Funken Sie mir morgen die Kollektiventscheidung zur ,Bootes‘ herüber: ,Ja‘ oder ,Nein‘.«
Während die Kommandeure zu ihren Schiffen zurückkehrten, sprach ich mit Leonid, Allan und Wera »Alle Schiffe, die den Durchbruch unternehmen, werde ich befehligen. Die Leitung der vereinigten Flotte übernimmt Allan. Laß den Kopf nicht hängen, Leonid. Wir beide haben schon schlimmere Situationen erlebt.«
Von allen Schiffen wurde »Ja« gefunkt. Das Täuschungsmanöver war einhellig genehmigt.
11
Die »Bootes« wurde von der »Jagdhund« und der »Fuhrmann« begleitet. Wir warteten nur auf die Nachricht von Allan, daß die Flotte angegriffen habe.
Er teilte mit, daß auch der neue Durchbruchsversuch erfolglos verlaufe.
»Es ist soweit!« übermittelte ich meinen drei Schiffen, und wir stürmten vor.
Wir waren zu dritt – Oshima, Romero und ich.
Oshima befehligte, Romero und ich beobachteten.
Auf unserer Flugachse funkelte der Orangefarbene, im Vervielfacher war auch sein kleiner Planet zu sehen. Wenn dort Verderber hausten, so mußten sie irgendwelche Verteidigungsmaßnahmen ergreifen, und zwar sofort, mochten sie auch nicht wirkungsvoll sein. Wir beschleunigten ständig unseren Flug, Widerstand war nicht zu spüren, nichts deutete an, daß wir entdeckt waren.
Unsere drei Schiffe glitten in den Sternhaufen wie in ein offenes Tor.
Falls die Verderber irgendeine Gemeinheit für uns bereithielten, so war das vorläufig noch nicht erkennbar. »Unter sonstigen Varianten haben wir auch die in Aussicht genommen, daß uns die Zerstörer in eine Falle locken«, sagte Oshima. »Scheint Ihnen nicht.
Admiral, daß diese eingetreten ist?«
Allan hatte inzwischen durchgegeben, daß der Orangefarbene äußerst energisch handle. Nur hier, wo wir durchbrachen, gab es keine Anzeichen von Aktivität, die Variante, man locke uns in eine Falle, gewann an Glaubwürdigkeit.
»Vorläufig läuft alles planmäßig. Die Zerstörer sind überrumpelt«, sagte ich zu Oshima.
Wir jagten an einsamen Randsternen vorbei.
Endlich waren wir im Perseus.
Leonids Schiffe eilten uns bereits nach, obwohl sie den Befehl dazu noch nicht erhalten hatten.
In den Überlichtübertragungen erblickten wir Dutzende heller Pünktchen. Sie näherten sich, ihre Zahl nahm zu, doch im Raum waren nach wie vor keine Störungen wahrzunehmen.
»Anscheinend bringen sich die verwirrten Gegner um die letzte Chance eines wirksamen Widerstandes«, meinte Romero, und wir pflichteten ihm bei. Ich triumphierend, Oshima verwundert. Müde schlief ich im Sessel ein und hatte einen phantastischen Traum, es war der erste einer Reihe von merkwürdigen Träumen, die mich später befielen.
Ich befand mich in einem riesigen Saal, an der dunklen Kuppel glänzten Sterne, doch das war nicht der Himmel, sondern ein Bildschirm, und ich wußte, daß es sich nur um eine Projektion von Sternen handelte, nicht um Sterne selbst. Ich irrte an einer Wand entlang im Kreise umher, bald ging ich, bald lief ich, die Radien der Kreise wurden kleiner, wie in einer Spirale wurde ich zum Mittelpunkt des Saales gedrängt, doch ich wollte dort nicht hin, dort schwebte zwischen Fußboden und Kuppel eine halb durchsichtige Kugel, ich hatte Angst vor dieser Kugel, aber unvermeidlich wurde ich zu ihr hingestoßen. Traurig hob ich die Hände und blickte zur Kuppel auf, um die schreckliche Kugel nicht sehen zu müssen. Oben huschten zwischen den natürlichen hellen Sternen noch hellere künstliche umher, ich wußte, daß das nicht Sterne waren, sondern unsere Schiffe, Allan stürmte hartnäckig die Gruppe, und ebenso hartnäckig wurde er zurückgeschleudert. Ich wurde Zeuge eines erfolglosen Versuchs von Allan.
»Mir scheint, im Traum bin ich im Beobachtungsraum der Verderber gewesen«, teilte ich Oshima und Romero mit, als ich erwachte.
