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Nach einer Weile stand er auf und sagte: »Das war's. Entschuldigen Sie die Störung. Ich empfehle Ihnen, das Schloß an Igor Jewgenjewitschs Wohnungstür auswechseln zu lassen, es ist kaputt. Und dann möchte ich Sie bitten...«

»Was denn noch?« fragte Alexandra Jewgenjewna gereizt, drückte die Zigarette aus und erhob sich ebenfalls.

»Wenn Gwimar Iwanowitsch kommt, bitten Sie ihn, mich unverzüglich unter dieser Nummer anzurufen.« Petja zog den Notizblock hervor, schrieb seine Telefonnummer und seinen Namen auf, riß das Blatt heraus und gab es Alexandra Jewgenjewna. Die nahm es verächtlich und legte es, ohne einen Blick daraufzuwerfen, neben den Aschenbecher.

»Ich werde mich bemühen.«

»Es ist sehr wichtig«, sagte Petja.

»Bei Ihnen scheint alles wichtig zu sein«, spöttelte Alexandra Jewgenjewna.

Petja ging schweigend durch den Korridor zur Wohnungstür, und nachdem er sich angezogen hatte, verbeugte er sich stumm, aber höflich vor Alexandra Jewgenjewna, die ihn begleitet hatte.

Erleichtert lief er die breite Treppe hinunter. An den Aufzug dachte er nicht.

Der Tag ging zu Ende. Petja fuhr zur Dienststelle. Unterwegs sagte er sich, daß seine interessanteste und wichtigste Entdeckung heute wohl dieser Gwimar Iwanowitsch sei.

Valja Denissow kehrte, nachdem er den Auftrag erhalten hatte, Musa zu suchen, in sein Zimmer zurück, setzte sich an den Schreibtisch, zündete sich eine Zigarette an und überlegte - kühl, streng logisch, ohne alle Emotionen. Was geschehen war, war geschehen, jetzt mußte er entscheiden, wie er die Suche gestalten wollte. Er kannte den Namen der Gesuchten - Musa Wladimirowna Lesnowa. Er kannte ihre Adresse, ihre Telefonnummer, ihre Arbeitsstelle, und er wußte, wie sie aussah. Doch all dies nutzte ihm bislang nichts, denn sie war nicht zu Hause und auch nicht auf der Arbeitsstelle. Valja überzeugte sich telefonisch gleich noch einmal davon. Was blieb? Es blieben die Verwandten und die Freunde, bei denen Musa sein konnte. An Verwandten hatte Musa nur die Mutter, die allein lebte. Die Adresse und die Telefonnummer von Albina Afanassjewna hatte Valja ebenfalls. Nun, und von den Freunden kannte Valja, wenn er Pest-Kolja nicht rechnete, nur Nina. Ob er wollte oder nicht, er mußte sich mit ihr treffen.

Zunächst aber begab er sich zu Musas Wohnung, obwohl er wußte, daß sie nicht dort war. Er hoffte dennoch, etwas Brauchbares in Erfahrung zu bringen.

Die Metro fuhr bald über, bald unter der Erde und brachte Valja zur Station »Molodjoshnaja«, nahe Moskaus Grenze, der Ring-Autobahn. Zwischen den Neubauten fand Denissow nicht ohne Mühe das Haus, das er suchte. Es hatte lange grüne Loggien. Nach einem Blick auf das dritte Geschoß, wo Musas Wohnung lag, ging Valja in die Hausverwaltung im Souterrain.

Dies war ein Genossenschaftshaus, und Musas Zweizimmerwohnung hatte einiges gekostet. Aber als Genossenschaftsmitglied war bis vor kurzem Musas Mann Boris Grigorjewitsch Saitschikow eingetragen gewesen, Oberingenieur eines Konstruktionsbüros. Nach der Scheidung wurde Musa Genossenschaftsmitglied, Saitschikow überließ ihr die Wohnung. Sie blieb dort mit dem zweijährigen Töchterchen, das jedoch, den Worten der dicken Buchhalterin aus der Hausverwaltung zufolge, bald darauf von der Großmutter zu sich genommen wurde.

»Musa ist natürlich froh darüber«, fuhr die Buchhalterin bissig fort. »Die hat doch nur Kerle im Sinn.«

Als Mitarbeiter der Miliz interessierte sich Denissow scheinbar überhaupt nicht für Musa, und sie waren wie zufällig auf sie zu sprechen gekommen. Die Fragen, die Musa betrafen, stellte er in gleichgültigstem Ton.

»Sie hat also verschiedene Liebschaften?« fragte er.

