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Robert Silverberg

Menschen für den Mars

Das interplanetarische Schiff Bernadotte begann langsam einzukurven und sich den kalten, leblosen und oxydierten Wüsten des Mars zu nähern. An Bord des Schiffes blickte der UB-Beamte Michael Aherne, dessen erster Flug zum roten Planeten dies war, gespannt auf den Sichtschirm, um Ausschau nach Leben zu halten.

Er vermochte keine Bewegung zu entdecken. Die Kuppel, unter der sich die Marskolonie ausbreitete, war noch nicht in Sicht, und Aherne sah nur öde, kahle Sandflächen. Er war nervös, wie es bei einem Spion, dessen scheinbar geheimer Auftrag offen bekannt war, kaum anders sein konnte. Man hatte ihm eine unangenehme Aufgabe erteilt, und er wußte, daß ein hartes Stück Arbeit vor ihm lag.

Aherne vernahm ein Geräusch hinter sich. Als er sich umwandte, sah er Valoinen, einen großen, zur Kahlheit neigenden Mann, dessen Logbuch mehr Flugstunden im Raum aufwies als das Logbuch eines anderen Sterblichen, die kleine Kabine betreten.

»Noch etwa hundert Minuten«, sagte der Captain. »Sie sollten unsere Kuppel bald sehen können. Wir landen ganz in ihrer Nähe. Ich fürchte immer, daß ich mich eines Tages auf sie setzen könnte, was das UN-Budget völlig durcheinanderbringen würde.«

Aherne zwang sich zu einem Grinsen und wandte sich dem Captain zu. Aherne war ein breitschultriger Mann mittlerer Größe mit sandfarbenem Haar; als Sonderattaché der Vereinten Nationen war er fast ständig im Weltraum unterwegs, aber dies war der längste Flug, den er je unternommen hatte — ein Flug über 90 Millionen Meilen, um sich in der Marskolonie als Spion zu betätigen.

Ein schöner Spion, dachte er bitter.

Er blickte auf seine Uhr. Sie hatten die Flugzeit genau eingehalten.

»Sie wissen, daß ich komme, nicht wahr?« fragte Aherne.

Der Finne nickte und lächelte wissend. »Allerdings. Und sie wissen nicht nur, daß Sie kommen, sie wissen auch, warum Sie kommen. Ich zweifle nicht daran, daß der rote Teppich für Sie schon ausgelegt ist. Sie werden nichts unterlassen, um einen guten Eindruck auf Sie zu machen.«

»Genau das fürchte ich«, sagte Aherne. »Ich hätte vorgezogen, anonym zu bleiben und mich unerkannt umzusehen. Auf diese Weise käme ein echter Bericht zustande.«

»Wer legt Wert auf echte Berichte?« fragte Valoinen sardonisch. »Mein Freund, Sie sollten allmählich lernen, daß unsere Organisation auf Mißverständnissen und Schnitzern aufgebaut ist. Tatsachen sind ihre tödlichen Feinde.«

Ahernes Gesicht färbte sich dunkel. »Wir wollen nicht frivol werden, Valoinen«, sagte er scharf. »Wir haben der UN für viele gute Dinge zu danken — unter anderem für die Erhaltung Ihres kleinen unbedeutenden Landes, ganz zu schweigen von dem ansehnlichen Gehalt, das Sie als Raumpilot für den Flug zwischen Erde und Mars beziehen.«

Der Captain hob eine Hand, um Aherne zu unterbrechen. »Kein Grund zur Aufregung, alter Junge. Auch ich glaube, daß es eine gute Organisation ist. Nur bin ich alt genug, um sie nicht ganz so ernst zu nehmen.«

»Vielleicht werden Sie lernen, die UN ernst zu nehmen, wenn Sie noch ein wenig älter sind«, knurrte Aherne und wandte sich wieder dem Bildschirm zu. Mit zusammengekniffenen Augen starrte er in die Dunkelheit und heftete den Blick auf die matt kupfern glänzende, zur Hälfte sichtbare Planetenkugel.

Nach einiger Zeit wandte er sich wieder um. Valoinen stand immer noch hinter ihm. Er hatte die Arme über der Brust verschränkt und lächelte gezwungen.

»Nun?«

»Ich denke, ich sehe die Kuppel«, sagte Aherne.

