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An einem Erfolg zweifelten wir nicht.

Ich erinnere mich gut an den Tag, da unsere Überzeugung, wir würden einen leichten Sieg erringen, ins Wanken geriet.

Wir saßen zu viert im Kommandeursaal – Oshima, Wera, Romero und ich.

Das Sternenlicht war so hell, daß ich die Gesichter meiner Freunde erkannte. Unser Geschwader flog, Raum fressend, auf ein gelbrotes Gestirn mit einem Planeten zu. Das war der Orangefarbene, der vor unserem Aufbruch von der Ora plötzlich aus dem Perseus verschwunden und dann ebenso plötzlich wieder aufgetaucht war. Albert hatte ihn friedlich genannt.

Doch auf mich hatte er auch von der Ora aus keinen friedlichen Eindruck gemacht, sein leidenschaftliches Leuchten beunruhigte mich.

Ich beobachtete mißtrauisch den Orangefarbenen.

Die Raumwellen, die den seltsamen Stern geortet hatten, wurden im Gerät in ein gewöhnliches optisches Spektrum umgewandelt. Erstaunliche Veränderungen erwartete ich von ihm Explosionen, gigantische Protuberanzen. Hätte er sich vor meinen Augen in eine Supernova verwandelt, würde ich mich nicht gewundert haben.

»Warum starrst du unentwegt auf den Orangefarbenen?« fragte Wera.

»Irgend etwas wird passieren«, sagte ich. »Das ist doch nicht bloß ein Gestirn, sondern eine Sternwaffe der Verderber… Hoffentlich donnert er uns nicht eine Salve zerstörender Teilchen und vernichtender Felder entgegen!«

»Das sollen sie nur versuchen, Admiral«, versetzte Oshima. »Unsere Mittel zur Abwehr von Teilchen und Feldern sind durchaus zuverlässig.«

Als hätte ich es heraufbeschworen, ereigneten sich bald darauf Veränderungen, doch sie entsprachen nicht unseren Erwartungen. Der Orangefarbene flammte nicht auf, keine ungeheure Explosion, durch die Massen von vernichtenden Strahlen ausgestoßen worden wären. Er begann trübe zu werden. Verdutzt blickten wir uns an. Etwas Unheilvolles war an diesem erblindenden Glanz.

»Eine Mitteilung von Allan!« rief Romero.

Der Versuch von Leonids Geschwader, ins innere des Sternhaufens einzudringen, war gescheitert. Es hatte sich wiederholt, was mit der »Raumfresser« praktiziert worden war, mit dem Unterschied nur, daß man uns damals aus der Gruppe nicht herausgelassen hatte, während man uns diesmal nicht hineinließ.

Und obwohl jetzt mehr als hundert Höchstleistungsschiffe gegen die Sternmauer des Feindes anrannten, während damals nur ein unvorsichtiger galaktischer Kundschafter in dem Labyrinth hin und her jagte, änderte sich nichts. Ebenso ungestüm, wie Leonid den Geschwader-Rammsporn gegen die Wälle des Gegners stieß, prallte die Sternenflugzeug-Abteilung zurück: Die hinteren Schichten des Rammsporns griffen noch die Randsterne der Gruppe an, da flog die Schneide, das Flaggschiff »Skorpion«, bereits in den leeren Kosmos hinaus.

Der Sternhaufen x hatte sich verbarrikadiert »Gestern gab es keinen Ausgang, heute gibt es keinen Eingang.«

»Aber wir rücken vor, Admiral!« rief Oshima.

»Wir greifen an. Was dem Geschwader von Leonid nicht gelungen ist, gelingt vielleicht meinem!«

Der Orangefarbene trübte sich mehr und mehr. Ich verstand schon, daß das mit der Raumkrümmung zusammenhing.

»Erwartest du etwas, Eli?« fragte Wera.

»Ja. Ich erwarte, daß man uns so schnell von hier hinausbefördert, daß wir nicht einmal dazu kommen, unsere Geschwindigkeit zu vermindern.«

Bald darauf informierte uns die Schiffsmaschine, daß die Krümmung im Raum größer würde. Wir wurden hinausgeworfen.

»Vorläufig handeln die Zerstörer nach Schablone«, bemerkte Romero. »Sie wirken unserer Fortbewegung nicht entgegen, sondern geben uns seelenruhig eine andere Richtung. Gedenken Sie neue Varianten zu suchen, lieber Admiral?«

»Ich suche bereits…«

»Und?«

»Wenn die Verderber ihre erfolgreiche Methode wiederholen, warum sollen wir dann nicht Olgas Schlag gegen den kleinen Planeten wiederholen? Wir annihilieren ein passendes Objekt am Rande der Gruppe und dringen durch das von uns geschaffene Leeretor ein.«

Oshima überließ das Kommando den Automaten, wir schalteten im Saal das Licht an.

