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Für mich war mein Gesundheitszustand kein Anlaß zur Besorgnis. Die Begegnung mit meinen Freunden und die frohe Nachricht über die Annahme meines Projekts waren für mich besser als jede Arznei.

Weras Zimmer faßte kaum die Gäste. Trub verstärkte die Enge noch. Aus dem Kosmodrom war er mit uns in den Aerobus geklettert, er wußte schon, daß Engel gegen diese Maschinen nichts ausrichten.

Doch den Lift lehnte er rundweg ab und erklärte, er wolle sich mit eigener Kraft zum achtzigsten Stockwerk aufschwingen. Ehrlich gesagt, ich glaubte ihm nicht. Trub ist etwa hundert Kilogramm schwer, und die Höhe beträgt immerhin rund dreihundert Meter. Aber er schaffte es. Zunächst ruhte er sich in den Gärten jeder zwanzigsten Etage aus, dann auf den Veranden jeder fünften Etage. Er schwitzte und war ungemein stolz. Allmählich fügte er sich unseren irdischen Bräuchen, dennoch bewahrte er sich seine Eigenheiten. Lussin hat einen Narren an ihm gefressen. Trub zuliebe hat er darauf verzichtet, den vogelköpfigen Gott zu züchten.

Irdische Wohnstätten sind für Engel ungeeignet.

Trub sah ein, daß es undenkbar war, hier zu fliegen. Aber selbst wenn er einen Schritt machte oder nur die Flügel regte, fiel unweigerlich etwas von der Wand oder vom Tisch zu Boden.

Jeanne erschien mit Oleg. Das war ein hübscher dreijähriger Junge, lebhaft, mit klugen Augen, seinem Vater äußerst ähnlich, mir war, als hätte ich den kleinen André vor mir.

Hundertmal hatte ich mir die Begegnung mit Jeanne ausgemalt, hatte im stillen die Worte wiederholt, die ich sagen wollte, hatte überlegt, was für einen Gesichtsausdruck ich haben müßte. Alles hatte ich vergessen, die Worte und auch die Miene. Sie lehnte ihren Kopf an meine Schulter, weinte leise, und ich umarmte sie.

»Ich weiß alles über André«, sagte Jeanne. »Jeden Tag höre ich seine Stimme, seine Abschiedsworte für mich und Oleg vor dem Angriff der Verderber… Und ich weiß, daß nichts versäumt wurde, um ihn zu befreien oder wenigstens seine Spur zu finden.

Ich weiß sogar, daß er ,Eli!‘ und nicht Jeanne!‘ gerufen hat vor seinem Tod.«

»Vor seinem Verschwinden, Jeanne. André ist nicht tot. Deshalb hat er mich gerufen und nicht dich, er geriet in Not, nicht der Tod drohte ihm, in dem Augenblick dachte er gar nicht daran, sich vom Leben zu verabschieden. Wenn sie ihn hätten umbringen wollen, dann hätten sie das sofort getan, sie kämpften mit ihm, um ihn lebend zu fangen.

Sie werden ihn behüten und beschützen, nicht töten! Was haben sie vom Tod eines Menschen?

Ich bin überzeugt, sie kümmern sich um seine Gesundheit mehr, als du es auf der Erde getan hättest.«

»Ihr habt vier feindliche Kreuzer vernichtet Vielleicht war André auf einem von ihnen.«

»Nein. Die Zerstörer waren damals zwar selbstsicher, aber ihren einzigen Gefangenen hätten sie nicht den Wechselfällen des Kampfes ausgesetzt.

Sie konnten mit einem Sieg rechnen, doch nicht damit, daß sie keine Verluste erleiden würden. Und es versteht sich von selbst, daß sie André an einen ruhigen Ort brachten, möglichst weit vom Kampfgeschehen entfernt.«

»Du sprichst, als hättest du sie mit eigenen Augen beobachtet.«

»An ihrer Stelle hätte ich so gehandelt. Ich habe keinen Grund zu der Annahme, daß Feinde dümmer sind als ich.« Sie versank in Gedanken, schwankte Ich hatte Hoffnung in ihr erweckt, sie klammerte sich daran und hatte Angst, die Hoffnung könne trügerisch sein. Plötzlich sagte sie: »Spricht für Andrés Tod nicht, daß die Verderber aus ihm nichts… Verstehst du mich, Eli? Romero meint, die Verderber hätten alle Geheimnisse aus ihm herausholen können. Es ist ihnen nicht gelungen.

Das stimmt doch?«

Ich ertappte mich bei demselben tief in mir verborgenen Angstgefühl, André könne schwach sein. Ich wußte nicht, ob wir, seine Freunde, Martern zu ertragen imstande wären; daß er weniger als wir dazu imstande war, wußte ich.

