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»Einer von diesen?« Abermals reiche ich ihr die Bilder.

»Nein. Er ist nicht dabei. Ich ging dicht an ihm vorbei. Er beobachtete so gespannt, daß es mich beunruhigte.«

Ja, das ist nun völlig unverständlich. Als wäre die Wohnung des verstorbenen Akademiemitglieds in diesen Tagen von mehreren Verbrechergruppen umkreist worden. Ein merkwürdiger Knoten bildete sich hier.

Draußen ist es bereits dunkel. Wir verabschieden uns.

Seltsame Ereignisse im Hof eines Hauses

Mit dem Diebstahl in der Basmannaja beschäftigt sich eine Gruppe aus einer anderen Abteilung. Die Leitung hat Pascha Mestscherjakow. Als ich am Morgen zur Arbeit komme, gehe ich kurz zu ihm hinein, und wir vereinbaren, uns gleich nach den Dienstbesprechungen der Abteilungen bei unserem Kusmitsch zu treffen. Kusmitsch beordert auch Valja und Petja zu sich. Über unsere gestrigen Entdeckungen und unsere Vermutungen und Pläne im Zusammenhang mit diesen Entdeckungen ist er informiert. Kurzum, es findet eine operative Konferenz statt, obwohl Kusmitsch solche Worte nicht mag. Er sagt lieber: Kommt mal vorbei, wir müssen uns was durch den Kopf gehen lassen. Und so setzen wir uns zusammen, um uns das sonderbare Verbrechen in der Basmannaja »durch den Kopf gehen« zu lassen.

Pascha, ein bescheidener, wortkarger Junge, wie stets in blauem Anzug, hellblauem Hemd und bläulichem Schlips, informiert uns über den Einbruchsdiebstahl. Die Fakten, die er mitteilt, versuchen wir gleich mit Ljocha, Pest und ihren möglichen Komplizen in Beziehung zu setzen, wenn sich hier auch nicht klären läßt, warum sie bei der Vorbereitung des Diebstahls Gwimar Semanski umbringen mußten. Der Umstand jedoch, daß er ebenfalls aus Jushnomorsk kam, erlaubt die Annahme, daß er mit Mitgliedern der Bande bekannt war und sogar irgendwelche Beziehungen zu ihnen unterhielt. Bestehen bleibt auch die Version, daß Pest den Mord aus Eifersucht organisierte oder provozierte, denn Semanski hatte ernste Absichten auf Musa.

Pascha beschreibt, was die Diebe mitgenommen haben. Und da fällt uns auf, daß die Bilder qualifiziert ausgewählt wurden, wozu weder Ljocha noch Pest imstande wären. Und uns allen kommt der Gedanke -ob nicht Semanski, der Zutritt zu der Wohnung hatte und außerdem gebildet genug war, die zu stehlenden Sachen aussuchte, das Erforderliche über die Besitzer mitteilte und dann von den Komplizen umgebracht wurde, weil er von der Beute den Löwenanteil forderte.

»Aber er ist ja nicht nach, sondern vor dem Diebstahl ermordet worden«, sagt Valja Denissow.

»Trotzdem ist es möglich«, entgegne ich. »Eine außerordentlich reiche Beute stand in Aussicht. Da haben sie sich vielleicht schon vorher in die Haare gekriegt.«

»Ist doch klar!« unterstützt mich Petja.

»Was hat die Arbeit am Tatort erbracht?« erkundigt sich Kusmitsch bei Pascha. »Hast du das Untersuchungsprotokoll bei dir?«

»Ja«, antwortet Pascha und öffnet seine Mappe.

Und da erfahren wir interessante Fakten. Erstens: Am Tatort, in der Wohnung also, sind Fingerabdrücke von fremden Personen nicht festgestellt worden. Folglich wurden Ljocha und Pest dort von jemand zu etwas gezwungen, was sie in der Wohnung des Malers Kontschewski zu tun vergessen hatten. Immer vorausgesetzt, daß sie den Diebstahl verübt haben. Aber andere Fakten weisen darauf hin, daß sie ihn verübt haben können. Im Korridor wurde eine Zigarettenkippe der Marke »Prima« gefunden, die Ljocha geraucht hat. Die Gruppe des Speichels an der Kippe stimmt mit Ljochas Gruppe überein. Die von Ljocha und Pest in Kontschewskis Wohnung zurückgelassenen Kippen sind untersucht worden. Aber viel wichtiger als die Kippen ist Pest-Koljas Handschuh, der in der Wohnung auf dem Fußboden entdeckt wurde. Ein brauner Handschuh, halb Leder, halb Wildleder, mit Metallknopf und erhabenen derben Nähten. Den dazugehörigen zweiten Handschuh habe ich mit eigenen Augen bei Pest gesehen, als wir in den Vorraum gingen, um Zigaretten zu holen. Ich hatte keine mehr im Mantel, doch Pest holte aus einer Tasche seines Mantels zunächst einen solchen Handschuh, wobei er schimpfte, den zweiten habe er irgendwo verloren, und dann ein Päckchen Zigaretten. Ja, es besteht kein Zweifel mehr, sogar Kusmitsch glaubt nun meine Version - das spüre ich. Wenn Pest und Ljocha den Diebstahl in derselben Wohnung begangen haben, in der sich auch der äußerst verdächtige Gwimar Semanski aufgehalten hat, so kann es wegen der Teilung der Beute zwischen ihnen durchaus zum Konflikt gekommen sein, viel eher als wegen Musa.

