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»Und der, der mit der Oma auf der Bank saß?«

»War auch weg.« Sewa verzog betrübt das Gesicht. Er konnte nichts Nützliches mehr mitteilen. Aber Petja war zufrieden. Es wird immer heißer, dachte er, und unverständlicher. Irgendwelche Leute schwirren hier herum. Und von Ljocha und Pest ist nichts zu sehen. Merkwürdig. Aber das konnte nur bedeuten, daß Petja neuen Bandenmitgliedern auf die Spur gekommen war. Und das war sehr wichtig.

Nun galt es, den Taxifahrer ausfindig zu machen, der fast zur selben Zeit wie Sewa auf dem Hof gewesen war. Das war nicht schwierig, weil Petja sowohl dessen Namen als auch den Betrieb und sogar die Wagennummer hatte. All das hatte Paschas Gruppe ermittelt.

Petja hatte Glück. Der Dispatcher des Taxibetriebs, wo er anrief, teilte mit, daß der Fahrer Awerkin eben zurückgekommen sei und sich im Reparaturbereich befinde, denn er habe einen unbedeutenden Verkehrsunfall gehabt. Der Dispatcher fügte hinzu, der Fahrer sei unschuldig, ein Inspektor der Staatlichen Autoinspektion habe an Ort und Stelle ein Protokoll aufgenommen.

Petja fuhr sofort hin.

Tolja Awerkin war ein mittelgroßer kräftiger junger Mann. Er war erst vor kurzem aus der Armee entlassen worden und wirkte militärisch straff und ernst. Petja hatte sofort Vertrauen zu dem ruhigen, soliden Burschen. Und ihre Unterhaltung verlief so, als wären sie alte Bekannte.

Petja erzählte kurz, was in dem Hof passiert war, auf dem Tolja vor drei Tagen mit seinem Wagen gewesen war, schilderte die Situation und beschrieb die Leute, die sich dort aufgehalten hatten. Tolja erinnerte sich an sie. Und er erinnerte sich noch an Wichtigeres. Doch er erzählte der Reihe nach, und er fing damit an, daß er über Funk einen Auftrag erhielt und losfuhr, um die betreffende Gasse und das Haus zu suchen. Als er dort ankam, sah er einen parkenden grünen Shiguli. Der Fahrer hatte sich vorgebeugt und beobachtete etwas äußerst gespannt. Tolja, der auf die Hausnummern achtete, fuhr langsam an dem Shiguli vorbei und stoppte, um sich zu orientieren, bevor er in den Hof einschwenkte. In diesem Augenblick stieg der Bursche aus und ging unzufrieden auf das Tor zu, während ihm ein anderer Bursche, der dort gestanden hatte, entgegengelaufen kam. Er trug einen grünen Schal. Sie trafen sich neben Toljas Wagen. Das Seitenfenster war, wie immer, etwas heruntergelassen, und Tolja hörte das Gespräch. »Seid ihr da bald fertig?« fragte der Bursche ungeduldig, der aus dem Shiguli gestiegen war. »Denk dran, ich muß um zwei wieder in Moskau sein. Und bis zur Datsche sind's bestimmt vierzig Kilometer!« - »Was redest du da?« antwortete der mit dem grünen Schal. »Wir sind doch dort gewesen, hast du das vergessen? Einundzwanzig Kilometer bis zur Verkehrsampel, wo wir abbiegen. Dann zwei bis zur kleinen Brücke, und von da noch zweihundert Meter nach rechts, das ist alles.«

»Ich hab überlegt, wo das sein könnte«, sagte Tolja. »Und nun muß ich selbst dorthin, kannst du dir das vorstellen? Ich hab einen Auftrag bekommen. Sobald der Scheinwerfer ausgewechselt ist, zische ich ab.«

»Woher weißt du, daß es dort ist?«

»Verstehst du, aus dem kardiologischen Sanatorium soll ich Patienten abholen. Sie haben mir beschrieben, wie ich fahren muß. Und das ist genau der Weg. Dafür verbürge ich mich. An der Ampel bei Kilometer einundzwanzig abbiegen. Dann eine kleine Brücke. Dort in der Nähe ist die bewußte Datsche. Ich muß aber weiter, an einem Friedhof und einem Bahnhof vorbei.« Tolja blickte Petja forschend an und schlug plötzlich vor: »Willst du nicht mitkommen? Das dauert höchstens zwei Stunden. Vierzig Minuten hin, vierzig zurück. Du siehst dir die Datsche und so weiter an. Und ich nehme dich auf dem Rückweg wieder mit. Du wartest einfach an der Brücke. Na?«

Petja sagte sich, daß er sich die Gelegenheit auf keinen Fall entgehen lassen dürfe. Ihm bot sich die einmalige Chance, die verdächtige Datsche zu finden. Ohne Tolja wäre das unmöglich. Und verdächtig war sie deshalb, weil die gestohlenen Sachen höchstwahrscheinlich mit dem grünen Shiguli abtransportiert und dann in ebendieser Datsche versteckt worden waren.

