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Auch ihm erzählte ich, wie die Lage war, ich verheimlichte ihm selbst meine Fehlkalkulationen nicht.

Lussin blickte seine Drachen und Pegasusse verzweifelt an. »Werden alle umkommen, Eli, wirklich alle?«

»Glaubst du, eine von deinen Kreaturen könne in solch einer Katastrophe unversehrt bleiben?«

Vorwurfsvoll sagte er: »Nicht Kreaturen. Vernünftige Wesen.«

Sogar jetzt dachte er nicht an sich, sondern an seine Ungeheuer aus der Retorte. Drei Viertel seiner Gedanken waren Sorge um sie. Obwohl ich sein Verhalten begriff, protestierte mein Gefühl. Etwas von dem früheren Romero, der dagegen gekämpft hatte, daß den Sternenbewohnern geholfen werde, der über allem den Menschen gesehen hatte, steckte offenbar noch in mir.

Plötzlich hatte ich mich beruhigt. Die Verzweiflung, die mich vor der Maschine gequält und im Raum der Annihilatoren fast erstickt hatte, war verschwunden, als hätte ich sie bei Trub und Lussin abgeladen. Ich wußte nun, was ich wollte, ich wußte auch, daß es nicht leicht sein würde, den neuen Plan vor meinen Gehilfen und den Besatzungen der drei Sternenflugzeuge zu verteidigen, doch ich war bereit.

Widersacher rasch und leidenschaftlich zu überzeugen, denn das Kriegsschicksal ließ uns nur wenig Zeit.

Mein Platz war im Kommandeursaal.

Oshima empfing mich gereizt. »Endlich stellen Sie sich wieder ein, Admiral. Der Kommandierende der feindlichen Flotte hat sich mit einer frechen Botschaft an uns gewandt. Wir müssen die gebührende Antwort abfassen.«

17

Bevor ich von der Depesche der Zerstörer Kenntnis nahm, blickte ich auf den Raumbildschirm. Grüne Lichter hatten sich zu kleinen Haufen gesammelt und leuchteten ärgerlich hell. Etwas Neues hatte sich ereignet, die Schiffe des Gegners mißachteten den Sicherheitsabstand, den sie vor kurzem noch so streng eingehalten hatten. Weshalb haben sie keine Angst mehr vor uns? dachte ich und sprach meine Gedanken aus.

»Mit dem verbliebenen Sternenflugzeug sind wir genau dreimal schwächer als früher«, versetzte Kamagin. »Dementsprechend fühlen sich die Feinde mindestens dreimal stärker.«

Um eine arithmetische Entsprechung konnte es sich hier nicht handeln, aber ich wollte nicht streiten.

»Tragen Sie uns die Botschaft des Gegners vor«, befahl ich der Maschine.

Sie sagte: »An das galaktische Schiff, das in unsere Sterngruppe eingedrungen ist. Ihr Versuch, das Weite zu gewinnen, ist mißglückt. Es wird Ihnen auch nicht gelingen, eins unserer Schiffe zerfallen zu lassen. Sie sind zum Untergang verdammt. Deshalb schlagen wir Ihnen vor zu kapitulieren. Wir garantieren Ihnen das Leben. Orlan, Zerstörer der Ersten Reichskategorie.«

»Ihre Entscheidung, Admiral!« forderte Oshima.

»Zunächst möchte ich Sie anhören. Beginnen Sie, Pawel.«

Romero hatte sich oft seiner männlichen Tapferkeit gerühmt und sich bei Prügeleien wacker gehalten, doch strategisch war er unbegabt. Der moderne Kampf mit Überlichtgeschwindigkeiten und Annihilatorenverwendung ging ihm geradezu gegen den Strich, weil dabei die mathematische Kalkulation siegte, nicht die persönliche Tapferkeit.

»Wir müssen den Angriff des Gegners abwarten und uns dann verteidigen, solange unsere Kräfte reichen.«

»Petri?« fragte ich.

»Kämpfen, die Botschaft nicht beantworten«, sagte er kurz.

»Kamagin?«

»Den Feind angreifen! Schauen Sie doch, Eli, Sie pirschen sich immer näher, als wären wir schon entkräftet, bald geraten sie in den Kegel unserer Annihilatoren. Wenn Sie mir gestatten, einen der Kommandeursessel einzunehmen, befördere ich ein Drittel der feindlichen Flotte ins Jenseits, bevor sie uns den Weg dorthin öffnen.«

»Sie, Oshima?«

»Angreifen, dann sterben«, wiederholte er Kamagins Gedanken. Er musterte mich und fragte: »Haben Sie anders beschlossen, Admiral?«

»Ja«, sagte ich. »Zu kapitulieren.«

Die vier schrieen gleichzeitig auf. Kamagin rief empört: »Bedenken Sie, was Sie da reden! Wir sollen uns Gefangengeben?«

Ich antwortete nicht Kamagin, sondern allen: »Ja, Gefangengeben! Eben das schlage ich vor.«

Meine Gehilfen waren sprachlos, sie blickten mich entrüstet an. Als erster erlangte Oshima sein Gleichgewicht wieder. »Admiral, formulieren Sie genauer.

