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»Ich hab nichts gesehen.« Chramow schüttelte den kahlen Kopf. »Ich hab Zeitung gelesen.«

»Es kann doch nicht sein, daß Sie gar nichts gesehen haben!« entgegnete Petja. »Sie wollen mir bloß nicht helfen. Was ist los, Wladimir Pawlowitsch? Sie sind doch ein ehrlicher Mensch!«

»Ehrlich bin ich«, sagte Chramow würdevoll. »Ich hab nun schon zweiundfünfzig Jahre auf dem Buckel, aber noch nie hab ich vor Gericht gestanden, und Zeuge bin ich auch noch nicht gewesen. Und das will ich auch nicht werden. Man muß seine Nerven schonen, so stand's neulich auch in der >Gesundheit<.«

»Braucht man denn Nerven, um zu sagen, was man gesehen hat? Gewissen braucht man da, keine Nerven«, brauste Petja auf.

»Wieso keine Nerven? Und wenn die vor Gericht gehen?«

»Wer?«

»Na die, die mit den Koffern abgehauen sind.«

»Die werden vor Gericht gebracht. Die gehen nicht von selbst hin. Und was haben Sie damit zu tun? Sie werden doch nicht dabeisein!«

»Mich bringen Sie auch hin. Ich weiß Bescheid.«

»Schluß jetzt«, unterbrach Petja. »Sie wollen mir nicht helfen, also lassen wir das.«

»Aber ich bin doch ganz aufrichtig«, rief Chramow, den der scharfe Klang von Petjas Stimme offensichtlich beunruhigte.

»Wenn Sie aufrichtig sind, dann lassen Sie uns anders reden«, sagte Petja wieder geduldig. »Um wieviel Uhr kamen Sie, um den Professor abzuholen?«

»Das weiß ich nicht mehr.«

»Wladimir Pawlowitsch!« sagte Petja vorwurfsvoll. »Bitte, erinnern Sie sich!«

Chramow seufzte. »Um neun Uhr dreißig.«

»So. Und zwanzig bis dreißig Minuten haben Sie gewartet. Sehr schön.«

»Und keiner hat Koffer getragen«, rief Chramow.

»Ebenfalls sehr schön. Erinnern Sie sich, daß mitten auf dem Hof ein Spielplatz ist? Da stehn auch ein paar schiefe Bäume.«

»Ja, ich erinnre mich.«

»Spielten dort Kinder?«

»Ja. Wieso?«

»Waren es drei?«

»Zwei Knirpse. So groß...« Chramow zeigte es mit der Hand.

»Spielten sie allein?«

»Eine alte Frau saß in der Nähe. Mit Brille. Sie las in einem Buch. Blickte kein einziges Mal auf.«

»Und ist jemand zu dieser alten Frau gegangen?«

»Eine andere alte Frau«, sagte Chramow grinsend, der sich nun sicher fühlte. »Sie setzte sich zu ihr. Sie hatte einen flauschigen roten Kragen, ihren Kopf hab ich nicht gesehen. Na, und dann ging das Tratschen los.«

»Ist noch jemand auf dem Hof erschienen?«

»Ja, ein Mann. Er fragte mich: >Kommst du vom Kombinat, um Viktor abzuholen?...< - >Nein<, sagte ich. Dann zog er ab.«

»Zog er ganz ab?« fragte Petja gespannt.

»Nein, nein, er setzte sich auf eine Bank. Wollte wohl warten.«

»Wie sah der Mann aus?«

»Es war ein junger Bursche. Wie soll er ausgesehen haben? Normal.«

Petja holte ein paar Fotos aus der Tasche und reichte sie Chramow. »Ist er hier dabei?«

»An sein Gesicht kann ich mich nicht erinnern«, antwortete Chramow übertrieben gleichgültig. »Ich hab ihn ja nur kurz gesehen.«

»Wladimir Pawlowitsch!« sagte Petja. »Verstehen Sie doch endlich, ich tue das nicht für mich. Wenn Ihnen morgen etwas zustößt, werde ich ebenfalls suchen.«

Chramow nahm die Fotos, sah sie sich der Reihe nach an und gab sie Petja zurück.

»Er ist nicht dabei.«

»Wie war er bekleidet?«

»Dunkler Mantel, Schirmmütze, grüner Schal.«

»Und saß er allein da, als Sie wegfuhren?«

»Genau.«

Mehr war aus Chramow nicht herauszubekommen. Aber Petja war überzeugt, interessante Hinweise erhalten zu haben. Das bezog sich nicht nur auf den Mann mit dem grünen Schal, sondern auch auf die Frauen.