»Und wenn er verschwunden ist, wie du sagst, und nicht umgekommen, gibt es dann irgendeine Chance, ihn aus der Gefangenschaft zu befreien? Eine Galaktische Flotte steht bereit, neue Expeditionen zum Perseus sollen unternommen werden, meinst du wirklich, es wird gelingen, André zu retten?«

»Auf jeden Fall werden wir es versuchen. Eins kann ich dir versichern: Wenn die Zeit kommt, in die Perseushaufen zurückzukehren, werden wir dort jeden Planeten von innen und außen absuchen.«

8

Als die Gäste gegangen waren, blieben Wera und ich allein.

»Die Große hat deinen Plan so erläutert: Zunächst die Erde in eine riesige Raumwellenstation verwandeln, dann erst in große Schlachten gehen.«

»Völlig richtig.«

»Wir haben die Große Galaktische Flotte gebaut«, sagte Wera nachdenklich. »Du hast die Schiffe auf dem Pluto gesehen, jedes ist stärker als eine ganze Flottille von ,Raumfressern’. Und es war bereits beschlossen, diese Flotte zum Perseus zu entsenden. Jetzt, da dein Projekt verwirklicht wird, müssen wir die Expedition aufschieben.«

»Nicht aufschieben, sondern gehörig vorbereiten.

Gigantische Schlachten stehen bevor, deren Maßstäbe sogar wir uns, die wir eben aus dem Perseus zurückgekehrt sind, kaum vorstellen können. Vergiß nicht, daß unsere Gegner nun unsere Macht kennen und sie werden die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen, Wera!«

»Deshalb haben dich alle so leidenschaftlich unterstützt«, bemerkte Wera. »Den Krieg hast du vortrefflich geplant. Es bleibt, den Frieden zu planen.«

»Das ist ein und dasselbe, Wera. Der Krieg wird mit einem Sieg enden. Der Sieg ist der Anfang vom Frieden.«

»Das ist nicht ein und dasselbe, Bruder.«

»Drück dich deutlicher aus…«

»Sieh mal, der Krieg an sich löst keine großen Probleme.«

»Ist es deiner Ansicht nach keine Lösung, die Augenköpfigen niederzuwerfen, ihre Kriegsmacht in Staub zu verwandeln?«

»Der Anfang einer Lösung, ihr Ausgangspunkt, nicht mehr. Eine echte Lösung werden wir erzielen, wenn wir unsere Gegner für ein friedliches Leben gewinnen!«

Ich starrte Wera entgeistert an. »Du bist verrückt geworden! Unsichtbare, die friedliche Felder bestellen! Erhoffst du dir tatsächlich einen Erfolg von Verhandlungen mit dieser Höllenbrut?«

»Wenn ich einen Erfolg von Verhandlungen erhoffte, hätte ich mich nicht für eine Kampfflotte eingesetzt. Ich verstehe genausogut wie du, daß es sinnlos ist, die Verderber überreden zu wollen.

Sie müssen niedergeworfen werden.«

»Und sämtlich ausgerottet werden, Wera.«

»Das ist undurchführbar, Eli. Wo ist die Garantie, daß nicht einzelne Verderbergruppen rechtzeitig oder nach der Schlacht in andere Kosmosgebiete ausweichen und sich dort vervollkommnen, so daß sie den Menschen überlegen werden, wie sie einst den Galakten überlegen wurden? Und kannst du dich dafür verbürgen, daß es nicht jetzt schon irgendwo im Zentrum der Galaxis Kolonien von ihnen gibt? Hundertfünfzig Sterne allein in unserer Galaxis, hast du etwa die Absicht, sie auf ihre Verderbtheit hin zu überprüfen? Außerhalb unserer Galaxis gibt es Milliarden anderer Galaxien!

Verbürgst du dich dafür, daß unsere Feinde nicht dorthin vorgedrungen sind?«

»Dafür verbürge ich mich nicht. Sie können überall sein. Es geht darum, sie in dem Perseushaufen auszurotten.«

»Das heißt, eine Schlacht gewinnen und danach vielleicht in einen endlosen Vernichtungskrieg treten?

Du wirst sagen, das sei nur eine Möglichkeit, sie brauche gar nicht zu bestehen. Doch wenn man die Politik für Jahrtausende festlegt, berücksichtigt man alle Möglichkeiten, die Wirklichkeit werden könnten. In einer sogenannten Entscheidungsschlacht die Oberhand gewinnen und den Nachkommen als Erbe die ewige Gefahr allgemeiner Vernichtung lassen, nein, Eli, sag, was du willst, daran ist nicht viel Vernunft!«