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»Ja«, stimme ich zu. »Das ist alles merkwürdig mit Lew Ignatjewitsch, das bestreite ich nicht.«

»Hoffentlich irrst du dich nicht«, sagt Kusmitsch und wiegt den Kopf. »Im Cafe hast du nicht mit Lew Ignatjewitsch zusammengesessen. Ein derart solider Mann raubt keine Wohnungen aus. Dort, im Cafe, als er philosophierte und geschäftliche Angebote machte, war er an seinem Platz. Lew Ignatjewitsch hingegen hat durch Pest und Semanski mit dem Wohnungsdiebstahl bei Kuprejtschik zu tun.«

»Und mit dem Mord offensichtlich auch«, ergänze ich.

»Eben, eben«, sagt Kusmitsch und seufzt. »Nein, mein Lieber, höchstwahrscheinlich irrst du dich. Das kommt vor.«

»Sie sehen sich aber sehr ähnlich.«

»Eben deshalb. Nun, wir werden sehen. Wenn es klappt, triffst du dich noch mal mit diesem Pawel Alexejewitsch. Er soll dich am Montag anrufen?«

»Ja.«

»Nun gut. Und einstweilen machen wir weiter. Dein Kuprejtschik gefällt mir nicht. Du hast recht, mit irgend etwas hält er hinter dem Berge.«

»Daß er mit Lew Ignatjewitsch bekannt ist.«

»Das - erstens. Und dann - was Semanski anbelangt. Forschen wir mal in der Fabrik nach, ob Semanski dort gewesen ist und bei wem. Denn Kuprejtschik ist erschrocken, als du erklärt hast, Semanski habe vielleicht gar keinen Dienstauftrag gehabt.«

»Ja«, bestätige ich. »Und er hat gesagt, wir kämen von dem Diebstahl ab... Mich auf den Diebstahl zu beschränken, darum bat mich doch. Pawel Alexejewitsch, dort im Cafe!«

»Sieh mal einer an«, Kusmitsch schmunzelt zufrieden. »Was du so für Verbindungen herstellst!«

»Das verbindet sich doch ganz von selbst.«

»Na, na, nicht so hastig. Hast du in Erfahrung gebracht, was für eine Arbeit dieser Kuprejtschik in der Fabrik hat?«

»Nein.«

»Wenn du wegen Semanski dort hinfährst, interessiere dich auch dafür. Aber vorsichtig. Für uns ist er bislang nur ein Geschädigter, ein Opfer sozusagen. Stimmt ein winziges Eckchen nicht, sind zwei riesige Vielecke schon nicht kongruent. Und wir haben nicht nur eine Unstimmigkeit dieser Art.«

Ja, es gibt ziemlich viel Unklarheiten in der Sache mit dem Einbruchsdiebstahl. Es will sich kein geschlossenes Bild ergeben. Genauer, hinter dem Diebstahl wächst eine andere Sache auf - der Mord, und dahinter beginnt sich verschwommen noch etwas abzuzeichnen.

»Hat Denissow Erfolg gehabt?« frage ich.

»Vor einer Stunde hat er vom Bahnhof angerufen«, antwortet Kusmitsch ärgerlich und reibt sich die grauen Stoppelhaare im Nacken. »Offensichtlich ist Ljocha nicht mehr in der Zone, wo aktiv nach ihm gefahndet wird. Sie haben ihn entwischen lassen. Es sind ja bereits vierundzwanzig Stunden vergangen, seit die Fahndung eingeleitet wurde.«

Ein Telefon klingelt. Kusmitsch hebt den Hörer ab. »Ach, du bist's, grüß dich. Los, los, wir warten.« Er legt den    Hörer    auf und    teilt    mit:    »Pascha Mestscherjakow. Er kommt gleich.«

Pascha, in seinem unwandelbaren dunkelblauen Anzug und dem hellblauen Oberhemd, erscheint fast unverzüglich. Wie immer ist er ernst und konzentriert. In den Händen hält er eine grüne Mappe. Er öffnet sie und nimmt einige Blätter heraus.

»Die beiden Bürger aus dem roten Moskwitsch sind ermittelt«,    sagt    er. »Der    eine    heißt    Stepan Iwanowitsch Scherschen, der zweite Iwan Stepanowitsch Gawrilow. Sie wurden zwei Tage lang beobachtet, seit dem Augenblick, da sie Schuchmin anfuhren. Beide gehen schon lange keiner geregelten Arbeit nach. Scherschen lebt auf großem Fuß, wirft mit Geld um sich - Restaurants, Frauen, ausländische Klamotten. Ledig. Hat einen grünen Shiguli. Seine letzte Arbeit - Techniker bei der Wohnungsverwaltung. Lustig, kontaktfreudig, zahlreiche Verbindungen -meistens von Zechereien her. Wenn er trinkt, wird er-aggressiv und argwöhnisch. Angst hat er nur vor einem Menschen - vor Gawrilow. Der ist verschlossen und schweigsam. Läßt niemand an sich heran. Äußerlich lebt er bescheiden. Seine Frau arbeitet in einer Apotheke. Er hat eine Tochter, sie geht in die zweite Klasse. In der Nähe von Moskau hat er ein Haus. Ein solides Haus. Es ist auf den Namen des Schwiegervaters eingetragen.«

»Ist es das, wo Pjotr war?« frage ich.

