinand ein Jahr jünger. Lucy war dann, ehm. so um die Zweiundzwanzig und Thomas neunzehn. Serena müßte also sechs gewesen sein, und Donald… ich weiß nicht, ob er da war oder nicht… er war dann vierundzwanzig.«

Yale holte nachdenklich sein Notizbuch hervor und bat mich, die Altersangaben zu wiederholen, angefangen bei Donald.

«Donald vierundzwanzig, Lucy zweiundzwanzig, Thomas neunzehn, Gervase fünfzehn, ich dreizehn, Ferdinand zwölf, Serena sechs.«

«Gut«, sagte er und machte einen Punkt.

«Aber was spielt das für eine Rolle, wenn das Kordit noch hier ist?«sagte ich.

«Sie haben alle die Wucht der Explosion erlebt«, sagte er.»Sie haben alle gesehen, wie sie den Gärtner aus über dreißig Metern Entfernung umwarf, sagten Sie das nicht?«

Ich blickte auf das ramponierte Haus und meinte hilflos:»Keiner von ihnen hätte das tun können.«

Yale steckte sein Notizbuch weg.»Mag sein«, sagte er.

Smith kam zu uns herüber.»Sie haben mich auf eine Idee gebracht«, sagte er zur mir.»Sie und Ihre Baumstrünke. Können Sie mir einen Plan zeichnen, wo die Zimmer genau waren, besonders die im ersten Stock?«

Ich sagte, ich nähme es an, und wir drei gingen in die windgeschützte Garage, wo ich einen Bogen Papier auf die Kühlerhaube von Moiras Wagen legte und mein Bestes tat.

«Das Wohnzimmer hat sich, wie Sie wissen, von der einen dicken Wand bis zur anderen erstreckt«, sagte ich.

«Runde zehn Meter. Darüber«- ich zeichnete —»lag mein Zimmer, etwa zwei fünfzig breit, drei fünzig tief, mit einem Fenster zum Garten auf der Schmalseite. Nebenan war Malcolms Schlafzimmer, so ungefähr fünf Meter breit und viel tiefer als meins. Der Gang machte da einen Bogen… und dann kam sein Badezimmer, ebenfalls mit Blick auf den Garten, und dahinter eine Art Garderobe, die auch auf den Gang führte. «Ich skizzierte es.»Malcolms Suite insgesamt wird auf der Gartenseite rund sieben Meter breit und fünf bis fünfeinhalb

Meter tief gewesen sein.«

Yale studierte die Zeichnung.»Ihr Zimmer und die Suite zusammen hatten also mehr oder minder die gleichen Maße wie das Wohnzimmer?«

«Ja, ich denke.«

«Ein großes Haus«, bemerkte er.

«Früher war es noch größer. Die Küche war mal ein Frühstückszimmer, und wo jetzt die Garage ist, waren Küchen und Gesindekammern. Und auf der anderen Seite, wo jetzt der Gang auf den Garten führt, waren Jagdzimmer, Blumenzimmer und Musikzimmer, ein ziemlicher Kaninchenbau. Ich habe die Seitenflügel selber nie gesehen, nur Fotos davon. Malcolm ließ sie abreißen, als er das Haus erbte, um es ohne die Dienerscharen, die seine Mutter hatte, führen zu können.«

«Hm«, sagte Smith.»Das erklärt, wieso im Erdgeschoß keine Seitenfenster sind.«

«Ja«, stimmte ich zu.

Er lieh sich meinen Stift aus, stellte ein paar Berechnungen an und krauste die Stirn.

«Wo genau stand das Bett Ihres Vaters?«

Ich zeichnete es ein.»Das Bett stand an der Wand zwischen seinem Zimmer und dem großen Flur im ersten Stock, der eine Art offener Wohnraum über der Diele war.«

«Und Ihr Bett?«

«An der Wand zwischen meinem und Malcolms Zimmer.«

Smith betrachtete den Grundriß einige Zeit und sagte dann:»Ich glaube, die Ladung hier wurde zentral angebracht. Hatte Ihr Vater vielleicht zufällig eine Truhe oder so etwas am Fußende seines Bettes?«