Выбрать главу

7

Der Große Zerstörer war noch menschenähnlicher als Orlan und noch weniger »menschlich« als jener.

Vor allem war er riesenhaft, fast vier Meter groß.

Der kleine Kopf saß auf einem ungewöhnlich langen Hals. Am Kopf funkelten riesige Augen, gierig öffnete und schloß sich der riesige Mund.

Er blickte mich mit leuchtenden Augen an. Ich übertreibe nicht – aus seinen Augenhöhlen strahlte trassierendes Licht, seine phosphoreszierenden Augen umrissen meine Konturen. Anfangs verglich ich ihn mit Orlan, bei dem die Hautfärbung die Stimmung anzeigte. Doch der Herrscher versuchte die Gesprächspartner zu schrecken, dafür eigneten sich funkelnde Augen sicherlich besser.

Der Herrscher saß auf einem thronähnlichen Podest. Für mich war kein Sitz da. Ich ließ mich auf den Fußboden nieder und kreuzte die Beine. In dem weiten Saal waren nur wir zwei.

»Du weißt, daß ich euch ein Bündnis vorschlagen will«, konstatierte der Große Zerstörer mehr, als daß er fragte. Er drückte sich leidlich in der Menschensprache aus.

»Ja«, antwortete ich, »aber bevor wir über das Bündnis sprechen, muß ich ein paar Fragen stellen.«

»Stelle sie.« Genau wie Orlan mißachtete er unsere Höflichkeitsanrede.

Mein kaltes »Sie« betonte, daß es keine Freundschaftlichkeit zwischen uns gab. »Sie gleichen einem Menschen und sprechen menschlich. Dabei sind wir nicht einmal entfernt verwandt.«

»Ich nehme jede Gestalt an, die ich will, sofern sie biologisch möglich ist. Ich habe mich den Menschen angeglichen, um dir gefällig zu sein.«

»Ich würde Ihr natürliches Aussehen vorziehen. Es wäre mir angenehmer, wenn Sie mir weniger glichen.«

Er erklärte, daß der Gestaltwechsel schwierig sei.

Die Anfertigung einer neuen Hülle erfordere viel Zeit.

Und überhaupt treibe er keinen Mißbrauch mit seiner Freiheit der Transformation. Ich freute mich insgeheim. Da der Gestaltwechsel selbst für den Herrscher nicht einfach war, bestand keine Gefahr, daß demnächst Pseudomenschen unter uns auftauchten.

Ein paar Kleinigkeiten halten mir zu denken gegeben, und bevor ich zur Hauptsache überging, erwähnte ich sie. »Unser Schiff war fest verschlossen, dennoch kam Orlan herein. Wie gelang ihm das?«

»Nicht er kam herein, sondern sein Abbild wurde ins Sternenflugzeug fokussiert. Übertragt ihr keine Abbildungen?«

»Doch, in Videosäulen. Allerdings handelt es sich da um Silhouetten, reine Bilder… Oshima aber hat sich die Finger an Orlans Abbild aufgeschlagen,«

»Offenbar übertragt ihr nur die optischen Charakteristika, wir hingegen auch andere Eigenschaften wie Härte, Wärme und sogar elektrische Spannung. Das ist ganz einfach.«

Ich mußte anerkennen, daß das einfach war.

»Hast du noch Fragen?«

»Fragen und Erklärungen.«

Ich teilte dem obersten Verderber mit, daß ich zum Kriegführen ermächtigt sei, nicht aber, ein Bündnis zu schließen. Sollte er die Absicht haben, die ganze Menschheit interessierende Probleme zu berühren, so müßte der hier in der Nähe weilende Teil der Menschheit, nämlich alle meine Kameraden, an der Erörterung teilnehmen. Er entgegnete, wenn unser Gespräch übertragen werde, so würden seine Untertanen sie ebenfalls hören. Das sei mir gleichgültig, sagte ich. Er bemerkte, daß ich im Tone eines Siegers, nicht eines Besiegten spreche. Ich verwies darauf, daß zwischen Gesprächen und Verhandlungen ein Unterschied bestehe. Er spreche mit Gefangenen, nehme aber »Verhandlungen mit der gesamten Menschheit auf folglich müsse man ihn an den Ton gewöhnen, den die freie Menschheit für Verhandlungen wähle. Er erklärte, für den Anfang genüge ihm ein Abkommen mit mir. Ich erkundigte mich, ob er da nur an mich denke oder auch an meine Kameraden. In dem Falle sei ohne Information aller nicht auszukommen, beharrte ich. Ihm sei solch ein dreister Ton neu. Es wäre nicht schlecht, sich an jeden Ton zu gewöhnen, wiederholte ich, und mit mir könne er beginnen. So mancher Gefangene habe schon vor ihm gestanden, und alle hätten am ganzen Leibe gezittert, denn er sei Herr über Leben und Tod. Vielleicht zitterte auch ich am ganzen Leibe, aber er sei nur Herr über meine physische Existenz, nicht über meine Gedanken und Wünsche; wenn er darauf aus sei, daß wir seine Freundschaft suchten, so seien zitternde Leiber wohl kaum solchem Begehren förderlich. Und überhaupt – seine Gefangenen könne er foltern, indem er sich auf seine Gewohnheiten und seine Sprache beschränke, doch ihre Freundschaft müsse er in ihrer Sprache und im Einklang mit ihren Gewohnheiten erringen. Danach lehnte ich eine Fortsetzung des Gesprächs ab und schwieg, wobei ich ihn herausfordernd ansah.

