Kurze Zeit herrschte Stille, dann wurde sie von einem schrillen Laut unterbrochen. Ich öffnete die Lider. Der kleine Kosmonaut war aufgesprungen, hatte das Gleichgewicht verloren und wäre beinahe gestürzt. Er wies auf die Tür und sagte heiser: »Kommen Sie, Oshima, hier ist nichts mehr zu tun… Haben Sie vergessen, daß uns befohlen ist, die Schiffsmaschinen zu demontieren?«
Oshima erhob sich langsam. Ich wollte ihnen raten, sich nicht zu übereilen, da die Maschine noch die kollektive Entscheidung verkünden mußte, aber Petris Aufschrei kam mir zuvor.
»Schauen Sie auf den Bildschirm!«
Das Bild wirkte, als wäre unser Sternenflugzeug in den Brennpunkt einer Explosion geraten. »Es ist aus!« hörte ich Romero flüstern.
Ein Lichtsturm tobte im Raum, die Schiffe des Gegners jagten zwischen den Sternen hin und her.
Der Orangefarbene dehnte sich über die ganze Sphäre aus, war kein fernes Gestirn mehr, sondern ein auf uns zurasender kosmischer Kreuzer.
Da erleuchtete eine wütende Explosion den Saal, und wir verloren alle zugleich das Bewußtsein.
18
Gleichzeitig kamen wir wieder zur Besinnung. Der Kommandeursaal war in helles Licht getaucht, auf den weißen Raumbildschirmen waren die Sterne erloschen. Ich hob den Kopf, schaute nach meinen Kameraden, sie waren am Leben, dann richtete ich den Blick auf die Saaltür.
Dort standen drei seltsame Wesen. Sie hatten Ähnlichkeit mit Menschen, aber auch mit dem Unsichtbaren, dessen wir seinerzeit habhaft geworden waren.
Doch der war kahle Konstruktion gewesen, nach Berechnungen gebaut, während dies hier Wesen waren.
Sie besaßen einen Rumpf, zwei Beine, zwei Arme, einen Kopf, alles wie beim Menschen und trotzdem nicht menschlich.
Der vordere Zerstörer sprach in vorzüglichem Irdisch: »Admiral Eli, ordnen Sie an, den Eingang Ihres Schiffes zu öffnen. Ich bin Orlan. Den Befehl über die ,Bootes‘ übernehme ich.«
Mit einem Satz war Oshima bei Orlan und holte zum Schlag aus. Doch seine Faust drang durch den Körper des Zerstörers, als befände sich nichts an dieser Stelle.
Zweiter Teil
- Der Große Zerstörer -
1
»Ein Phantom!« schrie Oshima… Admiral, ein Trugbild!«
Wieder stieß er die Faust nach dem seltsamen Wesen, das am Eingang erschienen war, und wich vor Schmerz stöhnend zurück. Kamagin und Petri, die im Begriff gewesen waren, Oshima nachzustürzen, ließen sich in die Sessel sinken. Ich schwieg und rührte mich nicht. Wie ein Hammerschlag hallte der Gedanke in mir: Die Maschine fällt dem Gegner in die Hände.
»Alle bleiben sitzen!« sagte Orlan. »Ich befehle noch einmal, die Eingänge zu öffnen.«
Fieberhaft versuchte ich, Verbindung zur Schiffsmaschine zu bekommen, sie reagierte nicht. Die energetischen Kommunikationen des Sternenflugzeugs waren wahrscheinlich bei dem Schlag, der uns das Bewußtsein geraubt hatte, beschädigt worden. Aber das Sternenflugzeug war unversehrt, die Eingänge waren fest verschlossen, wir lebten, offenbar war auch die Maschine unbeschädigt geblieben. Das Entsetzen in Romeros Augen zeigte, daß er ebenfalls begriff: Das Geschehene war nicht rückgängig zu machen. Nicht nur wir waren in Gefangenschaft geraten, sondern auch die Geheimnisse der Menschheit. Niemals hatte ich mein Gehirn auf der Suche nach einem wenigstens spaltbreit großen Ausweg so verzweifelt angestrengt, und noch niemals waren meine Gehirnwindungen so leer gewesen.
»Öffnen Sie die Eingänge, oder wir vernichten Sie«, sagte der Zerstörer.
Wir durften nicht länger schweigen.
»Die verschlossenen Eingänge waren Ihnen kein Hindernis«, sagte ich.
»Mir nicht, aber meine Soldaten sind außerstande, stoffliche Barrieren zu durchdringen.«
Ich wandte mich Kamagin zu. »Eduard, wir können noch sterben, wie Sie uns empfohlen haben, allerdings nicht im Kampf.« Voller Haß blickte mich Orlan an.
