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»Guten Tag«, sagt er. »Sind Sie mit unserem Sortiment und der Bedienung zufrieden?«

Ich überschütte sein Geschäft mit Komplimenten. Während er beifällig zuhört, betrachtet er mich aufmerksam, dann fragt er in anderem Ton: »Nun, und welchen Wunsch haben Sie persönlich?«

»Ich möchte ein modernes Oberhemd in warmen Beigetönen. So eins haben Sie leider nicht anzubieten.«

»Wie wär's mit einem ausgezeichneten finnischen Anzug?«

»Einstweilen nicht.«

»Schade. Wir haben Ihre Größe am Lager. Sollten Sie es sich anders überlegen, kommen Sie her - gleich zu mir«, sagt Jermakow freundlich, doch seine Augen blicken kalt und wachsam.

Da werde ich plötzlich unruhig, mir ist, als hätte ich einen Fehler gemacht.

»Danke, danke«, antworte ich. »Wenn ich wieder einmal in Ihrer Stadt bin, suche ich Sie bestimmt auf.«

»Dachte ich mir's doch, daß Sie nicht von hier sind«, entgegnet er, immer noch lächelnd. »Sind Sie aus Moskau?«

»Ja. Aber in Moskau ist bei weitem nicht jedes Geschäft so gut wie Ihres.«

»Bleiben Sie noch lange in unserer Stadt?« erkundigt er sich höflich.

»Leider fliege ich morgen zurück. Eigentlich - Gott sei Dank. Ich habe das Hotel satt, das Matschwetter, das Restaurantessen, die Langeweile. Ich möchte heim.«

Jermakow nickt. »Hatten Sie dienstlich hier zu tun?« Er lächelt spöttisch, was mir gar nicht gefällt.

»Genau. Aber möglicherweise komme ich im Sommer mit meiner Frau zur Erholung her, dann sieht alles ganz anders aus«, sage ich. »Vielleicht kaufe ich mir dann einen Anzug bei Ihnen.«

»Bitte. Wir stehen immer zu Ihren Diensten.«

Er verabschiedet sich liebenswürdig von mir und schaut mir nachdenklich nach, wobei er sich das Kinn reibt.

Ich trete auf die Straße und sehe einen LKW mit der Aufschrift »Konfektion« vorsichtig in den Nachbarhof einschwenken, von wo offenbar die Diensträume des Geschäfts zu erreichen sind. Vom Tor aus beobachte ich, wie er rückwärts langsam zu einer offenen Tür fährt, wo ihn zwei Arbeiter in grauen Kitteln erwarten. Weiter hinten bemerke ich den mir bereits bekannten blanken blauen Wolga. Indessen kommt ein unrasierter Mann mit einem Beutel in der Hand durchs Tor, und ich frage ihn begeistert, wobei ich auf den Wolga weise: »Donnerwetter, wem gehört denn das Prachtstück?«

Der Mann kneift die Augen zusammen und schnalzt träumerisch. »Ist doch klar, dem Direktor. Das ist ein Direktor, Junge, ich kann dir flüstern... Bleib gesund und huste nicht! Verstehst du?«

»Und er lebt ruhig?«

»Warum soll er nicht ruhig leben, wenn er soviel Geld hat?« Mein Gesprächspartner grinst ironisch.

»Alles bis zu einer bestimmten Zeit«, sage ich.

»He, Bruder, wenn die Zeit kommt, sind wir beide längst begraben. Obwohl.« Er betrachtet mich und grinst wieder. »Na, du kannst das vielleicht noch erleben.«

»Ich werde mich bemühen«, antworte ich ernst.

Wir nicken einander zu und gehen auseinander. Der Mann, in dessen Beutel es wie von Glas klappert, eilt zum nahen Lebensmittelladen.

Ich schlendere die Straße entlang und versuche herauszufinden, was ich bei Geli Jermakow falsch gemacht habe. Den Zustand, in dem er sich während unseres Gesprächs befand, könnte ich sogar in einem Diagramm darstellen. Zunächst war da argwöhnische, fast feindselige Wachsamkeit, als hätte er diese für ihn unangenehme Begegnung erwartet. Dann beruhigte er sich. Und zum Schluß setzte er das spöttische, verächtliche Lächeln auf, das zu sagen schien: Vor dir hab ich keine Angst!

Da ist schon das Milizgebäude. Ich suche Dawud auf, und wir erörtern alles von Anfang an. Vielleicht hat uns jemand zusammen gesehen. Dawud wurde erkannt, und mein Äußeres hat man sich gemerkt. Und dann wurde Geli Jermakow wahrscheinlich sofort informiert. Oder aber Schprinz teilte ihm unsere Unterredung mit und gab ihm meine Personenbeschreibung. Und Jermakow identifizierte mich. Ach, wie ärgerlich!

