Wir stürmten gegen die zentrale Verderbergruppe an.
Es gelang uns nicht, sie auseinanderzuwirbeln. Wir brachten es nicht einmal fertig, unsere Felder zu Degen zu konzentrieren, so fest hielten uns die Kraftketten umklammert. Nur Lussin durchbohrte einen Verderber und sank gleich darauf zu Hoden. Ich wollte nicht schreien, nicht um Hilfe rufen, doch unwillkürlich entrang sich mir verzweifeltes Geschrei.
Neben mir schrie André auf.
Unsere Schreie waren noch nicht abgeschnitten, von der Todesschlinge der feindlichen Felder noch nicht abgewürgt, da sauste aus der Höhe etwas herab Wie durch einen Zauber änderte sich alles: Der Schraubstock lockerte seinen Druck, die Augenköpfe erloschen, und der Verderber, auf den ich eben noch vergeblich gezielt hatte, verging in einer Wolke von Fetzen und Staub.
8
Leonid war nicht zu halten. Wie von einem Wirbelsturm gepackt, stoben die Verderber vor ihm auseinander und zerfielen. Allan und André beschirmten ihn zu beiden Seiten, hinter ihnen eilten, einander stützend, Lussin und der Engel. Ich tat einen Schritt und spürte, daß meine Kraft nicht ausreichte, mich fortzubewegen.
»Forscher, forscher!« ermunterte mich Romero »Es ist klar, daß Sie mehr abbekommen haben, die Verderber wollten zunächst Sie zur Strecke bringen, aber man darf sich nicht so gehenlassen. Ich sage Ihnen, nehmen Sie Ihr Feld zusammen, dann wird Ihnen sofort leichter.« »Bleib nicht zurück, Eli!« brüllte Allan fröhlich »Zeige ihnen, was du wert bist!«
Das Zureden und die Rufe, aber auch der Anblick von Groman und Kamagin, die der Vorausgruppe zu Hilfe eilten, ermutigten mich. Immer sicherer schritt ich aus, und wenig später hatten wir Leonid eingeholt.
»Vorwärts!« rief er und nickte mir zu. »Hier sind noch ungefähr zehn von diesen Kreaturen!«
Ich faßte ihn bei der Hand. »Warte«, flüsterte ich. »Wir dürfen sie nicht vernichten.«
»Was nicht noch! Wir weichen nicht, solange hier noch einer herumkriecht!«
André pflichtete mir bei. »Beruhige dich, Leonid!
Wenigstens einen müssen wir lebend haben.«
»Richtig!« sagte Allan und lachte schallend. »So ein Scheusal müssen wir mit zur Erde nehmen.«
André hob ein Stück von einem zerborstenen Verderber auf. »Schaut doch mal! Das sind ja gar keine Wesen, das sind Maschinen!«
Auf seiner Hand lag ein dunkel benetzter Satz von Schaltbildelementen Halbleiter, Widerstände, Kapazitäten, zweiteilige Formstücke. Zweifellos handelte es sich um eine künstliche Vorrichtung.
»Scheint zu stimmen«, sagte ich. »Alles, was wir über die Verderber wissen, zeugt von ungewöhnlicher Grausamkeit wäre sie nicht merkwürdig bei normalen Wesen?«
»Nein«, sagte Lussin, der einen anderen Körperteil des Verderbers aufhob. »Organismus. Da!«
Das zweite Stück war lebendes Gewebe Nerven und Sehnen waren darin verflochten, ein Rest Haut war zu sehen, am Knochen haftendes Fleisch. André drehte den Fund hin und her, beschmierte sich die Finger an der widerlich klebrigen Flüssigkeit.
»Ja«, gab er zu. »Mechanismen sind das nicht.«
Unsere Retter entfernten sich und nahmen Trub mit, während wir zu dritt das Schlachtfeld absuchten.
Wieder war ich verblüfft, welch ungeheure Kraft die zur Strecke gebrachten Feinde gesprengt hatte.
Das Wort »zerfetzt« ist kein bildhafter Ausdruck, es charakterisiert genau das Ende der Verderber.
»Mir scheint, die sonderbare Vernichtungsform ist der Schlüssel zum Geheimnis ihrer Existenz«, sagte ich, als wir eine halbe Stunde gesucht und Dutzende Stückchen gefunden hatten.
André legte die Beute in eine Reihe. »Schaut her, viermal lebendes Gewebe, viermal künstliche Elemente. Sagt euch das nichts?«
»Ich verstehe«, sagte Lussin. »Eine Hälfte Organismus, eine Hälfte Mechanismus. Halb lebendig, halb künstlich.«
»Ja«, sagte André. »Genau.«
»Ihr vergeßt noch eine Möglichkeit, ein lebendiger Verderber sitzt in einer Maschine«, wandte ich ein. »Bei der Explosion vermischen sich die Körpergewebe mit den Mechanismusteilchen das ist das ganze Geheimnis.«
»Dann sieh dir mal das hier an.«
Dieses Teilchen war tatsächlich lebendes Gewebe, war mit künstlichem verquickt, eins führte das andere weiter. Aus einem Knochen ragten Draht und ein Kunststoffwiderstand, an einem Kondensator hafteten Nerven und Muskelgewebe. Wir hatten eine organische Einheit vor uns, kein mechanisches Nebeneinander von Lebendigem und Totem.
