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»Ja«, sagt Kusmitsch, »und vergiß Musa nicht.«

»Natürlich! Die Hauptsache.«

»Das nun wieder nicht. Wie ist sein Verhältnis zu ihr, was meinst du?«

»Er scheint in sie vernarrt zu sein. Er hat mir gesagt, er bringt sie um, damit sie kein anderer kriegt. Er wollte sie ja auch mitnehmen, beinahe gewaltsam.«

Wir reden noch eine Weile über Sowko, über seine Beziehungen    und seinen    Charakter. Ja,    seinen Charakter kennen wir schon in allgemeinen Zügen -Sowko ist heimtückisch, verlogen, boshaft und gefährlich. Kurzum, wir sind auf die Vernehmung vorbereitet.

Kusmitsch    schaut auf    die Uhr,    ruft    unsere Isolierzelle an und bittet, Sowko zur Vernehmung vorzuführen.    Wenig später    wird kurz    an    die Tür geklopft, und auf der Schwelle erscheint der Begleitposten. »Genosse Oberstleutnant«, meldet er, »Häftling Sowko ist zur Vernehmung vorgeführt.«

»Bringen Sie ihn herein«, sagt Kusmitsch.

Dann haben wir Sowko vor uns. Er ist immer noch derselbe - wulstige frische Lippen, klare blaue Augen, ordentliche, fast elegante Frisur. Überhaupt hat er, groß und schlank wie er ist, in dem gut geschnittenen Anzug seine    Eleganz nicht    eingebüßt    - trotz der vierundzwanzigstündigen Haft. Offenbar hat er sich in der Zelle schon eingelebt, er ist ja nicht zum erstenmal hinter Gittern. Auch seine Sicherheit hat er nicht verloren. Energisch und betont ruhig tritt er ein. Sein Lächeln wirkt naiv und unschuldig. Als er mich auf dem Sofa sitzen sieht, scheint eine Wolke sein schmales, rosiges Gesicht zu überziehen.

»Setzen Sie sich, Sowko«, sagt Kusmitsch. »Ich möchte Sie zunächst warnen. Versteck wird hier nicht gespielt. Wir kennen Sie samt Ihren früheren und heutigen Geschichten. Und im Unterschied zu den Regeln, von denen Sie sicherlich gehört haben, gedenke ich Ihnen sofort mitzuteilen, was wir wissen, damit Sie begreifen, wann es für Sie nutzlos, vermutlich sogar schädlich ist, sich bockbeinig zu stellen.«

»Und wann ist es nützlich?« fragt Sowko grinsend.

»Was für Sie nützlich ist, müßten Sie, denke ich, selbst kapieren«, bemerkt Kusmitsch gleichgültig. »Im Gegensatz zu Ihren früheren Straftaten geht es hier um etwas Besonderes.«

»Inwiefern?«

»Sie haben einen Mord, einen Mordversuch und einen großen Einbruchsdiebstahl begangen.«

»Das beweisen Sie mir erst mal.«

»Das werde ich!«

»Aber ich helfe Ihnen dabei nicht, machen Sie sich da keine Hoffnungen«, erwidert Sowko und lächelt.

»Wenn Sie damit sagen möchten, daß Sie nicht mit der Wahrheit herausrücken wollen«, entgegnet Kusmitsch, »dann schaden Sie sich sehr, Sowko.«

»Machen Sie sich keine Sorgen um mich, das tun schon andre - daß ich nicht umfalle«, antwortet Sowko böse und wird rot.

»Die anderen holen wir uns auch noch«, verspricht Kusmitsch.

»Ich bin nicht von gestern, hab schon ganz andere Vernehmungen überstanden.«

»Das hast du, aber ich hoffe, du hast einiges dabei gelernt. Zum Beispiel, daß es dumm und nachteilig ist, sich störrisch zu zeigen, wenn alles klar, bekannt und bewiesen ist.«

»Nehmen wir an, ich hätte das gelernt«, sagt Sowko herablassend. »Doch einen Mord nehme ich nicht auf meine Kappe, da können Sie beruhigt sein.«

»Schiebst du es Ljocha in die Schuhe?« frage ich leise.

»Ich schieb es keinem in die Schuhe. Ich bestreite nur alles. Ich weiß weder von einem Mord noch von einem Mordanschlag oder einem Einbruchsdiebstahl. Vielleicht möchten Sie mir noch was anhängen? Nur zu, beweisen Sie es. Sowie Sie es beweisen, gebe ich's zu. Sonst nicht.«

»Das habe ich Ihnen bereits versprochen«, sagt Kusmitsch. »Es ist unsere Aufgabe, alles zu beweisen. Aber lassen Sie uns zunächst Ihre Position bestimmen. Also das, was offenkundig ist, werden Sie nicht bestreiten, wenn ich Sie recht verstanden habe?«

»Genau«, sagt Sowko.