Kein Zerstörer rührte sich von der Stelle. Orlan sprach: »Wir können Sie vernichten, ohne dabei das Schiff anzutasten, das wir unbeschädigt zum Stützpunkt bringen werden, mit Ihnen oder ohne Sie.«
Ich hatte keine Entgegnung parat. Romero half mir. »Ihr Befehl ist schon deshalb nicht auszuführen.
Eroberer, weil wir die Kommandogewalt über die Schiffsmechanismen verloren haben. Verbinden Sie uns wieder mit den Apparaten.«
»Damit Sie versuchen, das Schiff zu sprengen? Ihre Annihilatoren sind von unseren Feldern blockiert.«
»Wovor haben Sie dann Angst? Auf andere Weise lassen sich die Schiffseingänge nicht öffnen, zumindest nicht von uns.«
Ich fügte hinzu: »Und wir tun das nur in dem Falle, wenn Sie allen, die sich gefangengegeben haben, Leben und Freiheit garantieren.«
»Das Leben garantieren wir Ihnen, wie versprochen. Was die Freiheit betrifft, so bin ich nicht ermächtigt, Sie zu geben oder zu nehmen. In drei Minuten, nach Ihrer Rechnung, haben Sie die Verbindung.«
Mit Blicken fragte ich die Freunde um Rat, ich halte vergessen, daß ich, wenn ich von der Maschine getrennt war, das am Arm zu tragende Dechiffriergerät DN-2 verwenden konnte. Andrés letzte Schöpfung.
Meine Gehilfen hatten sich eher gefaßt. Ich vernahm Oshimas Gedanken: »Admiral, anscheinend gibt man uns die Chance. Ich habe Ihren Befehl hinsichtlich der Schiffsmaschine nicht vergessen!« Und gleich darauf erklang Kamagins Stimme in mir: »Seien Sie beruhigt, Eli, Oshima und ich werden uns bemühen!«
Ich schloß die Augen, damit die Zerstörer nicht bemerkten, wie sie funkelten. Mein Herz klopfte, als wäre ich schnell gelaufen, ich fürchtete, die unerwarteten Eindringlinge könnten es hören.
Die Verbindung zur Maschine kam langsam in Gang, es war, als erwachte sie aus langem Schlaf.
Als ich spürte, daß die zerrissenen Fäden zum Schiffsgehirn neu geknüpft waren, versuchte ich krampfhaft, allein durch intensives Denken, mich mit den Annihilatoren in Verbindung zu setzen, erfolglos die Annihilatoren waren fest blockiert. Zweifellos unternahmen meine Freunde die gleichen Versuche, Kamagin stöhnte auf, Petri fluchte.
»Warum dauert es so lange?« fragte Orlan.
»Die Verbindung ist schlecht«, antwortete ich.
Oshima hatte ein verschlafenes Gesicht, Kamagin öffnete den Mund vor Anstrengung, seine Augen, die plötzlich wie blind wirkten, starrten mit fast irrem Ausdruck auf einen Punkt am Bildschirm. Gut, dachte ich hoffnungsvoll.
Unter Oshimas und Kamagins Diktat stellte die Maschine ein Schema für ihren Umbau zusammen.
Wenn einer von ihnen, Oshima oder Kamagin, sagte:
»Genug. Handle!«, würde diese einzige Kombination durch eine beliebige andere zufällige, sinnlose ersetzt.
»Genug!« rief Oshima und drehte sich im Sessel energisch um.
»Genug!« ließ sich Kamagin wie ein Echo vernehmen und sprang freudig auf.
Ich spürte einen schmerzhaften Schlag in Gehirn und Körper, durch die Nerven jagte eine elektrische Entladung. Die frühere kluge Maschine, Bewahrerin der Kenntnisse der gesamten Menschheit, existierte nicht mehr. Sie war ein Spielzeug mit einer sinnlosen Kombination von Tausenden Elementen geworden, eine mögliche Variante von vielen Milliarden Sinnlosigkeiten, die von der Natur in jedem Winkel des Alls geschaffen werden…
»Admiral!« sagte Oshima feierlich. »Ihr Befehl ist ausgeführt.«
»Petri, öffnen Sie den Eingang«, ordnete ich an.
»Wir müssen ja die Kapitulationsbedingungen erfüllen. Wissen Sie mit der Handbedienung Bescheid?«
»Selbstverständlich«, knurrte Petri und begab sich zur Tür. Er lockte die Zerstörer mit dem Finger.
»Phantome, kommt einer von Ihnen mit?«
Ein Zerstörer verflüchtigte sich – er verschwand nicht, entfernte sich nicht, kleiner werdend, wie die Menschen, sondern verblaßte und wurde unsichtbar.