Ich erkundigte mich bei Allan, welche wichtigen Vorhaben auf der Erde in Angriff genommen worden wären. Zwei Organisationen seien entstanden die eine, »Sternenflugzeugbau«, habe, wie seinerzeit beschlossen, ihren Stützpunkt auf dem Pluto eingerichtet. Die zweite hingegen, »Planetenbau«, könne man kaum als Organisation bezeichnen, da die Hälfte der Menschheit darin mitarbeite. Auf der grünen Erde blieben nur die alten Leute, die Kinder und die Mitarbeiter der irdischen Werke. Es herrschten ein Wirrwarr und Getöse, daß einem Außenstehenden die Haare zu Berge stehen würden, doch Außenstehende gebe es nicht, jedermann wäre beteiligt, und jeder trage nach Kräften zum allgemeinen Tohuwabohu bei. Das fange schon damit an, daß die Arbeit noch nicht genügend organisiert sei. Womit soll sich »Planetenbau« befassen?
Eine Richtung, anscheinend die natürlichste, werde bereits verwirklicht: Neue Planeten entstünden um einsame Gestirne, Nachbarn der Sonne. Gebaut werde unter den Losungen: »Schluß mit den leeren Sternen!«, »Für die Sterne unseres Galaxisbezirks eine höchstmögliche Zahl an Planeten!«,.. Jeder Stern soll Planeten für alle Lebensbedingungen haben!«, »Ein lebensuntauglicher Planet ist ein Feind, finde ihn und statte ihn neu aus!« und so weiter in dieser Art. Die besiedelten Planeten seien voll von Plakaten mit solchen Aussprüchen, man könne sich ihrer nicht erwehren. »Vorn Aldebaran auf der einen Seite bis hin zum Kreuz des Südens auf der anderen ist kein Stern zu finden, auf dem nicht mit Volldampf gearbeitet wird«, fuhr Allan fort. »Aber in letzter Zeit sind Stimmen laut geworden, die diese Richtung kritisieren. Man hat, so sagen sie, einen leichten, aber unergiebigen Weg eingeschlagen. Allmählich setzt sich der Gedanke durch: sich nicht an die Natur anpassen, sondern die Natur an sich anpassen. Nicht Schwärme von Planelen rings um fertige Sterne errichten, sondern ein besonderes Planetengebiet für die ganze Skala möglicher Lebensbedingungen aufbauen, und zwar mit ihren speziellen Gestirnen. Das ist zwar schwieriger, aber auch interessanter. Die Ora ist Beispiel für solch einen allseitig brauchbaren Planeten. Der Bauplatz ist bestimmt die Umgebung des Sirius und seines Trabanten, eines weißen Zwergs, ein kompakter Winkel im All zwischen Orion und Großem Hund. Hier, auf diesen universell ausgestatteten Planeten mit automatisierter Produktion und Dienstleistung, sollen nach und nach alle Sternbewohner gesammelt werden, die es daheim zu eng und unbequem haben. Die Planetenprojekte befinden sich im Stadium erster Entwürfe, Dienstreisende flitzen von Sternbild zu Sternbild, vereinbaren mit den künftigen Bewohnern die Bedingungen: die Größe der Kugeln, die Temperaturen der Sonnen, die Dauer von Tag und Nacht, die Atmosphäre und die Schwerkraft, die Wohnstätten und die Ernährung. Aber während das alles kalkuliert wird, zerteilen Flottillen von Sternenpflügen, Faultiere der alten Serie, bereits den Raum unweit des Orion, wickeln Staubnebel zur weiteren Verarbeitung für Planeten oder Sonnen auf.«
5
Auf der Ora stieg ich ins andere Sternenflugzeug um. Die »Raumfresser« wurde Spychalski unterstellt, zur Erde sollte die »Steuermann« fliegen. Die Besatzung der »Raumfresser« blieb wegen der Übergabe noch kurze Zeit auf der Ora, ich flog eher als sie.
Noch vor der »Steuermann« startete ein Kurierflugzeug mit der Nachricht von unserer Rückkehr aus dem Perseus zur Erde.
Während der Monate meiner Krankheit waren auf der »Raumfresser« drei Anlagen zur Generierung und zum Empfang von Raumwellen hergestellt worden, die sich wenig von der ersten Vorrichtung unterschieden, die uns in dem Sternhaufen so ehrlich gedient hatte. Wir nannten diese Mechanismen RWS-1, das heißt Raumwellenstation, erstes Modell.