Auf den Halbsphären leuchteten die Karten der Gruppe x auf. Sie war nicht so kompakt wie die Kugelhaufen an den Rändern der Galaxis, hier fanden sich außer einsamen Sternen mit kleinen Planeten auch finstere kosmische Herumtreiber, die mutlos die Gruppe umwanderten. Wir mußten einen Planeten wählen, der den feindlichen Festungen möglichst nahe war, damit es ihren Krümmungsmechanismen nicht gelang, die von uns erzeugte Leere in die Raumfelder einzubeziehen.

In dem Bezirk, dem sich beide Geschwader genähert hatten, gab es etwa ein Dutzend Planeten rings um einsame Sterne und ungefähr genausoviel galaktische Herumtreiber, deren Masse größer als die der Planeten, aber bedeutend kleiner als die der Sterne war. Jedes dieser Objekte konnten wir benutzen, um durchzubrechen.

»Wir sehen unangenehmen Tatsachen ins Auge.

Der Frontalangriff ist nicht gelungen. Und wird nicht gelingen, sooft wir ihn versuchen«, folgerte ich aus unserem Gespräch. »Eine neue Variante würde Monate, vielleicht sogar ein Jahr erfordern. Da die geraden Wege versperrt sind, bleibt nichts anderes übrig, als einen Umweg zu machen.«

9

Ich ging zu Mary ins Laboratorium. Sie beschäftigte sich mit der Züchtung einfachster Lebensformen für unterschiedliche Bedingungen von Nährböden, Gravitation, Temperatur und Druck. Das Material, das ich ihr von der Erde gebracht hatte, war für diese Arbeit bestimmt gewesen.

Gleichgültig beobachtete ich, wie Mary mit durchsichtigen Glaskolben hantierte. In den Kolben plätscherte etwas Trübes.

»Uninteressant, nicht?« fragte Mary lachend.

»Stimmt«, antwortete ich. »Dünnflüssiger Schlamm.«

»Und wenn ich dir sage, daß ein Tropfen dieses Schlamms, fällt er zufällig aus dem Kolben, ausreicht, unser Sternenflugzeug vollständig zu vernichten – findest du das dann immer noch uninteressant?«

Ich hielt den Kolben gegen das Licht. Zweifellos enthielt er eine Bakterienkolonie. Von Bakterien, die Schiffe vernichteten, war mir noch nie etwas zu Ohren gekommen. Ich bat Mary, mir zu erklären, wie derart gefährliche Präparate aufs Sternenflugzeug gelangen konnten.

»Sie sind gemäß den gesetzlichen Vorschriften in die Inventarlisten des Schiffes eingetragen«, beruhigte mich Mary.

»Aber sie haben zerstörende Wirkung. Der Expeditionsleiter muß wissen, zu welchem Zweck auf dem Schiff Dinge auftauchen, die den Tod in sich bergen.«

»Habt ihr nichts hier, was potentiell gefährlich wäre? Neben den Annihilatoren, die Planeten vernichten, nehmen sich meine Mikroben wie ein Schwärm Wespen neben einem Tiger aus.«

Mary berichtete mir, auf der Erde wären kürzlich erstaunliche Körperchen synthetisch hergestellt worden – mikroskopisch winzige Atomwerke. Bei genügender Energiezufuhr bauten sie die Atomkerne um, die Bestandteil ihrer Nahrung sind.

»Diese Winzlinge hier ernähren sich von reinem Eisen«, sagte Mary und betrachtete den Kolben wohlgefällig. »Und nachdem sie ihre Arbeit getan haben, ist kein Eisen mehr vorhanden, dafür Sauerstoff und Wasserstoff, Silizium und Kohlenstoff… Wenn wir irgendwo einem Planeten aus reinem Eisen begegnen, infiziere ich ihn mit diesen Bakterien, und nach ein paar Jahrtausenden hat sich auf dem leblosen Metall eine auflockerbare Schicht gebildet, die durchaus geeignet ist, Pflanzen zu ernähren.«

Befriedigt sagte ich: »Du darfst dich weiter mit deinen winzigen Ungeheuern abgeben, für das Sternenflugzeug sind sie ungefährlich. Eisen wird im Schiffsbau seit langem nicht mehr verwendet.«

Mary schaute mich verschmitzt an. »Ich habe noch zwei Dutzend Kolben, die diesen gleichen, und in jedem befindet sich Schlamm… Doch der zerfrißt nicht Eisen, sondern andere Elemente.«