»Na, dann fangen wir mal an. Zunächst die Menschen, dann die Fakten. Von Ihrer Mutter, Ihrer Frau und Ihrer Tochter sagen Sie sich doch wohl nicht los?«

»Nein.«

»Wie sie sich auch von ihm nicht lossagen würden«, bemerke ich.

»Du kannst...« Sowko wendet sich mir jäh zu, verstummt und fügt ruhiger hinzu: »Das geht keinen was an. Das ist meine Sache, verstanden?«

»Nehmen wir also an, daß Sie sich von ihnen nicht lossagen«, fährt Kusmitsch so gelassen fort, als habe er Sowkos Ausbruch nicht gehört. »Doch uns geht jetzt alles an, Sowko, was Sie angeht. Absolut alles. Weil Sie entschlossen sind, zum Schaden aller zu leben, weil Sie entschlossen sind, den Menschen nur Kummer zu machen, selbst denen, die Sie lieben.«

Bei diesen Worten lächelt Sowko geringschätzig, aber in seinen leeren Augen erscheint ein Ausdruck von gespannter Aufmerksamkeit.

»Weiter! Ihre Bekanntschaft mit Ljocha, das heißt mit Krassikow, streiten Sie doch hoffentlich ebenfalls nicht ab?«

»Natürlich nicht.«

»Haben Sie Gwimar Iwanowitsch Semanski gekannt?«

»Nein.«

»Na, na. Das zu bestreiten ist dumm.«

»Beweisen Sie, daß ich ihn gekannt habe.«

»Das können zwei Personen bestätigen. Krassikow und.«

»Wo ist er denn, Ihr Krassikow?« fragt Sowko spöttisch und schaut sich um.

»Er wird bald hier sein«, sage ich drohend. »Du weißt, daß er aus Moskau nicht herauskommt. Sein Foto ist bei allen Posten. Er kann hier nicht lange herumlungern.«

»Erstens also Krassikow«, fährt Kusmitsch fort, als wäre nichts gewesen. »Und zweitens. Musa Lesnowa.«

»Ach. Die haben Sie auch mit hereingezogen?«

»Sie selbst haben sie hereingezogen, Sowko.« Kusmitsch wiegt bekümmert den Kopf. »Über Musa sprechen wir noch. Ich wiederhole:    Haben Sie Semanski gekannt?«

»Nun ja.«

»Und haben Sie gewußt, daß er ermordet wurde?«

»Ich hab's gehört.«

»Von wem?« fragt Kusmitsch ernst.

»Ich erinnere mich nicht.«

»So. In diesem Punkt, meinen Sie, wäre Leugnen ratsam?«

»Ja«, antwortet Sowko schroff, und seine Lippen verziehen sich zu einem Grinsen. »Sie nicht?«

»Vielleicht. Hier müssen wir natürlich den Beweis antreten. So ohne weiteres gibt man ja einen Mord nicht zu«, pflichtet ihm Kusmitsch bei und fragt plötzlich: »Kennen Sie Lew Sacharowitsch?«

»Lew Ignatjewitsch«, berichtigt ihn Sowko unwillkürlich.

»Ganz recht. Sie kennen ihn?«

»Ja.«

»Einstweilen gehen wir nur die Leute durch. Die Fakten kommen anschließend an die Reihe. Bisher verhalten Sie sich ja ganz vernünftig.«

»Ich bin überhaupt ein vernünftiger Mensch.«

»Kennen Sie Viktor Arsentjewitsch Kuprejtschik?«

»Nein.«

Bei diesem »nein« stutzt Kusmitsch. Wahrscheinlich deshalb, weil es aufrichtig klingt.

»Sie sind in die Wohnung eingestiegen, ohne zu wissen, wer der Inhaber ist?«

»In welche Wohnung? Ich bin in keine Wohnung eingestiegen.«

Das ist eine offensichtliche Lüge, und wir brauchten Sowko nur den Handschuh zu zeigen, den er in der Wohnung verloren hat, um ihn zu überführen. Aber dazu ist es noch zu früh.

»Schön«, sagt Kusmitsch. »Also über Kuprejtschik wissen Sie nichts?«

»Nein.«

»Dann müssen wir auch das beweisen.«

»Versuchen Sie es.« Sowko grinst frech. »Ich bin gespannt, was dabei herauskommt.«

»Wir werden es versuchen«, sagt Kusmitsch und nickt. »Wie heißt eigentlich der Bursche mit dem grünen Schal und der Schirmmütze? Er hat einen roten Moskwitsch.«