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Romero schielte nach den schweigsamen Zerstörern und entgegnete nachdrücklich: »Lieber Eli, das theoretisch Mögliche ist in der Praxis meistens nicht durchführbar. Ein alter Denker hat gesagt: ‚Zufällig können sich beliebige Kombinationen ergeben, das ist unbestritten, aber wenn man mir sagt, daß sich auf die Straße geschüttete Druckbuchstaben herabfallend zur Äneis gefügt haben, rühre ich keinen Fuß, um es zu überprüfen.‘ Ich meine, diesem Denker kann man nacheifern.«

Die Gegner strömten in hellen Scharen ins Schiff.

Zwei Zerstörer drängten sich aneinander, als ließen sie jemand in den Kommandeursaal herein, doch neue Gestalten erschienen nicht. Gleichzeitig spürte ich, daß der freie Raum kleiner wurde.

»Die Unsichtbaren!« sagte Romero warnend. Orlans leidenschaftslose Stimme erreichte uns. »Sie dürfen zu Ihren Kameraden gehen.«

2

Aus allen Diensträumen wurden die Menschen von den Verderbern verjagt. In den Korridoren erblickten wir sie endlich: gepanzerte Geschwulste mit Periskopen anstelle der Köpfe nahmen einen Raum nach dem anderen in Besitz. Auf dem Anlegeplatz standen leichte Schiffe, die unseren Planetenflugzeugen glichen, aus den Luken quollen immer neue Augenköpfige.

Man ließ uns nicht zusehen, wie unser Sternenflugzeug okkupiert wurde. Orlan stand vor uns und befahl, den Platz zu verlassen.

»Stellen Sie die Dechiffriergeräte ein!« riet Romero, und als wir unsere DN-2 überprüft hatten, setzte er in Gedanken fort: »Die Unsichtbaren haben zwar keine Körper, aber sicherlich Ohren, doch es dürfte ihnen schwerfallen, unsere individuellen Strahlungen zu verstellen.« Und zu jedem, den er traf, sagte er:

»Stellen Sie das Dechiffriergerät ein.«

Die Kommandeure waren von den Besatzungen ihrer Sternenflugzeuge umringt.

»Wird man uns töten, Vater?« fragte Aster.

»Warum sollen sie uns töten? Die Zerstörer brauchen unser Leben dringender als wir.«

Aster runzelte die Brauen, überlegte. Über der Menge erschien Trub mit Lussin auf dem Rücken.

Der Engel landete, und Lussin sprang ab.

Die Flügelfedern des Engels sträubten sich. Er starrte mich wie einen Verräter an. »Ihr seid doch Menschen, Eli!« Seine Stimme grollte metallisch.

»Sich kampflos unterwerfen! Die Engel geben sich nicht gefangen, Eli!«

»Alles, was ich sagen kann, habe ich schon gesagt«, antwortete ich und bat die beiden, ihre Dechiffriergeräte einzustellen. »Betrachtet euch nicht als Gefangene, sondern als vorgeschobene Abteilung im feindlichen Lager«, erklärte ich.

»Wir können uns ja so betrachten, aber ob die Feinde bereit sind, in uns nicht die Opfer ihrer Willkür, sondern eine kämpfende gegnerische Abteilung in ihrem Lager zu sehen?« entgegnete Lussin, und ich war verblüfft, wie klar er seine Ansicht formuliert hatte. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, daß der zungenschwere Lussin beredsam wird, sobald er sich auf bloße Gedanken beschränkt. »Treffen wir uns nun auf der Erde, schnallen wir unsere Dechiffriergeräte an, als befänden wir uns wie früher auf weiten Reisen. In Gedanken können wir uns leichter verständigen.«

»Wir werden es ja erleben«, sagte Romero Mary schmiegte sich schweigend an mich. Wir hatten es nicht nötig, Gedanken auszutauschen, um einander zu verstehen.

Ich sah Orlan auf uns zukommen. Er wurde wieder von den beiden phantomhaften Zerstörern begleitet.

Später erkannten wir, daß sie nicht phantomhaft waren, sondern »unmenschlich«. Wenn sich die Zerstörer bewegten, merkte man deutlich, daß sie wenig Ähnlichkeit mit Menschen hatten; standen sie still, konnte man sie, zumal von weitem, leicht mit Menschen verwechseln. Die Bewegung verriet sie, denn sie schritten nicht, sondern flatterten eher. Sie beugten die Knie nicht beim Fortbewegen, sondern hüpften, wobei sie mal das eine, mal das andere Bein wie eine Krücke vorwarfen.