Es geht nicht nur um unser Leben. Dem Feind müßte unser Sternenflugzeug unversehrt ausgeliefert werden mitsamt den Kampf- und Reiseannihilatoren, den Maschinen.«

»Ausliefern, ja. Aber nicht unversehrt, Oshima.

Die Schiffsmaschinen müssen wir vernichten, die Schaltungen der Annihilatoren demontieren. Damit betraue ich Kamagin und Sie. Der Feind mag sich am Anblick unserer Mechanismen weiden, doch er darf nicht dahinterkommen, wie sie funktionieren.«

Kamagin verlor die Selbstbeherrschung, sprang auf, fuchtelte mit den Händen, brüllte: »Wahnsinniger! Meinen Sie, der Feind presse aus den Gefangenen nicht heraus, wie die Mechanismen arbeiten?«

»Nicht eine Spezialistengruppe weiß, wie die Annihilatoren arbeiten, sondern die Menschheit insgesamt besitzt diese Kenntnis. Aber nicht die Menschheit gibt sich heute gefangen, sondern die Besatzung von drei Sternenflugzeugen.« Ich spürte, daß die Emotionen verklungen waren, man würde mich nicht mehr anschreien, sondern mir bedacht Fragen stellen. Die Hälfte ist vollbracht, sagte ich mir erleichtert.

Nach einer Pause erklärte Romero: »Offensichtlich haben Sie sich alles beizeiten überlegt, scharfsinniger Eli. Bitte teilen Sie uns mit, warum Sie es für nötig halten, uns mit dem Sternenflugzeug in die Gefangenschaft zu schicken! Ist das Leben in der Gefangenschaft einem ehrenvollen Tod vorzuziehen?«

Seine Frage entflammte Kamagin, dessen Zorn schon fast verraucht gewesen war. »Und mag der Admiral noch eine Frage beantworten! Wirkt sich nicht der Umstand auf ihn aus, daß sich seine Familie an Bord befindet?«

Diese Frage hatte ich erwartet. »Ja, stimmt. Befände sich meine Familie nicht an Bord, hätte ich mich bedeutend eher, und ohne zu zaudern, zur Kapitulation entschlossen.«

»Sie sagen ,entschlossen‘?« erkundigte sich Petri ruhig. »Handelt es sich denn schon um einen Beschluß und nicht mehr um eine Diskussion?«

»Hören Sie mich an«, sagte ich. »Nur darum bitte ich – hören Sie mich an, und dann entscheiden Sie, ob ich recht oder unrecht habe.«

Ich sprach eindringlich, denn ich mußte nicht nur die Zuhörer, sondern mich selbst überzeugen, innerlich protestierte auch ich gegen eine schmachvolle Gefangenschaft.

»Ginge es nur um uns, dann wäre ein ehrlicher Tod in einem ungleichen Kampf besser als ein Sklavendasein bei den Zerstörern. Doch wir dürfen nicht nur an uns denken. Wir sind als die ersten Vertreter der Menschheit und ihrer Sternenfreunde in die Schlupfwinkel der Zerstörer geraten und müssen unserer selbst würdig sein. Sterben kann jeder. Unter schwierigen Bedingungen zu leben ist eine Heldentat. Ich bange nicht um unser Leben, ich denke auch nicht daran, daß wir die Gegner von innen her kennenlernen könnten und uns das zustatten käme, wenn man uns befreite.

Die Zerstörer müssen uns kennenlernen, das ist die Hauptaufgabe. Die großen Ideen, die uns zu unserer Fahrt zum Perseus inspirierten, leben, solange wir leben. Unsere Gegner müssen erfahren, wofür wir kämpfen. Die einen werden feindseliger, die anderen nachdenklich, die dritten schwankend werden, und einige, mögen es zunächst nur wenige sein, werden sich uns anschließen – denn die Zerstörer sind nicht nur ein grausames, sondern auch ein vernünftiges Volk, niemand kann ihnen Verstand absprechen…

Nein, der Kampf gegen die Zerstörer endet nicht mit unserer Gefangennahme, er geht weiter, aber in einer anderen Form, ohne Annihilatoren und Sprengung von Planeten.

Und nun entscheiden Sie, die Maschine mag Ihre Entscheidungen summieren«, sagte ich und schloß die Augen.