»In Ordnung«, sagte Petja entschlossen.

Unterwegs unterhielten sich die neuen Freunde über das Leben.

»Ich habe folgende Philosophie«, sagte Petja. »Kämpfen - mit aller Kraft. Ist Schmutz ringsumher? Ja. Gibt es negative Momente? Ja.«

»Im Sinne von Überbleibseln?« wollte Tolja wissen.

»Nicht nur. Hier muß die Kriminologie noch ihr Wort sprechen. Die Wissenschaft von den Ursachen der Kriminalität. Hast du davon schon mal gehört?«

»Nein«, bekannte Tolja. »Ich kenne bloß die Kriminalistik.«

»Die Kriminalistik lehrt, wie man ein Verbrechen aufklärt. Das ist auch sehr wichtig.«

Tolja, der kein Auge von der Straße ließ, lächelte knapp. »Also arbeitest du wissenschaftlich?«

»Genau.«

»Und ihr klärt alles auf, was es auch ist?«

»Wir bemühen uns«, antwortete Petja aufrichtig.

»Ich möchte etwas zu deiner Philosophie sagen... Ohne Beziehung kommst du heute nirgends rein, kriegst du nichts. Nicht mal Kinokarten. Du hilfst mir, ich helfe dir. Das ist verbrecherisch, meine ich. Aber dagegen kämpfen kann man nicht. Es fehlt ein Gesetz.«

»Stimmt«, sagte Petja. »Ein gefährliches Übel. Heute zum Beispiel zahlst du einen Überpreis für eine Bisammütze, die du haben willst, morgen kaufst du dir eine Stellung und übermorgen - die Freiheit, wenn du hinter schwedische Gardinen geraten bist. Die Moral ist dieselbe. Aber der Moral kommst du mit einem Gesetz allein nicht bei.«

»Und ohne diese Schurkerei geht's nicht - das ist es«, sagte Tolja böse. »Bei uns im Betrieb zum Beispiel. Gib dem Schlosser, wenn was ist, der Wäscherin, dem Wächter, der Rechnungsführerin. Und gibst du nicht, klappt deine Arbeit nicht. So hat man an manchem Tag, ehe man sich's versieht, zwei Rubel verplempert. Und wo nimmst du die her? Da sind zunächst die >Trinkgelder<. Wie ein Bettler starrst du auf die fremde Hand. Und zum anderen - du machst Schmu. Ach, das schmeckt mir alles nicht, das kannst du mir glauben. Aber das sind noch Kinkerlitzchen. Sieh dich doch um. Was sagt dir da deine Philosophie?«

»Verstehst du«, antwortete Petja. »Ich bin nur ein kleines Licht, kein Minister. Und ich werde auch nie einer sein. Aber was ich kann, das tu ich. Damit ich vor mir selbst Achtung habe.« Und überraschend fragte er: »Willst du nicht bei uns anfangen? Du paßt zu uns. Unsere Arbeit ist genau richtig für dich, wie ich sehe. Eine gerechte Arbeit. Die Kriminalmiliz - das ist schon was.«

»Und ihr nehmt nicht mal Schmiergelder?« neckte Tolja.

»Deinetwegen bemühen wir uns, darauf zu verzichten.«

»Eine herrliche Arbeit.«

»Versuch's mal. Ich lasse meine Beziehungen spielen und bringe dich bei uns unter. Ich helfe dir, du hilfst mir.«

Beide lachten. Dann seufzte Tolja und sagte: »Wenn man bei euch arbeiten will, muß man bestimmt verheiratet sein.«

»Wieso das?« fragte Petja verwundert.

»Ihr habt's oft mit verdorbenen Frauen zu tun. Da verliert man schnell mal den Kopf.«

»Na, du legst aber los«, rief Petja verblüfft.

»Du meinst, es ist nicht so?«

»Je nachdem, was du für 'n Kopf hast«, antwortete Petja lachend. »Ist nicht viel drin, verlierst du ihn.«

»Bist du verheiratet?«

»Nein. Ich halte mich noch. Und einer meiner Freunde, Denissow heißt er, der hält sich auch noch. Und der ist sogar noch konsequenter als ich. Und stell dir vor, wir haben beide noch unsern Kopf. Ein anderer hat vor kurzem geheiratet, ein dritter hat sich scheiden lassen. Es sind also sämtliche Varianten vorhanden. Kannst dir die passende aussuchen.«

»Das ist eine ernste Sache«, sagte Tolja, ohne auf Petjas scherzhaften Ton einzugehen. »Weißt du, ich hab schon genug gesehen.«