Zugleich beugten sie ihren Körper wie Läufer, die einen Schnelligkeitsrekord brechen Aber sie waren bedeutend schneller als wir. Noch weniger menschlich waren ihre Gesichter. Sie besaßen keine Nasen. An den Köpfen, die menschenähnlich geformt waren, gab es Haare, Ohren, Augen, einen Mund, ein Kinn, doch anstelle der Nase war eine runde Öffnung, von einem rüsselähnlichen Ventil verdeckt. Beim Atmen hob und senkte es sich. »Sie schnobern«, sagte Romero einmal. Die Gesichter der Zerstörer leuchteten je nach Laune, sie erglühten und erloschen, waren bald weiß, bald gelb oder blau. Der Wechsel von Glanz und Färbung auf ihren Gesichtern glich nicht der wundervollen Farbsprache der Wegabewohner, er erinnerte, ins Unheilvolle verstärkt, an unser Erröten und Erbleichen. Orlan hob den Kopf, dabei legte er ihn nicht in den Nacken, wie wir es tun, wenn wir den Kopf »heben«, sondern hob ihn tatsächlich. Sein Hals wurde plötzlich länger, und sein Kopf stieg über den Schultern ungefähr dreißig Zentimeter höher. Später entdeckten wir, daß sich die Zerstörer auf diese Art begrüßten.

Aus seiner Höhe sagte Orlan: »Kein Fahrtmechanismus des Schiffes funktioniert. Was haben Sie damit gemacht?«

»Schuld sind Sie, denn Sie haben unsere Annihilatoren blockiert«, erwiderte ich.

»Wir blockieren sie nicht mehr, aber wir kennen die Schemata Ihrer Apparate nicht. Erklären Sie, wie man damit umgehen muß.«

»Das werden wir nicht tun«, versetzte ich. »Das Schiffsgehirn, das sie steuert, ist beschädigt. Selbst wenn wir wüßten, wie man mit den Annihilatoren ohne dieses Gehirn umgehen kann, würden wir Sie dennoch nicht in unsere Geheimnisse einweihen.«

Orlans Kopf sauste herab. Derart überraschend, daß ich zusammenzuckte und Mary aufschrie. Der Hals war gänzlich, der Kopf zur Hälfte im Brustkasten verschwunden, dabei hatte es ein Geräusch wie bei einem Schlag mit der Fliegenklatsche gegeben.

Nur die Stirn und die beiden Augen ragten hervor, und diese Gesichtsreste glühten bläulich. So sahen wir zum erstenmal, wie die Zerstörer Mißbilligung und Empörung ausdrücken.

»Das werde ich dem Großen melden«, erscholl Orlans veränderte Stimme wie aus einem Kasten.

»Bitte«, sagte ich.

Er wandte sich zum Gehen, doch ich hielt ihn zurück. »Darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen?«

»Meinetwegen.« Sein Kopf war in die natürliche Lage zurückgekehrt.

»Folgendes: Was gedenken Sie mit uns zu tun?

Wer ist der Große Zerstörer? Woher wissen Sie, wie ich heiße und wer ich bin? Wie haben Sie die menschliche Sprache gelernt? Wie sind Sie in unser Sternenflugzeug gekommen?«

»Keine dieser Fragen wird vorläufig beantwortet.«

Erneut klatschte sein Kopf zwischen die Schultern und kehrte sogleich in die frühere Lage zurück. »Ob Sie später eine Antwort erhalten, wird der Große entscheiden.«

Ich ließ ihn immer noch nicht gehen. »Dann sagen Sie mir, was wir tun dürfen und was nicht!«

»Sie dürfen alles tun, was Sie früher getan haben, mit einer Ausnahme: Der Zutritt zu den Schiffsmechanismen ist verboten.«

»Öffnen Sie die Raumbildschirme im Observationssaal«, bat ich. »Es schadet Ihnen doch wohl nicht, wenn wir uns am Anblick der Gestirne Ihrer Gruppe weiden?«

»Am Anblick der Gestirne können Sie sich weiden«, antwortete er kurz und flatterte davon.

3

Im Observationssaal sahen wir tagaus, tagein helle Sterne und die grünen Lichter des Geschwaders.

Entweder wollten die Zerstörer nicht, daß uns die Astrographie ihres Fluges klar würde, oder die Schiffsmechanismen waren nicht in Ordnung, jedenfalls war schwer zu erkennen, wohin und mit welcher Geschwindigkeit sich das feindliche Geschwader bewegte. Sicher war nur, daß unser Sternenflugzeug im Zentrum der Flotte flog, auf allen Seiten der Sphäre funkelten feindliche Kreuzer.