»Nein. Das ist eine Datsche. Dazu komme ich gleich - das haut dich um. Aber zunächst noch etwas zu diesen beiden. Gawrilow ist Schlosser. Auch er hat bei der Wohnungsverwaltung gearbeitet. Dort hat er Scherschen kennengelernt. Von dieser Tätigkeit rührt offenbar ihr Interesse an fremden Wohnungen her. Sie haben gesehen, wie die Leute leben, wie sie die Wohnungen verschließen, was für Schlösser sie einbauen, was in den Wohnungen aufbewahrt wird. Gawrilow ist ein erstklassiger Schlosser. Er kriegt jedes Schloß auf. Einmal hat er in einer benachbarten Dienststelle einen englischen Safe geöffnet, man hatte ihn gerufen, weil der Schlüssel nicht aufzufinden war.«

»Der mit der Schirmmütze und dem grünen Schal ist also Gawrilow?« frage ich.

»Genau.«

»Und der rote Moskwitsch gehört ihm?«

»Der ist auf den Schwiegervater eingetragen. Gawrilow fährt ihn mit Vollmacht.«

»Was ist denn das für ein Schwiegervater?«

»Ein Graf«, teilt Pascha sachlich mit. »Genauer, der Nachkomme. Seine Mutter war eine Leibeigene, hatte in Paris einen Schönheitspreis bekommen. Aber der Vater war ein echter Graf, der jüngste Sproß. Nach der Revolution ging er arbeiten. Und nun behauptet der Sohn, also der Schwiegervater dieses Gawrilow, daß er von seinen Vorfahren allerlei geerbt habe. Er selbst ist jetzt schon Rentner.«

»Donnerwetter«, sage ich lächelnd. »Ganz schön raffiniert.«

»Genau«, sagt Pascha. »Aber da ist plötzlich noch ein dritter Mann, sozusagen im Umfeld der beiden. Über den sind wir uns noch nicht völlig im klaren. Gestern sind wir auf ihn gestoßen.«

»Warum sagst du >im Umfeld<?« frage ich.

»Offensichtlich gehört er nicht unmittelbar zu der Gruppe.«

»Und wer ist das?«

»Er heißt Oleg Brjuchanow.«

»Brjuchanow?« frage ich ungläubig. »Ist das ein Namensvetter des verstorbenen Akademiemitglieds oder...«

»Ganz recht, sein Sohn«, bestätigt Pascha griesgrämig.

»Ich hoffe doch, daß nicht er die Wohnung seines Vaters geplündert hat?«

»Das hoffe ich auch. Aber er ist mit Scherschen bekannt, sie picheln zusammen.«

»Was macht dieser Oleg Brjuchanow, wo arbeitet er?«

»Er ist Assistent in einem Laboratorium des Instituts, wo sein Vater Direktor war. Dort klaut er Alkohol. Ein unwahrscheinlicher Säufer. Wo getrunken wird, da ist auch er, jede Gesellschaft ist ihm recht. Wenn man ihn nicht einlädt, setzt er sich einfach dazu. Ein gutmütiger Schwätzer, harmlos.«

»Aber mit der Schwester hat er prozessiert«, sage ich. »Er wollte den ganzen väterlichen Nachlaß haben.«

»Wahrscheinlich hatte seine Frau ihn aufgehetzt.«

»Es soll schon seine dritte sein. Eine Trinkerin, Prostituierte.« Ich wiederhole, was Sofja Semjonowna mir im Hof erzählt hat.

»Seine Frau haben wir noch nicht kennengelernt. Wir sind ja erst gestern auf ihn gestoßen. Möglich ist. alles.«

»Und wo arbeitet sie?«

»Im selben Institut, als Laborantin. Meine Jungs sind heute hingefahren. Sie müßten eigentlich schon zurück sein. Erlauben Sie?« Pascha deutet auf das Telefon.

»Bitte«, sagt Kusmitsch.

Pascha geht um den Tisch herum, hebt den Hörer ab, wählt eine kurze Nummer und sagt; »Wolkow?... Komm zu Oberstleutnant Zwetkow, ich bin bei ihm. Du erstattest gleich hier Bericht. Ja, bring mit.« Er legt den Hörer auf und sagt zu uns: »Er kommt gleich.«