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»Gar nichts will ich damit sagen. Ich erinnere nur.«

»Du hast doch bestimmt schon mit den Jungs gesprochen, die sich mit dem Diebstahl befassen!« sage ich zu Petja.

»Hab ich.«

Das ist eine weitere Besonderheit von Petja. Er weiß immer alles. Überall hat er Freunde, und manchmal gerade dort, wo man sie dringend braucht. Er ist ungewöhnlich kontaktfreudig.

»Und was wurde gestohlen?« fragt Valja.

»Es handelt sich um die Wohnung irgendeines Akademiemitglieds. Gestohlen wurden vor allem Antiquitäten und Bilder. Das übliche.«

»Und wie sind sie hineingekommen?« will ich wissen.

»Fein säuberlich«, sagt Petja. »Qualifiziert. Schlösser nützen da gar nichts.«

»Apropos«, schaltet sich Kusmitsch ein, der bis dahin geschwiegen hat, »wir müssen nachsehen, und nicht nur in den Berichten, was in dem Bezirk in diesen Tagen noch passiert ist. Ich meine, wir müssen hinfahren und uns an Ort und Stelle erkundigen. Ja...« Kusmitsch verstummt, blickt mit gerunzelter Stirn ins Leere, dreht mechanisch die Brille in den Händen und fährt seufzend fort: »Nun, meine Lieben, ziehen wir eine Zwischenbilanz. Erstens:    Wir    sind einer gefährlichen Verbrechergruppe    auf    die    Spur gekommen. Zweitens: Allem Anschein nach ist die Gruppe nicht von hier. Jeden Augenblick kann sie aus Moskau verschwinden. Was sie hier will, ist uns bislang unklar. Drittens: Wir kennen zwei Mitglieder der Gruppe persönlich. Beide haben ihre Fingerabdrücke in der Wohnung hinterlassen. Wir nehmen die beiden jetzt unter die Lupe. Sie sind vorbestraft. Also werden wir bald alles über sie wissen. Und wir werden ihre Fotos haben. Folglich dürfte es zumindest diesen beiden schwerfallen, Moskau zu verlassen. Wir haben für sie schon in der Nacht alle Ausgänge sperren lassen.«

»Vielleicht sind sie von der Wohnung aus direkt zum Bahnhof gefahren?« fragt Petja. »Oder auf einen Flugplatz? Sie hatten fünf Stunden Vorsprung, als wir sie zu suchen begannen. Sie konnten sogar noch dies und das erledigen, zum Beispiel Musa abholen.«

»Höchstwahrscheinlich sind sie hier nicht allein«, sagt Valja. »Und sie können nicht selbst entscheiden, ob sie wegfahren oder bleiben.«

»Aber sie haben wahrscheinlich wenig Lust, den anderen ihre Dummheiten zu beichten«, füge ich hinzu. »Ich habe Ljocha schon gesagt, daß die Ausgänge aus der Stadt für ihn gesperrt sind. Und er war mächtig erschrocken. Doch nachdem er nun weiß, wer ich bin, wird er es erst recht nicht wagen, sich irgendwo zu zeigen, weder auf einem Bahnhof noch auf einem Flugplatz.«

»Möglich, möglich«, sagt Kusmitsch nachdenklich. »Wir wollen einstweilen davon ausgehen, daß sich beide noch in Moskau aufhalten. Aber für alle Fälle. Moment.« Er nimmt den Hörer des Haustelefons ab, wählt eine    kurze Nummer und sagt:    »Hier Oberstleutnant Zwetkow. Grüß dich. Ich hab mal eine Frage: Gestern zwischen achtzehn und vierundzwanzig Uhr, wieviel Züge sind da in Richtung Jushnomorsk abgefahren? Und Flugzeuge? So. Telegrafieren Sie nach Woronesh und Rostow. Man soll die Züge nach den beiden von gestern, du erinnerst dich, kontrollieren. Also, bis dann.« Kusmitsch legt den Hörer auf und sagt zu uns: »Trotzdem wollen wir annehmen, daß sie noch in Moskau sind. Also machen wir uns an die Arbeit. Jushnomorsk rufe ich selbst an. Bald werden wir alle Angaben über diese beiden haben. Und jeder von euch arbeitet auf seiner Linie.« Er wendet sich an Petja: »Du, Schuchmin, fährst zu der Wohnung, wo Lossew gestern eingesperrt war. Erkunde alles - wem sie gehört, wo der Inhaber ist,

was er für ein Mensch ist, wen er kennt, wer zu ihm kommt und so weiter. Denk daran, von dieser Wohnung können ganz überraschende Fäden ausgehen. Hast du mich verstanden?«

»Völlig, Fjodor Kusmitsch.« Petja nickt und fügt hinzu: »Ich kenne dort einen Revierinspektor.«

