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»Komm zu uns. Da lernst du das Leben kennen. Die meisten jungen Leute stoßen sowieso von der Armee zu uns«, entgegnete Petja. »Eine bessere Schule gibt's nicht, das weiß ich von mir selbst. Auch bei uns werden Gefechte ausgetragen.«

Sie hatten den Autobahnring, der die Hauptstadt umschließt, passiert und fuhren durch die freie Natur. Das breite, hier und da an den Seiten vereiste graue Straßenband zog sich zwischen verschneiten Feldern und dunklen Wäldchen hin. Selten begegneten sie einem Auto.

Bald sahen sie weit vorn, über der Straße, einen gelben Punkt. Mal erlosch er, mal flammte er wieder auf; je mehr sie sich ihm näherten, desto heller wurde er.

»Da ist es«, sagte Tolja, »Kilometer einundzwanzig, siehst du?«

Petja blickte auf den vorbeihuschenden Kilometerstein. »Stimmt«, sagte er und zweifelte ein letztes Maclass="underline" »Vielleicht gibt's auf einer anderen Route genauso einen Punkt?«

»Auch eine kleine Brücke nach zwei Kilometern?« meinte Tolja sarkastisch und entschied: »Unmöglich stimmen zwei Routen so haargenau überein.«

Unter dem gelben Auge der Verkehrsampel bogen sie ab und fuhren langsam und vorsichtig auf einer schmalen, stellenweise vereisten Chaussee in einen Wald hinein.

Verschneite Fichten ragten links und rechts, und Petja genoß den Anblick der märchenhaften kalten Pracht. Dann tauchte eine Datschensiedlung auf, zwischen zwei zugefrorenen Teichen fuhren sie über einen Damm und kamen an einem Lebensmittelladen vorbei. Eine Kurve - und wieder hatten sie ein verschneites Feld auf der einen Seite, während auf der anderen Datschen standen. Es ging einen Abhang hinunter, und plötzlich sah Petja eine Brücke mit Metallgeländern vor sich. Dahinter stieg die Chaussee zu einem mit Kiefern bestandenen Friedhof an.

Vor der Brücke bremste Tolja. »Da wären wir«, sagte er und schaute auf die Uhr. »Jetzt ist es halb vier. Ich werde frühestens in einer halben Stunde zurück sein. Wenn du noch nicht da bist, warte ich zehn Minuten, falls meine Fahrgäste es erlauben.

Klappt es nicht, fährst du allein zurück. Es ist ja nicht weit bis zum Bahnhof.«

»Selbstverständlich«, sagte Petja. »Vielen Dank. Und noch etwas. Schreib dir meine Telefonnummer auf, und ich notiere mir deine, wenn du nichts dagegen hast. Unser Gespräch ist noch nicht zu Ende.«

»Aha. Na gut.«

Sie tauschten ihre Telefonnummern aus. Petja stieg aus, winkte dem sich entfernenden Wagen nach und hielt Umschau.

Ein schmaler Asphaltweg führte von der Brücke aus aufwärts. Auf beiden Seiten zogen sich Datschenzäune hin. Hinter den dichten hohen Sträuchern und kahlen Bäumen waren die Häuser nicht zu sehen. Der Schnee ringsum war ungewöhnlich weiß und blendete sogar an diesem trüben Tag. Die in den Ohren tönende Stille wurde nur von Vogelstimmen gebrochen.

Während Petja gemächlich aufwärts wanderte, überlegte er, wie er die fragliche Datsche finden könnte. Die zweihundert Meter, von denen der Bursche mit dem grünen Schal gesprochen hatte, waren in Wirklichkeit vielleicht dreihundert, und auf solch einem Abschnitt konnten beiderseits der Straße etliche Datschen stehen.

Petja hatte schon drei oder vier Grundstücke hinter sich gelassen, da fiel ihm eine Autospur auf, die streckenweise verweht, streckenweise deutlich erkennbar war. Durch einen Seitenweg führte sie auf eine andere Straße und zu einem Tor in einem niedrigen langen Staketenzaun. Hier war sie so deutlich, daß Petja an seinem Erfolg zu zweifeln begann. Eine derart frische Spur brauchte er nicht.

Jenseits von Zaun und dunkler Hecke stand in der Tiefe des verschneiten Gartens eine kleine Datsche. Ihre Fensterläden waren geschlossen, aus dem Schornstein stieg kein Rauch. Sie wirkte verlassen. Aber die Autospur stammte zweifellos von diesem Tag. Als sich Petja näherte, sah er, daß das Tor nur angelehnt war. Die Autospur führte zur Rückseite der Datsche.

Petja verzögerte unwillkürlich den Schritt und blieb stehen.

»Was gaffst du hier?« rief ihm jemand zu.

