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Er sang kläglich und zittrig, nie zuvor hatte ich ihn so singen hören.

Ich drehte mich nach Orlan um. »Was wollen Sie eigentlich?«

»Der Mensch André steht zu deiner Verfügung.

Admiral Eli«, antwortete Orlan.

»Komm, André«, sagte ich und zog ihn am Ärmel Wieder folgte ich Orlan, gehorsam trottete uns André nach.

6

Ruhig betrat ich den Saal, in dem sich die Freunde befanden.

Romero nahm André bei der Hand. Jetzt sprach er, als hätten sie sich nach kurzer Trennung getroffen, als wäre André nichts zugestoßen. »Guten Tag, André.

Bei uns wirst du es gut haben, wir sind deine alten Freunde. Komm, komm!«

Behutsam zog und schob er André, der schüttelte seine feuerroten Locken und ging langsam unlustig, gehorsam, verständnislos. Ich begegnete Marys verzweifeltem Blick. Ich wollte seufzen und vermochte es nicht. Die Muskeln spannen, den Mund öffnen ich war dazu nicht imstande. Das Blut stieg mir heiß ins Gesicht. Mary legte mir die Hand auf die Schulter, krampfhaft rang ich nach Atem.

»Seltsam«, sagte ich und versuchte zu lächeln »Wie eine kurze Paralyse.«

»Setz dich«, sagte Mary.

Ich hockte mich zu meinem Sohn. Und ich gab mir Mühe, mich nicht nach der Seite zu wenden, wo André im Kreise der Kameraden saß. Die rinnenähnlichen Pritschen erwiesen sich als bequem, man konnte darauf wie in einer Hängematte schaukeln. Aster blickte mich ängstlich an. Endlich konnte ich lächeln »Unsere Betten ruhen anscheinend auf Kraftstützen«, sagte ich, erst jetzt hatte ich bemerkt, daß sie in der Luft hingen.

»Warum spielst du nicht, Aster? Ich habe gesehen, wie die Engel dir halfen, dein Spielzeug zu tragen, einen Pegasus hattest du Schlauberger wie ein Kamel bepackt.«

»Ich habe keine Lust zum Spielen, Vater«, sagte er traurig.

Darauf hatte ich keine Antwort. Aster war noch zu klein, um zu verstehen, was wirkliche menschliche Freiheit ist, aber die Unfreiheit lernte er früh kennen.

»Spiele!« sagte ich nachdrücklich. »Spiele, vergnüge dich, treibe Schabernack. Spucke ihnen ins Gesicht mit deiner Lustigkeit, mache sie wütend mit deiner Sorglosigkeit, denn nichts wird ihnen so angenehm sein wie unser Kummer. Beraube sie dieser makabren Freude!«

Sicherlich reichte sein Verstand noch nicht aus, um die Situation auf diese Weise zu begreifen. »Ich werde spielen«, versprach er. »Du wirst zufrieden sein, Vater!« Er sprang auf und ging fort.

Der Raum um mich schien wieder zu schwinden.

Ich sah auf und begegnete dem starren, kalten Blick von Orlans Augen. Eine Maschine mit Augen! dachte ich voller Abscheu. Er war kein Phantom, wie wir anfangs gemeint hatten, aber er unterschied sich kaum von einem widerlichen Roboter. Noch widerlicher waren seine Gefährten.

»Der Große ruft dich«, erklärte Orlan.

Rings um uns sammelten sich die Gefangenen.

»Wozu braucht mich dein Gebieter?«

»Das wird er dir selbst sagen.«

»Ist es ein Geheimnis, das sonst niemandem mitgeteilt werden darf?«

»Es ist kein Geheimnis. Der Große bietet der Menschheit einen Bruderbund an.«

Wenn Orlan gesagt hätte, die Zerstörer beabsichtigten, uns zu befreien, wäre ich weniger frappiert gewesen. Alles, was wir über die Verderber wußten, ließ den Gedanken an ein Bündnis mit ihnen widernatürlich erscheinen. Ein empörter Ausruf Kamagins scholl zu mir.

Ich sagte zu Orlan: »Bei euch faßt anscheinend der Herrscher allein die Beschlüsse, bei uns sind sie kollektiv. Zieh dich also zurück, während wir beraten. Es ist nicht ausgeschlossen, daß mir meine Kameraden untersagen, zu deinem Herrscher zu gehen.«

»Du mußt gehen.«

»Ich brauche nicht zu gehen, Es ist eine andere Frage, daß ihr in der Lage seid, mich gewaltsam hinzubringen. Aber Gewalt ist kein glücklicher Beginn für das von euch geplante Bündnis.«

Die Zerstörer entfernten sich.