Eine RWS-1 gaben wir Spychalski, die zweite bestimmten wir für den Pluto, die letzte jedoch sollte ich zur Erde bringen. Ich wollte auch alle Aufzeichnungen und Berechnungen mitnehmen, die auf der Reise angefertigt worden waren, damit sie von den großen Maschinen bearbeitet würden Spychalski war begeistert, als er erfuhr, was das für Anlagen waren. Man muß wie er ein Leben lang blind geflogen sein und plötzlich sehend werden, um seinen Zustand zu begreifen.
6
Auf dem Pluto hatten wir zwei Tage Aufenthalt Ich erkannte diesen Planeten nicht wieder Im alten Projekt hatten wir eine großartige Atmosphäre vorgesehen, die nicht schlechter als die irdische war, ausgedehnte Wälder, sogar einen Ozean. Die Atmosphäre hatte man erzeugt, Gärten und Parks waren angelegt worden, doch an die Wälder und den Ozean war nicht mehr zu denken, an den dafür bestimmten Stellen erstreckten sich Aggregate ohne Menschen, Hunderte, Tausende Kilometer Betriebe…
»Arbeitsplanet«, so hatten wir den Pluto untereinander genannt. »Summender Planet«, so hätte man ihn jetzt nennen müssen. Es summte am Äquator und an den Polen, im Innern und in der Stratosphäre, Pluto wurde vom Getöse der Mechanismen erschüttert, selbst bei Vulkanausbrüchen hörte man dieses pausenlose Getöse.
In Aviettes überflogen wir den Planeten.
Wir flogen über das Lager für Fertigerzeugnisse.
Über Tausende von Kilometern erstreckten sich die Gebirgsgrate der Sternenflugzeuge – eine gigantische Flotte, an die letzte Hand gelegt wurde, bevor sie in den Ozean der Weltenleere hinausflog. Selbst die »Raumfresser«, vor kurzem noch einzigartig in ihrer Größe, hätte neben diesen Giganten klein gewirkt.
Dieser grollende, ungestüme Pluto gefiel mir besser als mein früherer, der bedachtsam gearbeitet, sich gemächlich erholt hatte… Damals hatte es maßvolle Tätigkeit gegeben, heute fand ich Begeisterung. Wir alle wollten Begeisterung!
7
An alles hatte ich gedacht, wenn ich mir die Begegnung mit der Erde vorstellte, nur nicht daran, daß das eine feierliche Begegnung sein würde. Ich hatte es eilig gehabt, vor meinen Kameraden zurückzukehren, und bezahlte dafür mir allein wurde, wenn auch nicht die ganze vorgesehene allgemeine Ehrung, so doch ein bedeutender Teil davon dargebracht. Vom Mars an wurde unserem Sternenflugzeug von einer kosmischen Flottille das Ehrengeleit gegeben.
Zu Hause, in der alten Wohnung am Grünen Prospekt, atmete ich in der Runde meiner Freunde erleichtert auf. »Mir ist, als hätte ich meine Kameraden bestohlen«, klagte ich. »Hätte ich das gewußt, wäre ich um keinen Preis allein gekommen.«
»Sie werden mit ihrem Empfang zufrieden sein« tröstete mich Wera. »Und du wirst nicht nur als Besatzungsmitglied begrüßt, sondern auch gesondert.
Ich kann dir eine Freude bereiten. Dein Projekt, die Erde als Ohr. Stimme und Auge des Weltalls auszurüsten, ist angenommen.«
Ich war so überrascht, daß ich keine Worte fand.
Meine Gedanken hatte ich noch niemandem mitgeteilt.
»Fern von der Erde hast du die Methoden der Erde vergessen«, sagte Wera lächelnd. »Hat man dir nicht erzählt, daß auf dem Pluto eine Staatsmaschine aufgestellt worden ist? Du flogst über dem Planeten spazieren, und die Maschine fixierte deine Gedanken. Sie erwiesen sich als so wichtig, daß sie unverzüglich zur Erde gesendet wurden, und die Große zögerte nicht, sie jedem zur Kenntnis zu bringen. Als du auf dem Pluto ins Flugzeug stiegst, stritten die Menschen bereits, ob du recht habest oder nicht. Morgen bist du in den Großen Rat eingeladen – du sollst deine Idee begründen.«
»Also ist der Plan noch nicht angenommen?« fragte ich. »O ja, warum denn nicht? Im Prinzip haben sich alle dafür ausgesprochen. Aber man will dir Fragen stellen. Und bevor wir das Projekt in die Tat umsetzen, mußt du dich noch auskurieren, dein Gesundheitszustand gibt der Medizinischen Maschine zu Besorgnis Anlaß.«