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»Gleich wird der Untersuchungsführer Sie vernehmen, der den Fall Sowko bearbeitet«, sagte Kusmitsch streng. »Ich rate Ihnen, sich den Montag genauestens ins Gedächtnis zurückzurufen. Genauestens.«

Auf dem Schreibtisch klingelte das Telefon. Kusmitsch nahm den Hörer, räusperte sich und sagte: »Zwetkow.«

»Genosse Oberstleutnant«, es war die Stimme des Diensthabenden, »eben wurde gemeldet, daß der verwundete Schuchmin in einem Taxi einen roten Moskwitsch verfolgt. Die Fahrtrichtung ist bekannt. Die Einsatzwagen sind zugeschaltet. Sie übernehmen das Objekt.«

Als ich nach dem Besuch bei Kuprejtschik in die Dienststelle zurückkomme, treffe ich in Kusmitschs Zimmer den Untersuchungsführer der Staatsanwaltschaft Viktor Anatoljewitsch und Valja Denissow an.

»Gut, daß du da bist«, sagt Kusmitsch und nickt mir zu. »Bei uns brennt's nämlich. Er«, Kusmitsch deutet auf Valja, »hat eben Pest festgenommen.«

»Und Musa?« frage ich sogleich.

»Die haben wir auch«, antwortet Kusmitsch. »Viktor Anatoljewitsch wird sie gleich vernehmen. Also«, er wendet sich an den Untersuchungsführer, »eine komische Sache. Sie bestätigt, daß Sowko den Mord begangen hat, angeblich hat er ihr das gestanden. Aber seine Teilnahme an dem Diebstahl bestreitet sie. Ihren Worten zufolge hat er am Montagvormittag zu Hause gesessen. Er hatte Angst, die    Nase rauszustecken. Doch wir haben inzwischen.«

Da beugt sich Valja zu mir und flüstert: »Unser Pjotr ist im Krankenhaus.«

»Was ist passiert?«

Valja berichtet kurz und sagt zum Schluß: »Dieser Awerkin ist ein prima Kerl. Er will zu uns. Als Pjotr ihn auf dem Hinweg zu überreden versuchte, schwankte er noch, aber als er dann den verwundeten Pjotr auflas, war die Sache für ihn entschieden.«

»Gibt's was Neues von der Gruppe, die den Moskwitsch überwacht?« frage ich Valja.

»Ja«, antwortet Kusmitsch, der meine Frage gehört hat. »Zwei Männer sind ausgestiegen. Der eine, er trägt einen grünen Schal, ist vor dem Mord und dem Diebstahl mehrere Male im Hof gesehen worden. Irgendwelche Gegenstände hatten sie nicht bei sich. Es wäre sinnlos gewesen, die beiden festzunehmen.«

»Aber sie haben doch Petja angefahren!« sage ich.

»Unsere Jungs haben sich den Wagen angesehen. Er weist keine Spuren auf. Zeugen gibt es ebenfalls nicht. Es ist besser, wenn wir sie eine Weile beobachten. Die führen uns vielleicht noch irgendwohin. Was meinst du, Viktor Anatoljewitsch? Oder sollen wir sie sofort festnehmen?«

Viktor Anatoljewitsch ist mit Kusmitsch einverstanden. »Ja«, sagt er, »es hat keinen Zweck,

sie jetzt zu verhaften. Das würde die ganze Bande aufscheuchen, und jeder würde woanders hinrennen.«

»Pests Verhaftung scheucht sie wohl nicht auf?« frage ich.

»Das ist was anderes«, antwortet Kusmitsch. »Sie wissen, daß wir Pest und Ljocha persönlich kennen und Pest jeden Moment geschnappt werden kann.«

»Aber Musa wird ihnen alles erzählen«, beharre ich.

»Ich denke nicht«, sagt Kusmitsch. »Der Mord an Semanski ist ihr mächtig in die Glieder gefahren, sie wird jetzt wie ein Mäuschen sein. Wem soll sie es denn auch erzählen? Außer Pest kennt sie nur Ljocha, und der wird um keinen Preis zu ihr gehen wollen. Ich bin gespannt, was Viktor Anatoljewitsch uns nach der Vernehmung sagen wird.«

Viktor Anatoljewitsch schaut auf die Uhr und erhebt sich. »Ich gehe«, sagt er, »es ist Zeit.«

Als er draußen ist, schlußfolgert Kusmitsch: »Der Weg zu Ljocha, meine Lieben, führt jetzt nur über Pest. Und auch zu den anderen, den Großen. Musa kann uns da nicht helfen.«

»Fjodor Kusmitsch«, meldet sich Valja, der bis dahin geschwiegen hat, »was teilt Jushnomorsk mit?«

»Eben, eben«, sagt Kusmitsch. »Sie teilen einiges mit.« Er holt eine dünne grüne Mappe aus dem Panzerschrank, setzt sich die Brille auf und blättert in den Papieren. »Über Sowko teilen sie mit, daß er vorbestraft ist, wissen wir. Seine Adresse. Die Mutter ist Rentnerin, hat in verschiedenen Sanatorien als Köchin gearbeitet. Der Vater ist tot. Der hatte zwei Vorstrafen. Unterschlagung. Er hat im Handelsnetz gearbeitet.«

»Ist der Vater schon lange tot?« frage ich.