Petja sah sich um. Im Gebüsch hinter dem Zaun stand ein Bursche in Mantel und Schirmmütze, mit einem grünen Schal um den Hals. Das ist er! durchzuckte es Petja.

»Ich geh spazieren«, sagte er und lächelte gutmütig. »Was kümmert's dich?«

»Siehst du, dort?« Der Bursche streckte die Hand aus. »Da sind auch solche wie du spazierengegangen. Und haben eine Datsche niedergebrannt. Klar?«

»Bist du übergeschnappt?« fragte Petja ärgerlich. »Wieso soll ich Datschen niederbrennen?«

»Wer weiß, was du so treibst. Du bist fremd hier. Also verschwinde und gaff nicht.«

»Du brauchst mir nicht zu sagen, was ich zu tun habe. Ich bin für dich fremd, und du bist es für mich. Also sind wir quitt.«

Indessen rief von der Datsche jemand: »Stjopka! Komm, helfen, wir müssen los!«

»Gleich!« schrie der Bursche mit dem grünen Schal und wandte sich erneut an Petja: »Hau ab. Seh ich dich noch mal, dann nimm dich in acht!«

Er lief zur Datsche.

Gleich fahren sie weg, dachte Petja besorgt. Und nehmen irgend etwas mit. Sicherlich die gestohlenen Sachen. Wer mag der zweite sein, vielleicht Pest? Aber sie konnten auch zu dritt oder zu viert sein. Mit Pest und dem Besitzer des grünen Shiguli. Allein konnte Petja sie nicht festnehmen. Das war ohnehin nicht ratsam. Wichtiger war, ihnen nachzufahren und festzustellen, wo sie die Sachen hinbrachten. Doch Petja hatte keinen Wagen zur Hand, und bis Tolja kam, dauerte es noch eine Weile. Und Petja sagte sich, daß er vielleicht auf der Chaussee ein Auto anhalten könne. Jeder Kraftfahrer war verpflichtet, ihm zu helfen.

Er wartete, bis der Bursche hinter der Datsche verschwunden war, dann ging er schnellen Schritts zurück. Er bemerkte nicht, daß er von der Datsche aus beobachtet wurde.

Wenig später hörte er das Geräusch eines anspringenden Motors. Jetzt fahren sie ab, überholen mich - und dann sind sie über alle Berge. Petja nahm die Beine in die Hand und rannte bergab, schlitternd und mit den Armen fuchtelnd, um das Gleichgewicht zu halten.

Kurz vor der Brücke verfiel er keuchend in Schritt. Ein Auto war nicht in Sicht, die Chaussee lag öde da, hinter ihr dehnte sich ein endloses Schneefeld unter grauem Himmel, am Hang hinter dem zugefrorenen Flüßchen spektakelten Vögel in den hohen Kiefern des Friedhofs. In der Ferne rollte ein elektrischer Vorortzug.

Petja blieb an der Brücke stehen und hielt ungeduldig Ausschau. Hol's der Teufel, wie zum Trotz kein einziges Fahrzeug! Ihm wurde kalt. Der Wind schnitt ihm ins Gesicht, daß ihm die Augen tränten.

Da hörte Petja lauter werdendes Motorengeräusch hinter sich. In der Kurve des schmalen Weges, den er selbst eben herabgekommen war, zeigte sich ein roter Moskwitsch. Petja lief ihm winkend entgegen und erkannte plötzlich, daß der Wagen schneller wurde und genau auf ihn zuhielt. Petja sprang ungeschickt zur Seite, spürte stechenden Schmerz im Fuß, dann einen heftigen, lauten Schlag, und sogleich wurde es dunkel.

Als er die Augen öffnete, sah er den sich entfernenden roten Moskwitsch. Er selbst lag am Straßenrand, neben der Brücke. Er versuchte, den brennenden Fuß zu bewegen, rasender Schmerz zuckte durch den Körper, und Petja wäre beinahe erneut ohnmächtig geworden. Aber er mußte unbedingt aufstehen, damit man ihn bemerkte, damit er sich auf der zu Stein gefrorenen Erde nicht den Tod holte. Vorsichtig begann er zu robben. Dann verschnaufte er und robbte weiter auf das Brückengeländer zu. Der Schmerz wurde stärker, doch die durchdringende Kälte ängstigte Petja mehr. Er hatte Schnee im Gesicht, und er leckte ihn von den Lippen, die Arme, auf denen er lag und die ihn zogen, schützten ihn, da er sie anwinkelte und an die Brust preßte, vor der grauenhaften Kälte, die der Boden verströmte. Noch eine krampfhafte Anstrengung erschütterte seinen Körper, noch eine und noch eine... Schluchzend robbte Petja. Nach jeder Anstrengung blieb er für ein paar Sekunden reglos liegen.