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Unsere Blicke kreuzten sich. Kamagin ließ den Kopf hängen. »Fangen wir an!« sagte auch er. Seine Stimme klang unsicher.

Da zögerte ich.

Der letzte Befehclass="underline" »Beginnen Sie die Annihilation »diese wenigen nichtssagenden Worte wollten mir nicht über die Lippen. Und nicht etwa deshalb, weil ich plötzlich schwankend geworden wäre. Eine andere Entscheidung, als zwei Drittel der Flotte zu vernichten, gab es nicht, nur das konnte uns noch retten. Ich würde lügen, wenn ich sagte, daß mich in diesem Augenblick unser eigenes Los beunruhigte frei hatten wir diesen riskanten Weg gewählt, auf dem Katastrophen ebenso möglich waren wie Erfolge. Ich überlegte, was würde, wenn wir, die wir auf dieser Seite der Gruppe eingesperrt waren, nicht mehr am Leben wären. Niemand hatte mich der Verantwortung für das Schicksal der Sternenflugzeuge enthoben, die sich außerhalb des Perseus befanden – immer noch befehligte ich die Flotte, wenn auch nur formal. Mein Gedanke lief auf folgendes hinaus: Die feindliche Flotte hatte uns lange nicht an den einsamen kleinen Planeten herangelassen, und sobald sie Fersengeld gab, hatte sie ihn in die künstlich erzeugten Raumbrüche mitgeschleppt. Warum hüteten sie ihn derart sorgfältig? Wahrscheinlich befürchteten sie, der Stoff des Planeten würde uns genügen, um die Krümmung zu brechen. Diese Erfahrung mußte ausgenutzt werden, um die Verderber zu besiegen. Es war unerläßlich, die Invasionsstrategie zu ändern.

»Setzen wir eine Depesche auf, schlug Romero vor. »Ich habe schon einen Entwurf vorbereitet, hören Sie.«

Ich führe hier den Text der Depesche an, die wir absandten:

»An die Menschheit.

An Wera Gamasina, Allan Krus, Leonid Mrawa, Olga Trondike.

Die Invasion der drei Sternenflugzeuge in die Gruppe X des Perseus scheint zu mißlingen. Zwei Schiffe werden von uns selbst vernichtet, das Schicksal des dritten, auf dem sich alle Besatzungen befinden, ist ungewiß. Es ist damit zu rechnen, daß es uns nicht glückt, in die Freiheit auszubrechen. Ich bitte, diese Depesche als meinen letzten Befehl an die Flotte zu betrachten.

Eine direkte Invasion in den Perseus ist zu unterlassen, da sie zu nichts führt. In die Gruppe darf man nicht wie ein Rammsporn eindringen, der nichteuklidische Raum darf nicht durchstoßen, sondern er muß nach und nach zerstört werden. Die Versuche, einzelne Sterne und Planeten an der Peripherie der Gruppe, in der Zone der wechselnden Metrik, zu überwältigen, waren bisher nicht von Erfolg gekrönt und werden es schwerlich je sein. Ich rate, fern der Gruppe, wo die Krümmungsmechanismen unwirksam sind, einsame kosmische Körper zu erobern und sie allmählich zusammenzuziehen, ohne sie aus der Einflußsphäre der Sternenflugzeuge zu entlassen. Erst nachdem eine genügend große Masse solcher Stützungskörper an der nichteuklidischen Barriere konzentriert worden ist, kann zur nächsten Invasionsetappe, der Annihilation, übergegangen werden. Bei einer derartigen Vorbereitung, die vielleicht viele irdische Jahrzehnte dauert, ist anzunehmen, daß ein kosmisches Tor geöffnet wird, das der Gegner nicht kontrollieren kann.

Den Empfang bitte ich zu bestätigen.

Eli Gamasin, Admiral der Großen Galaktischen Flotte.«

Die Überlicht-Raumwellen trugen unsere Depesche dreimal aus den Abgründen des Perseus in den Kosmos. Wir zweifelten nicht, daß die Feinde unsere Depesche abfangen würden, aber wir hielten eine Geheimhaltung nicht für nötig, selbst wenn wir die Möglichkeit dazu gehabt hätten. Allans erste Aktion nach der veränderten Strategie mußte dem Feind das Wesen des neuen Planes enthüllen er fußte nicht auf Geheimhaltung, sondern auf Macht.

Die dritte Übertragung war noch nicht zu Ende, da empfingen wir Allans Antwort: »Befehl des Admirals erhalten. Sind mit dem Herzen bei euch, warten auf das Ergebnis des Durchbruchs.«

»Die Sternenflugzeuge können gesprengt werden«, sagte ich.