Ich bat, die Dechiffriergeräte auf meine Gehirnstrahlung einzustellen, wir wollten in Gedanken beraten.

Auf einen Uneingeweihten mußte unsere Versammlung sonderbar wirken schweigende Menschen starrten zu Boden, als lauschten sie in sich hinein. Kamagin zuckte mitunter impulsiv und störte die Harmonie der Erstarrung, Andrés trostloses Gemurmel drang noch hinter denen hervor, die nahe bei mir saßen, immerfort dachte er an das gebrechliche Böckchen. Ich befahl mir, nicht auf seine Stimme zu achten, und ich tat es nicht.

Ich begann damit, daß der Titel des Herrschers »Großer Zerstörer« weder auf Güte noch auf bedeutenden Verstand schließen lasse. Die »Güte« der Zerstörer hatten wir außerdem auf der Sigma kennengelernt. Der Herrscher unserer Feinde wandte sich nicht an Eli Gamasin, Admiral der Großen Galaktischen Flotte, nein, er nahm mit seinem Gefangenen Verhandlungen auf, dessen Leben in seiner Gewalt war Grund genug, die Ehrlichkeit seiner Absichten zu bezweifeln. Auf welchen Prinzipien sollte ein Bündnis zwischen den Menschen und einem Zerstörer und Tyrannen überhaupt basieren? Sollten sie gemeinsam die noch freien Völker unterwerfen? Hand in Hand noch nicht Ausgerottetes ausrotten, noch nicht Zerstörtes zerstören? Alle Sternenfreunde der Menschheit zu Feinden machen, indem man sie hochmütig zu Untermenschen und Antimenschen erklärte? Einem Bündnis mit den uns bisher noch unbekannten Galakten entsagen, die uns äußerlich und auch im Verkehr mit anderen vernünftigen Wesen so auffallend ähnlich waren? Wäre es nicht besser, den Appell des Herrschers verächtlich zu ignorieren, obwohl diese Dreistigkeit das Leben kosten konnte, um ihm eine klare Vorstellung vom Willen und von den Absichten der Menschen zu geben?

Kaum hatte ich geendet, vernahm ich Kamagins erregten Gedanken: »Keinerlei Verhandlungen mit Verbrechern! Mit aller Willenskraft, den uns verbleibenden Waffen… !«

»Das einzige, worüber wir noch verfügen, ist unser Leben«, versetzte Romero.

»Dann müssen wir eben unser Leben hingeben!«

Kamagin sprang auf. Es gelang ihm nur mit Mühe, all das nicht herauszuschreien.

»Ich bin für Verhandlungen«, teilte der besonnene Oshima mit. »Zum Sterben ist immer noch Zeit. Aber da der Admiral im Namen der Menschheit sprechen wird, darf er nicht vergessen, daß die gesamte menschliche Macht hinter ihm steht. Wir befinden uns in Gefangenschaft, doch die Menschheit ist frei!«

»Dem Großen drohen, daß seine Größe in die Brüche geht!« Petri unterstützte Oshima. »Mit der Faust auf den Tisch schlagen! Er soll die Sperre vor dieser Sternengruppe beseitigen. Schluß mit der kosmischen Piraterie, eine andere Basis ist ausgeschlossen.«

»Er soll uns freilassen und uns das Sternenflugzeug zurückgeben«, ergänzte Mary.

»Kurz und gut, die Zerstörer sollen kapitulieren«, faßte Romero kaltblütig zusammen. »Die vereinigte Macht der Menschheit vermochte das nicht zu erreichen, die Rede des Admirals soll es erwirken Kein schlechtes Programm, ich unterstütze es, obwohl ich bezweifle, daß es realisierbar ist.«

Ich hatte es nicht eilig, meine Erwägungen zu äußern, und sagte nur: »Die Prinzipien, die den Krieg mit den Zerstörern hervorgerufen haben, bleiben für uns auch in der Gefangenschaft verbindlich. Nur auf ihrer Grundlage ist ein Abkommen möglich.« Danach teilte ich Orlan mit, daß ich der Begegnung zustimmte.

Am Ausgang traf ich Lussin, der von seinen geflügelten Freunden zurückkehrte. Er wußte noch nichts von André und bemerkte nicht sofort die auf der Pritsche kauernde Gestalt, aber ich vernahm den traurigen Singsang: »Ein graues Böckchen, ein graues Böckchen…«

Als ich hinausging, hörte ich Aster rufen: »Komm bald wieder, Vater!«

Ich lächelte ihm zu.