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»Und Viktor Arsentjewitsch wollte mit Ihnen zusammenarbeiten, obwohl Sie seinen besten Freund getötet haben?«

»Hören Sie auf!« antwortet Barsikow geringschätzig. »Was kann es in unserer Zeit für Freunde geben? Das ist alles Gesabber, das denken sich die in den Zeitungen aus.«

»Wenn die Zeitungen von Freundschaft schreiben, ist doch nicht von Ihnen die Rede«, erwidere ich spöttisch. »Was ist das schon für eine Freundschaft! Kuprejtschik, zum Beispiel, packt jetzt Ihre Geheimnisse aus und gibt alle preis, weil er hofft, damit die eigene Haut zu retten. Solche Freunde haben Sie.«

»Was hat das mit Freundschaft zu tun? Das ist Feigheit und Verrat«, schreit Barsikow. »Von mir können Sie so etwas nicht erwarten. Ich bin aus anderem Holz. Klar?«

Ich zucke die Schultern. »Ich hoffe, Sie wollten nicht deshalb so spät noch mit mir sprechen, um mir eine Lektion über Ökonomik zu halten und mir zu versichern, daß Sie nichts aussagen werden?«

»Natürlich nicht.« Er nickt, ruhiger geworden. »Es geht um etwas anderes. Ich denke, daß ich nicht mehr mit Ihnen sprechen werde. Der Untersuchungsführer wird sich mit mir befassen. Zum Abschied will ich Ihnen folgendes sagen: Ich werde bald auf freiem Fuß sein. Ich kenne viele Wege, um das zu erreichen. Und Sie merke ich mir. Mit Ihnen    begann der Zusammenbruch meines schönsten und einträglichsten Geschäfts. Das verzeihe ich Ihnen nie. Merken Sie sich das. Und ich werde Sie finden. Ich bin hartnäckig. Das ist es, was ich Ihnen sagen wollte.«

»Nun, wir werden sehen, Lew Ignatjewitsch, ob wir noch einmal miteinander sprechen. Aber solche Pläne, wie Sie sie haben, posaunt man besser nicht aus. Solide Leute tun das nicht. Das ist geschmacklos. Und obendrein dumm.«

»Abwarten, ob das geschmacklos ist!« schimpft er. »Und ob es dumm ist.«

Damit endet unser Gespräch.

Was einen Anfang hat, hat auch ein Ende

Heute morgen findet bei uns noch eine Konferenz mit anderen Abteilungen statt. Aus der Staatsanwaltschaft ist Viktor Anatoljewitsch gekommen. Die OBChSS vertreten Edik Albanjan und sein Chef Gennadi Uglow. Und die Kriminalabteilung vertreten Kusmitsch, Valja Denissow, Petja Schuchmin und ich.

Als erster berichte ich von meinem Gespräch mit Kuprejtschik, dem überraschenden Erscheinen Barsikows, von seinem Fehlschuß und allem übrigen. Besonders interessiert sind alle an dem Gespräch, das ich später mit Barsikow hatte, natürlich nicht an seinen Drohungen, sondern an seinen gewollten und ungewollten Eingeständnissen.

»Und trotzdem«, sage ich zum Schluß, »ist mir Barsikows Rolle in dieser Kette unklar und folglich auch das Motiv für den Mord an Semanski. Barsikow sagte, er habe einen Konkurrenten beseitigt. Während ihres Streits auf dem Hof, den Gawrilow hörte, hat Semanski angeblich zu Barsikow über Kuprejtschik gesagt: >Er wird mit dir nicht arbeiten.< Aber was bedeutet das, was für eine Arbeit ist damit gemeint? Denn Barsikow hatte weder mit dem Empfang des Garns in der Fabrik noch mit seinem Versand an Schprinz zu tun. Demnach ist er überhaupt überflüssig, für ihn ist kein Platz in der Bande.«

»So ist es nicht ganz«, entgegnet Edik.

»Dann erklären Sie uns doch zunächst Barsikows Rolle«, bittet ihn Kusmitsch. »Und dann alles übrige.«

»Bitte«, sagt Edik. »Das Notizbuch dieses Barsikow enthüllt alles. Ich habe es überprüft. Dort gibt es unter den Telefonnummern verschiedener Leute, die wir uns noch genauer ansehen müssen, sehr merkwürdige Ziffern. Hier ist das Büchlein!« Er nimmt aus der Mappe ein abgegriffenes schwarzes Notizbuch mit einem Alphabet an der Seite und zeigt es uns. »Beachten Sie folgende Telefonnummern.« Er beginnt zu blättern. »Hier, Kuprejtschik zum Beispiel. Neben seinem Namen steht die Zahl neunhundertelf, acht, neun, sieben. Aber eine sechsstellige Telefonnummer gibt es in Moskau überhaupt nicht. Kuprejtschik hat eine völlig andere Privat- und Dienstnummer.«

»Warum sprechen Sie die ersten drei Ziffern zusammen aus, neunhundertelf?« fragt Kusmitsch, der aufmerksam zugehört hat. »Während Sie die folgenden einzeln nennen?«

»Entschuldigung«, antwortet Edik rasch. »Die ersten drei Ziffern habe ich falsch gelesen. Man muß sie so lesen: neun, elf. Zwischen ihnen steht ein Punkt. Und nach jeder folgenden Ziffer steht ebenfalls ein Punkt. Vorläufig habe ich noch fünf Namen mit solch seltsamen Chiffren entdeckt. Genauer, schon fünf, ich bin erst bis >M< gekommen.«

»Ein Schlüssel«, bemerkt Uglow ruhig.

