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»Du kommst gerade richtig«, sagt Kusmitsch. »Nimm Gawrilow mit zu dir und unterhalte dich offenherzig mit ihm. Noch ist er nicht abgekühlt. Und gräm dich nicht, wenn er mit der Sprache nicht herausrücken will. Er hat einen ziemlich schroffen Charakter. Sobald wir Scherschen vernommen haben, befassen wir uns noch einmal mit ihm. Also nimm ihn einstweilen mit. Nachher berichtest du mir von deinen glänzenden Erfolgen in Jushnomorsk.«

Es muß ihn tatsächlich jemand angerufen haben.

»Und noch eins«, fährt Kusmitsch fort. »Gawrilow wäre unseren Männern beinahe entwischt. Er«, Kusmitsch deutet auf Valja, »hat ihn eingeholt und zurückgebracht. Gawrilow hatte Angst, daß auf ihn geschossen wird. Er hat sich wahrscheinlich immer noch nicht von seinen Erlebnissen erholt. Knöpf ihn dir vor.« Und zu Valja sagt er: »Also her mit diesem Scherschen. Wie ist eigentlich sein Vorname?«

Gawrilow kann sich nicht fassen, und ich bin einstweilen auch noch wie benommen. Mir ist, als hätte ich mich eben erst von Dawud verabschiedet, vom Meer, dessen salzigen Geschmack ich noch auf der Zunge habe. Eben erst habe ich Swetka und Anna Michailowna umarmt, bin zum Frühstück bei ihnen hereingeplatzt. Swetka hing glücklich an meinem Hals und wirbelte mit den Beinen in der Luft.

Und nun sitzt eine Stunde später der düstere, erbitterte Gawrilow in offenem Mantel vor mir, den grünen Schal um den Hals, und knetet die Schirmmütze. Und ich muß all das, womit ich mich in Jushnomorsk beschäftigt habe, unverzüglich aus meinem Kopf verjagen und mich an das erinnern, was wir über diesen wenig sympathischen Wunderschlosser und seinen Kumpan wissen.

Er sitzt vor meinem Schreibtisch und starrt zu Boden.

Ich zünde mir eine Zigarette an und sage: »Es wird Ihnen nicht gelingen, Gawrilow, den Diebstahl in der Wohnung der Brjuchanows abzustreiten. Sie sind gewissermaßen auf frischer Tat ertappt worden. Ihre Komplizen brauchen Sie natürlich nicht zu nennen. Aber ob Sie nun zu zweit waren oder zu fünft, gemeinschaftlicher Diebstahl ist es so und so. Das Strafgesetzbuch kennen Sie doch?«

Gawrilow schweigt und blickt nicht auf. Wahrscheinlich überlegt er, wie er sich verhalten soll, was für ihn jetzt am vorteilhaftesten ist. Soll er überlegen, ich werfe ihm dazu noch etwas hin.

»Den gemeinschaftlichen Diebstahl können Sie also als erwiesen betrachten«, fahre ich fort. »Eine andere Sache ist die Rolle des Anführers, des Anstifters. Hat man nur zwischen Ihnen beiden zu wählen, dann kommen für diese Rolle selbstverständlich Sie in Frage.«

Gawrilow wirft mir einen raschen Blick zu.

»Hätte man zwischen Ihnen beiden zu wählen«, wiederhole ich. »Aber Sie waren nicht zu zweit, sondern zu fünft, nicht wahr?«

Gawrilow knurrt, ohne den Kopf zu heben: »Und wenn wir zu fünft waren, was dann?«

»Dann kann ein anderer der Anführer und Anstifter gewesen sein. Das ist der erste Punkt, Gawrilow, über den es sich nachzudenken lohnt, einverstanden?«

»Nachzudenken lohnt immer, wenn man Ihnen in die Hände fällt«, antwortet Gawrilow schroff, immer noch mit gesenktem Blick.

»Richtig«, stimme ich zu. »Um so mehr, als es einen zweiten Punkt gibt, über den es sich nachzudenken lohnt, sogar mehr als über den ersten. Der zweite Punkt ist der Mord, Gawrilow.«

»Was, was?!« Wütend schaut er mich an.