»Zwei Möglichkeiten«, sagte André. »Entweder haben Lebewesen eine Methode gefunden, ihre unvollkommenen Organe meisterhaft durch künstliche zu ersetzen, und sind deshalb zur Hälfte Mechanismen geworden, oder Automaten haben es gelernt, organische Gewebe in sich hineinzumontieren, und sind Halborganismen geworden.«
Diese Eigenart der Verderber erklärte mir das Wichtigste: ihre Grausamkeit. Zu Mechanismen degradierte Wesen mußten Güte und Mitempfinden verlieren. Aber wenn sie tatsächlich Automaten waren, zusammengesetzt aus organischen Elementen, woher nahmen sie dann die lebenden Gewebe?
9
Es war nicht gelungen, einen Verderber lebendig zu fangen. Leonid resignierte.
»Sie platzen wie Seifenblasen. Drei sind noch am Leben.«
In einer Ecke saßen die Augenköpfigen, von unseren Feldern zusammengepreßt. Sie waren entkräftet, ihre Augen leuchteten matt, die Gravitationsimpulse, die sie von Zeit zu Zeit ausstießen, hatten ihre frühere Macht verloren. André setzte das Dechiffriergerät in Betrieb. Romero, der die Feinde zusammen mit Allan, Kamagin, Groman und Trub blockierte, winkte mich zu sich. »Wissen Sie, warum wir keinen einzigen lebend gefangen haben? Es wird Ihnen unwahrscheinlich vorkommen. Sie setzen sich selbst ein Ende, sobald ihre Lage aussichtslos ist!«
»Rums, den Schädel auf den Körper und ab in alle Himmelsrichtungen!« sagte Allan. »Selbstsprengkonstruktionen das sind unsere Gegner.«
Indessen löste Kamagin, der drei Felder in sich konzentriert hatte, einen Verderber von zwei anderen Als ein gewisser Abstand zwischen ihnen war, schlug sich der abgedrängte Verderber das Auge auf den Körper. Eine Explosion, das Ungeheuer zerbarst zu einem Häufchen feuchter Asche. Die beiden übrigen preßten sich noch enger aneinander. Ihre Köpfe funkelten unheilvoll.
»Das werden sie alle tun«, sagte Leonid und stampfte mit dem Fuß auf. »Wenn man sie doch mit den Händen bei ihren verdammten Köpfen packen könnte!«
»Wie steht’s bei dir?« fragte ich André. »Sie scheinen Leuchtsprache zu haben, so was ist doch einfach.«
»Leider nicht.« André zuekle ratlos die Schultern »Schwache Gravitationsimpulse gehen von ihnen aus die sprachlichen Impulsen gleichen, das Leuchten begleitet sie nur. Mit dieser Sprachform habe ich noch nie zu tun gehabt.« Er seufzte… Wenn wir wenigstens ein Signal enträtseln könnten, damit wir einen Schlüssel hätten!«
»Den Schlüssel werde ich euch gleich liefern. Ich unternehme mal etwas achte auf ihre Reaktionen.
Langsam ging ich vor, schlug mit meinem Feld zu und wich zurück. Das wiederholte ich ein paarmal, dann schob ich die Verderber vorsichtig auseinander. Und erneut wechselte ich, nachdem ich dann innegehalten hatte, zu Schlägen über. Sie waren nicht stark, es waren Ohrfeigen. Ein paarmal setzte ich die gespreizten Finger auf die Augenköpfigen.
»Das genügt«, sagte André. »Ich glaube, jetzt können wir ihre Sprache entschlüsseln. Hört mal, das ist ja erstaunlich!«
Später wurde festgestellt, daß der entschlüsselte Text, obwohl in Einzelheiten ungenau, das Wesentliche richtig wiedergab. »Derselbe, der Mörder des ersten… Wieder derselbe… Wieder… Er schiebt uns auseinander… Befehl an die Abgeschirmten… Nur sie… Auf dem Planeten hier sind wir nur noch zu zweit, die anderen umgekommen… Der dreiundsechzigste hat sich selbst getötet. Ich ermatte. Habe nicht genug Gravitation. Ich antworte: Sie sind steinfingrig, sind anders… Die Abgeschirmten… Warum erst am Abend, sie sind doch so nah? Bis zum Abend halte ich nicht durch… Ich schlage mir den Kopf auf… Der Planet wird nicht mehr gebraucht…