»Sie haben im Hof gewartet, solange er in der Wohnung war«, sagt Petja, »und als er kam, gab's Krach.«

»Nein«, entgegne ich, »Ljocha hat mir gegenüber angedeutet, jemand habe ihnen befohlen, Semanski zu töten. Und außerdem, dieser Grauhaarige im Hof...«

»Nun, einstweilen ist es sinnlos, sich zu streiten«, sagt Kusmitsch. »Einstweilen scheint mir, daß Lossew recht hat. Sie haben auf Befehl getötet. Und hier sind nicht zwei am Werk, sondern es handelt sich offenbar um eine ganze Bande.«

Pests Bande also, in der er übrigens keineswegs der Anführer ist, Anführer ist höchstwahrscheinlich der kleine Grauhaarige, der sich mit Semanski auf dem Hof gezankt hat - diese Bande also ist nach Moskau gekommen und hat die Wohnung des verstorbenen Akademiemitglieds beraubt. Offensichtlich hat irgendwer der Bande einen Wink gegeben, sie auf diese Wohnung aufmerksam gemacht. So erscheint die Version, dies könnte Semanski gewesen sein, durchaus real. Er hatte Zutritt zu der Wohnung und war in der Lage, den Wert der dort befindlichen Gemälde und Antiquitäten zu bestimmen.

Nur ein Detail ist unklar. Wer ist der Hagere, der Semanski und den grauhaarigen Dicken beobachtete, als sie sich im Hof zankten? Anscheinend ein unbedeutendes Detail, zumal Inna Borissowna es sich möglicherweise nur eingebildet hat. Und dennoch. Unser Kusmitsch sagt oft: »Ein kleines Detail ist wie die winzige Ecke einer Zeichnung, ist sie nicht kongruent, so stimmen riesige Vielecke nicht überein. Und bei uns platzt in so einem Fall die schönste Version.« Übrigens, letztlich kann sich alles aufklären und zurechtrücken. Wir müssen nur tüchtig ackern, weiter nichts.

»Welche interessanten Kontakte hat das Ehepaar noch?« fragt Kusmitsch Pascha. »Abgesehen von Gwimar Semanski?«

»Da gibt's tausend Leute«, knurrt Pascha.

»Aber auf Semanski seid ihr nicht gestoßen?« frage ich.

»Soweit sind wir noch nicht«, antwortet Pascha.

»Sehen wir uns also mal an, wie weit ihr seid«, sagt Kusmitsch. »Hast du Listen?«

»Selbstverständlich.« Pascha holt die Listen hervor, und wir vertiefen uns in die Arbeit.

Aufgeführt sind sämtliche Verwandten von Inna Brjuchanowa und Viktor Kuprejtschik, sämtliche Freunde, Kollegen, Bekannte und zufälligen Besucher der Wohnung in der letzten Zeit - der Klempner, der Kunsttischler, die Wäschereiangestellte, der Lieferant aus der Delikatessenhandlung, der Arzt der Poliklinik, der den erkälteten Kuprejtschik behandelte, die Krankenschwester, die kam, um ihm Schröpfköpfe zu setzen, der Postbote, der die neuesten Subskriptionsbände Tolstoi und Turgenjew brachte. Kurzum, keiner, der in der letzten Zeit die Schwelle dieser Wohnung überschritten hat, scheint vergessen. Nur Semanski fehlt.

»Auswärtige sind hier überhaupt nicht vertreten«, bemerkt Valja.

»Soweit sind wir noch nicht«, sagt Pascha wieder. »In den drei Tagen haben wir doch schon jede Menge überprüft...«

»Aber die Bande scheint vorwiegend aus Auswärtigen zu bestehen«, meldet sich Petja. »An die müssen wir ran.«

»Jetzt ist das klar«, stimmt Pascha mürrisch zu.

»Ärgere dich nicht«, tröstet ihn Petja. »Wir klemmen uns dahinter, daß es nur so raucht!«