Den zweiten Fahrer, Sewa Dobrynin, traf Petja in der Garage an. Sewa hatte gerade einen Vorgesetzten seiner Hauptverwaltung hergebracht und wartete nun auf einen neuen Auftrag des Dispatchers. Er erinnerte sich sehr gut an den Tag und an den Hof. Von dem Diebstahl hatte er gehört, aber die Jungs aus Pascha Mestscherjakows Gruppe hatten es noch nicht geschafft, sich mit ihm zu unterhalten. Dabei brannte er vor Verlangen, dieses ungewöhnliche Thema zu erörtern. Doch wie zum Trotz war in dem Hof, während er sich dort aufhielt, nichts Interessantes passiert, wie er meinte.

»Um wieviel Uhr warst du dort?« fragte Petja.

»Augenblick...« Sewa überlegte. »Aha. Um Punkt zehn! Ich habe unseren Mechaniker Onkel Andrej zu dem erkrankten Fedka Blinow kutschiert, von dem er einen Schlüssel brauchte. Dann fuhren wir Ersatzteile holen. Und wann war der Diebstahl, ist das schon bekannt?«

»Wie lange hast du auf dem Hof gestanden?« erkundigte sich Petja, ohne auf Sewas Frage einzugehen.

»Ungefähr eine halbe Stunde. Fedka und Onkel Andrej haben sich ein Gläschen zur Morgenstunde genehmigt. Das ist ihre Schwäche. Aber ich frage dich.«

»Nein, Sewa«, unterbrach ihn Petja sanft. »Du vergißt, daß ich die Fragen stelle. Klar? Also erzähl mir, wen du im Hof gesehen hast!«

»Wer interessiert dich denn? Wer kam, wer stand oder wer saß?« sagte Sewa lachend. »Ich erinnere mich an alle. Ich hab flinke Augen. Peile alles gleichzeitig an. Und reagiere sofort. Gestern, zum Beispiel.«

»Fangen wir mit denen an, die saßen«, unterbrach ihn Petja streng. »Prüfen wir dein Auge.«

»Bitte«, antwortete Sewa bereitwillig. »Auf der einen Bank saßen zwei Omas. Die eine mit Brille und Buch, die andere mit rotem Kragen und Filzstiefeln.«

»Weiter niemand?«

»Weiter niemand.«

»Und wer stand?«

»Ein Bursche mit grünem Schal und Schirmmütze. Er wartete am Tor auf jemand. Verrenkte sich fast den Hals dabei.«

»Und hatte er Erfolg?«

»Ja. Er rannte auf die Straße.«

»Und dann?«

»Dann kam ein Taxi in den Hof gefahren.«

»Und der Bursche?«

»Den hab ich nicht mehr gesehen. Oder doch, Moment. Er stellte sich wieder ans Tor.«

»Allein?«

»Nein, mit noch einem. Er zeigte ihm etwas.«

»Wie sah der andre aus, erinnerst du dich?«

»Den hab ich mir nicht so richtig angeguckt. Sie waren zu weit weg. Ich hab sie nur im Spiegel gesehen. Nun, er trug eine schwarze Mütze und einen schwarzen Mantel, und dann war da irgendwas Rotes, entweder seine Visage oder ein Schal.« Sewa lachte und fragte neugierig:    »Meinst du, die haben abgestaubt?«

»Ich meine noch gar nichts«, antwortete Petja. »Aber was hat er dem Schwarzroten gezeigt, was denkst du?«

»Er hat ihm die Omas gezeigt. Genauer, die Oma mit der Brille. Die andere war schon weg. Und noch genauer - nicht sie«, rief Sewa, als sei ihm das eben eingefallen, »sondern einen Mann, der sich zu der Oma mit der Brille setzte. Ja! Und auf den zeigte der Bursche.«

»Ob das ein Bekannter von ihnen war?«

»Nein. Er zeigte auf ihn wie auf einen Fremden. Aber irgendwie ärgerlich, wütend. Jedenfalls kam es mir so vor.«

Petja zog für alle Fälle seine Fotos heraus, unter denen sich auch die von Ljocha und Pest-Kolja befanden. Aber Sewa, der jedes neugierig betrachtete, fand weder den Burschen mit dem grünen Schal noch den im schwarzen Mantel.

Petja steckte die Fotos mit Bedauern in die Tasche und fragte nach kurzem Zögern: »Also bist du weggefahren, als das Taxi kam?«

»Genau. Ich hab es erst vorbeigelassen, dann bin ich zum Tor gerollt.«

»Und die zwei?«

»Die hab ich nicht mehr gesehen.«