Das Leben und Treiben, das für alle Zeiten in die luxuriösen, palastartigen Tunnel verbannt sein sollte, brach ungehindert wieder ins Freie aus.
Dann gingen allmählich die Werke ein. Sie wurden so weit automatisiert, daß an kilometerlangen Fließbandsystemen kein Mensch mehr anzutreffen war.
Als im Schöße der Gebäude die Werkhallen eingerichtet wurden, war man bestrebt gewesen, den Weg des Arbeiters von der Wohnung zum Betrieb zu verkürzen, doch der Arbeiter selbst wurde unnötig, weshalb also Werke in der Nähe von Wohnstätten?
Mehr und mehr automatische Werke wurden in Wüsten erbaut. Einige der frei gewordenen Räume der Hauptstadt wurden von Instituten belegt, Wintergärten und Parks entstanden zu Tausenden in jedem Ring-Lieblingsplätze für Kinder und alte Leute.
Aber nicht alle leeren Räume konnten ausgefüllt werden. Die Hauptstadt leidet an Kavernen. Drei Viertel ihres Volumens werden nicht ausgenutzt.
Inzwischen ist klargeworden, daß sich die Idee, riesige Menschenmengen auf eine Stadt zu konzentrieren, überlebt hat.
10
Ich war in Eile, die ganze Erde war in Eile die Große Galaktische Flotte hatte den Pluto verlassen und wurde um die Ora konzentriert.
Die Schiffe mußten mit überweiten Ortungsgeräten versorgt werden, es war jetzt undenkbar, sie ohne solche Anlagen in die kosmischen Weiten zu entlassen. Die ganze Arbeit lastete auf mir. Ich überwachte die Projektierung der gigantischen Raumwellenstation RWS-3 und leitete die Fertigung von Anlagen für Sternenflugzeuge, die wir RWS-2 genannt hatten. Die freien Räume der Hauptstadt waren dem neuen Werk zur Verfügung gestellt worden, doch sie reichten nicht aus, einige Institute mußten ausgesiedelt und in Lager verlegt werden. Noch nie hatte die Hauptstadt so ungestüm und angespannt gelebt wie in den Wochen, da wir die fertigen Sternenflugzeuge mit den neuen Anlagen ausstatteten.
Es handelte sich nicht mehr um die RWS-1, die uns im Perseus so treu gedient hatte. Die Forschungen auf der Erde hatten gezeigt, daß ihr Aktionsradius zu klein war, bereits in einer Entfernung von zwanzig Lichtjahren ließen ihre Ortungseigenschaften nach. Sie taugte nur zum Abtasten nahen Raumes, bei Reisen von der Sonne zum Sirius und den Sternen des Zentaur, nicht weiter.
Als Telesender konnte sie bei weiten Entfernungen nur mit Höchstleistungsstationen arbeiten, die es allem Anschein nach in der Galaxis noch nicht gab, ich kam zu diesem Schluß, weil wir, als wir uns vom Perseus entfernten, rasch die Verbindung zu den Galakten verloren hatten.
Das Modell RWS-2 dagegen ortete mühelos Objekte in einer Entfernung von hundert Lichtjahren. Sternenflugzeuge, die mit solchen Mechanismen ausgerüstet waren, verloren nicht mehr die Verbindung zueinander, selbst wenn der Abstand zwischen ihnen so groß war wie der zwischen Wega und Sonne. Angriffe aus der Unsichtbarkeit brauchten sie nicht mehr zu fürchten. Wie weit der Feind auch entfernt sein mochte, er konnte nicht unbemerkt bleiben. In dem Radius von hundert Lichtjahren hielten die RWS-2-Anlagen außerdem hervorragend die gegenseitige Televerbindung aufrecht, und mit leistungsstärkeren Stationen konnten sie auch weit über diese Grenzen hinaus sprechen.
Solch eine Höchstleistungsstation RWS-3 errichteten wir auf der Erde. Kein Sternenflugzeug hätte einen derartigen Mechanismus aufnehmen können.
Ihr Leistungsverbrauch – fünf Milliarden Albert überstieg um Dutzende Male die Leistungen sämtlicher auf der Erde eingerichteten Energieanlagen.
Alle Planeten arbeiteten, damit die RWS-3 montiert und in Betrieb genommen werden konnte. Sie allein schaltete neben sich sämtliche Großbetriebe auf der Erde aus. Der Große Rat hatte die Errichtung der RWS-3 als wichtigsten Bau des Interastralen Bündnisses anerkannt.