»Die Wirklichkeit ist phantastischer als ein Traum, Admiral«, sagte Oshima. »Hören Sie eine Depesche von Allan.«
Die Maschine meldete, Leonids Schiffe, die dem von uns gebahnten Weg schon weit gefolgt waren, seien auf nichteuklidische Metrik gestoßen und zur Umkehr gezwungen worden. Das Tor, das drei Sternenflugzeuge durchgelassen hatte, war vor den übrigen zugeschlagen.
»Die zweite Neuigkeit ist noch interessanter«, sagte Romero. »Schauen Sie auf den Bildschirm, lieber Freund.«
Beklommen sah ich hin. Kurz zuvor hatte ich im Traum annähernd das gleiche Bild gesehen – eine Vielzahl beweglicher Gestirne zwischen unbeweglichen. Aber in meiner Vision waren mir die beweglichen Lichter freundlich erschienen, da es sich um unsere Schiffe handelte, dies jedoch waren die Kreuzer der Feinde, die uns sphärisch umschlossen.
»Rund zweihundert Schiffe gegen drei«, sagte Oshima. »Sie haben große Angst vor uns, Admiral!«
»Wir werden ihnen abermals beweisen, daß sie Angst vor uns haben müssen. Bereiten Sie das Schiff zum Kampf vor, Oshima. Übermitteln Sie diesen Befehl auch der ,Fuhrmann‘ und der Jagdhund‘.«
Wir flogen den Geschwadern des Feindes entgegen.
12
»Eine langweilige Geschichte«, sagte Romero und gähnte. »Und ich sehe da keinen Ausweg.«
Es waren schon viele Tage seit dem Augenblick vergangen, da wir frontal gegen den Feind angestürmt waren, doch zu einem Zusammenstoß wollte es nicht kommen. Die gegnerischen Schiffe, die wir verfolgten, rissen aus, diejenigen, von denen wir uns indessen abwandten, setzten uns nach. Versuchten wir diese aufs Korn zu nehmen, gaben sie Fersengeld, während sich diejenigen, die eben noch Ausreißer gewesen waren, in Verfolger verwandelten. Die Taktik des Gegners war einfach: uns nicht hinauslassen, eine Schlacht mit uns vermeiden.
»Wenn sich wenigstens ein inaktiver Stern melden würde!« rief ich ärgerlich aus. »Sollte es in der Ansammlung keinen einzigen von Galakten besiedelten Stern mehr geben?«
Romero schwieg, doch ich konnte seine Gedanken lesen: Wir waren nicht als Touristen gekommen, sondern wollten verwandte Völker befreien, die in Not geraten waren – sie könnten wenigstens reagieren, wenn man ihnen die Befreiung ankündigte. Immer mehr bedrückte uns der Unterschied zwischen dem, was sich während des Fluges der »Raumfresser« getan hatte, und dem, was jetzt war.
Damals hatten uns die inaktiven Sterne, die nicht imstande waren, die Metrik zu ändern, verzweifelt gerufen, sie hatten uns vor Gefahren gewarnt, sich über unseren Erfolg gefreut. Die Feinde aber hatten diese Rufe energisch unterdrückt, die interastralen Räume waren voll gewesen von Signalen und Geräuschen, Wellen hatten gegen Wellen gekämpft.
»Hinter der Sphäre der feindlichen Sternenflugzeuge kommt ein dunkler Herumtreiber zum Vorschein«, sagte Oshima und wies auf die Karte. »Wenn wir ihn erobern, gewinnen wir Handlungsfreiheit.«
Oshima befahl den Schiffen, sich in den Einsteinschen Raum zu werfen. Bald darauf tauchten die »Fuhrmann« und die »Jagdhund« in der Optik auf.
Wir stoppten unseren Flug im Überlichtbereich, und unserem Beispiel folgend, erstarben die Kreuzer des Feindes in der Ferne.
In der »Bootes« landeten Planetenflugzeuge. Die »Fuhrmann« befehligte Kamagin; den zweiten Kapitän, Artur Petri, kannte ich flüchtig.
»Wichtige Beschlüsse müssen gefaßt werden«, sagte ich auf der Konferenz der Kommandeure. »Sie haben ebenso wie ich das ziellose Kreuzen rings um den Orangefarbenen satt.«
»Ich erhebe Einspruch gegen den neuen Plan«, erklärte Kamagin. »Unsere Aktivstoffreserven reichen nicht aus, um die feindliche Flotte einzuholen und zu vertreiben. Ich bezweifle, ob die Eroberung des Herumtreibers etwas ändert.«