15

Der Plan, die Sternenflugzeuge zu vernichten, entsprang nüchternen Überlegungen und nicht einem spontanen Wunsch.

Die schwarzen, beinahe unsichtbaren Sternenflugzeuge schmolzen einfach dahin, Raum verströmend, zuerst das eine, dann das andere – und in dem dunklen neugeschaffenen Nichts flog mächtig die »Bootes« dahin, wobei sie dieses Nichts wieder in »etwas« verwandelte, wie ein Komet zog sie einen Schweif heißen, rasch erkaltenden Staubes hinter sich her.

Damit Kamagin schneller zu sich kam, hatte ich angeordnet, zuerst die »Fuhrmann« zu annihilieren, zu Petris Nerven hatte ich größeres Zutrauen.

Im Kommandeursaal schaltete und waltete allein Oshima, der Observationssaal war gedrängt voll von Evakuierten der schwindenden Sternenflugzeuge. Ich setzte mich neben Kamagin und berührte seinen Ellenbogen. Er drehte mir sein verfinstertes Gesicht zu.

»Wie steht’s mit der Sprengung des nichteuklidischen Raumes?«

Er antwortete kalt: »Sie müßte ungefähr dreimal stärker sein, um Erfolg zu haben.«

Romero zeigte auf den Bildschirm. »Die Flottille des Feindes entschwindet in die Unsichtbarkeit.«

Draußen tobte ein gigantischer Sturm. So etwas kannte man nicht auf der Erde, nicht auf den Planeten, nicht unter unseren heimatlichen Sternen. Materie wurde vernichtet und sogleich aufs neue geschaffen, ungeheure Mengen entstehenden Raumes, wir rasten in ihm dahin gewannen augenblicklich Struktur, für uns verderbliche Metrik, doch wieder und wieder verdrängten wir diese organisierte Leere durch unsere nichtorganisierte, chaotische, ursprünglich amorphe… Die Schiffe des Feindes waren verschwunden.

»Gehen Sie in den Kommandeursaal, Eli, riet Romero. In der letzten Zeit hatte er mich selten mit meinem Vornamen angesprochen.

Als ich mich erhob, stand auch Kamagin auf. Im Korridor hielt er mich zurück. Er wankte, als wäre er vergiftet. Das war wohl das einzige, worin er sich mit den Menschen unserer Epoche nicht messen konnte seine Gefühle äußerten sich allzu stürmisch.

Er sprach leidenschaftlich: »Admiral, ich möchte nicht in Gegenwart der anderen Ihre Beschlüsse anfechten. In unserer Zeit wurde uns eine Ihnen unverständliche Disziplin anerzogen…«

Ich unterbrach ihn, damit er nicht in Hysterie verfiel. »Sie sind ein verläßlicher Kapitän, ich weiß es.

Und ich habe nichts gegen Sie.«

Er fuhr fort und wurde dabei immer lauter, »Ich kann nicht mehr, Admiral, Sie sind verpflichtet, mich zu verstehen… Die ,Fuhrmann‘ ist vernichtet, schön, aber die ,Jagdhund‘ ist noch da, sie kann noch kämpfen. Sehen Sie denn nicht, daß die Opfer unnütz sind?

Wir kommen aus diesem Sternhaufen nicht heraus, schwächen uns nur, schwächen uns eigenhändig, begreifen Sie doch, Eli!«

»Sie müssen auch mich begreifen. Ob wir nun drei Sternenflugzeuge haben oder eins, das Endergebnis ist der Untergang. Hier haben wir noch eine, wenn auch unsichere Chance. Man würde es uns nicht verzeihen, wenn wir sie nicht nutzten.«

Auf dem Bildschirm sah man das letzte Stück der »Fuhrmann« zerfallen. Ich starrte auf das schmelzende Sternenflugzeug. Die letzte Chance, dachte ich!

Oshimas Stimme zerriß jäh die Stille. »Die ,Fuhrmann‘ ist vertilgt, Admiral! Die Maschine teilt mit, daß nicht mehr als ein Viertel des Weges nach draußen überwunden ist. Sind Sie entschlossen, weiter zu annihilieren?«

Während er sprach, kam ich zur Besinnung. Ich spürte Unsicherheit in Oshimas Frage. Inmitten der um sich greifenden Verwirrung war ich verpflichtet, ruhig zu denken und zu fühlen. »Ja, gewiß. Jetzt ist die ,Jagdhund‘ an der Reihe. Ich verstehe Ihre Frage nicht, Oshima.«

Oshima beherrschte seine Gefühle besser als Kamagin. »Die Maschine empfiehlt, das zweite Sternenflugzeug beschleunigt zu annihilieren. Befolgen wir ihre Kalkulationen?«