Der Planet…«
Offenbar war irgendwo in der Nähe ihr Stützpunkt, und sie sprachen mit ihm. Wir mußten einen neuen Angriff erwarten. Dann äußerte jeder von uns, was er für wichtig hielt.
»Hilfe bekommen sie nicht vor dem Abend«, sagte Leonid. »Wir müssen bis dahin mit ihnen fertig werden.«
»Was sind das für Abgeschirmte? Wovor sind sie abgeschirmt? Vor unseren Feldern?« fragte ich. »Wir haben unsere Sternenflugzeuge hinter uns, das vergessen sie.«
»Ihre Gravitation läßt nach«, sagte André. »Was steckt in diesem seltsamen Satz? Und warum wurden nicht die Impulse ihres Gesprächspartners wahrgenommen?«
»Der Gesprächspartner ist weit«, versetzte ich.
»Das Dechiffriergerät hat seine Impulse nicht aufgefangen.«
»Der Planet«, sagte Lussin, »wird nicht mehr gebraucht. Wollen sie ihn vernichten?«
»Von Bedeutung ist jetzt nur die Drohung ,lch schlage mir den Kopf auf‘ «, sagte Kamagin, »Zweifellos kündigen sie damit ihren Selbstmord an Den müssen wir verhindern, aber wie?«
»Wir nehmen ihnen die Möglichkeil, ihre Köpfe zu bewegen«, polterte Allan. »Abhacken mit dem Schwertfeld, und fertig!«
»Nein«, entgegnete ich. »Dann lösen sich die Verderber auf. André hat recht, etwas Wichtiges hängt damit zusammen, daß ihre Gravitation nachläßt. Kommt, wir klemmen sie in unsere Felder und befördern sie so in die Barokammer.«
Sie konnten sich nicht mehr rühren und waren bald auseinandergebracht. Da fand der eine doch einen Weg, sich mit dem Kopf einen Hieb zu versetzen. Um so sorgfältiger gingen wir mit dem letzten um. Wir trugen ihn zum Planetenflugzeug, mit dem Allan, Romero und Leonid gekommen waren.
Seinen Kopf und seinen Rumpf hielten wir gesondert in unseren Feldern eingepreßt. Der Verderber wurde sichtlich schwächer. Seine Impulse wurden undeutlich, sein Kopf bewegte sich nicht mehr und erlosch.
»Er scheint gestorben zu sein«, sagte André, als wir den Gefangenen in der Barokammer des Planetenflugzeugs einquartierten. »Das Dechiffriergerät fängt keine Strahlungen mehr auf«
Wir erhöhten den Druck in der Kammer, setzten den Bordgravitator in Gang. Wenn dem Verderber große Schwere gefiel, dann konnte er sie auch nach seinem Tode nutzen. Wir befestigten seinen Kopf, damit er nicht zufällig auf den Körper fiel, und sicherten den Verderber in seiner einstweiligen Gruft ab.
»Ich bleibe hier«, sagte André, »und versuche den Körperbau und die Physiologie unseres Gegners zu studieren.«
»Und wir suchen Planetenbewohner«, sagte Leonid. »Vielleicht finden wir einen, der noch am Leben ist.«
Nach wie vor wirkte der Planet tot. Wir flogen die Stadt ab, begaben uns zu den übrigen Städten.
Überall entsetzliche Spuren von Verwüstungen.
Die Wälder und Wiesen, die am Morgen grün gewesen, waren verdorrt und verwelkt. Die Vegetation auf dem Planeten war vernichtet wie die Grashüpfer mit den menschenähnlichen Köpfen, die sie geschaffen hatten.
Ich stellte das Dechiffriergerät auf beliebige Gehirnstrahlungen ein. Nach einer Stunde des Suchens empfingen wir schwache Impulse.
Wir peilten die Strahlen an und wurden zu einem unterirdischen Rohr geführt, das tief im Wald verborgen war. Der Eingang zum Rohr war mit Gras und Ästen bedeckt. Das Dechiffriergerät zeigte an, daß sich drinnen drei Wesen befanden, die noch lebten.
Ich versuchte in die Öffnung zu kriechen, doch sie war zu eng für mich. Da kroch Kamagin hinein. Er erbat Unterstützung, und Groman folgte ihm, der genauso schmächtig war. Zu zweit schleppten sie einen sterbenden Sechsflügler heraus. Er antwortete nicht auf unsere Fragen, rührte sich nicht, sein Atem war kaum wahrnehmbar, doch sein Gehirn arbeitete fieberhaft schnell… Sie liegen dort /u Hunderten«, sagte Kamagin, »aber alle tot.«
»Zwei leben noch«, antwortete ich. »Das Gerät registriert ihre Gehirntätigkeit. Nehmen Sie das Bioskop.«
Mit dem kleinen Gerät, das Spuren von Leben ausfindig macht, kehrten sie in das Rohr zurück, Die beiden Planetenbewohner, die sie herauszogen, befanden sich in einem schlimmeren Zustand als der erste. Während einer sofort verschied, lebte der andere noch einige Minuten, und ich zeichnete die Ströme seines sterbenden Gehirns auf.