»Genau«, sagt Edik. »Eine Chiffre. Aber die Ziffern sind zu verschiedenen Zeiten geschrieben. Und was Kuprejtschik betrifft, so stimmen diese Ziffern mit der Tonnagemenge an Garn überein, das er zu verschiedenen Zeiten an Schprinz gesandt hat. Wieviel Garn hat Schprinz insgesamt erhalten? Das zu überprüfen wird sehr interessant sein. Ich bin überzeugt, daß es mehr ist, als Kuprejtschik ihm geschickt hat.«

»Du meinst, da hat noch jemand geliefert?« frage ich. »Diese fünf Leute, zum Beispiel?«

»Ja. Zumindest diese fünf. Es kommen aber sicherlich noch mehr zusammen. Da haben Sie wahrscheinlich Barsikows Rolle.«

»Buchhalter?« fragt Petja lachend.

»Höher.« Edik stößt einen Finger mehrmals in die Höhe. »Er sucht und findet Betriebe, wo es außerplanmäßige Bestände gibt, die dort keine Verwendung finden, besonders Garn. Und dort nimmt er Kontakt mit den entsprechenden Leuten auf. Denn diese Bestände sind sozusagen fertiges und auf den ersten Blick völlig ungefährliches Geld, großes Geld zudem. Sie werden verwaltet und müssen abgeführt werden. Der stellvertretende Leiter der Verwaltung für Versorgung und Absatz braucht eine Information über das Vorhandensein von derartigen Waren, um die Anweisung geben zu können, sie zum Verkauf an das Geschäft von Schprinz zu schicken. Kuprejtschik war offenbar der größte Lieferant dieses Garns und deshalb der gewinnbringendste. Die Ziffern bei den übrigen fünf sind bedeutend niedriger. Das ist die Rolle, die Barsikow in dieser Kette gespielt hat«, sagt Edik zu Kusmitsch.

»Nun weiter mit deinen Überlegungen«, schlägt Uglow vor. »Das ist doch noch nicht alles.«

»Augenblick«, mischt sich Kusmitsch ein. »Erledigen wir zunächst unsere Fragen, um später nicht noch mal anfangen zu müssen. Hast du noch was?« Er wendet sich an mich.

»Ja«, antworte ich, »obwohl Barsikows Rolle nun klarer wird. Man kann vermuten, was das Motiv für den Mord war. Barsikow hatte beschlossen, sich Kuprejtschik gefügig zu machen. Eine Prügelei um das >goldene Huhn<, wie sich Schprinz ausdrückte. Aber es bleibt noch eine ungeklärte Frage. Erinnern Sie sich, Fjodor Kusmitsch, Musa Lesnowa berichtete von einem interessanten Gespräch, das Ljocha mit seinem lieben Sowko führte. Daraus geht hervor, daß dieser Geli Jermakow, Direktor des Konfektionsgeschäfts, Ljocha, das heißt Krassikow, und Sowko von Jushnomorsk nach Moskau zu Barsikow schickte und ihm zur Verfügung stellte. Ich habe über ihn schon berichtet. Dieses Paar hatte wahrscheinlich einen speziellen Auftrag. Barsikow weigerte sich, mit mir über dieses Thema zu sprechen. Aber dieser Jermakow kann an dem Mord beteiligt gewesen sein.«

»Durchaus möglich«, sagt Edik. »Hast du noch was? Wenn nicht, dann erlauben Sie mir, meine Überlegungen zu dem Fall darzulegen.«

»Bitte«, sagt Kusmitsch.

Edik öffnet seine Mappe. »Wir haben einstweilen nur die Moskauer Verdächtigen dieser Bande erfaßt. Leider weiß Kuprejtschik weniger als Barsikow. Seine Aufgabe beschränkte sich darauf, das Garn an das Geschäft von Schprinz zu senden. Dafür erhielt er Anweisungen. Das Geld bekam er von Barsikow, vorher von Semanski. Und nicht wenig. Die genaue Summe werden wir später feststellen. Aber bisher wissen wir nicht, welchen Weg das Garn von Schprinz aus genommen hat. Das ist der Schwerpunkt unserer Ermittlungen. Die Erfahrung lehrt, daß das Garn irgendwo zur Herstellung von Schwarzmarktware benutzt wird.«