»Mord«, wiederhole ich. »Am Tag vor dem Diebstahl. Im Hof.«

»Das fehlt mir gerade noch!« Gawrilow holt tief Luft und sagt spöttisch: »Hängen Sie das einem anderen an. Bei mir ist da nichts zu holen. Bestimmt müssen Sie die Sache schnellstens aufdecken und den Vorgesetzten Bericht erstatten?«

Er ist plötzlich redselig geworden, dieser schweigsame Typ, und merkwürdig schnell hat er sich gefaßt. Das gefällt mir überhaupt nicht. »Ja, wir müssen den Fall aufdecken und Bericht erstatten«, bestätige ich. »Was denn sonst? Das ist doch eine ernste Geschichte, Gawrilow.«

»Dann tun Sie das. Ich habe damit nichts zu schaffen.«

»Durchaus möglich. Aber eins steht fest: Sie sind mit den Mördern durch ein anderes, gemeinsam verübtes Verbrechen verbunden - den Einbruchsdiebstahl. Da haben wir...«

»Mit keinem sind wir verbunden«, unterbricht mich Gawrilow grob. »Wie oft soll ich das noch sagen?«

»Wir haben Beweise«, fahre ich gelassen fort. »Hieb- und stichfeste Beweise, Gawrilow.«

»Geschwafel, keine Beweise.«

»Urteilen Sie selbst«, sage ich. »Bei Ihnen wurde nur ein Teil der gestohlenen Sachen gefunden. Ungefähr ein Drittel. Wer hat das übrige?«

Gawrilow starrt wieder zu Boden. Wenn er die Zähne zusammenbeißt, als zwinge er sich zu schweigen, treten Beulen an den mageren Wangen hervor.

»Das ist das erste«, fahre ich fort. »Doch wir müssen nicht nur alles finden, bis zum letzten Stück, sondern auch alle, die es verstecken. Nun das zweite. Wir kennen die Mörder. Einer von ihnen ist bereits verhaftet. Wir haben seinen Handschuh in der Wohnung gefunden, in der auch Sie gewesen sind. Mithin ist er der dritte, der mit Ihnen den Diebstahl begangen hat. So ist es doch?«

Gawrilow hebt den Kopf und grinst höhnisch. »Du bist auf dem Holzweg, Chef«, sagt er mit unverständlicher Freude, »Du bist auf dem Holzweg. Hat der, den ihr verhaftet habt, den Diebstahl gestanden?«

»Bisher noch nicht.«

»Und das wird er auch nie«, sagt Gawrilow befriedigt.

»Warum nicht?«

»Weil ihr schlecht arbeitet«, entgegnet Gawrilow frech.

»So schlecht nun auch wieder nicht«, erwidere ich beinahe gleichgültig. »Zum Beispiel haben wir Sie erwischt. Dazu noch auf frischer Tat. Sie freuen sich also umsonst. Und den Mord klären wir auch noch auf. Und je eher, desto besser für Sie. Und nun, Gawrilow, frage ich Sie: Wieviel Leute sind an dem Diebstahl beteiligt gewesen, zusammen mit Ihnen, hm? Zählen Sie gut, irren Sie sich nicht.«

»Zählen Sie doch selbst«, antwortet Gawrilow spöttisch. »Bis fünf. Das lernt man in der ersten Klasse.«

»Ihre Tochter geht gerade in die erste Klasse?« frage ich. »Und der Papa, ein wahrer Tausendkünstler, hat beschlossen, sich erst einmal mit fremden Wohnungen zu befassen, nicht wahr? Und alle Einkünfte dem Schwiegervater, dem Grafen, zu überschreiben?«

Gawrilow runzelt die Brauen und blickt beiseite.

»Damit ist es vorbei, Iwan Stepanowitsch«, sage ich. »Wir werden überprüfen, ob Sie noch an anderen Wohnungsdiebstählen beteiligt waren. Sie haben sich ja als ein gewaltiger Spezialist erwiesen. Insbesondere als Spezialist für Schlösser. Da gibt es für Sie keine Geheimnisse, wie man hört. Und dann die Verbindungen, die Sie haben. Die Komplizen kommen sogar aus einer anderen Stadt angereist.«

»Hören Sie auf mit dem Gefasel, Chef!« Gawrilow sieht mich matt an.

»Wieso Gefasel?« entgegne ich. »Kolja, Ljocha und Lew Ignatjewitsch sind nicht von hier, das wissen Sie doch.«

»Gar nichts weiß ich.«

»Und Sie kennen sie auch nicht?«

»Genau.«

»Na, na, Gawrilow. Koljas Handschuh kettet Sie an ihn. Und dadurch an den Mord.«

Gawrilow schaut mich nach wie vor matt und nachdenklich an. »Da kannst du überprüfen, solange du willst«, sagt er schließlich. »Das ist unser erster Diebstahl. Oleg, der Teufel, hat mich verleitet.«

Offenbar kreisen seine Gedanken ständig um den Wohnungsdiebstahl. Und der Handschuh regt ihn nicht auf, ebensowenig wie der Mord. Seltsam.

»Oleg - wer ist das schon!« Ich winke geringschätzig ab. »Einem Trunkenbold glaubt man nicht. Aber Lew Ignatjewitsch - das ist eine andere Sache. Wenn er euch den Tip mit der Wohnung gegeben hat...«

»So einen kenne ich nicht«, unterbricht mich Gawrilow.

»Kolja kennen Sie auch nicht?«

»Nein.«