»Meinen Glückwunsch.«

»Kein Grund zum Scherzen.«Aherne legte die Stirn in Falten und blickte noch einmal hinaus, um sich zu überzeugen, daß er nichts Falsches gesehen hatte. Dann kratzte er sich den Kopf. »Was bedeutet das? Ich glaube zwei Kuppeln zu sehen, die zweite etwa zehn Meilen von der ersten entfernt. Wie kommt das? Ich bin sicher, daß die UN nur eine bauten.«

Valoinen zeigte seine prächtigen weißen Zähne. »Genau richtig, mein Freund. Nur eine von den beiden ist die UN-Kuppel.«

»Und die andere?«

»Sie werden es früh genug herausfinden. Ich möchte nicht, daß Sie voreingenommen an Ihre Aufgabe herangehen. Ihr Bericht soll doch echt sein, nicht wahr?« Valoinen wandte sich um und ging auf die Tür zu. »Und nun entschuldigen Sie mich, ich muß mich um meine Fracht kümmern.«

Die Schottentür klappte zu, und Aherne blieb allein zurück. Verwirrt starrte er auf die beiden Kuppeln.

* * *

»Die Gyroskope dort hinüber«, befahl Valoinen. Drei Besatzungsmitglieder packten zu und schleppten die Kisten an die bezeichnete Stelle.

»Das wäre geschafft«, sagte der Captain. Die Frachtkisten waren in sauberem Halbkreis um das Schiff gestapelt und warteten darauf, abgeholt zu werden. Valoinens Blick wanderte zu Aherne. Aherne fühlte sich reichlich unbehaglich, zum Teil wegen des schweren Raumanzuges, an den er sich noch nicht gewöhnt hatte, zum andern, weil er nichts zu tun hatte, während die andern zupackten.

»Alles in Ordnung bei Ihnen?« fragte Valoinen.

Der UN-Mann nickte und bewegte den schweren Helm auf und ab. »Den Umständen entsprechend.«Die Last des schweren Luftgenerators drückte auf seinen Rücken und zerrte an seinen Muskeln. Er fühlte sich nicht gut, hatte aber nicht die Absicht, es dem Captain einzugestehen.

»Es kann nur ein paar Minuten dauern, bis man Sie abholt«, sagte Valoinen. »Ich habe der Kolonie durch Funk die Fracht avisiert. Sie schicken ihre Fahrzeuge. Sie sind sehr begierig darauf, Ihre Bekanntschaft zu machen.«

Ahernes Muskeln spannten sich. Er wußte, daß ihm eine schwierige Aufgabe bevorstand. Er war hierher gekommen, um zu entscheiden, ob die bisherigen Resultate die enormen Kosten für das Weiterbestehen der Marskolonie rechtfertigten. Von seinem Urteil hingen Tod oder Leben der Kolonie ab.

Die UN würden sich auf seinen Bericht verlassen, wie sie es bisher getan hatten. Aherne hatte zur Genüge bewiesen, daß er unbefangen zu urteilen vermochte und keiner Beeinflussung zugänglich war. Seine ganze Treue galt der Gemeinschaft, die den Namen Vereinte Nationen führte. Aherne war der ideale Beobachter.

Er hoffte, daß die Kolonisten ihm die Aufgabe nicht schwerer machen würden, als sie es ohnehin war. Er gab zu, daß seine Sympathie den Marspionieren gehörte, daß es sein ganz persönlicher Wunsch war, die Kolonie weiter zu erhalten und gedeihen zu sehen. Es war seine innere Überzeugung, daß die Menschen in den Weltraum hinauseilen sollten, um andere Planeten zu erobern.

Aber es war seine Pflicht, Meldung zu machen, wenn er feststellte, daß die Kolonie unproduktiv, schlecht geleitet und schlecht geplant war. Wenn die Kolonie sich nur um ihrer selbst willen zu erhalten suchte, wenn es ausgeschlossen schien, daß weitere Fortschritte zu erwarten waren, so würde er auch dies zu melden haben. Dann würde seine Meldung das Ende der Kolonie bedeuten.

Er hoffte, daß die Kolonisten sachlich bleiben würden und nicht den Versuch machten, Unzulänglichkeiten zu frisieren; das würde ihn in einen schmerzhaften inneren Konflikt bringen. Er konnte keinen gefälschten Bericht abliefern, aber es lag ihm daran, die Kolonie weiter existieren zu sehen.

* * *

Er beobachtete das Näherkommen der »Sandraupen«. Die Luft war kalt und klar. Das Thermometer, in den Handrücken des linken Handschuhes des Raumanzuges gebettet, zeigte zweiundzwanzig Grad unter Null, eine verhältnismäßig milde Temperatur. Die Nadel des Außendruckmessers pendelte um fünf Pfund pro Quadratzoll, der Innendruck blieb, wie er beruhigend feststellte, auf fünfzehn Pfund.

Valoinen und seine Männer saßen, geduldig wartend, auf den großen Kisten. Aherne gesellte sich zu ihnen.

»Die Kuppel liegt dort«, sagte Valoinen und deutete in die Richtung, aus der die Sandraupen kamen. In etwa vier Meilen Entfernung versperrten zackige dunkle Berge den Blick. »Sie können sie nicht sehen, sie liegt hinter den Bergen.«