Er schwieg ebenfalls. Ich konnte mich überzeugen, daß die altertümliche Redewendung »seine Augen schleuderten Blitze«

keineswegs eine Hyperbel war.

Mir war, als blendeten mich aufzuckende Scheinwerfer.

»Schön, mag unser Gespräch übertragen werden«, sagte er dann. »Aber wenn wir keine Einigung erzielen, werde ich meinen Untertanen zeigen müssen, wie ich mit Starrköpfen verfahre.«

»Darüber bin ich mir im klaren«, sagte ich ruhig, obwohl ich sehr erregt war.

In diesem Augenblick übertrug mir das Dechiffriergerät die aufgebrachten Stimmen meiner Freunde. Sie hatten jede Vorsicht vergessen und erörterten nicht in Gedanken, sondern in Worten meine Lage. Ich unterbrach ihren vielstimmigen Chor, indem ich sie einlud, meiner Unterhaltung mit dem Großen Verderber zu lauschen.

»Fangen wir an?« fragte der Große Zerstörer.

Seine Stimme grollte bedrohlich. Er hatte zwar menschliche Gestalt angenommen, sich die menschlichen Umgangsformen aber nicht zu eigen gemacht.

Für Verhandlungen war solch Gebrüll zumindest taktlos.

8

Unsere Erfolge erkannte er an. Äußerlich glichen wir seinen alten Gegnern, den Galakten. Die Zerstörer, die mit uns in den Plejaden zusammengestoßen waren, hatten ihrem Stützpunkt gemeldet: »Galakten in Sicht, wir nehmen sie gefangen.« Der Krieg mit den Galakten, der schon unendlich lange dauerte, näherte sich seinem Ende. Die Galakten waren auf den ihnen verbliebenen Planeten blockiert. Sie hofften nur noch, in Ruhe gelassen zu werden, eine müßige Hoffnung, er erkläre das mit allem Nachdruck.

Doch überraschend hatte sich herausgestellt, daß die Menschen anders waren. Sie hatten es fertiggebracht, die Flotte der Zerstörer in den Plejaden »zu zerstreuen, und im Perseus hatten sie einen mächtig ausgerüsteten Planeten gesprengt. Er habe seinen Schiffen befehlen müssen, die von den Menschen beherrschten Trassen zu meiden. Dafür habe er sich um so sicherer in seiner Sternengruppe verschanzt. Hier stütze sich seine Macht auf sechs erstklassige Festungsplaneten, die mit Hochleistungsmechanismen zur Krümmung des inneren Sternenraumes ausgestattet seien. Keine Macht der Welt sei in der Lage, die von ihm errichtete Sperre zu durchbrechen.

»Wir haben sie gesprengt«, versetzte ich. »Ich spreche vom Flug unserer drei Schiffe.«

»Ihr hattet Glück; in dem Augenblick, als ihr eindrangt, ließen plötzlich die Abwehrmechanismen des Dritten Planeten nach. Das wird sich nie mehr wiederholen.«

»Wenn Sie nicht wollten, daß wir eindrangen, warum ließen Sie uns dann nicht wieder zurück?« erkundigte ich mich unverzüglich.

Er polterte: »Das hat mit den Verhandlungen nichts zu tun. Wichtig ist, daß wir euch aufgegriffen haben und daß ihr uns nicht besiegtet.«

Daß wir aufgegriffen waren, konnte ich nicht bestreiten.

Der Große Zerstörer wiederholte, daß wir ihnen in manchem voraus seien, dagegen sei bei uns vieles unvollkommen, als ständen wir am Anfang der Zivilisation. Wenn sich unsere beiden Zivilisationen vereinigten, könnte sich nichts gegen sie behaupten.

»Wirklich nichts? Die Verderber, Pardon, die Zerstörer beherrschen einen kleinen Galaxisbezirk, der Lebensraum der Menschen ist noch kleiner. Ist es da nicht vermessen, von Gesamtherrschaft zu sprechen?«