Die Hauptmechanismen der Station sollten in der ehemaligen Wüste Sahara ihren Platz finden. Auf Tausenden von Quadratkilometern bauten wir hier das größte Auge und Ohr des Alls. Die RWS-3 würde den Berechnungen nach in einem Radius von zehntausend Lichtjahren wirken. Das Zentrum der Galaxis, in den Sternbildern Schütze und Schlangenträger verborgen, erreichten wir nicht, schon gar nicht die äußeren Galaxien, aber die Sternhaufen im Perseus, die Hyaden, die Plejaden, die Giganten Rigel und Beteigeuze alle diese fernen Himmelskörper unserer Sternwelt gerieten in den Wirkungsbereich der Station. Die Stunde war nicht mehr fern, da eine augenblicklich herzustellende Verbindung die Himmelskörper des Bündnisses zu einem Ganzen zusammenfügen würde.
Während auf dem Bauplatz in der Sahara die Gebäude errichtet und die Maschinen montiert wurden, arbeitete ich im Experimentierwerk, das im Zentralen Ring untergebracht war.
Nur zweimal wurde unsere Tätigkeit unterbrochen.
Einmal als die Besatzung der »Raumfresser« zur Erde zurückkehrte. Endlich wurde ich das Gefühl der Betretenheit los, das mich seit meinem feierlichen Empfang gequält hatte. Olga und ihre Kameraden wurden noch viel feierlicher begrüßt. Eine Woche lang jubelte die Erde, zwei Tage jubelte auch ich.
Zur zweiten Pause kam es, als meine Kameraden Wera, Lussin (mit Trub natürlich) und viele andere zur Ora abflogen.
»Ich hoffe, du bleibst nicht lange auf der Erde zurück«, sagte Wera zum Abschied.
Ich lächelte und wies auf meinen Gehilfen Albert Bytschachow, der mit mir auf dem Kosmodrom erschienen war. Albert, ein blonder, fröhlicher Mann, leitete die Montage in der Sahara.
»Er hält mich fest, Wera. Ehe er nicht alle Winkel im Perseus ausgeleuchtet hat, kann ich nicht daran denken, die Erde zu verlassen.«
Nach der Verabschiedung kehrten Albert und ich in die Hauptstadt zurück. Die Abreise meiner Freunde hatte mich aus der Bahn geworfen. Ich hatte Lust, die verwaisten Prospekte entlangzuwandern.
»Fahren Sie nach Hause, ich komme heute nicht«, sagte ich und entließ die Aviette. Ich dachte wieder an meine Arbeit, an die Schnellverbindung mit Sternenflugzeugen, die auf weiten Reisen waren.
Wie einst Olga, so träumte auch ich von Dispatcherplaneten auf den galaktischen Trassen.
11
Dies war der letzte große Feiertag des Jahres.
Abgesehen von den Feierlichkeiten anläßlich der großen Tage, die an die Befreiung der Menschheit erinnern, werden auf der Erde die Wenden in der Natur gefeiert – die Wintersonnenwende, die Große Schneeschmelze, der Erste Regen, die Sommersonnenwende, das Große Sommergewitter, der Erste Schnee. In diesem Jahr waren nicht alle zuversichtlich, daß das Fest des Ersten Schnees gelingen werde. Das Fest erforderte zu viel Energie.
Die Ressourcen der Erde waren für den Bau der dritten Raumwellenstation hingegeben. Noch andere Erwägungen wurden vorgetragen: Die Hälfte der Bevölkerung war zu den kosmischen Bauten geflogen, und denjenigen, die geblieben waren, stand nicht der Sinn nach Feiern, auf der Station für überferne Verbindung fieberte man der Inbetriebnahme entgegen.
Aber die Erdachsenverwaltung erfüllt strikt ihr Programm. Wenn auf der Erde nur noch ein Mensch wäre, der die Lustbarkeiten wünschte, würden für ihn sämtliche festgesetzten Feste ausgerichtet.
Ich meine, das ist richtig. Als mein Gehilfe Albert sah, welches Ausmaß die Vorbereitung gewann, protestierte er bei der Großen. »Die Menschheit hat jetzt keine Zeit zum Feiern, mit Ausnahme einzelner Spaßvögel vielleicht. Für wen strengt sie sich an?«
Die Große antwortete mit ihrer Elektronenvernunft: »Jeder Mensch ist all dessen wert, wessen die Menschheit wert ist.«
Nach dieser Erklärung vergaß Albert seine Proteste und knapste in seinem Zeitbudget Stunden zum Feiern ab.