»Er ist vor fünf Jahren gestorben. Als Pest die zweite Strafe verbüßte. Pest ist verheiratet. Seine Frau ist Köchin. Arbeitet in einem Sanatorium. Die Tochter ist sieben Jahre alt, sie geht in die erste Klasse. Das Verhältnis in der Familie ist schlecht. Seine Frau hat die Scheidung eingereicht. Die Mutter hält zu ihm. Natürlich gibt's Zank. Und die Tochter steht dazwischen.«

»Ein lustiges Leben«, sage ich seufzend. »Schade um das Mädchen.«

»Um alle ist es schade«, berichtigt mich Kusmitsch. »Der Lump macht drei Leben kaputt, ganz zu schweigen von dem eigenen. Weiter. Ljocha.« Er nimmt ein anderes Blatt. »Genauer gesagt - Leonid Wassiljewitsch Krassikow. Seine Mutter und seine Schwester wohnen zusammen. Die Schwester ist geschieden, arbeitet als Buchhalterin in einem Geschäft. Ljocha ist selten bei ihnen.«

»Wo wohnt er denn?« frage ich.

»Das ist unbekannt«, antwortet Kusmitsch. »Er und Pest haben ausgedehnte Beziehungen zu nicht erfaßten Elementen. Von ihrer Moskaureise hat keiner etwas gewußt. Unbestätigten Angaben zufolge haben sie Beziehungen zu irgendwelchen Geschäftemachern. Der Charakter dieser Beziehungen ist ebenfalls unbekannt. Aber das Interessanteste«, fährt Kusmitsch fort, »betrifft Gwimar Iwanowitsch Semanski. Er war Direktor einer Großhandlung, die nur Betriebe beliefern. Die haben da einiges zu bieten -Spezialkleidung, Schuhe, Wäsche für Wohnheime, Werkzeug. Semanski ist unbescholten und freiwillig dort weggegangen. Es heißt hier: >Unseres Wissens hat er bisher keine neue Arbeit aufgenommen.< Aber in Moskau hat er sich als Dienstreisender ausgegeben. So ist es doch?«

»Ja«, bestätige ich. »So hat er sich Kuprejtschik vorgestellt, der Kontschewskaja, Ljolja und auch Musa. Kurzum, allen.«

»Ist da nicht vermerkt, wo Ljochas Schwester als Buchhalterin arbeitet?« fragt Denissow.

»Mal schauen«, antwortet Kusmitsch und blättert in den Papieren. »Hm. Nein, hier steht nichts darüber. Doch! In einer Großhandlung. Na sieh dir das an! Das ist ja sehr interessant. Bist ein Prachtkerl, Denissow. Es ist dieselbe Handlung. Die Nummer stimmt überein. Jetzt aber los, Lossew.«

Ein Telefon klingelt, und Kusmitsch nimmt den Hörer ab. »Hier Zwetkow. Ja. Sammeln Sie alle Angaben über die beiden und - zu Mestscherjakow. Ja, er ist im Bilde. Auf wessen Namen wird der rote Moskwitsch geführt? Und der grüne Shiguli? Ich glaube, Awerkin hat einen Teil der Nummer genannt. Warte mal.« Kusmitsch schaut Valja an. »Erinnerst du dich zufällig?«

»Die Serie MKS, und die beiden ersten Ziffern sind die Eins und die Sieben«, antwortet Valja.

Kusmitsch nickt und übermittelt dem unsichtbaren Gesprächspartner, was Valja mitgeteilt hat, und dann verabschieden sie sich.

»Also der rote Moskwitsch und der grüne Shiguli sind nur durch den Burschen mit dem grünen Schal verbunden«, sage ich. »Ziemlich dünn.«

»Und durch die Datsche«, ergänzt Valja. »Der grüne Shiguli wollte hin, und der rote Moskwitsch ist dort gewesen.«

»Tja«, sagt Kusmitsch skeptisch. »Irgendwie schmeckt mir das nicht. Zwei Autos. Eine mächtig große und bunte Verbrechergruppe. Seht maclass="underline" Pest, Ljocha, dieser Kleine, der Graue und die beiden aus dem Moskwitsch.«

»Der ermordete Semanski nicht gerechnet«, ergänze ich.

»Eben, eben«, greift Kusmitsch auf und schüttelt ärgerlich den Kopf. Dann wendet er sich an mich: »Also los, Lossew, berichte, was du heute erreicht hast.«

»Das Wichtigste, meine ich, war mein Besuch bei Kuprejtschik«, sage ich. »Offenbar kannte er Semanski gut, weit besser, als er zeigen will. Seine Aussage hat ein paar schwache Stellen. Kuprejtschiks Frau bezeichnet Semanski als Kollegen ihres Mannes, angeblich führen ihn seine Dienstreisen in die Fabrik, wo Kuprejtschik arbeitet. Sie hat ihre dienstlichen Gespräche im Arbeitszimmer erwähnt, wo sie ihnen Tee servierte. Kuprejtschik dagegen behauptet, sie hätten sich zufällig kennengelernt, und nur das Interesse an der Malerei habe sie verbunden. Weiter: Nach Kuprejtschiks Angaben stammt Semanski aus Kiew, wo er im Ministerium für Textilmaschinenbau arbeitete. Nun ist mir unklar, ob Semanski ihn getäuscht hat oder Kuprejtschik mich täuschen will. Und noch eine Unklarheit: Auf meine Frage, ob er bei Semanski gewesen sei, hat er geantwortet, er sei nicht bei ihm gewesen. Er ist aber dort gewesen, er fing sogar einen Flirt mit der Nachbarin an, wie Petja berichtete. Erinnern Sie sich? Die Nachbarin heißt Ljolja.«