Am Abend gehen Dawud und ich zum Lahmen. Nach uns erscheinen meine Burschen in der Werkstatt. Sie sind wieder zu zweit. Aber es ist anzunehmen, daß die gefährliche Gruppe in der Form, wie sie bestand, nicht mehr existiert. Jedenfalls ist sie nun weniger gefährlich. Sie haben eine gute Lehre erhalten. Dieser beiden, Fuchs und Käfer, bin ich mir sicher. Und ich sehe, daß auch Dawud Gefallen an ihnen findet.

Friedlich trinken wir ein Gläschen, essen wunderbaren Dörrfisch dazu, den Käfer mitgebracht hat, und rauchen einträchtig, alle, außer Serjosha. Kauend hört er zu und betrachtet die Burschen gutmütig.

Unser geruhsames Gespräch zieht sich lange hin. Es ist schon spät, als wir uns trennen. Und ich glaube, alle sind zufrieden miteinander. Für mich war dies gewissermaßen eine Kompensation für den Mißerfolg bei dem schlauen Jermakow.

Am nächsten Morgen fliege ich ab.

Dawud bringt mich zum Flugplatz. In diesen vier Tagen ist unsere Freundschaft noch fester geworden. Zur Erinnerung an unser Beisammensein habe ich zwei Flaschen großartigen Weins im Gepäck. Eine werde ich zu Hause mit meiner Familie trinken. Die zweite nehme ich mit zur Arbeit, und wenn uns spät am Abend, bevor wir heimfahren, der Kopf mächtig brummt, bitte ich Kusmitsch um Erlaubnis, allen ein Gläschen dieses köstlichen Getränks anzubieten. Es ist ja kein Verbrechen, zu später Stunde auf die Gesundheit eines fernen Freundes anzustoßen.

Einiges wird klar

An dem Morgen, als ich von Jushnomorsk nach Moskau flog, erlebte Valja Denissow endlich das, worauf wir alle schon eine ganze Woche ungeduldig gewartet hatten.

Am Abend vorher waren Valja und seine Gruppe an die    Reihe    gekommen, in der Datsche des Akademiemitglieds Brjuchanow Posten zu beziehen. Die Gruppe bestand aus vier Mitarbeitern; vom Einbruch der Dunkelheit bis zum Morgengrauen hatte abwechselnd jeder zwei Stunden am Tor zu wachen. Angetan mit Filzstiefeln und einem warmen Pelz, der über den Mantel gezogen wurde, verbarg sich der Wachhabende im dichten Gesträuch. Eine dünne Schnur führte von seinem Platz zu einem Glöckchen in der Datsche. So war es ausgeschlossen, daß Gawrilow und Scherschen sie überraschten.

Noch bevor ich meine Dienstreise antrat, hatten wir vom Staatsanwalt die Erlaubnis erhalten, die Datsche zu durchsuchen. Und die sorgfältige Durchsuchung hatte das erwartete Ergebnis gebracht. Unter dem Fußboden eines Zimmers wurde ein Geheimversteck mit Sachen und Bildern aus dem Diebstahl entdeckt. Wie wir vermutet hatten, waren nicht alle gestohlenen Dinge vorhanden. Offensichtlich hatten Scherschen und Gawrilow nur ihren Anteil an der Beute in der Datsche verstaut. Auf jeden Fall würden sie dort aufkreuzen, sobald sie einen zuverlässigen und lohnenden Käufer gefunden oder beschlossen hatten, ihre Beute woanders unterzubringen.

Und so traf am Donnerstagabend Valja Denissows Gruppe zur Ablösung der Genossen dort unauffällig ein.

Die Rollen waren rasch verteilt. Einer stieg sofort in die riesigen Filzstiefel, mummelte sich in den Pelz und begab sich zum Tor. Valja setzte sich im dunklen Zimmer, wo über der Tür das Glöckchen befestigt war, ans Fenster. Von dort aus waren auf der Schneefläche die Ganoven leicht auszumachen, falls sie das Auto irgendwo stehenließen und nicht von der Straßenseite das Grundstück betraten. Die beiden anderen Mitarbeiter hielten sich im fensterlosen Nebenzimmer auf, wo sie Licht anzünden und Schach spielen oder lesen konnten. In der Nacht durften sie sogar ein wenig schlafen.

Nach zwei Stunden wurden die Rollen getauscht. Nun spielte Valja Schach, und bevor er die Wache am Tor übernahm, legte er sich für zwei Stündchen aufs Ohr.