»Schön. Also weiter: Du, Denissow«, sagt Kusmitsch und schaut Valja an, »fahndest nach Musa. In ihrem Restaurant, zu Hause, bei ihren Freundinnen, bei ihren Bekannten. Und bring möglichst alles über sie in Erfahrung. Es ist durchaus möglich, daß sie uns nur zu Pest-Kolja führt, und zu sonst keinem. Aber auch das wäre eine ganze Menge. Alles klar?«

»Ja«, bestätigt Valja und fragt seinerseits: »Wurden in der Wohnung ihre Fingerabdrücke festgestellt?«

»Es wurden von mehreren Personen Fingerabdrücke festgestellt«, sagt Kusmitsch. »Ob welche von Frauen darunter sind, ist unbekannt. Identifizieren können wir, wie du weißt, nur Vorbestrafte. Diese Musa aber scheint nicht vorbestraft zu sein.«

»Scheint mir auch so«, bestätige ich.

»Außerdem wüßte es der Restaurantleiter«, fügt Valja schmunzelnd hinzu. »Er versucht ja mit ihr anzubändeln. Sie soll sehr hübsch sein.«

»Stimmt«, bestätige ich. »Eine Augenweide.«

»Deshalb hast du ja auch eins auf den Schädel gekriegt«, sagt Petja lachend. »Das werde ich Swetka erzählen, dann blüht dir noch was.«

»Laß das, Schuchmin«, sagt Kusmitsch stirnrunzelnd, »dazu ist jetzt keine Zeit.« Er sieht auf die Uhr. »Es ist schon elf.« Und zu mir sagt er: »Du, Lossew, fährst in die Gegend um die Jelochowskaja-Kirche. Such dort den Hof und den Schuppen. Und den Ermordeten. Ohne positives Ergebnis laß dich hier nicht blicken. Ich bin sicher, dort ist der Mord verübt worden. Offenbar wurde ein Zugereister ermordet. Denn bisher hat niemand Anzeige erstattet. Und versuch festzustellen, wer der Ermordete ist, woher er gekommen ist, zu wem er wollte. Und ob jemand dort auf dem Hof etwas bemerkt hat. Laß nichts unbeachtet. Du bist der erste, der am Tatort erscheint. Da kann uns jede Kleinigkeit weiterhelfen.«

Ich weiß, warum Kusmitsch mir das alles sagt. Tatortbesichtigung ist nicht meine stärkste Seite. Ich befasse mich lieber mit anderen Dingen.

»Na, sind wir uns einig?« Kusmitsch läßt den Blick von einem zum anderen wandern. »Gibt's sonst noch Ideen?«

»Beten wir zu Gott, daß wir mit diesen fertig werden«, sagt Petja lachend.

Wir verlassen Kusmitschs Zimmer. Jeder ist mit seinen Gedanken beschäftigt und begreift, daß er sich beeilen muß. Die Spuren »kühlen« mit jeder Minute mehr ab, die Erinnerung der Leute verblaßt, jemand geht oder fährt weg, etwas wird weggeworfen oder bewußt vernichtet.

Petja Schuchmin begab sich zum Prospekt Mira. Ein Wagen war nicht zur Stelle, und er fuhr mit dem Trolleybus den ehemaligen Sadowoje-Ring entlang. Schuchmin hatte keine Erinnerung an die schattigen Boulevards, die einst wie ein zweiter grüner Ring das Stadtzentrum umspannten. Er kannte den Sadowoje-Ring, wie ihn die Moskauer bis zum heutigen Tage nennen, seit eh und je als geräuschvolle endlose Asphaltmagistrale, wahrscheinlich die belebteste der Stadt.

Auf dem Kolchosnaja-Platz stieg er in einen anderen Trolleybus um, der schon den Prospekt Mira entlangrollte. Den Rest des Weges legte Petja zu Fuß zurück, und schließlich stand er vor dem Haus, zu dem er wollte.

Er fuhr mit dem Lift zu der bewußten Wohnung hinauf und klingelte. Er wartete ein Weilchen und klingelte noch einmal, energischer diesmal. Vergebens.

Dann klingelte er an der Nachbarwohnung, deren Wand ich am Abend zuvor mit dem Schemel bearbeitet hatte. Kaum hatte Petja den Klingelknopf berührt, wurde die Tür geöffnet. Als habe jemand dagestanden und auf dieses Klingeln gewartet.

Auf der Schwelle erschien ein mittelgroßer dicker Mann in blauem Bademantel, ein dünner Kranz zerzausten grauen Haars umrahmte eine große rosa Glatze. Hinter starken Brillengläsern blickten verschwommene wäßrige Augen Petja neugierig an.

»Willkommen, junger Freund«, sagte der Mann, bevor Petja den Mund auftun konnte.

»Warum begrüßen Sie einen Fremden so überschwenglich?« fragte Petja vorwurfsvoll. »Es kann doch...«