»Klar. Mal mit dem einen, mal mit einem andern. Sie bringt sie mit nach Hause. Kommt mitten in der Nacht mit dem Taxi. Welcher Ehemann hält das aus, noch dazu ein Ingenieur?« fragte die Buchhalterin empört. »Nun, da ist er eben abgehauen, hat alles stehen- und liegenlassen. Mein Gott, wenn ich so einen Mann hätte, ich...«

»Und jetzt lebt sie allein?«

»So was gibt's bei Musa nicht. Die Männer fliegen auf sie wie auf Honig. Sie ist eben attraktiv.«

»Und wen hat sie im Augenblick?«

»So einen Rothaarigen. Langen. Scheint ein Dienstreisender zu sein. Ein stiller, freundlicher Mann. Die Nachbarn sagen, von dem ist kein grobes Wort zu hören. Und wenn er da ist, ist auch Musa still. Dabei hat sie ihren Mann manchmal heruntergeputzt, daß es durchs ganze Haus schallte.«

Als Valja sich von der geschwätzigen Buchhalterin verabschiedet hatte, ging er zu Musas Nachbarn. Aus dem Hausbuch wußte er, daß es sich um eine große Familie handelte. Doch er traf nur die eine Großmutter an, die andere war zur Arbeit. Valja fragte, ob es an der Hausverwaltung etwas auszusetzen gebe. Natürlich gab es das, und die Unterhaltung nahm allmählich nicht nur lebhaften, sondern sogar dramatischen Charakter an. Die kleine alte Frau, die so ruhig und bescheiden wirkte, erwies sich als außerordentlich energisch. In dieser Situation war es nicht schwierig, auf die Nachbarin zu sprechen zu kommen. Und Valja erfuhr einen wichtigen Umstand: Musa hatte nicht zu Hause übernachtet. Tags zuvor war sie, wie immer, morgens zur Arbeit gegangen, und ungefähr zwei Stunden später hatte sich auch ihr Liebhaber entfernt. Seitdem war Musa nicht heimgekehrt.

»Sicherlich hat sie bei ihrer Mutter geschlafen«, meinte die Oma.

Alles wäre verständlich gewesen, wenn sich Musa ins Restaurant begeben hätte. Aber weder gestern noch heute war sie dort erschienen.

Und Denissow fuhr durch ganz Moskau zur Perwomaiskaja-Straße, in der Musas Mutter wohnte. Wo kann Musa stecken? überlegte er unterwegs. Höchstwahrscheinlich hat sie die Nacht mit diesem Pest verbracht. Dann muß sie wissen, wo er sich verkrochen hat und wo sich sein Kumpan Ljocha aufhält. Durch Musa diesen Pest aufzuspüren - das ist der schnellste und sicherste Weg. Deshalb muß ich sie unbedingt finden, diese unsolide junge Frau.

Die Fahrt verging wie im Flug. Auf der Station »Perwomaiskaja« stieg Denissow ans Tageslicht und schritt, die Hausnummern studierend, den Bürgersteig entlang. Er brauchte nicht weit zu gehen. Das gesuchte Haus stand in der Nähe der Metrostation, weit hinten in einem verschneiten Hof.

Die Tür öffnete ihm eine mittelgroße schlanke Frau mit schwarzen Haaren. Zu einer tadellos sitzenden Hose trug sie eine bunte offene Jacke. Nur das fahle Gesicht und die Fältchen in den Mundwinkeln, an den Augen und am Hals verrieten Albina Afanassjewnas Alter. Aber die lebhaften Augen mit dem blaßblauen Lidschatten und die geschminkten Lippen zeugten davon, daß sie nicht aufgehört hatte, auf ihr Äußeres zu achten.

Denissow hatte vorgehabt, den Zweck seines Besuches nicht zu verheimlichen. Als Mutter mußte Albina Afanassjewna daran interessiert sein, daß sich ihre Tochter anständig aufführte. Da sie das Enkelchen zu sich genommen hatte, war sie mit ihrer Tochter und deren Lebensweise sicherlich nicht einverstanden, wünschte sich aber, daß das geliebte Enkelkind eine gute Mutter habe. Doch bei Albina Afanassjewnas Anblick dachte Valja plötzlich: Ob sie nicht das Enkelkind genommen hat, um der Tochter diesen Lebenswandel zu ermöglichen, um sie von allen Sorgen zu befreien, damit sie sich vergnügen kann, wie sie selbst sich wahrscheinlich einst vergnügt hatte, und gleichzeitig einen neuen Ehemann findet, der besser ist als ein Ingenieur? Und wenn dies so war, konnte es sein, daß Albina Afanassjewna vom Erscheinen eines Milizmitarbeiters nicht erbaut war und vorsichtig wurde, und dann war an ein offenherziges Gespräch nicht zu denken. Nein, diese durchaus noch attraktive Frau flößte Valja kein Vertrauen ein.

Deshalb lächelte Valja bieder und fragte: »Guten Tag, sind Sie Albina Afanassjewna?«

»Ja«, antwortete sie.