Danach ging ich wieder zu dem ersten und überzeugte mich, daß er noch lebte. Hoffnung auf Genesung bestand nicht, doch das erlöschende Leben in seinem zermarterten Körper ließ sich noch eine Zeitlang erhalten. Es wurde Abend, als wir sicher waren, daß sich auf dem Planeten keine Lebewesen mehr befanden. »Nehmen wir die Skulpturengruppe mit«, schlug Leonid vor.
Automaten hoben die drei Skulpturen von den Postamenten und trugen sie zum Planetenflugzeug.
»Von dem Schiff, das den Verderbern zu Hilfe kommt, haben wir immer noch keine Impulse«, sagte André. »Sein Schweigen macht mich nervös »
»Einsteigen!« kommandierte Leonid. »Wir kehren zum Sternenflugzeug zurück.«
Ich schaute zum Himmel. Die Elektra war untergegangen, es wurde dunkel. Über der Stadt flammten Tausende Beleuchtungskörper auf. Sie allein funktionierten weiter. Es war traurig, diese prächtige Illumination im Reich des Todes und des Chaos zu betrachten.
10
Über der Sigma senkte sich die Nacht herab. Die von den Feinden ausgesandte Unterstützung näherte sich dem Planeten. Wir aber schwatzten, freuten uns des leicht errungenen Sieges!
»Hier sind die Nächte schön«, sagte ich zu André.
»Sogar diese automatische Illumination schmälert nicht den Glanz der Sterne.«
André hob den Kopf. Entzückt betrachteten wir den Himmel. Die Luft war wundervoll klar. Die abgeschirmten Feinde schwebten schon über uns, warteten auf den passenden Augenblick für den Sprung, indessen wir uns sorglos für die Gestirne der Plejaden begeisterten.
»Beeilt euch!« rief Leonid ärgerlich. »Wir warten nur auf euch.«
Ich ging einen Schritt auf das Planetenflugzeug zu und hörte André aufschreien. Er röchelte, seine Stimme riß ab er wurde gewürgt, verzweifelt schlug er um sich. Ich spürte sein Feld pulsieren, niemals zuvor noch nachher hatte ich diese Empfindung, das Feld schien mich zu sprengen.
»Eli, Hilfe!« schrie André. »Eli! Eli!«
Ich stürzte zu ihm. Sah ihn nicht. Über der schwarzen Erde funkelten die Sterne, die Luft war still und klar. Vielleicht drei Schritt von mir entfernt röchelte André und rief um Hilfe, ich hörte ihn deutlich, verstand jedes Wort, wußte, daß man ihm den Mund stopfte, daß er am eigenen Schrei erstickte, daß er den Kopf herumriß, für Sekunden sein Gesicht befreite und wieder schrie, wieder um Hilfe schrie und ich sah ihn nicht!
»Eli! Eli!« hörte ich ihn jammern, »Eli! Eli!«
»Die Unsichtbaren!« schrie ich rasend vor Wut und schleuderte mein Feld dorthin, wo André sein mußte, ohne zu überlegen, daß es für ihn ebenso gefährlich war wie für diejenigen, die ihn überfallen hatten.
Da erblickte ich André zum letztenmal. Mein Schlag hatte einen von seinen Entführern zurückgeworfen. Andrés Beine glitten in die Höhe sie stießen, schlugen aus, als wehrten sie sich dagegen, zusammengedrückt zu werden. Nur sie waren zu sehen. Dort, wo Rumpf und Kopf sein mußten, blinkten friedlich die Sterne. Seit damals sind viele Jahre vergangen, aber noch heute habe ich dieses Bild vor mir!
Obwohl ich mein Feld noch nicht zusammen hatte, führte ich den zweiten Schlag. Ich wußte, daß mir die Freunde zu Hilfe eilen würden. Bis dahin kam es darauf an, André nicht in die völlige Unsichtbarkeit schleppen zu lassen. Ich führte den zweiten Schlag, um meinen Freund ganz sichtbar zu machen, verfehlte jedoch das Ziel. Eine neue Kraft stieß mich empor. Auch ich war unsichtbar geworden, fand meinen Rumpf und meine Beine nicht. Durch meinen Körper hindurch sah ich auf die Erde. Geschmeidige Fesseln banden und schnürten mir die Hände, rissen mich hoch. Wenn ich auch überrumpelt worden war, so strengte ich mein Feld doch bis zum äußersten an und stoppte die Aufwärtsfahrt. André schrie noch immer, doch leiser und in immer größeren Abständen.